Es gibt sie noch, die scheinbar sich selbst schreibenden Texte. Habe den folgenden gerade in meinem Entwurfordner gefunden und wollte ihn nicht löschen. Das tat ich mit den meisten anderen. Aber dieser hier bringt etwas in mir zum Klingen:
Es gab eine Zeit vor den Schulhöfen, da waren wir uralt. Uralt und weise. Weise genug eine Welt zu regieren. Eine Welt aus Blüten, Muscheln und Stein, aus Holz und aus Glas. Unsere Fähigkeiten waren immens, alles gehorchte uns. Alles bis weit hinauf ins All. Die Sterne verneigten sich vor uns und den komplexen Mustern, die wir aus den Steinen und den welken Blüten und den leeren Muschelschalen legten. Wir setzten Preise fest für Rindenstückchen und grünschimmerndes Glas. Wir hauchten jedwedem Ding Leben ein, indem wir ihm einen neuen Namen gaben, diesen zum Beweis in den Sand schrieben. Wir schufen Bleibendes, waren ungewaschen von allen Wassern. Wenn wir die Augen schlossen, wurden wir zu Geschwistern der Nacht und flogen mit ihr hinauf zum höchsten aller Gipfel, weit über den Wolken. Von dort zurück ins Tal war es ein Katzensprung. Und immer, immer landeten wir auf den Füßen. Wir waren unverwundbar. Heute sind wir sterblicher als jeder Wurm. Eines Tages werden wir uns ein letztes Mal in die Flut werfen [wahlweise in die Glut], in der Nase den Duft von Sonne und Schnee, von Asphalt und Brot und frisch geschnittenem Gras. Ein letzter Hauch von Kindheit. Dann endlich das Meer. Der salzige Leib. Der ewige Grund. [Wahlweise Feuer. Asche. Und Wind.]
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Dienstag, 2. Mai 2017
Freitag, 11. November 2016
Mittwoch, 17. Juni 2015
Here‘s to you, Harry! Auf Dich! (zum Tod von Harry Rowohlt)
Hey Jack, hey Eddie, ihr zwei fallt mir als erste ein unter all den anderen, die ihn vermissen werden. Hey, sage ich, nicht verzweifeln! Ich wette mit euch, dass er irgendwo in Pooh‘s Corner steckt. Ich seh ihn da sitzen mit seinen anderen Bärenkollegen „von geringem Verstand“ und Geistreiches zu sich nehmen und von sich geben. Hey, dem geht‘s dort gut wie nie (möchte ich sagen und vor allem glauben, kann‘s ja aber nicht wissen, gibt‘s denn ein Leben nach dem Leben vor dem Tod? Hat ihn das mal jemand gefragt? Leute, die Antwort, seine, hätte mich echt interessiert. Irgendeine wunderbare Respektlosigkeit wär‘s gewesen, wetten?! Wisst ihr noch, wie er die „schweinischsten Stellen aus dem Alten Testament“ gelesen hat? Ha!) Kommt, lasst uns mit Ken in Galway und Philip an der Küste treffen, auf ‘nen Whisky oder so. Irgendwie muss man doch zusammenhalten, um nicht in das Loch zu fallen, das er hinterlässt. Mensch, hätte er nicht noch ein bisschen bleiben können. Okay, irgendwie passt es ja nie. Aber ausgerechnet jetzt ... Schon ‘n bisschen früh und plötzlich. Ach ...
Lasst uns feiern und trinken und rezitieren; klettert auf den Tisch, stellt euch breitbeinig hin und erhebt euer Glas auf ihn. Und fragt nicht, ob er das so gewollt hätte. Denn nach sowas hätte er selbst nie gefragt.
Genug der Worte. Und zu wenig. Ihr wisst, wie ich‘s meine. Ist und bleibt alles Stückwerk.
Wir sehn uns, Freunde! Drüben in Pooh‘s Corner. Stellt die Gläser bereit.
Here‘s to you, Harry! Auf Dich!
Lasst uns feiern und trinken und rezitieren; klettert auf den Tisch, stellt euch breitbeinig hin und erhebt euer Glas auf ihn. Und fragt nicht, ob er das so gewollt hätte. Denn nach sowas hätte er selbst nie gefragt.
Genug der Worte. Und zu wenig. Ihr wisst, wie ich‘s meine. Ist und bleibt alles Stückwerk.
Wir sehn uns, Freunde! Drüben in Pooh‘s Corner. Stellt die Gläser bereit.
Here‘s to you, Harry! Auf Dich!
