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Donnerstag, 15. Juni 2017
Als ich noch Tier war
Als ich noch Tier war, nahezu, mich noch hineinzufühlen wusste in einen Hund, der einsam streunt durch die Nacht, als ich noch blutsverwandt war mit den mondsüchtigen Wölfen, scheu und wild, als ich noch laut zu heulen wusste, als Scham mir noch fremd war wie alles nie Gesehene, nie Gehörte, nie Erlebte, als ich noch erdverbunden schlief, geborgen im Finstern, wissend um den Mond, als mein Bauch mir noch Kompass war durch den Tag und durch die tiefgrüne Welt; als ich noch Tier war, nahezu, und die Städte nur streifte und etwas in mir doch schon wusste, dass die Lichter einen Reiz ausüben würden, dem ich eines Tages nicht mehr würde widerstehen können; als ich noch nahezu Tier war mit dem Willen eines Tieres und dem gesunden Instinkt und aber auch der Neugier und einem Sehnen, das ich erst im Nachhinein würde erkennen und benennen können, wenn es zu spät wäre, um die Evolution zu stoppen, die doch eine Folge eben dieser Unbändigkeit ist, nach der ich mich heute manchmal zurücksehne, da ich schon längst nicht mehr nahezu Tier bin, aber sehr genau und tief verwurzelt in mir immer noch darum weiß, für immer weiß.
Sonntag, 12. Februar 2017
Alice? (Notiz aus der Mitte)
Alice?
...
Hey, Alice!
...
...
Ja?
Alice! Ich dachte schon, du ...
Was?
Ach , ich weiß nicht, ich dachte ... ich hab dich einfach vermisst. Sehr.
Ich weiß, ich vermisse mich auch.
Du vermisst dich?
Ja, und wie.
Aber ...
Nichts aber.
Erklär‘s mir.
Das kann ich nicht. Will ich auch nicht.
Du warst schon mal offener.
Ich bin immer noch offen, nur nicht in beide Richtungen.
Ach so ...
Verstehst du das?
Nee, nicht wirklich.
Ach Hase.
Ach Alice.
Wir zwei.
Ja? Immer noch?
Aber natürlich! Wie kannst du daran zweifeln?
Weil alles so anders ist.
Nicht alles, Hase.
Aber das Beste.
Das Beste? Das kommt erst noch. Ganz bestimmt.
Glaubst du das wirklich?
Ja, das glaube ich. Erinnerst du dich an die beiden am Fluss?
Na klar, wie könnte ich die je vergessen.
Dann weißt du auch noch, wie lange sie gewartet haben. Und wie geduldig.
Ja, weiß ich noch. Und am Ende hat sie tatsächlich gesungen.
Das hat sie. Und wie schön das war.
Es war das Beste, was ich je ...
Siehst du! *lächel*
*seufz* Ich hab dich lieb, Alice.
Ich dich auch, Hase.
Wir zwei.
Ja, Hase, wir zwei.
Inwendig, tief in mir drin schlummert etwas, wartet, worauf? Auf den richtigen Zeitpunkt? Wenn ich das bloß wüsste! Es hat – möglicherweise – etwas mit Alice und dem Hasen zu tun. Mit einer schlafenden Nachtigall und anderen geflügelten Wesen. Möglicherweise. Vielleicht auch mit etwas ganz anderem. Oder etwas Ähnlichem, Verwandtem. Oder ... Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht ist es eher ein Prozess der Häutung. Des Abschieds. Der Hinwendung zu etwas Neuem. Vielleicht auch nicht. Inmitten meines (endlich!, ja, endlich, dachte ich) sehr geordneten Lebens beginne ich zu schwimmen, zu trudeln, mich zu fragen ... Viel zu früh! Gib dir mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar fünf, sage ich mir selbst. Du bist so frei. So frei. Hinge da nicht dieser Planet an meinen Füßen ...
...
Hey, Alice!
...
...
Ja?
Alice! Ich dachte schon, du ...
Was?
Ach , ich weiß nicht, ich dachte ... ich hab dich einfach vermisst. Sehr.
Ich weiß, ich vermisse mich auch.
Du vermisst dich?
Ja, und wie.
Aber ...
Nichts aber.
Erklär‘s mir.
Das kann ich nicht. Will ich auch nicht.
Du warst schon mal offener.
Ich bin immer noch offen, nur nicht in beide Richtungen.
Ach so ...
Verstehst du das?
Nee, nicht wirklich.
Ach Hase.
Ach Alice.
Wir zwei.
Ja? Immer noch?
Aber natürlich! Wie kannst du daran zweifeln?
Weil alles so anders ist.
Nicht alles, Hase.
Aber das Beste.
Das Beste? Das kommt erst noch. Ganz bestimmt.
Glaubst du das wirklich?
