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Donnerstag, 13. Oktober 2016

1. Prost! Auf Dylan!; 2. Oops, I did it again (Brexit III)

1.
Erst mal das Glas heben auf Dylan und die bejubelnswerte Entscheidung der Nobelpreisjury. Ja! Ich freu mich tierisch. Hab immer wieder gehofft, dass er ihn endlich bekommt, den hochverdienten Preis. Gleich mal „Bringing It All Back Home“ oder „Blood On The Tracks“ laufen lassen, oder doch lieber „Love And Theft“ oder  „Tempest“ oder ... Auf jeden Fall feiern. Mit mir allein. Und ihm. Kann ja sowieso die halbe Welt nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet er diesen Preis bekommt. Na und, mir doch egal. Jetzt hat er ihn. Thank you Stockholm!
Und Prost! rüber zur Veranda!
Uuund noch schnell den Link zu einem fast drei Jahre alten Text auf Sichten und Ordnen einfügen: All Along the Watchtower. Lyrik ist nicht tot. Sie ist bloß dahin zurückgekehrt, wo sie herkam: Zum Lied.“ Jawoll! 


2.
Ich war wieder da.
Und ich hab's wieder getan, in leicht abgewandelter Form.
Pst.
Liverpool, my love.
Hope I see you again soon.
No matter what Theresa says. (I know it does matter, but not in every way.)

Sonntag, 26. Juni 2016

Let‘s stay friends (Brexit II)

Gestern schrieb ich „Einen Briten umarmen“. Heute denke ich, um noch eins draufzusetzen, jeder sollte einen Briten umarmen. Jeder Brite, jede Britin sollte einen oder eine haben, der oder die ihn oder sie umarmt und sagt: Bleib doch. Bitte. Please don‘t go. Stay.
Aber es wurde ja gesagt. Tausendfach. In verschiedenen Stellungnahmen und Petitionen. Vergeblich.
Es ist so traurig. Ich bin traurig.
Im Oktober werde ich nach England reisen. Meine Tochter besuchen, die dort studiert. Mal sehen, wie es für sie weitergeht. Ihr gesamter Freundeskreis – Briten und diverse andere – ist betrübt, erschüttert, entsetzt. Alle, die sie kennt, haben für Remain gestimmt. Wie geht es nun weiter?
Das Fitzelchen Hoffnung, die Wahl ließe sich rückgängig machen, könnte wiederholt werden und diesmal ein anderes Ergebnis erzielen. Illusorisch.
Wie geht es weiter?
Ich möchte nicht spekulieren. Kann es auch nicht, zu komplex das Thema.
Aber ich denke mir, dass es neben der politischen Dimension noch eine andere geben muss. Eine menschliche, eine Verbindung, die nicht auf dem Papier steht und die nichts mit Zahlen zu tun hat. Eine Verbindung, die anderer Art ist, emotional und intellektuell begründet, eine, die mit Kultur zu tun hat und gleichen Bedürfnissen, Freude an Austausch, Interesse an Neuem und Anderem, Lust auf Gemeinschaft über Grenzen hinweg ... So etwas.
Ich gebe die Hoffnung auf Verständigung und Freundschaft nicht auf. Auch nicht unter erschwerten Bedingungen.
Let‘s stay friends. Und das meine ich nicht als die abgedroschene Floskel am Ende einer Liebesbeziehung. Nein, ganz ehrlich: Let us stay friends.

Samstag, 25. Juni 2016

Einen Briten umarmen (Brexit I)

Ich erinnere mich an Liverpool vor gut zwei Jahren. Im Cavern Club trat eine Beatles Cover Band auf. Alle sangen lauthals mit. Wir alle. Ein bunt gemischtes Wir. Tranken Bier und Cider. Waren ausgelassen. Ein Liverpooler spendierte mir einen Strawberry Cider. Wir unterhielten uns, so gut es eben ging im Lärm der aufgedrehten Boxen und der „All you need is love“ schmetternden Menge. Wir sprachen uns direkt ins Ohr, um etwas zu verstehen, rückten dicht zusammen, er legte seinen Arm um meine Taille. Wohlige Nähe. Menschliche Nähe. Verbundenheit durch Musik und Rausch und Lust. Alles in Maßen. Friedlich. Frei. Kein Gedanke an Nationalität, EU, politische Anschauungen. „Imagine there‘s no countries ...“ Ob das heute anders wäre? Ich glaube nicht. Ich hoffe nicht. Ich werd‘s ausprobieren. Baldmöglichst. Wieder einmal mit Menschen verschiedenster Nationalität Beatles Songs singen. Laut und ausgelassen. Strawberry Cider trinken. Einen Briten umarmen. „All you need is love“ glauben. Wenigstens einen Abend, eine Nacht lang.