Sonntag, 18. Januar 2015
Tausend Tode schreiben
„‘Tausend Tode schreiben’ ist ein groß angelegtes Projekt. Die Idee ist, dass tausend Autoren tausend kurze Texte über den Tod schreiben: Persönliche Begegnungen, wissenschaftliche Betrachtungen, Fiktion. Diese vielfältigen Texte sollen zusammenwirken als ein transpersonaler Text, der – so die Annahme – einiges über das aktuelle Bild des Todes in unserer Gesellschaft verraten wird.‘Tausend Tode schreiben’ ist ein work in progress. Eine weitere Version folgt am 16.2.2015 (3/4), die endgültige und vollständige Fassung (4/4) erscheint am 13.3.2015 zur Leipziger Buchmesse. Käufer*innen älterer Versionen der ’1000 Tode’ bekommen die jeweils neuen gratis per E-Mail.
Die Herausgeber- und Autorenanteile an den Erlösen werden dem Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gespendet."
(Soweit die Beschreibung auf minimore.de)
Zu Weihnachten 2014 bekam ich meinen ersten E-Reader geschenkt und lud mir gleich die Version 1/4 von „Tausend Tode schreiben" runter.
Zunächst ein wenig skeptisch ob dieses Großgruppenprojekts, war ich dann doch positiv angetan von der Vielfalt der Erfahrungen und Betrachtungsweisen, der Art, sich der Thematik zu stellen und damit umzugehen, den nüchternen wie poetischen Worten. Vieles hat mich wirklich berührt, in seiner Tragik, in der Menschlichkeit und Tiefe, auch in der Schlichtheit oder der trotz aller Trauer aufscheinenden Schönheit.
Ich kann diese Fülle an Texten allerdings nicht runterlesen wie einen Roman oder Erzählungsband. Ich brauche Pausen, lese immer mal wieder einen oder mehrere Texte, dann folgt ein Nachsinnen oder Reflektieren. Was dort geschrieben ist, geht nicht spurlos an mir vorüber. Wie auch, handelt es sich doch um ein Thema, das ausnahmslos jeden betrifft. Kein Leben, das nicht irgendwann mit dem Tod endet.
Diese Art des Lesens – immer mal wieder ein paar Seiten – lässt mich wünschen, ich könnte das Buch in gedruckter Form in der Hand halten. Dann könnte ich darin herumblättern, mal hier, mal dort intuitiv hängen bleiben und mich spontan hineinziehen lassen in einen Text. Auch mal zurückblättern, weil eine Assoziation zu etwas vorher Gelesenem kommt usw. So mache ich es mit Gedichtbänden, und so würde ich es mit dieser Anthologie auch gerne tun.
Aber wer weiß, was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden ...
In Version 2/4 bin ich jetzt ebenfalls mit einem Text vertreten. Den habe ich 2012 geschrieben und damals auch hier im Blog veröffentlicht. Ich berichte darin über die Erfahrung mit dem Tod meiner Mutter.
Bleibt mir, wirklich sehr, sehr herzlich Danke zu sagen an Christiane Frohmann vom Frohmann Verlag für dieses bemerkenswerte Projekt und ihren enormen Einsatz dafür!
Übrigens: Es können weiterhin Texte eingereicht werden. Eine kurze Beschreibung, wie man teilnehmen kann, gibt Stefan Mesch auf Facebook.
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Buchempfehlung,
Projektfund,
Sterben Abschied Tod
Dienstag, 28. Oktober 2014
(Un)angemessen
Sie ist einfach gegangen. Ganz still. Und auch der Schmerz in ihm macht kein Geräusch. Er lässt sich in jeden einzelnen Händedruck fallen. Vor seinen Augen steigt die Flut. Wir reichen Taschentücher. Er lächelt still. Wir fragen uns:
An welchem Ort lärmt die Trauer? Wo tobt der Zorn? Schalldicht verborgen im Fleisch, in den Gedärmen, im Blut.
Später wird er lange auf der Toilette sitzen und die Zeit vergessen. Er wird vorm Badezimmerspiegel stehen und genau wissen, aber nicht begreifen. Noch später wird er die Bettdecke umklammern und den ersten nicht mehr aufzuhaltenden Laut im Kissen ersticken.
Manchmal möchte man taub sein, um diese furchtbare Stille nicht hören zu müssen.
Und da, wo sie jetzt ist, wie ist es da? Die Bilder widersprechen sich und sind doch nur Ideen. Vielleicht führt die letzte Tür in einen Raum der vollkommenen Angemessenheit. Zum Ausgleich für all das Unangemessene zuvor.