Ja, das glaube ich. Erinnerst du dich an die beiden am Fluss?
Na klar, wie könnte ich die je vergessen.
Dann weißt du auch noch, wie lange sie gewartet haben. Und wie geduldig.
Ja, weiß ich noch. Und am Ende hat sie tatsächlich gesungen.
Das hat sie. Und wie schön das war.
Es war das Beste, was ich je ...
Siehst du! *lächel*
*seufz* Ich hab dich lieb, Alice.
Ich dich auch, Hase.
Wir zwei.
Ja, Hase, wir zwei.
*
Inwendig, tief in mir drin schlummert etwas, wartet, worauf? Auf den richtigen Zeitpunkt? Wenn ich das bloß wüsste! Es hat – möglicherweise – etwas mit Alice und dem Hasen zu tun. Mit einer schlafenden Nachtigall und anderen geflügelten Wesen. Möglicherweise. Vielleicht auch mit etwas ganz anderem. Oder etwas Ähnlichem, Verwandtem. Oder ... Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht ist es eher ein Prozess der Häutung. Des Abschieds. Der Hinwendung zu etwas Neuem. Vielleicht auch nicht. Inmitten meines (endlich!, ja, endlich, dachte ich) sehr geordneten Lebens beginne ich zu schwimmen, zu trudeln, mich zu fragen ... Viel zu früh! Gib dir mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar fünf, sage ich mir selbst. Du bist so frei. So frei. Hinge da nicht dieser Planet an meinen Füßen ...
Donnerstag, 26. Januar 2017
Stein und Rose reloaded
Vor sieben Jahren habe ich ein kleines pazifistisches Gedicht geschrieben, mit dem ich hin und wieder neu konfrontiert werde, wenn meine Statistik mir anzeigt, dass es jemand aufgerufen hat.
Stein und Rose
Du hebst den Stein
Ich pflücke die Rose
Du holst weit aus
Ich strecke den Arm
Du wirfst den Stein
Ich reiche die Rose
Du triffst mich nicht
Aber ich treffe dich
(Man könnte auch sagen I had a dream)
Was dieses Gedicht für mich bedeutet und wie ich zu seiner Aussage stehe, unterliegt über die Jahre einem Wandel.
Stein und Rose
Du hebst den Stein
Ich pflücke die Rose
Du holst weit aus
Ich strecke den Arm
Du wirfst den Stein
Ich reiche die Rose
Du triffst mich nicht
Aber ich treffe dich
(Man könnte auch sagen I had a dream)
Was dieses Gedicht für mich bedeutet und wie ich zu seiner Aussage stehe, unterliegt über die Jahre einem Wandel.
Ganz am Anfang stand es in meinem Blog an prominenter Stelle, war immer gleich zu sehen und zu lesen. Irgendwann nahm ich es heraus, die Gründe sind komplex und beschämend simpel zugleich: Es wurde mir peinlich, da es mir (zu) naiv schien, nahezu kitschig, unterkomplex in einer komplexen Welt (dreimal komplex in einem Satz, uff ...).
Und heute?
Unablässig bin ich mit Nachrichten aus der Welt beschäftigt, reflektiere sie und meine Reaktion darauf, bin manchmal erstaunt über mich selbst, manchmal auch erschrocken, aber es schält sich etwas heraus, das schon damals, vor sieben Jahren (und wahrscheinlich schon in den Jahrzehnten zuvor) Grundlage meiner inneren Haltung war und ist:
Ich bin Pazifistin und (nicht aber!) eine radikale Verfechterin von Freiheitsrechten. Das ist nicht bequem, unter anderem deshalb, weil sich mein Platz häufig zwischen den Stühlen befindet. Beispiel: Auf welchen Stuhl soll ich mich setzen, wenn (alternativ: unter welchem Hut lässt sich zusammenfassen, dass) ich folgende Ansichten vertrete (eine kleine Auswahl, die willkürlich ist und keinen Prioritäten folgt):
– Refugees welcome! Ausnahmslos.
– Dem Islam ist dringend kritisch zu begegnen. Dies hat mit Islamophobie nichts zu tun und leitet sich ab aus einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber ausnahmslos jeder Religion, da jede in fundamentalistischer Ausprägung zu alleinigem Wahrheitsanspruch, geschlossenem Denk- und Argumentationssystem, Unterdrückung und Unterwerfung neigt.
– Frauenrechte sind Menschenrechte sind universell.
– Sexuelle Übergriffe, verbale ebenso wie tätliche, sind zu verfolgen und zu bestrafen bzw. durch jedes mögliche rechtsstaatliche Mittel zu verhindern. Ausnahmslos.
– Jeder Mensch hat ein Recht auf Asyl und darf auch dann nicht abgeschoben werden, wenn er straffällig wird, so lange sein Herkunftsland nicht wirklich sicher ist, d.h. die Menschenrechte vollumfänglich vertritt.
