Es ist nicht so einfach, wie ich dachte oder hoffte, mit meiner Rückkehr in die Schreibwelt. Es hakt. Es zieht sich. *seufz* Es ist wie es ist. Oder aber: Et kütt wie et kütt.
Immerhin lese ich wieder. Bücher sowieso, da bin ich dran geblieben. Auch die Tageszeitung am Morgen. Aber ich hatte über mehrere Monate weder Zeit noch Muße, andere Blogs zu lesen, höchstens eine Stippvisite war mal drin, Kommentieren ging gar nicht. Jetzt ist sie auf einmal wieder da, die Muße, ist noch nicht voll wieder da, aber kehrt doch spürbar zurück. Ich habe wieder Lust, mich einzulassen, bin wieder berührbar, entwickle erneut Assoziationen auf das Gelesene, das Gefühl der Bereicherung durch andere ist wieder da, Bereicherung durch Texte, die fremd-vertraute Gedanken bergen ... Schön ist das.
Vor einigen Wochen (oder Monaten? Die Zeit rast) war plötzlich meine Blogroll verschwunden. Unwiederbringlich. Blogger hat irgendwelche Einstellungen verändert. Tja. Nach und nach finde ich die Verlorengegangenen wieder, es sind noch längst nicht alle wieder da. Ist vielleicht okay so. Immerhin lese ich wieder.
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Donnerstag, 24. November 2016
Samstag, 5. Dezember 2015
Bilder im Kopf (vom Erleben zum Text und wieder zurück)
die Bilder im Kopf
der Korrektor im Kopf
der Text im Kopf
die Tage am See, der Blick aufs Wasser, der warme Wind auf der nassen Haut
der Korrektor im Kopf
der Text im Kopf
die Tage am See, der Blick aufs Wasser, der warme Wind auf der nassen Haut
du kannst nichts mehr lesen, ohne dass dir automatisch Grammatik- und Rechtschreibfehler auffallen, ohne missglückte Formulierungen in Gedanken zu verbessern
wir bleiben, bis die Sonne untergegangen ist, die Ameisen machen sich über die Baguettekrümel her, den letzten Schluck Wein trinken wir direkt aus der Flasche, den Kopf weit in den Nacken gelegt, die ersten Sterne schon im Blick
früher hast du Bücher verschlungen wie ein hungriges Tier seine Beute, heute bedeutet jeder Text Arbeit, der geschriebene wie der gelesene, bedeutet Arbeit und damit eine ganz eigene Befriedigung, die du nicht mehr missen willst
wir waren so jung, die Kinder noch klein, wir liebten uns fraglos, damals, fühlten uns sicher, ein Ende war nicht abzusehen, so dehnbar war das Jetzt
du lebst so sehr in Text und Schrift, siehst alles Erlebte unmittelbar in Worte gefasst, perfekt formuliert, es legt sich übereinander, verwischt, fast stellt sich dir die Frage – ironisch – Was war zuerst da: Der Text oder das Erleben?