An welchem Ort lärmt die Trauer? Wo tobt der Zorn? Schalldicht verborgen im Fleisch, in den Gedärmen, im Blut.
Später wird er lange auf der Toilette sitzen und die Zeit vergessen. Er wird vorm Badezimmerspiegel stehen und genau wissen, aber nicht begreifen. Noch später wird er die Bettdecke umklammern und den ersten nicht mehr aufzuhaltenden Laut im Kissen ersticken.
Manchmal möchte man taub sein, um diese furchtbare Stille nicht hören zu müssen.
Und da, wo sie jetzt ist, wie ist es da? Die Bilder widersprechen sich und sind doch nur Ideen. Vielleicht führt die letzte Tür in einen Raum der vollkommenen Angemessenheit. Zum Ausgleich für all das Unangemessene zuvor.
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Nachgedacht,
Sterben Abschied Tod
Donnerstag, 21. November 2013
Danke, Doris Lessing!
Soll ich noch was zu Doris Lessing schreiben? Ist ja auch schon wieder - wieviele? - Tage her ihr Tod, inzwischen starben noch mehr Menschen, nähere bekannte, auch fernere bekannte wie Dieter Hildebrandt und viele, viele völlig fremde, ferne, in Massen untergehende.
Aber Doris Lessing ...
Ich habe sie mit Ende Zwanzig, Anfang Dreißig gelesen. Verschlungen eigentlich. Angefangen mit dem Goldenen Notizbuch, weitergemacht mit dem Martha-Quest-Zyklus und einigen anderen. Auch die späteren Werke gerne gelesen, manche waren mir dann zu flach, beeindruckend-verstörend Das Fünfte Kind, unglaublich spannend ihre Autobiografie. Schade, dass sie die nicht fortgeführt hat nach dem zweiten Teil.
Doris Lessing war wichtig für mich in einer Zeit, in der ich ausbruchartig versuchte, mich zu emanzipieren, mehr als Mensch denn als Frau, letzteres kam erst später.
Aus dem Goldenen Notizbuch blieb mir am eindrücklichsten der Versuch der Protagonistin, ihre verschiedenen Lebensbereiche säuberlich getrennt zu halten durch das Führen verschiedenfarbiger Notizbücher. Genau das machte ich auch! Als passten bzw. gehörten die unterschiedlichen Bereiche nicht zusammen, als handelte es sich gar (aber nur fast!) um getrennte Persönlichkeiten. Dabei waren es lediglich Facetten eines Ganzen, erforderte es einfach nur Selbstrespekt und -erlaubnis, all die Einzelaspekte mit- oder nebeneinander zu integrieren.
Ich kenne das noch heute im Ansatz, führe aber längst keine getrennten Notizbüchern mehr, nur noch einen DIN A6 Terminkalender, in den ich alles eintrage und dieses eine Blog, das für mich mein Goldenes Notizbuch ist. Hier kommt alles rein, was aus mir raus will, nur notdürftig durch Labels kategorisiert. Ein Mischmasch. Und manches bleibt geheim, das ist dann allermeinst.
Doris Lessing ... In manchem blieb sie mir fremd, eine gewisse Härte oder innere Abgeriegeltheit haftete ihr an, fragwürdig in meinen Augen ihr Selbstversuch, durch Schlaf- und Nahrungsentzug verrückt zu werden, fragwürdig vor allem ihre Auswertung dieses Versuchs und Deutung seines Ergebnisses. Ach, na und, sie hat sich was getraut und zugemutet, auch abseits gängiger Wege.
Sie war nicht vereinnahmbar. Und jetzt, da ich das schreibe, wird mir klar, dass es wohl genau diese Eigenschaft war, die sie für mich so anziehend machte. Nachdem ich mich selbst über Jahre hinweg vollkommen hatte vereinnahmen lassen. Doris Lessing, eine Frau, die sich zweifelhaften Vereinigungen anschloss, diese aber auch wieder verlassen konnte, inklusive (selbst)kritischem Rückblick, die sich später jeglicher Gruppierung und Bewegung verweigerte, aber immer politisch denkend blieb.
Genau in dieses Verweigerungsverhalten passte auch ihr Vorwort in der 1971er Auflage vom Goldenen Notizbuch, auf das ich mich hier im Blog schon einmal bezogen habe: Es gibt nur eine Art, Bücher zu lesen
Seltsam kurz übrigens der Wikipedia-Artikel, aber wenigstens gibt's dort eine vollständige Literaturliste.