– Dank an die Polizei in der Kölner Silvesternacht 2016 für das Garantieren der Freiheitsrechte der Frauen.
– Nein zu verstärkter Abschiebepraxis (s.o.).
– Ja zum Nein des Verfassungsgericht zum NPD-Verbot. In meinen Augen ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie. (auch wenn ich zugegebenerweise erstmal schlucken musste)
– Ja zu einer aktiven unablässigen Erinnerungskultur. Nein zur AfD und ihren nationalsozialistischen, zur Geschichtsklitterung neigenden Tendenzen.
– Ja zur geplanten Abschaffung des Paragraphen 103 der „Majestätsbeleidigung“.
– Nein zur Witzfigur Trump.
– Dank an alle, die gegen ihn und seine Politik der Dummheit demonstrieren.
– ...
Diese Liste stellt ein Sammelsurium dar, das unvollständig ist, aber vielleicht deutlich macht, warum ich mich weder auf links noch auf rechts platzierte Stühle setzen möchte. Und ich will mich noch nicht einmal, obwohl ich mich ihnen am nächsten fühle, den Humanisten anschließen. Solidarisch sein – ja, am ehesten noch mit Frauen (aber auch da nicht ausnahmslos), immer mit Einzelnen, Freiheitsliebenden; einer Gruppierung, einem Verein beitreten – nein.
Ausgangspunkt für diese Gedankensammlung war aber das Gedicht von Stein und Rose.
Ich finde mich wieder darin, nachdem ich es lange als zu einfach, als unterkomplex empfunden habe. Ich möchte wieder Rosen pflücken gegen die Steinewerfer. Keine überzüchteten Rosen ohne Dornen, nein, wildduftende müssen es sein, an denen man sich die Finger blutig sticht. Ich möchte diese Rosen auf die Stühle derer legen, die sich so sicher sind, auf der richtigen Seite zu sitzen. Auf die Rednerpulte derer, die ihre Fäuste niedersausen lassen zur Unterstreichung ihrer populistischen Parolen. Auf die Wege derer, die im Gleichschritt marschieren.
Man könnte auch sagen I have dream. Yes, I have.
Und heute?
Unablässig bin ich mit Nachrichten aus der Welt beschäftigt, reflektiere sie und meine Reaktion darauf, bin manchmal erstaunt über mich selbst, manchmal auch erschrocken, aber es schält sich etwas heraus, das schon damals, vor sieben Jahren (und wahrscheinlich schon in den Jahrzehnten zuvor) Grundlage meiner inneren Haltung war und ist:
Ich bin Pazifistin und (nicht aber!) eine radikale Verfechterin von Freiheitsrechten. Das ist nicht bequem, unter anderem deshalb, weil sich mein Platz häufig zwischen den Stühlen befindet. Beispiel: Auf welchen Stuhl soll ich mich setzen, wenn (alternativ: unter welchem Hut lässt sich zusammenfassen, dass) ich folgende Ansichten vertrete (eine kleine Auswahl, die willkürlich ist und keinen Prioritäten folgt):
– Refugees welcome! Ausnahmslos.
– Dem Islam ist dringend kritisch zu begegnen. Dies hat mit Islamophobie nichts zu tun und leitet sich ab aus einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber ausnahmslos jeder Religion, da jede in fundamentalistischer Ausprägung zu alleinigem Wahrheitsanspruch, geschlossenem Denk- und Argumentationssystem, Unterdrückung und Unterwerfung neigt.
„Es gab christlichen Terror wie zu Zeiten der Kreuzzüge, und es gab jüdischen Terror wie durch die Untergrundorganisation Irgun zur Zeit der israelischen Staatsgründung. Es gibt – man mag es kaum glauben – buddhistischen Terror in Myanmar gegenüber der islamischen Minderheit, und es gibt hinduistischen Terror, wie etwa in Form des Massenmords an Muslimen 2002 im indischen Gujarat.“
(aus: Oliver Jeges: Islamophobie? Wir nennen es Aufklärung, Welt online, 28.10.2014, ein Artikel, der nach wie vor aktuell und wichtig ist)
– Frauenrechte sind Menschenrechte sind universell.
– Sexuelle Übergriffe, verbale ebenso wie tätliche, sind zu verfolgen und zu bestrafen bzw. durch jedes mögliche rechtsstaatliche Mittel zu verhindern. Ausnahmslos.
– Jeder Mensch hat ein Recht auf Asyl und darf auch dann nicht abgeschoben werden, wenn er straffällig wird, so lange sein Herkunftsland nicht wirklich sicher ist, d.h. die Menschenrechte vollumfänglich vertritt.
– Dank an die Polizei in der Kölner Silvesternacht 2016 für das Garantieren der Freiheitsrechte der Frauen.