ich hatte nie eine Kamera dabei, meine alte Voigtländer, die ich zum zwölften Geburtstag bekam, war irgendwann in der Tiefe eines Umzugskartons verschwunden und nie wieder aufgetaucht, ich wollte nicht auf Bildern festhalten, sondern unmittelbar erleben und schauen, ohne störendes Objektiv zwischen mir und den Dingen; die Tage am See, der unverstellte Blick, die vollkommene Anwesenheit im Moment, der warme Wind, den ich im Hautgedächtnis speicherte, nicht im Kopf, dort gedanklich ausformuliert, später vielleicht sogar zu Papier gebracht, nein ... er ist noch da, der warme Wind, ebenso das Gefühl, das er erzeugte, es ist jederzeit abrufbar, nicht sicht- oder lesbar, sondern spürbar
du liebst das Wort und das Spiel mit der Sprache, es ist fast so etwas wie dein Zuhause, du hast dich darin eingerichtet, deine Leidenschaft sogar zum Beruf gemacht, bist umgeben von bedrucktem Papier, von Bildschirmlettern, von Text, Text und Text, von unzähligen schwarzen Buchstaben auf weißem Grund
die Farben, das Licht, die sanfte Geräuschkulisse, das Ineinanderfließen der Eindrücke, das Zurücklehnen mit geschlossenen Augen, der so unfassbar weite Moment, kein Grund, ihn zu fliehen, bietet er doch soviel Raum
du wirst dich nicht vom Text verabschieden können, das weißt du, er ist deine zweite Welt und dies schon von deiner Kindheit an, als du dir mit fünf Jahren selbst das Lesen beibrachtest, dann das Schreiben und seitdem ... Bücherfluchten, sie retteten dich auch, erlösten dich für heilsame Stunden von einer unerträglichen Realität, danach hast du nie mehr herausgefunden, rettest dich immer noch in geschriebene Welten, schreibst selbst an deiner, Rettung auch das, und merkst du, wie es sich jetzt vermischt? wie du vom See und vom reinen Erleben zum Wort kommst wie es untrennbar geworden ist nicht mehr kategorisierbar oder doch? du wünschst es, manchmal, wünschst dir manchmal die Zeiten zurück, die du in Erinnerung als glückliche abgespeichert hast, die buchstabenlosen, wortbefreiten, wünschst sie dir wegen ihrer Unmittelbarkeit zurück, wegen ihrer Vollkommenheit, nichts fehlte, und so frei von jeglichem Bedürfnis des Festhaltens warst du, allein das ist dir Beweis genug ....
Schreiben und schreiben, dem Papier auf, der Haut ein, alles Text, nichts als Text
Manchmal aber auch: Bilder
.....
.....
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Sonntag, 8. November 2015
(vom Worthunger) Beflügelungen ...
... durch die Worte der anderen
hier („Immer“ von Tikerscherk)
und hier („Sandsteinburg“ von Michael Perkampus)
und hier („Niemand kann jemand sein. Mein Zimmer für mich allein...“ von Jutta Pivecka)
und hier („Fremdkörper“ von Phyllis Kiehl) *
Die machen was mit mir, diese vollen Texte. Und ich lass sie machen, setze mich aus, verzichte auf kritische Distanz. Weil ich hungrig bin. Also spreche ich hier nicht nur eine nüchterne Empfehlung aus, sondern schreibe, wie immer, auch von mir.
hier („Immer“ von Tikerscherk)
und hier („Sandsteinburg“ von Michael Perkampus)
und hier („Niemand kann jemand sein. Mein Zimmer für mich allein...“ von Jutta Pivecka)
und hier („Fremdkörper“ von Phyllis Kiehl) *
Die machen was mit mir, diese vollen Texte. Und ich lass sie machen, setze mich aus, verzichte auf kritische Distanz. Weil ich hungrig bin. Also spreche ich hier nicht nur eine nüchterne Empfehlung aus, sondern schreibe, wie immer, auch von mir.
Diese Beflügelungen, diese inspirierenden Texte, die ich trinke wie Wasser und esse wie Brot, die ich verstoffwechsle, sie machen aus mir eine andere, eine mir Nähere, mehr mich ...
Ob das erlaubt ist, ein solch distanzaufhebendes, vereinnahmendes Lesen? Das frage ich mich nicht. Ich kann auch anders, ganz von außen, ohne Vermischung, mit kritisch distanziertem Blick, wertend. Kann ich. Tue ich. Oft oder meistens. Und manchmal ist es eben anders. Ist es so: distanzlos, aufsaugend, aus einem Hunger heraus oder aus purer Lust. Why not?
Das alles ist nur ein Bild. Ein anderes wäre: Da wächst mir etwas zu. (was mit Federn, oh ...)