Ein paar ihrer Werke will ich wiederlesen. Das ist ein Schatz, den sie da hinterlassen hat.
Danke, Doris Lessing!
Aber Doris Lessing ...
Ich habe sie mit Ende Zwanzig, Anfang Dreißig gelesen. Verschlungen eigentlich. Angefangen mit dem Goldenen Notizbuch, weitergemacht mit dem Martha-Quest-Zyklus und einigen anderen. Auch die späteren Werke gerne gelesen, manche waren mir dann zu flach, beeindruckend-verstörend Das Fünfte Kind, unglaublich spannend ihre Autobiografie. Schade, dass sie die nicht fortgeführt hat nach dem zweiten Teil.
Doris Lessing war wichtig für mich in einer Zeit, in der ich ausbruchartig versuchte, mich zu emanzipieren, mehr als Mensch denn als Frau, letzteres kam erst später.
Aus dem Goldenen Notizbuch blieb mir am eindrücklichsten der Versuch der Protagonistin, ihre verschiedenen Lebensbereiche säuberlich getrennt zu halten durch das Führen verschiedenfarbiger Notizbücher. Genau das machte ich auch! Als passten bzw. gehörten die unterschiedlichen Bereiche nicht zusammen, als handelte es sich gar (aber nur fast!) um getrennte Persönlichkeiten. Dabei waren es lediglich Facetten eines Ganzen, erforderte es einfach nur Selbstrespekt und -erlaubnis, all die Einzelaspekte mit- oder nebeneinander zu integrieren.
Ich kenne das noch heute im Ansatz, führe aber längst keine getrennten Notizbüchern mehr, nur noch einen DIN A6 Terminkalender, in den ich alles eintrage und dieses eine Blog, das für mich mein Goldenes Notizbuch ist. Hier kommt alles rein, was aus mir raus will, nur notdürftig durch Labels kategorisiert. Ein Mischmasch. Und manches bleibt geheim, das ist dann allermeinst.
Doris Lessing ... In manchem blieb sie mir fremd, eine gewisse Härte oder innere Abgeriegeltheit haftete ihr an, fragwürdig in meinen Augen ihr Selbstversuch, durch Schlaf- und Nahrungsentzug verrückt zu werden, fragwürdig vor allem ihre Auswertung dieses Versuchs und Deutung seines Ergebnisses. Ach, na und, sie hat sich was getraut und zugemutet, auch abseits gängiger Wege.
Sie war nicht vereinnahmbar. Und jetzt, da ich das schreibe, wird mir klar, dass es wohl genau diese Eigenschaft war, die sie für mich so anziehend machte. Nachdem ich mich selbst über Jahre hinweg vollkommen hatte vereinnahmen lassen. Doris Lessing, eine Frau, die sich zweifelhaften Vereinigungen anschloss, diese aber auch wieder verlassen konnte, inklusive (selbst)kritischem Rückblick, die sich später jeglicher Gruppierung und Bewegung verweigerte, aber immer politisch denkend blieb.
Genau in dieses Verweigerungsverhalten passte auch ihr Vorwort in der 1971er Auflage vom Goldenen Notizbuch, auf das ich mich hier im Blog schon einmal bezogen habe: Es gibt nur eine Art, Bücher zu lesen
Seltsam kurz übrigens der Wikipedia-Artikel, aber wenigstens gibt's dort eine vollständige Literaturliste.
Ein paar ihrer Werke will ich wiederlesen. Das ist ein Schatz, den sie da hinterlassen hat.
Danke, Doris Lessing!
Freitag, 13. September 2013
Freitag, 24. Mai 2013
"Sur les murs du mois de mai/ Auf den Mauern des Monats Mai"
Sowohl Sarah Kirsch als auch Georges Moustaki sind für mich mit einem ganz bestimmten Lebensgefühl verbunden. Darin herrscht Sommer, unentwegt. Oder zumindest der nie aufgegebene Versuch von Sommer.
*
Danke, Sarah Kirsch!
Raubvogel süß ist die Luft
So kreiste ich nie über Menschen und Bäumen
So stürz ich nicht noch einmal durch die Sonne
Und zieh was ich raubte ins Licht
Und flieg davon durch den Sommer!
(Sarah Kirsch)
*
Merci, Georges Moustaki!
LE Temps De Vivre
Nous prendrons le temps de vivre,
D'être libres, mon amour.
Sans projets et sans habitudes,
Nous pourrons rêver notre vie.
Viens, je suis là, je n'attends que toi.
Tout est possible, tout est permis.
