Sonntag, 15. Januar 2017

Wochenrückblick 9. - 15. Januar 2017

Gelesen

Imbolo Mbue: Das geträumte Land


Imbolo Mbues hochgelobtes Debüt erzählt die unvergessliche Geschichte zweier Familien unterschiedlicher Herkunft, die in New York kurz vor der Bankenkrise aufeinandertreffen. Die Lehman-Brothers-Pleite bringt nicht nur ihr Leben, sondern auch ihr Wertesystem gehörig durcheinander.[...]" (Kiwi-Verlag)


Bemerkenswertes Debüt, erscheint am 16. Februar












Geschaut

Die Vorpremiere von Manchester by the Sea




Unglaublich berührend, herausragend gespielt (Casey Affleck! Den hatte ich noch gar nicht so auf dem Schirm.). Ein sehr schöner, sehr trauriger Film, in dem Tempo und Lautstärke heruntergedreht sind, was der Glaubwürdigkeit sehr zugute kommt. Erwähnenswert in dem Zusammenhang die oscarreife Filmmusik. Ich glaube, ich muss da noch ein zweites Mal rein.


Paula – Mein Leben soll ein Fest sein




Ach Paula, was du in deinem viel zu kurzen Leben geschaffen hast – einfach großartig. Ich hoffe, der Film wird dir gerecht. Mir scheint es jedenfalls so. Nicht zuletzt dank Carla Juri, die ihre Rolle herrlich unkonventionell spielt, mit Humor und ohne Angst, sich lächerlich zu machen, mit Leidenschaft (natürlich!) und irgendwie unverstellt – einfach umwerfend. Ich dachte so oft „Diese furchtbaren, dummen Männer!“ und „Diese großartige, tolle Frau!“ 
Es gibt zu lachen, zu weinen und zu denken. Was will Frau mehr.



Gefunden

Gebot von Jost Renner

Gibt es das perfekte Gedicht? Ich meine ja, hin und wieder, nicht oft, gibt es das, gelingt es einer oder einem. Das Gedicht „Gebot“ von Jost ist für mich so eines. Perfekt in Inhalt und Form, kein Wort zu viel und keins zu wenig. Und vor allem ist es so genau, so treffend in seiner Bildwahl, dass es schmerzt.


Skizze (30) von Diana Jahr 

Darin die Zeile „und wie man sich durch das schreiben nahe geht“. Das ging/geht mir nahe und nach.



Gedacht

Ich hätte gerne mehr Zeit, komme immer noch nicht ganz klar damit, dass mir weniger als früher davon zur freien Verfügung steht. Nicht alles lässt sich durch bloßes Organisieren verbessern. Ich hadere ein wenig, weiß nicht so recht ... Bin andererseits nicht unzufrieden, glaube weiterhin, das es sich finden wird, ein wenig hat es das ja schon ... 
Immerhin gibt es hier schon meinen zweiten Wochenrückblick für 2017. Nicht schlecht (auch wenn er hauptsächlich aus Links besteht ;-)).

Sonntag, 8. Januar 2017

Wochenrückblick 2. - 8. Januar 2017

Gelesen

1. Luise Maier: Dass wir uns haben



Eindrucksvolles Debüt einer jungen Autorin, erscheint voraussichtlich Ende Februar. Deshalb hier nicht mehr dazu, nur die Links zum Verlag und zur Leseprobe.

















2. Ian McEwan: Nussschale


Wunderbare Hamlet-Variation. Die alte Geschichte von Untreue, Eifersucht und Verrat. Mittendrin ein achtmonatiger Fötus im Leib der Protagonistin. Und aus der Perspektive ebendieses Ungeborenen wird die Geschichte erzählt. Dass dies nicht absurd albern wirkt, verdankt sich der lässig klugen Schreibe McEwans. Er spart nicht mit Reflexionen über aktuelle gesellschaftspolitische Themen, lässt den Ungeborenen philosophieren und psychologisieren, was das Zeug hält und überwindet mühelos und mit Witz die Grenzen des faktisch Möglichen – nicht postfaktisch, sondern gewissermaßen suprafaktisch. Die Kritiken in den Feuilletons fallen gemischt aus. Mir hat das Buch gefallen, für mich war es Ian McEwan at his best. 
Und hier der Link zur Verlagsseite.