Das alles ist nur ein Bild. Ein anderes wäre: Da wächst mir etwas zu. (was mit Federn, oh ...)
es wächst dir zu, wächst dir an, wächst in dich hinein und aus dir heraus
(nur fliegen musst du selbst)
Ich lese höre Texte. Die werfen Anker. Die strecken Wurzeln. Die sitzen dann fest. Und rühren in mir herum. Rühren etwas auf. Da fällt Staub ab. Und Schorf. Und schweres Tuch. Da rührt sich etwas in mir. Dieses Etwas, das Ich ist, greift nach den Wurzeln. Hält den Anker. Zieht an der Kette. Will. Schlingt sich hinein in das Durch-/Ein-/Vor-Dringende. Saugt daran. Streckt sich. Dringt selbst. Verwächst. Wächst. Hinaus! Bricht durch. Wird weiß von Licht. Fächert sich auf. Überlässt sich der Luft. Wächst weiter. Zu wissen. Zu kennen. Wohin? Keine Frage: Wiederholt: Hinaus! Das Ziel im Wachsen schaffend. Und dann: Eine Bewegung über das Wachsen hinaus: Ein Schritt. Ein Flügelschlag. Das, ja.
Es wächst dir zu. Fliegen musst du selbst.
Das Pathos des Notwendigen. Wasser und Brot. Ein Fest.
Die Worte der anderen und was sie mit mir machen (weil ich sie lasse).
* Tolle Texte finde ich an vielen Stellen. Wer sich durch meine Blogroll scrollt, kann da Verschiedenstes entdecken. Nachhaltig beeindruckt und beflügelt haben mich in den letzten Tagen/Wochen u.a. die oben verlinkten Texte aus den Blogs Kreuzberg Süd-Ost, Die Veranda, Gleisbauarbeiten, Tainted Talents.
Die Worte der anderen und was sie mit mir machen (weil ich sie lasse).
* Tolle Texte finde ich an vielen Stellen. Wer sich durch meine Blogroll scrollt, kann da Verschiedenstes entdecken. Nachhaltig beeindruckt und beflügelt haben mich in den letzten Tagen/Wochen u.a. die oben verlinkten Texte aus den Blogs Kreuzberg Süd-Ost, Die Veranda, Gleisbauarbeiten, Tainted Talents.
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Sonntag, 19. April 2015
Wochenrückblick 13. - 19. April 2015
Gelesen:
– zwei Bücher nochmal überflogen, weil ich sie bei einer internen Veranstaltung vorstellen will („Tal der Herrlichkeiten" von Anne Weber, jetzt neu als Taschenbuch, und „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler, beide schon hier und hier von mir erwähnt)
– im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, nicht auf dem Papier, sondern im Netz, habe mich regelrecht festgelesen, wie früher, wenn ich irgendwas im Brockhaus suchte und dann stundenlang auch alle vorherigen und folgenden Artikel lesen musste. Ihr kennt das. Die pure Freude am Wissen und Lernen.
Beim Grimmschen Wörterbuch noch dazu die Freude an der Sprache, an der Genauigkeit der Erklärungen bis zu den Ursprüngen eines Wortes, die Beispielsätze aus den verschiedenen Epochen der Sprachentwicklung ...
Das Wort „Schauen" hatte es mir diesmal angetan, weil ich es in einem Blogpost verwendet habe und tiefer einsteigen wollte ...
und damit habe ich die perfekte Überleitung zum nächsten Punkt:
Geschaut:
so einiges ...
Erwähnenswert scheint mir vor allem der Tatort vom letzten Sonntag, der erste Tatort aus Franken.
Ein wenig habe ich mich davor „gefürchtet“ nach so einigen hyperambitionierten neuen Tatorten der letzten Zeit mit supercoolen Ermittlerteams, all den megaschrägen oder voll trendigen Typen und den achso kunstvoll (nee: künstlich!) konstruierten, bebilderten, vertonten, ausgeleuchteten Geschichten, teilweise so hektisch wie langweilig (*gähn*, *fremdschäm*)
Aber es gab gar keinen Grund, sich vor diesem Tatort zu fürchten, der war und hatte nämlich schlichtweg klasse/Klasse. Interessante und glaubwürdige Charaktere, hervorragende Darsteller (mal keine SELBSTdarsteller), ein nachvollziehbarer Plot, gut erzählt und in Szene gesetzt mit schönen langsamen Einstellungen, aufschlussreiche (statt „künstlerisch wertvoller“ (höhö), aber leider verwirrender) Rückblenden, die richtige Dosis selbstironisches Lokalkolorit usw.