Viens, écoute, les mots qui vibrent
Sur les murs du mois de mai.
Ils te disent la certitude
Que tout peut changer un jour.
Viens, je suis là, je n'attends que toi.
Tout est possible, tout est permis.
Nous prendrons le temps de vivre,
D'être libres, mon amour.
Sans projets et sans habitudes,
Nous pourrons rêver notre vie
(Georges Moustaki)
Sans projets et sans habitudes,
Nous pourrons rêver notre vie.
Viens, je suis là, je n'attends que toi.
Tout est possible, tout est permis.
Viens, écoute, les mots qui vibrent
Sur les murs du mois de mai.
Ils te disent la certitude
Que tout peut changer un jour.
Viens, je suis là, je n'attends que toi.
Tout est possible, tout est permis.
Nous prendrons le temps de vivre,
D'être libres, mon amour.
Sans projets et sans habitudes,
Nous pourrons rêver notre vie
(Georges Moustaki)
Zeit zum Leben
Wir werden uns Zeit zum Leben nehmen,
Frei zu sein, meine Liebe
Ohne Pläne und ohne Alltagsroutine
Werden wir unser Leben träumen können
Komm, ich bin da, ich warte nur auf Dich
Alles ist möglich, alles ist erlaubt
Komm, hör doch diese Worte, die vibrieren
Auf den Mauern des Monats Mai
Sie sprechen uns die Gewissheit zu,
Dass sich eines Tages alles ändern kann
Komm, ich bin da, ich warte nur auf Dich
Alles ist möglich, alles ist erlaubt
Wir werden uns Zeit zum Leben nehmen,
Frei zu sein, meine Liebe
Ohne Pläne und ohne Alltagsroutine
Werden wir unser Leben träumen können
*
Sonntag, 27. Januar 2013
Lieber Freund!
Das war eine Trauerfeier, wie ich sie bisher nicht erlebt habe. So wenig wurde geweint von den vielen, die gekommen waren, um Abschied zu nehmen. Keine Verzweiflung war zu spüren.
Alle haben sie Dich geliebt. Und alle haben sie, solang Du am Leben warst und solang sie Dich kannten, von Dir profitiert. Von Deiner Güte und Deiner Freundlichkeit. Von Deiner Gabe, jeden Menschen so nehmen und sein lassen zu können, wie er ist. Mit Dir konnte man nicht streiten, es gab auch keinen Grund. Aber diskutieren konnte man mit Dir, sich austauschen, miteinander sprechen und von Dir lernen. Alle sind wir traurig über den Verlust. Wir hätten Dich so gerne noch bei uns behalten.
Und alle haben wir nur schöne Erinnerungen an Dich. Kaum einer, der nicht ein selbstgeschreinertes Stück von Deinen Händen besitzt. Einer Deiner Musikerfreunde blies zum Abschied auf seinem von Dir gefertigten Alphorn. Ich habe eine von Dir gemachte Tür. Könnte es ein schöneres Symbol geben? Kaum einer, der nicht mindestens eine gebrannte Musik-CD von Dir erhalten hat. Durch Dich habe ich Jazz aus Skandinavien kennen und lieben gelernt. Kaum einer, der sich nicht an die großen Feste in der Schreinerei erinnern kann. Und keiner, der nicht die Erinnerung an inspirierende und wohltuende Gespräche mit Dir als Schatz in sich trägt.
Du hast Dich verabschiedet, als die Zeit gekommen war, und es gab nichts mehr zu klären und zu bereinigen, nichts Dringliches noch kurz vor Schluss. Denn Du hättest es nie soweit kommen lassen, dass sich etwas Ungutes einschlich, etwas Unausgesprochenes, Trennendes. Und so gerne wir alle noch weiter mit Dir gegangen wären: Da gab und gibt es nichts zu beweinen an verpassten Gelegenheiten und an Unerledigtem. Nichts steht zwischen Dir und uns, das nun nicht mehr ausgeräumt werden kann. Wir müssen nicht verzeifelt sein. Wir dürfen traurig sein und froh.
Hab von ganzem Herzen Dank, Du lieber Freund!
Alle haben sie Dich geliebt. Und alle haben sie, solang Du am Leben warst und solang sie Dich kannten, von Dir profitiert. Von Deiner Güte und Deiner Freundlichkeit. Von Deiner Gabe, jeden Menschen so nehmen und sein lassen zu können, wie er ist. Mit Dir konnte man nicht streiten, es gab auch keinen Grund. Aber diskutieren konnte man mit Dir, sich austauschen, miteinander sprechen und von Dir lernen. Alle sind wir traurig über den Verlust. Wir hätten Dich so gerne noch bei uns behalten.