Geschaut

Arrival




Wer hier das übliche Science Fiction-Spektakel erwartet, wird womöglich enttäuscht sein (während meines Kinobesuchs verließen zwei Zuschauer nach etwa der Hälfte des Films den Saal). Wer Tiefgang und langsame Entwicklung lieber mag als temporeiche Actionszenen, kommt dagegen auf seine Kosten. 
Es geht um Kommunikation, um Verständigung, darum dass echte Annäherung in erster Linie Geduld und respektvolles Interesse erfordert. Es geht um Zeit und die Möglichkeit, Dinge neu und bewusster zu erleben, wenn sie (die Zeit) nicht linear verläuft. Am Ende erschließt sich der Titel des Films eben durch diesen anderen Zeitbegriff neu bzw. mehrdeutig: Arrival heißt plötzlich nicht mehr einfach nur Ankunft, sondern auch Ausgangspunkt. Der Blickwinkel verändert sich, wir bewegen uns in einem Kreis, das Ziel, das wir erreichen ist zugleich der Ort, von dem wir erneut aufbrechen – ob in die Zukunft, um zu lernen, wie wir die Vergangenheit besser begreifen können, oder in die Vergangenheit, um uns die gesammelten Erfahrungen für die Zukunft greifbar zu machen. Wir sind und bleiben Lernende, und manchmal bedarf es eines Anstoß von außen, der einen neuen Impuls in unser Kreisen bringt.
Viel Interpretation meinerseits. Andere mögen anderes aus dem Film herauslesen. Ich fand ihn sehr passend als Starter ins neue Kinojahr.






Gefunden

den in meinen Augen besten Artikel zur Debatte um die Silvesternacht in Köln:

#Silvester2016: Eine zerstörerische Debatte und ihre Folgen für den Feminismus

auf dem auch sonst sehr lesenswerten Blog der Störenfriedas




*



Das war er, mein kleiner bescheidener erster Wochenrückblick 2017. Der Vorsatz (wieder regelmäßiger bloggen) war schnell gefasst. Der Anfang ist gemacht. Man (und damit schließe ich mich ein) darf gespannt sein, ob und wie es weitergeht.




Sonntag, 1. Januar 2017

1. Januar 2017

Es knistert in meinem Kopf, in meinen Venen. Stroh? Feuer? Strohfeuer?

Ein neues Jahr liegt ausgebreitet, ein weißes Blatt, ein ungemaltes Bild, ein ungeschriebener Text.
Ein Klischee. Eine Hoffnung.

Wie oft ich im letzten Jahr dachte, jetzt hab ich‘s geschafft, jetzt kann ich wieder loslegen. Mit dem Schreiben. Mit dem Lesen. Mit dem Kommentieren.
...

Als 2016 dem Ende zuging, spürte ich ein zunehmendes Kribbeln der Vorfreude. Darauf dass 2017 ein Jahr werden kann, in dem sich mein neues Leben soweit eingespielt hat, dass ich wieder Zeit und Muße finde. Immerhin sind da 365 frische unangetastete Tage, für die diesmal nicht mit Jobwechsel, Trennung, Räumung eines Hauses, Umzug in eine kleine feine eigene Wohnung zu rechnen ist. Fulltimejob, ja, aber einer, der mir Spaß macht (was ein unschätzbarer Wert ist, auch bei einem äußerst geringen Verdienst *seufz*). Aber der Rest der Zeit gehört jetzt mir. Mir allein. Das ist ein Schatz, den ich behüten will.

(Kurz die Idee, ich sollte das bis hierhin Geschriebene wieder löschen. Zu viel Reflexion, wieder mal. Ermüdend. Wollte ich nicht einfach wieder drauflos ...)

Ich kann nichts versprechen, auch mir selbst nicht.

Mein Vorsatz fürs neue Jahr: Freundlich sein.

(Desweiteren: wieder mehr lesen, noch öfter ins Kino gehen, schreiben schreiben schreiben schreiben ... Atmen.)

(Wie unspektakulär das klingt.)


*


Ich wünsche euch allen ein gutes Jahr 2017. Von Herzen.

Und, zum wiederholten Mal: Don‘t be afraid.



Samstag, 17. Dezember 2016

Üben für den Jahresrückblick III

– Tränen der Trauer vergießen (die meisten davon über fremdes Leid)

– Danken


(mich fragen, wie das zusammen geht, Grund genug gibt es für beides (auch Grund im Sinne von Boden genug, um beides zu fassen?))


Wir leben in einem Spannungsfeld. Das auszuhalten, ist ... (eine lebenslange Aufgabe/Übung/Prüfung?)