Klar gab es auch kleine Schwächen, in erster Linie bezüglich des zu lösenden Falls. Geschenkt. Inszenierung und Darsteller waren topp. Alles in allem ein vielversprechender Auftakt des neuen Franken-Tatorts. Gerne mehr davon!
Die Besprechung in der Süddeutschen trifft es in meinen Augen ganz gut.
Auch die ZEIT zieht in ihrem Tatort-Kritikerspiegel ein positives Fazit.
Albern fand ich die Kritik in der FAZ, die den ersten fränkischen Tatort einem sogenannten „Realitätstest“ unterzog. Wie bitte? Realitätstest für Fernsehkrimis? Ich schmeiß mich weg.
Gelitten:
unter meiner ersten richtigen Blasenentzündung ever
(Jetzt weiß ich, wie sich ein Mann mit Schnupfen fühlen muss.)
((Ja, ich kann auch mal ein Jammerlappen sein.))
Gelassen:
– jeden meiner Blogposts auf Twitter zu verlinken
– meinen Ärger von letzter Woche weiter zu analysieren
fühlt sich beides gut an, befreit
Gefreut:
– über meine zumindest partielle Gelassenheit (s.o.)
– über: ... (da müsste ich mich jetzt wiederholen (s. letzter Wochenrückblick), es gibt da gerade so eine Art Grundzufriedenheit ... vielleicht freue ich mich einfach über die)
Gedacht:
Don’t worry, just stumble.
In diesem Sinne: Schöne neue Woche!
– zwei Bücher nochmal überflogen, weil ich sie bei einer internen Veranstaltung vorstellen will („Tal der Herrlichkeiten" von Anne Weber, jetzt neu als Taschenbuch, und „Der leuchtend blaue Faden“ von Anne Tyler, beide schon hier und hier von mir erwähnt)
– im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, nicht auf dem Papier, sondern im Netz, habe mich regelrecht festgelesen, wie früher, wenn ich irgendwas im Brockhaus suchte und dann stundenlang auch alle vorherigen und folgenden Artikel lesen musste. Ihr kennt das. Die pure Freude am Wissen und Lernen.
Beim Grimmschen Wörterbuch noch dazu die Freude an der Sprache, an der Genauigkeit der Erklärungen bis zu den Ursprüngen eines Wortes, die Beispielsätze aus den verschiedenen Epochen der Sprachentwicklung ...
Das Wort „Schauen" hatte es mir diesmal angetan, weil ich es in einem Blogpost verwendet habe und tiefer einsteigen wollte ...
und damit habe ich die perfekte Überleitung zum nächsten Punkt:
Geschaut:
so einiges ...
Erwähnenswert scheint mir vor allem der Tatort vom letzten Sonntag, der erste Tatort aus Franken.
Ein wenig habe ich mich davor „gefürchtet“ nach so einigen hyperambitionierten neuen Tatorten der letzten Zeit mit supercoolen Ermittlerteams, all den megaschrägen oder voll trendigen Typen und den achso kunstvoll (nee: künstlich!) konstruierten, bebilderten, vertonten, ausgeleuchteten Geschichten, teilweise so hektisch wie langweilig (*gähn*, *fremdschäm*)
Aber es gab gar keinen Grund, sich vor diesem Tatort zu fürchten, der war und hatte nämlich schlichtweg klasse/Klasse. Interessante und glaubwürdige Charaktere, hervorragende Darsteller (mal keine SELBSTdarsteller), ein nachvollziehbarer Plot, gut erzählt und in Szene gesetzt mit schönen langsamen Einstellungen, aufschlussreiche (statt „künstlerisch wertvoller“ (höhö), aber leider verwirrender) Rückblenden, die richtige Dosis selbstironisches Lokalkolorit usw.
Klar gab es auch kleine Schwächen, in erster Linie bezüglich des zu lösenden Falls. Geschenkt. Inszenierung und Darsteller waren topp. Alles in allem ein vielversprechender Auftakt des neuen Franken-Tatorts. Gerne mehr davon!