Und alle haben wir nur schöne Erinnerungen an Dich. Kaum einer, der nicht ein selbstgeschreinertes Stück von Deinen Händen besitzt. Einer Deiner Musikerfreunde blies zum Abschied auf seinem von Dir gefertigten Alphorn. Ich habe eine von Dir gemachte Tür. Könnte es ein schöneres Symbol geben? Kaum einer, der nicht mindestens eine gebrannte Musik-CD von Dir erhalten hat. Durch Dich habe ich Jazz aus Skandinavien kennen und lieben gelernt. Kaum einer, der sich nicht an die großen Feste in der Schreinerei erinnern kann. Und keiner, der nicht die Erinnerung an inspirierende und wohltuende Gespräche mit Dir als Schatz in sich trägt.
Du hast Dich verabschiedet, als die Zeit gekommen war, und es gab nichts mehr zu klären und zu bereinigen, nichts Dringliches noch kurz vor Schluss. Denn Du hättest es nie soweit kommen lassen, dass sich etwas Ungutes einschlich, etwas Unausgesprochenes, Trennendes. Und so gerne wir alle noch weiter mit Dir gegangen wären: Da gab und gibt es nichts zu beweinen an verpassten Gelegenheiten und an Unerledigtem. Nichts steht zwischen Dir und uns, das nun nicht mehr ausgeräumt werden kann. Wir müssen nicht verzeifelt sein. Wir dürfen traurig sein und froh.
Hab von ganzem Herzen Dank, Du lieber Freund!
Sonntag, 13. Mai 2012
"Genau wie deine Mutter"
Ich hatte gerade den Laden aufgeschlossen, als der
Anruf aus der Klinik kam. Du warst ganz überraschend am
frühen Morgen gestorben. Niemand hatte nach diesem Routineeingriff mit einer Komplikation gerechnet. Es
war Montag, am Donnerstag hatten wir zum letzten Mal miteinander
gesprochen. Du hattest mich gebeten, am Sonntag wieder anzurufen, doch ich hatte es nicht
getan. Aus einem uralten kindlichen Trotz, den ich nun bitter bereute.
In der darauf folgenden Woche, die ich in deiner Wohnung
verbrachte, um alles zu regeln und zu ordnen, in dieser Woche
zwischen all den von dir geliebten und bewahrten Dingen versöhnte ich mich mit
dir.
Du hattest dich gut auf deinen Tod vorbereitet. Alle nötigen
Unterlagen fand ich in einem Ordner abgeheftet. Eine Mappe mit Wünschen deine
Beerdigung und dein Grab betreffend war ebenfalls angelegt. Du hattest ein
Bestattungsinstitut ausgewählt, die Art des Grabsteins, eine Gärtnerei für die Grabpflege, da wir alle weit entfernt wohnten. Du
hattest Lieder ausgesucht für die Trauerfeier und einen Text, den ich später
unter Tränen der Trauergemeinde vortragen würde: Die „Stufen“ von Hermann
Hesse.
Es gab ein Büchlein mit den Namen und Adressen aller, die im
Falle deines Todes verständigt werden sollten. Ich verbrachte viele Stunden am
Telefon, wurde Zeugin tiefer Bestürzung und Trauer. Erfuhr von Achtung und
Zuneigung, die dir von so vielen Menschen entgegengebracht wurden. Lauschte
Geschichten über dich, die mein Bild von dir erweiterten, teilweise
korrigierten, auf jeden Fall meine subjektive Sicht ergänzten.
Ich sah den Reichtum deiner letzten Jahre, in denen ich dir
mein Interesse, so gut es ging, verweigert hatte. Ich betrachtete dich neu in
diesem Zusammenhang, ließ mich anstecken von der Wertschätzung der anderen, hatte seltsamerweise nicht das Bedürfnis, etwas „richtigzustellen“,
darüber zu sprechen, wie sehr ich die Mutter in dir vermisst hatte.
Ich konnte nicht genug bekommen von diesen Gesprächen mit
Menschen, die dich liebten, die nur Gutes von dir zu berichten wussten. Ich
spürte, wie meine wertende, urteilende Haltung dir gegenüber langsam überlagert
wurde von etwas anderem: dem Wunsch, dich im Rückblick als die Frau zu sehen, die du auch warst: Eine Frau, die versucht hatte, das Beste aus einem nicht einfachen Leben zu machen.