– Nein zu verstärkter Abschiebepraxis (s.o.).
– Ja zum Nein des Verfassungsgericht zum NPD-Verbot. In meinen Augen ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie. (auch wenn ich zugegebenerweise erstmal schlucken musste)
– Ja zu einer aktiven unablässigen Erinnerungskultur. Nein zur AfD und ihren nationalsozialistischen, zur Geschichtsklitterung neigenden Tendenzen.
– Ja zur geplanten Abschaffung des Paragraphen 103 der „Majestätsbeleidigung“.
– Nein zur Witzfigur Trump.
– Dank an alle, die gegen ihn und seine Politik der Dummheit demonstrieren.
– ...
Diese Liste stellt ein Sammelsurium dar, das unvollständig ist, aber vielleicht deutlich macht, warum ich mich weder auf links noch auf rechts platzierte Stühle setzen möchte. Und ich will mich noch nicht einmal, obwohl ich mich ihnen am nächsten fühle, den Humanisten anschließen. Solidarisch sein – ja, am ehesten noch mit Frauen (aber auch da nicht ausnahmslos), immer mit Einzelnen, Freiheitsliebenden; einer Gruppierung, einem Verein beitreten – nein.
Ausgangspunkt für diese Gedankensammlung war aber das Gedicht von Stein und Rose.
Ich finde mich wieder darin, nachdem ich es lange als zu einfach, als unterkomplex empfunden habe. Ich möchte wieder Rosen pflücken gegen die Steinewerfer. Keine überzüchteten Rosen ohne Dornen, nein, wildduftende müssen es sein, an denen man sich die Finger blutig sticht. Ich möchte diese Rosen auf die Stühle derer legen, die sich so sicher sind, auf der richtigen Seite zu sitzen. Auf die Rednerpulte derer, die ihre Fäuste niedersausen lassen zur Unterstreichung ihrer populistischen Parolen. Auf die Wege derer, die im Gleichschritt marschieren.
Man könnte auch sagen I have dream. Yes, I have.
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Weltgeschehen
Samstag, 10. Dezember 2016
Veränderung
Du hast dich verändert, sagt er.
Ja, sagt sie, wie ein Marmorblock, aus dem Stück für Stück die eingeschlossene Skulptur befreit wird.
hiermit verwandt: Aus dem stummen Stein
Ja, sagt sie, wie ein Marmorblock, aus dem Stück für Stück die eingeschlossene Skulptur befreit wird.
*
hiermit verwandt: Aus dem stummen Stein
Mittwoch, 16. November 2016
Fragment
Wie man Fuß fasst in der Welt, der großen weiten und der eigenen kleinen nicht minder weiten, wenn die Fesseln erst einmal abgeworfen sind.
Welche Fesseln, fragst du, und ich antworte nicht gleich, weil es schwierig ist, etwas zu vermitteln, wirklich schwierig. Es so zu vermitteln, dass es unverfälscht ankommt. Du würdest, vermutlich, nicht verstehen.
Welche Fesseln? Du insistierst, ich frage mich, welche Möglichkeiten ich habe.
Weißt du, sage ich, ich habe Angst um meine Antwort, deshalb fällt es mir schwer, sie hinauszulassen.
Du redest vielleicht ein wirres Zeug, sagst du.
Siehst du, sage ich, genau davor habe ich meine Antwort beschützt.
Wie man Fuß fasst in einer Welt, die wissen will, nicht um zu wachsen, sondern um zu herrschen. Wie man dort Fuß fassen soll, frage ich mich. Und wieso man dort Fuß fassen will, wenn man doch gerade erst die Fesseln ...
Ich gehe dann lieber mal, sagst du.
Gute Idee, sage ich, und schließe die Tür, meine Tür, hinter dir.
Wer fällt mir jetzt ins unausgesprochene Wort? Ins nicht zu Ende Gedachte? Wer stellt die falschen Fragen aus den falschen Gründen?
Woran wachse ich jetzt? (Das fragst du nicht im Ernst!)
Welche Fesseln, fragst du, und ich antworte nicht gleich, weil es schwierig ist, etwas zu vermitteln, wirklich schwierig. Es so zu vermitteln, dass es unverfälscht ankommt. Du würdest, vermutlich, nicht verstehen.
Welche Fesseln? Du insistierst, ich frage mich, welche Möglichkeiten ich habe.
Weißt du, sage ich, ich habe Angst um meine Antwort, deshalb fällt es mir schwer, sie hinauszulassen.
Du redest vielleicht ein wirres Zeug, sagst du.
Siehst du, sage ich, genau davor habe ich meine Antwort beschützt.