Habe keine Weisheiten parat, schon gar keine neuen. Was bleibt, ist der Versuch des Ausdrucks. Ist der Versuch. Der Versuch. Ist der stete und immer neue fortwährende Versuch.

Samstag, 10. Dezember 2016

Veränderung

Du hast dich verändert, sagt er.

Ja, sagt sie, wie ein Marmorblock, aus dem Stück für Stück die eingeschlossene Skulptur befreit wird.


*


hiermit verwandt: Aus dem stummen Stein

Freitag, 9. Dezember 2016

Üben für den Jahresrückblick II

I tried
I succeeded
I failed
I tried again
and so it works

But the hardest exercise of all is trying to feel the beat again ...





Donnerstag, 24. November 2016

Immerhin lese ich wieder

Es ist nicht so einfach, wie ich dachte oder hoffte, mit meiner Rückkehr in die Schreibwelt. Es hakt. Es zieht sich. *seufz* Es ist wie es ist. Oder aber: Et kütt wie et kütt.

Immerhin lese ich wieder. Bücher sowieso, da bin ich dran geblieben. Auch die Tageszeitung am Morgen. Aber ich hatte über mehrere Monate weder Zeit noch Muße, andere Blogs zu lesen, höchstens eine Stippvisite war mal drin, Kommentieren ging gar nicht. Jetzt ist sie auf einmal wieder da, die Muße, ist noch nicht voll wieder da, aber kehrt doch spürbar zurück. Ich habe wieder Lust, mich einzulassen, bin wieder berührbar, entwickle erneut Assoziationen auf das Gelesene, das Gefühl der Bereicherung durch andere ist wieder da, Bereicherung durch Texte, die fremd-vertraute Gedanken bergen ... Schön ist das.

Vor einigen Wochen (oder Monaten? Die Zeit rast) war plötzlich meine Blogroll verschwunden. Unwiederbringlich. Blogger hat irgendwelche Einstellungen verändert. Tja. Nach und nach finde ich die Verlorengegangenen wieder, es sind noch längst nicht alle wieder da. Ist vielleicht okay so. Immerhin lese ich wieder.

Mittwoch, 16. November 2016

Fragment

Wie man Fuß fasst in der Welt, der großen weiten und der eigenen kleinen nicht minder weiten, wenn die Fesseln erst einmal abgeworfen sind.
Welche Fesseln, fragst du, und ich antworte nicht gleich, weil es schwierig ist, etwas zu vermitteln, wirklich schwierig. Es so zu vermitteln, dass es unverfälscht ankommt. Du würdest, vermutlich, nicht verstehen.
Welche Fesseln? Du insistierst, ich frage mich, welche Möglichkeiten ich habe.
Weißt du, sage ich, ich habe Angst um meine Antwort, deshalb fällt es mir schwer, sie hinauszulassen.
Du redest vielleicht ein wirres Zeug, sagst du.
Siehst du, sage ich, genau davor habe ich meine Antwort beschützt.
Wie man Fuß fasst in einer Welt, die wissen will, nicht um zu wachsen, sondern um zu herrschen. Wie man dort Fuß fassen soll, frage ich mich. Und wieso man dort Fuß fassen will, wenn man doch gerade erst die Fesseln ...
Ich gehe dann lieber mal, sagst du.
Gute Idee, sage ich, und schließe die Tür, meine Tür, hinter dir.
Wer fällt mir jetzt ins unausgesprochene Wort? Ins nicht zu Ende Gedachte? Wer stellt die falschen Fragen aus den falschen Gründen?
Woran wachse ich jetzt? (Das fragst du nicht im Ernst!)

Sonntag, 13. November 2016

Lass mich (Innerung II)

Lass mich, sage ich, lass mich in Ruhe arbeiten (auch wenn es für dich so aussehen mag, als säße ich untätig herum, nur weil meine Hände im Schoß liegen, weil mein Blick durchs Fenster in die Ferne schweift und sich zugleich nach innen richtet, weil meine Brust sich hebt und senkt mit Atemzügen so regelmäßig wie im Schlaf).  Du weißt (oder könntest wissen, wenn du neben all deinen Tätigkeiten auch diese Form der Arbeit – es ist müßig, lassen wir das), du weißt, könntest wissen, aus Erfahrung, dass auf meine Zeit der Innerung stets eine Zeit der Äußerung folgt (dass du nicht beide brauchst und praktizierst – wie schaffst du das?). Also noch einmal die Bitte (die Aufforderung, der Befehl): Lass mich. In Ruhe. Arbeiten.