Als wir nach der Beerdigung bei Kaffee und Kuchen
zusammensaßen und ich von Tisch zu Tisch ging, um mit möglichst jedem ein paar
persönliche Worte zu wechseln, hörte ich wieder und wieder, wie ähnlich ich dir
doch sei, sowohl äußerlich als auch in meiner Art, meinem Humor, in bestimmten
Einzelheiten des Verhaltens. Es machte mich stolz. Meine jahrzehntelange
Hoffnung und Anstrengung, niemals so zu werden und zu sein wie du, war
untergraben. Ich war tief berührt und konnte mich erstmals freuen über
den Satz: „Du bist genau wie deine Mutter.“
(für meine Mutter, 1931-2003)
(für meine Mutter, 1931-2003)
Donnerstag, 2. Juni 2011
Zum Vatertag
Erinnerst du dich noch an diesen einen Tag im August 1997?
Ich saß an Deinem Bett und hielt Deine Hände. Es war das erste Mal seit Jahren, dass wir uns berührten.
Du fürchtetest die Männer mit den Schaufeln und das dunkle Loch mitten im Raum.
Ich hatte ein Paket dabei, das trug ich fest verschnürt schon lang mit mir herum.
Wir öffneten es nicht, dazu war es zu spät.
Aber kurz vor Deinem Tod konnte ich endlich damit aufhören, Dich nicht zu lieben.
Ich saß an Deinem Bett und hielt Deine Hände. Es war das erste Mal seit Jahren, dass wir uns berührten.
Du fürchtetest die Männer mit den Schaufeln und das dunkle Loch mitten im Raum.
Ich hatte ein Paket dabei, das trug ich fest verschnürt schon lang mit mir herum.
Wir öffneten es nicht, dazu war es zu spät.
Aber kurz vor Deinem Tod konnte ich endlich damit aufhören, Dich nicht zu lieben.
Freitag, 6. Mai 2011
Unter der Eberesche
Unter der Eberesche ein tiefes quadratisches Loch. Darin Rosenblütenblätter. Unter diesen eine Urne. Darin deine Asche.
Zum Abschied spielen sie Konstantin Wecker, dein Lieblingslied, aus dem du so oft zitiert hast, dass wir es alle mitsingen können:
"Liebes Leben, fang mich ein,
halt mich an die Erde.
Kann doch, was ich bin, nur sein,
wenn ich es auch werde.
Gib mir Tränen, gib mir Mut,
und von allem mehr.
Mach mich böse, mach mich gut,
nur nie ungefähr.
Liebes Leben, abgemacht?
Darfst mir nicht verfliegen.
Hab noch soviel Mitternacht
sprachlos vor mir liegen."
Du wolltest gehen (oder nicht mehr bleiben) und hast dich niemandem erklärt.
Wir verstehen nicht und sprechen hilflos von Respekt und dass man niemals jemanden wirklich kennt. Dabei haben wir dein Bild vor Augen. Ein Film läuft ab und zeigt uns ungerührt auch das, was noch hätte sein können.
Wir trinken Wein zusammen und sprechen über Bücher, Politik, Kindererziehung, Sterbehilfe, Urlaubsziele. Wir organisieren Lesungen, Feste, Demonstrationen. Wir bewegen und verändern. Wir ruhen uns gemeinsam aus.
Ich weiß genau, wie du aussiehst, wenn du lachst, und wenn du dich ereiferst bei Themen, die dir auf der Seele brennen. Wie deine Hände sprechen und deine Augen. Ich war oft anderer Meinung, aber ich mochte dein kongruentes Verhalten.
Wir bauen einen Sandkasten mit den Kindern, machen Radtouren und Walderkundungen. Wir zeigen ihnen unsere Lieblingsfilme, lassen sie los und zahlen ihnen den Führerschein. Wir lieben sie und wollen das Beste für sie.
Dein Sohn steckt mitten im Abitur. Er kann nicht fassen, was du getan hast. Er ist traurig und zornig. Wir unterstützen ihn, aber der einzige wirkliche Trost liegt in der Zeit, die vergehen und heilen wird. So langsam wie nötig.
Wir umarmen einander wortlos und lang und fest. Wir sehen uns in die Augen. Wir verabschieden uns.
Du hast alle, die du liebtest, die dich liebten, unter der Eberesche zusammengebracht. Unsere Hände duften nach Rosen, und unsere Gesichter schmecken nach Meer.
Ich möchte glauben, mein Freund, dass wir uns wiedersehen.