Wie man Fuß fasst in einer Welt, die wissen will, nicht um zu wachsen, sondern um zu herrschen. Wie man dort Fuß fassen soll, frage ich mich. Und wieso man dort Fuß fassen will, wenn man doch gerade erst die Fesseln ...
Ich gehe dann lieber mal, sagst du.
Gute Idee, sage ich, und schließe die Tür, meine Tür, hinter dir.
Wer fällt mir jetzt ins unausgesprochene Wort? Ins nicht zu Ende Gedachte? Wer stellt die falschen Fragen aus den falschen Gründen?
Woran wachse ich jetzt? (Das fragst du nicht im Ernst!)
Freitag, 16. September 2016
Mutterstück
Dass mir die Zeit fehlt ...
Deine Mutter. Erst gebärt sie dich, dann stirbt sie. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen euer Verhältnis sich auswirkt: in die Vergangenheit, in die Zukunft, in die Struktur deines Körpers, deines Wesens. Zum Glück gibt‘s fähige Therapeutinnen. Und die Zeit. Und die wunderbare Möglichkeit sich zu entwickeln. Dem Kokon, den klebrigen Fäden zu entschlüpfen. Du zu sein, wie frisch gewaschen. Wenn auch nicht mehr die Jüngste. Was dann aber so unwichtig ist, wie du es dir nie hättest träumen lassen. Wenn du die Straße entlang gehst, senkst du deinen Blick nicht. Das fällt dir auf, es ist eine Veränderung. Es fällt dir auf und es macht dich froh. Und es macht dich stolz. Du hast es bis hierher geschafft. Du hast es weit gebracht. Und da kommt noch mehr. Manchmal vermisst du sie. Deine Mutter. Wenn sie dich heute sehen könnte. Du ahnst, dass sie froh wäre. Dass sie Frieden schließen könnte. Nicht zuletzt mit sich. Vielleicht hat sie es längst getan. In ihren letzten Stunden, Tagen, Jahren. Und hat es für sich behalten, weil sie dich nicht schon wieder hineinziehen wollte, weil auch sie die klebrigen Fäden abstreifen wollte, weil sie wusste, dass es für bestimmte Wege keine Abkürzungen gibt und dass jede ihren Weg selbst und allein gehen muss, darf ... Deine Mutter. Erzähl deiner Tochter von ihr. Und von dir.
Zu diesen Gedanken, die ich in wenigen Minuten aufgeschrieben habe, wie sie mir kamen, und die ich unbearbeitet so stehen lasse, hat mich das Lesen in Elkes Blog Tausend Mutterbilder angeregt. Schnell aufgeschrieben, zu mehr fehlt mir – immer noch – die Zeit.
Deine Mutter. Erst gebärt sie dich, dann stirbt sie. Dazwischen liegen Jahrzehnte, in denen euer Verhältnis sich auswirkt: in die Vergangenheit, in die Zukunft, in die Struktur deines Körpers, deines Wesens. Zum Glück gibt‘s fähige Therapeutinnen. Und die Zeit. Und die wunderbare Möglichkeit sich zu entwickeln. Dem Kokon, den klebrigen Fäden zu entschlüpfen. Du zu sein, wie frisch gewaschen. Wenn auch nicht mehr die Jüngste. Was dann aber so unwichtig ist, wie du es dir nie hättest träumen lassen. Wenn du die Straße entlang gehst, senkst du deinen Blick nicht. Das fällt dir auf, es ist eine Veränderung. Es fällt dir auf und es macht dich froh. Und es macht dich stolz. Du hast es bis hierher geschafft. Du hast es weit gebracht. Und da kommt noch mehr. Manchmal vermisst du sie. Deine Mutter. Wenn sie dich heute sehen könnte. Du ahnst, dass sie froh wäre. Dass sie Frieden schließen könnte. Nicht zuletzt mit sich. Vielleicht hat sie es längst getan. In ihren letzten Stunden, Tagen, Jahren. Und hat es für sich behalten, weil sie dich nicht schon wieder hineinziehen wollte, weil auch sie die klebrigen Fäden abstreifen wollte, weil sie wusste, dass es für bestimmte Wege keine Abkürzungen gibt und dass jede ihren Weg selbst und allein gehen muss, darf ... Deine Mutter. Erzähl deiner Tochter von ihr. Und von dir.
Zu diesen Gedanken, die ich in wenigen Minuten aufgeschrieben habe, wie sie mir kamen, und die ich unbearbeitet so stehen lasse, hat mich das Lesen in Elkes Blog Tausend Mutterbilder angeregt. Schnell aufgeschrieben, zu mehr fehlt mir – immer noch – die Zeit.
Samstag, 18. Juni 2016
Still so still
Still so still
unter tausend Fäden den gefunden,
der mich löst
er hält mich und ich ihn
lose in der Hand
Still so still
das Wasser rauscht
vorbei hindurch
die Füße nackt
weil: Sommer!
