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Sonntag, 14. Mai 2017

Zum Muttertag: „Mein vagabundierendes Herz“ oder Meine geheime Superkraft

„Die Schauspielerin Helena Bonham Carter sagte in einem Interview auf die Frage, was sich durch ihre Mutterschaft verändert habe: ,Du siehst dein Herz auf der Straße spazieren!‘ Meines ist gleich mehrfach unterwegs und ich kenne niemanden, der mehr Zugriff darauf hätte als unsere Kinder. Für sie würde ich alles stehen und liegen lassen, um die ganze Welt reisen und mich in die Höhle jedes Löwen begeben. Über diese Kraft wird manchmal gelächelt, viel gespottet und allzu oft hinweggesehen. Doch davon leben kleine und große Kinder, weil sie auf diese Weise mindestens einen sicheren Platz im Leben haben. Erst nehmen sie das Herz ihrer Mütter in Beschlag – und später mit in die Welt hinaus.“ (Martina Kreisler-Kos)

Über diesen Text ließe sich diskutieren, wollte man ihn verallgemeinernd oder unter Genderaspekten lesen. Ich lese ihn für mich und für den Moment ganz persönlich und subjektiv. Da trifft er hundertprozentig zu. (Ob meine Kinder das aus ihrer Warte bestätigen können, wäre noch mal eine andere Frage. :-) )
Mein Mutterherz funktioniert genau so. Es vagabundiert mit meinen Kindern durch die Welt. Das ist meine geheime Superkraft.

Freitag, 16. September 2016

Mutterstück

Dass mir die Zeit fehlt ...

Deine Mutter. Erst gebärt sie dich, dann stirbt sie. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen euer Verhältnis sich auswirkt: in die Vergangenheit, in die Zukunft, in die Struktur deines Körpers, deines Wesens. Zum Glück gibt‘s fähige Therapeutinnen. Und die Zeit. Und die wunderbare Möglichkeit sich zu entwickeln. Dem Kokon, den klebrigen Fäden zu entschlüpfen. Du zu sein, wie frisch gewaschen. Wenn auch nicht mehr die Jüngste. Was dann aber so unwichtig ist, wie du es dir nie hättest träumen lassen. Wenn du die Straße entlang gehst, senkst du deinen Blick nicht. Das fällt dir auf, es ist eine Veränderung. Es fällt dir auf und es macht dich froh. Und es macht dich stolz. Du hast es bis hierher geschafft. Du hast es weit gebracht. Und da kommt noch mehr. Manchmal vermisst du sie. Deine Mutter. Wenn sie dich heute sehen könnte. Du ahnst, dass sie froh wäre. Dass sie Frieden schließen könnte. Nicht zuletzt mit sich. Vielleicht hat sie es längst getan. In ihren letzten Stunden, Tagen, Jahren. Und hat es für sich behalten, weil sie dich nicht schon wieder hineinziehen wollte, weil auch sie die klebrigen Fäden abstreifen wollte, weil sie wusste, dass es für bestimmte Wege keine Abkürzungen gibt und dass jede ihren Weg selbst und allein gehen muss, darf ... Deine Mutter. Erzähl deiner Tochter von ihr. Und von dir.


Zu diesen Gedanken, die ich in wenigen Minuten aufgeschrieben habe, wie sie mir kamen, und die ich unbearbeitet so stehen lasse, hat mich das Lesen in Elkes Blog Tausend Mutterbilder angeregt. Schnell aufgeschrieben, zu mehr fehlt mir – immer noch – die Zeit.