Zum Abschied spielen sie Konstantin Wecker, dein Lieblingslied, aus dem du so oft zitiert hast, dass wir es alle mitsingen können:
"Liebes Leben, fang mich ein,
halt mich an die Erde.
Kann doch, was ich bin, nur sein,
wenn ich es auch werde.
Gib mir Tränen, gib mir Mut,
und von allem mehr.
Mach mich böse, mach mich gut,
nur nie ungefähr.
Liebes Leben, abgemacht?
Darfst mir nicht verfliegen.
Hab noch soviel Mitternacht
sprachlos vor mir liegen."
Du wolltest gehen (oder nicht mehr bleiben) und hast dich niemandem erklärt.
Wir verstehen nicht und sprechen hilflos von Respekt und dass man niemals jemanden wirklich kennt. Dabei haben wir dein Bild vor Augen. Ein Film läuft ab und zeigt uns ungerührt auch das, was noch hätte sein können.
Wir trinken Wein zusammen und sprechen über Bücher, Politik, Kindererziehung, Sterbehilfe, Urlaubsziele. Wir organisieren Lesungen, Feste, Demonstrationen. Wir bewegen und verändern. Wir ruhen uns gemeinsam aus.
Ich weiß genau, wie du aussiehst, wenn du lachst, und wenn du dich ereiferst bei Themen, die dir auf der Seele brennen. Wie deine Hände sprechen und deine Augen. Ich war oft anderer Meinung, aber ich mochte dein kongruentes Verhalten.
Wir bauen einen Sandkasten mit den Kindern, machen Radtouren und Walderkundungen. Wir zeigen ihnen unsere Lieblingsfilme, lassen sie los und zahlen ihnen den Führerschein. Wir lieben sie und wollen das Beste für sie.
Dein Sohn steckt mitten im Abitur. Er kann nicht fassen, was du getan hast. Er ist traurig und zornig. Wir unterstützen ihn, aber der einzige wirkliche Trost liegt in der Zeit, die vergehen und heilen wird. So langsam wie nötig.
Wir umarmen einander wortlos und lang und fest. Wir sehen uns in die Augen. Wir verabschieden uns.
Du hast alle, die du liebtest, die dich liebten, unter der Eberesche zusammengebracht. Unsere Hände duften nach Rosen, und unsere Gesichter schmecken nach Meer.
Ich möchte glauben, mein Freund, dass wir uns wiedersehen.
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Mittwoch, 23. März 2011
Lieber Knut!
Du hättest Dir keinen ungünstigeren Zeitpunkt zum Sterben aussuchen können. Die Welt explodiert, Du bist ein Stäubchen in einer Gerölllawine. Eine seltsame Vernunft will Dir in einem unwürdigen Vergleich alle Bedeutung absprechen.
Meine Empathie ist anarchischer Natur und braucht keine Erlaubnisse. Die Welt entsetzt mich, Dein Tod macht mich traurig. Und er legt - wie Japan - den Finger auf eine weitere vom Menschen verursachte Weltwunde. *
Das bedarf einer Betrachtung, die zu selbstkritischer Reflexion und im wünschenswertesten Fall zu einer Verhaltenskorrektur führt. (Wie sehr wir das wissen und doch so träge in der Umsetzung sind. Und schon droht meine Tastatur mit Streik, aus Furcht vor weiteren Gemeinplätzen.)
Bleibt zu hoffen, dass es da, wo Du jetzt bist, noch ein bisschen Glück für Dich gibt.
R.I.P.
*Anmerkung für den Leser: Wenn an dieser Stelle automatisch die Waage im Hirn anspringt, sofort ausschalten! Es handelt sich um einen unangemessenen Reflex.
Meine Empathie ist anarchischer Natur und braucht keine Erlaubnisse. Die Welt entsetzt mich, Dein Tod macht mich traurig. Und er legt - wie Japan - den Finger auf eine weitere vom Menschen verursachte Weltwunde. *
Das bedarf einer Betrachtung, die zu selbstkritischer Reflexion und im wünschenswertesten Fall zu einer Verhaltenskorrektur führt. (Wie sehr wir das wissen und doch so träge in der Umsetzung sind. Und schon droht meine Tastatur mit Streik, aus Furcht vor weiteren Gemeinplätzen.)
Bleibt zu hoffen, dass es da, wo Du jetzt bist, noch ein bisschen Glück für Dich gibt.
R.I.P.
*Anmerkung für den Leser: Wenn an dieser Stelle automatisch die Waage im Hirn anspringt, sofort ausschalten! Es handelt sich um einen unangemessenen Reflex.
*
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