Wie viele Kindheiten hatten wir?
Welche davon waren heil?
Das Fischlein springt
der Haken fängt sich in der Luft
in allen Wipfeln du
und:
Still so still
weil ich es will
so hat das Älterwerden sich gelohnt
der Blick geht weit
und hält erst hinterm Horizont
im Innern bin ich
die mir innewohnt
unter tausend Fäden den gefunden,
der mich löst
er hält mich und ich ihn
lose in der Hand
Still so still
das Wasser rauscht
vorbei hindurch
die Füße nackt
weil: Sommer!
Wie viele Kindheiten hatten wir?
Welche davon waren heil?
Das Fischlein springt
der Haken fängt sich in der Luft
in allen Wipfeln du
und:
Still so still
weil ich es will
so hat das Älterwerden sich gelohnt
der Blick geht weit
und hält erst hinterm Horizont
im Innern bin ich
die mir innewohnt
Dienstag, 31. Mai 2016
Freundinnen
"Wie du das alles bewältigst." Sie staunt über meine Tatkraft.
"Ach, ich weiß nicht. Es bleibt trotzdem so vieles liegen", wiegele ich ab.
Das ist keine falsche Bescheidenheit meinerseits, ich sehe es wirklich so. Mag sein, dass ich zu hohe Erwartungen an mich habe. Aber es ist nun einmal Fakt, dass die Welt noch nicht gerettet ist.
"Hey!" Sie streicht mir über den Arm. "Du musst die Welt nicht im Alleingang retten."
Sie kann meine Gedanken lesen, konnte es schon immer. Sie durchschaut mich, das nervt manchmal.
Wir sind Freundinnen, ein eingespieltes Team. Eingefahren. Festgefahren, denke ich in Augenblicken wie diesem, aber das ist irgendwie gemein. Oder?
Wir kennen uns gut, das hat etwas Beruhigendes. Und es engt uns ein. Abweichendes Verhalten bewerten wir gerne als nicht authentisch. Aber liegen wir damit richtig?
Wieviel Entwicklung trauen und gestehen wir einander noch zu? Wieviel Überraschendes sind wir noch bereit anzunehmen, mit offenen Armen?
Manchmal wünschte ich, wir lernten uns gerade erst kennen und machten uns ganz neu miteinander vertraut. Ob wir dann freier wären, offener im Nehmen und im Geben? Ob wir uns sympathisch wären und mehr voneinander erfahren wollten?
Vielleicht entschieden wir uns heute dafür, entfernte Bekannte oder gar Fremde zu bleiben.
"Worüber grübelst du denn jetzt schon wieder nach, hm?" Sie zwickt mich in die Wange und wuschelt mir durchs Haar.
Soll ich’s ihr sagen?
Soll ich sagen, dass ich wünschte, wir kennten uns nicht, um unserer Freundschaft eine neue Chance zu geben? Auch auf die Gefahr hin, dass ...
"Bitte, sag’s nicht", flüstert sie, hält die Luft an und nimmt meine Hand, umschließt sie so fest, dass ich weiß: Sie wird mich nicht mehr loslassen.
Auf immer, denke ich, jede so oder so zu deutende Betonung vermeidend, und erleichtert atmet sie aus.
"Ach, ich weiß nicht. Es bleibt trotzdem so vieles liegen", wiegele ich ab.
Das ist keine falsche Bescheidenheit meinerseits, ich sehe es wirklich so. Mag sein, dass ich zu hohe Erwartungen an mich habe. Aber es ist nun einmal Fakt, dass die Welt noch nicht gerettet ist.
"Hey!" Sie streicht mir über den Arm. "Du musst die Welt nicht im Alleingang retten."
Sie kann meine Gedanken lesen, konnte es schon immer. Sie durchschaut mich, das nervt manchmal.
Wir sind Freundinnen, ein eingespieltes Team. Eingefahren. Festgefahren, denke ich in Augenblicken wie diesem, aber das ist irgendwie gemein. Oder?
Wir kennen uns gut, das hat etwas Beruhigendes. Und es engt uns ein. Abweichendes Verhalten bewerten wir gerne als nicht authentisch. Aber liegen wir damit richtig?
Wieviel Entwicklung trauen und gestehen wir einander noch zu? Wieviel Überraschendes sind wir noch bereit anzunehmen, mit offenen Armen?
Manchmal wünschte ich, wir lernten uns gerade erst kennen und machten uns ganz neu miteinander vertraut. Ob wir dann freier wären, offener im Nehmen und im Geben? Ob wir uns sympathisch wären und mehr voneinander erfahren wollten?
Vielleicht entschieden wir uns heute dafür, entfernte Bekannte oder gar Fremde zu bleiben.
"Worüber grübelst du denn jetzt schon wieder nach, hm?" Sie zwickt mich in die Wange und wuschelt mir durchs Haar.