Auch die ZEIT zieht in ihrem Tatort-Kritikerspiegel ein positives Fazit.
Albern fand ich die Kritik in der FAZ, die den ersten fränkischen Tatort einem sogenannten „Realitätstest“ unterzog. Wie bitte? Realitätstest für Fernsehkrimis? Ich schmeiß mich weg.
Gelitten:
unter meiner ersten richtigen Blasenentzündung ever
(Jetzt weiß ich, wie sich ein Mann mit Schnupfen fühlen muss.)
((Ja, ich kann auch mal ein Jammerlappen sein.))
Gelassen:
– jeden meiner Blogposts auf Twitter zu verlinken
– meinen Ärger von letzter Woche weiter zu analysieren
fühlt sich beides gut an, befreit
Gefreut:
– über meine zumindest partielle Gelassenheit (s.o.)
– über: ... (da müsste ich mich jetzt wiederholen (s. letzter Wochenrückblick), es gibt da gerade so eine Art Grundzufriedenheit ... vielleicht freue ich mich einfach über die)
Gedacht:
Don’t worry, just stumble.
In diesem Sinne: Schöne neue Woche!
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Donnerstag, 12. März 2015
Plädoyer für unperfekte, aufrichtige Texte
Adressat unbestimmt
Ich mag deine Unbeholfenheit und dass du dich ihrer nicht schämst, ich mag deine Ungeschicklichkeit im Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik, mag die ungelenken Formulierungen und die dünnen Stellen in deinen Erzählungen, diese Stellen, durch die das Licht fällt, so dass die innewohnende Aufrichtigkeit sichtbar wird und dein ehrliches Bemühen, das nie zu einem perfekten Ergebnis führt und gerade deshalb so vollkommen ist. Ich mag das alles sehr, du hast soviel zu erzählen, so wichtig, dass du es tust, dass du dich traust, und ich möchte alle übergriffigen Korrekturen einschließlich der automatischen mit einem Bannzauber belegen, damit sie die Finger von diesen liebenswert fehlerbehafteten Kleinoden lassen, die du im vollen Bewusstsein deines sogenannten Unvermögens dennoch erschaffst, so mutig und trotzig, so schlicht und wahr.
Ich mag deine Unbeholfenheit und dass du dich ihrer nicht schämst, ich mag deine Ungeschicklichkeit im Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik, mag die ungelenken Formulierungen und die dünnen Stellen in deinen Erzählungen, diese Stellen, durch die das Licht fällt, so dass die innewohnende Aufrichtigkeit sichtbar wird und dein ehrliches Bemühen, das nie zu einem perfekten Ergebnis führt und gerade deshalb so vollkommen ist. Ich mag das alles sehr, du hast soviel zu erzählen, so wichtig, dass du es tust, dass du dich traust, und ich möchte alle übergriffigen Korrekturen einschließlich der automatischen mit einem Bannzauber belegen, damit sie die Finger von diesen liebenswert fehlerbehafteten Kleinoden lassen, die du im vollen Bewusstsein deines sogenannten Unvermögens dennoch erschaffst, so mutig und trotzig, so schlicht und wahr.
Mittwoch, 4. Februar 2015
der Wahrheit nicht nahe genug
Ich hatte noch nie ein besonderes Faible für Biografien. Vielleicht deshalb, weil sie – anders als die Fiktion – der Wahrheit nicht nahe genug kommen.
(Natürlich gibt es Ausnahmen. Auch zähle ich das Tagebuch nicht dazu, das ich wegen seiner vor allzu vielen Reflektionen geschützten Direktheit schätze.)
Bin ich jetzt inkonsequent, oder habe ich mich gar selbst widerlegt?
Nein. Meine Begeisterung für diese Biografie ist die Ausnahme (derer es mehrere gibt, wie ich es heute früh bereits erwähnte: Doris Lessing, Bob Dylan und ein paar wenige weitere ..., ja, ich geb’s zu). Und die Ausnahme bestätigt nur die Regel meines morgendlichen Bekenntnisses.
(Natürlich gibt es Ausnahmen. Auch zähle ich das Tagebuch nicht dazu, das ich wegen seiner vor allzu vielen Reflektionen geschützten Direktheit schätze.)
––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––
Nachtrag am Nachmittag:
Da töne ich heute früh rum von wegen Fiktion sei mir lieber als Biografien, u.a. wegen der größeren Wahrheitsnähe der Fiktion, und was packe ich dann wenig später im Laden aus:
„Die talentierte Miss Highsmith"
Eine rund 1000 Seiten starke Biografie über Patricia Highsmith, geschrieben von Joan Schenkar, zum 20. Todestag von Patricia Highsmith am 4.2.2015 bei Diogenes erschienen. Hier
Die musste ich dann doch haben. Denn:
Patricia Highsmith! Hallo!
Meine hochverehrte und heißgeliebte Verfasserin hochspannender, ab- und tiefgründiger, psychologisch subtiler Kriminal- und anderer Romane, die unvergessliche Figuren geschaffen hat, von denen Tom Ripley wohl die bekannteste sein dürfte.
Auch das wiederkehrende Motiv der Auseinandersetzung mit einem fundamentalistisch geprägten Christentum hat mich, aus persönlichen Gründen, sehr interessiert. Wie genau sie da die schleichenden Manipulationen und Abhängigkeiten schildert ...
Ich habe alles von ihr gelesen, einiges mehrfach, und ja, ich empfinde etwas wie Verehrung für sie als Schriftstellerin, für ihre unglaubliche Schaffenskraft, den Sog, den ihre Geschichten ausüben und dem man sich kaum entziehen kann – manchmal erschreckenderweise, blickt man doch plötzlich in eigene Abgründe ...
Verehrung aber auch für ihre Person. Denn natürlich habe ich am Rande auch immer etwas von ihrem komplizierten und unkonventionellen Leben mitbekommen, das hat mich durchaus fasziniert. Hier liegt es nun in gebündelter Form vor.
Joan Schenkar hat gründlich recherchiert, über Jahre hinweg Archivmaterial gesichtet, darunter rund 8000 Seiten von Highsmiths Tagebuchnachlass; sie hat Gespräche mit persönlichen Vertrauten der Schriftstellerin geführt. Und sie hat, wenn man dem Klappentext glauben darf, nicht sachlich-trocken, sondern „klug, humorvoll, unverblümt und in sprühender Prosa" geschrieben. Die ersten Seiten, die ich eben quergelesen habe, bestätigen das.
Ich freu mich total auf dieses Buch, das mit den folgenden Sätzen beginnt:
„Sie war nicht nett. Sie war selten höflich. Und niemand, der sie gut kannte, hätte sie großzügig genannt. Patricia Highsmith war – abgesehen von einer unkonventionellen Künstlerin mit Ausnahmetalent – so etwas wie das Negativ eines alten Fotos, bei dem alles Schwarze weiß und alles Weiße schwarz war. Lady Diana Cooper hat das Gleiche über Evelyn Waugh gesagt."
Bin ich jetzt inkonsequent, oder habe ich mich gar selbst widerlegt?
Nein. Meine Begeisterung für diese Biografie ist die Ausnahme (derer es mehrere gibt, wie ich es heute früh bereits erwähnte: Doris Lessing, Bob Dylan und ein paar wenige weitere ..., ja, ich geb’s zu). Und die Ausnahme bestätigt nur die Regel meines morgendlichen Bekenntnisses.
Dienstag, 3. Februar 2015
Schreiben knöpft den Mantel auf
Schreiben knöpft den Mantel auf. Stück für Stück. Lesen auch.
Den langen schweren dunklen Mantel mit den tausend mal tausend Knöpfen, der über Allem liegt.
(Manchmal knöpft es ihn auch zu. Ist es dann misslungen?)
Den langen schweren dunklen Mantel mit den tausend mal tausend Knöpfen, der über Allem liegt.
(Manchmal knöpft es ihn auch zu. Ist es dann misslungen?)
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