Soll ich’s ihr sagen?
Soll ich sagen, dass ich wünschte, wir kennten uns nicht, um unserer Freundschaft eine neue Chance zu geben? Auch auf die Gefahr hin, dass ...
"Bitte, sag’s nicht", flüstert sie, hält die Luft an und nimmt meine Hand, umschließt sie so fest, dass ich weiß: Sie wird mich nicht mehr loslassen.
Auf immer, denke ich, jede so oder so zu deutende Betonung vermeidend, und erleichtert atmet sie aus.
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Sonntag, 3. Januar 2016
Statt eines Ausblicks: eine Idee von Heilung
den Planeten Kindheit noch in der Faust, die du nicht freiwillig öffnest
das Plätschern des Alls noch im Ohr
ach und die Sternsplitterreste in den blutig geschlagenen Knien
wie groß du geworden bist
und wie alt
und wie klein du noch bist, an manchen Tagen
und wie jung
deine Fußsohlen: seit jeher unempfindlicher als dein Herz
so heilt dich dein Gehen
weiter, immer weiter
dann schließlich (am Meer!) ((so die Idee)) öffnest du die Faust
branden Alt und Neu ineinander
blutet die Wunde ein allerletztes Mal, bevor
Du bist gut im neuen Jahr gelandet. Deine Flügel tragen also (noch). Deine Vorsätze: keine oder: weiter zu gehen, immer weiter; dich gut um dich zu kümmern (Du weißt genau, was das heißt.)
das Plätschern des Alls noch im Ohr
ach und die Sternsplitterreste in den blutig geschlagenen Knien
wie groß du geworden bist
und wie alt
und wie klein du noch bist, an manchen Tagen
und wie jung
deine Fußsohlen: seit jeher unempfindlicher als dein Herz
so heilt dich dein Gehen
weiter, immer weiter
dann schließlich (am Meer!) ((so die Idee)) öffnest du die Faust
branden Alt und Neu ineinander
blutet die Wunde ein allerletztes Mal, bevor
***
Du bist gut im neuen Jahr gelandet. Deine Flügel tragen also (noch). Deine Vorsätze: keine oder: weiter zu gehen, immer weiter; dich gut um dich zu kümmern (Du weißt genau, was das heißt.)
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Montag, 23. November 2015
Zeichensetzen (Meta)
Eben stieß ich über mehrere Querverweise auf den Artikel Ein Zeichen setzen bei Holio, der mich dazu bewegte, über das Thema Zeichensetzen, speziell nach den Anschlägen in Paris, nachzudenken. Ich schrieb einen Kommentar unter seinen Artikel und stellte während meines Schreibens fest, dass ich von einer konkreten Reaktion auf einen Abschnitt in seinem Artikel mehr und mehr zu einem assoziierenden Nachdenken über meine eigenen Beweggründe hindriftete. Deshalb kopiere ich meinen Kommentar zusätzlich als eigenen Post hier herüber:
„Sie schreiben: „Bei Zeichen stellen sich Fragen.“ und fragen: „An wen richtet sich das Zeichen?“ und stellen ein paar Antwortmöglichkeiten vor: Terroristen (die aber weniger, sagen Sie), Medien, nähere Umgebung, als Ausdruck der Trauer (an wen gerichtet, sagen Sie da nicht).
Ich stelle mir auch Fragen zu den verschiedenen Zeichen, auch und vor allem zu denen, die ich selbst setze. (Kann ich, will ich, soll ich, darf ich, muss ich?) Die Frage, die ich mir dabei bisher nicht gestellt habe, ist die nach einem Adressaten. Deshalb verblüfft sie mich im ersten Moment, als ich sie hier bei Ihnen lese. Und ich überprüfe dann doch noch einmal meine Motivation, denn klar, das Zeichen, das ich setze, geht ja nach außen, wird sichtbar für jeden, der hinsieht. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt?
Die Ereignisse in Paris begleiten mich seit ich davon erfuhr in meinem Denken und Tun. Ich schrieb darüber ( http://iris-bluetenblaetter.blogspot.de/2015/11/koln-paris-koln-oder-jetzt-erst-recht.html ), persönlich und ohne Manifestcharakter, mehr in dem Sinn eines Entwicklungsschritts, dem mit Sicherheit weitere folgen werden. Während ich für mich zu einer „Jetzt erst recht“-Haltung kam, war mein Blick auf Paris und auf mein Inneres gerichtet, nicht auf einen möglichen Adressaten. Das Gefühl, meine Haltung der Welt zeigen zu müssen, kam später dazu, aber auch da ohne einen bestimmten Adressaten im Blick. Der Gedanke dahinter vor allem, dass ich es mir selbst schulde und – vielleicht etwas abstrakt – den Werten, die mir wichtig sind. Und eigentlich zeige ich es damit dann allen. Alle, die hinsehen, sollen sehen, was ich denke. Ich verstecke es/mich nicht.
Es klingt vielleicht nach einem unwesentlichen Unterschied in der Motivation, am Ergebnis kaum abzulesen, für mich aber doch bedeutend. Denn einen Adressaten im Blick zu haben, würde meine Beweggründe verwässern, würde mein Zeichensetzen, würde mein Reden und Schreiben beeinflussen, es wäre auf Wirkung ausgerichtet. Es wäre wie das Überstreifen einer (öffentlichkeitswirksamen) Maske. Ohne die Ausgerichtetheit auf einen Adressaten ist es aber genau das Gegenteil, nämlich das Ablegen einer Maske. Gesicht zeigen, das ist wohl das eigentliche Zeichen.
[...]“
Ich stelle mir auch Fragen zu den verschiedenen Zeichen, auch und vor allem zu denen, die ich selbst setze. (Kann ich, will ich, soll ich, darf ich, muss ich?) Die Frage, die ich mir dabei bisher nicht gestellt habe, ist die nach einem Adressaten. Deshalb verblüfft sie mich im ersten Moment, als ich sie hier bei Ihnen lese. Und ich überprüfe dann doch noch einmal meine Motivation, denn klar, das Zeichen, das ich setze, geht ja nach außen, wird sichtbar für jeden, der hinsieht. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt?
Die Ereignisse in Paris begleiten mich seit ich davon erfuhr in meinem Denken und Tun. Ich schrieb darüber ( http://iris-bluetenblaetter.blogspot.de/2015/11/koln-paris-koln-oder-jetzt-erst-recht.html ), persönlich und ohne Manifestcharakter, mehr in dem Sinn eines Entwicklungsschritts, dem mit Sicherheit weitere folgen werden. Während ich für mich zu einer „Jetzt erst recht“-Haltung kam, war mein Blick auf Paris und auf mein Inneres gerichtet, nicht auf einen möglichen Adressaten. Das Gefühl, meine Haltung der Welt zeigen zu müssen, kam später dazu, aber auch da ohne einen bestimmten Adressaten im Blick. Der Gedanke dahinter vor allem, dass ich es mir selbst schulde und – vielleicht etwas abstrakt – den Werten, die mir wichtig sind. Und eigentlich zeige ich es damit dann allen. Alle, die hinsehen, sollen sehen, was ich denke. Ich verstecke es/mich nicht.
Es klingt vielleicht nach einem unwesentlichen Unterschied in der Motivation, am Ergebnis kaum abzulesen, für mich aber doch bedeutend. Denn einen Adressaten im Blick zu haben, würde meine Beweggründe verwässern, würde mein Zeichensetzen, würde mein Reden und Schreiben beeinflussen, es wäre auf Wirkung ausgerichtet. Es wäre wie das Überstreifen einer (öffentlichkeitswirksamen) Maske. Ohne die Ausgerichtetheit auf einen Adressaten ist es aber genau das Gegenteil, nämlich das Ablegen einer Maske. Gesicht zeigen, das ist wohl das eigentliche Zeichen.
[...]“
Ich bin tatsächlich dankbar für den Anstoß, denn ich finde das Nachdenken über meine Beweggründe wichtig. Mir bedeutet es viel, nicht für jemanden zu schreiben, sondern aus mir. Wer regelmäßig hier liest, weiß das vielleicht, ich thematisiere es in regelmäßigen Abständen. Inwieweit mir das tatsächlich gelingt sei dahingestellt, ich lebe ja nicht in einem bezugslosen Raum. Es ist nur so, dass dieses Schreiben (und Reden und Handeln) nicht für jemanden, sondern aus mir heraus, für mich ein wesentliches Kriterium für Aufrichtigkeit ist. Und nur diese, glaube ich, bringt mich und uns weiter. Nicht zuletzt deshalb weil sie immer auch die Vorläufigkeit alles Denkens erkennt, die Möglichkeit des Irrens und Scheiterns und die Notwendigkeit des inneren und äußeren Dialogs.
Und raus damit.
(Metameta: Manchmal frage ich mich, ob Metatexte nicht sogar die eigentlichen Texte sind ...)
(Metameta: Manchmal frage ich mich, ob Metatexte nicht sogar die eigentlichen Texte sind ...)
Labels:
Blogempfehlung,
Denken,
Entwicklung,
Fragen,
Nachgedacht,
Textfund
Sonntag, 8. November 2015
(vom Worthunger) Beflügelungen ...
... durch die Worte der anderen
hier („Immer“ von Tikerscherk)
und hier („Sandsteinburg“ von Michael Perkampus)
und hier („Niemand kann jemand sein. Mein Zimmer für mich allein...“ von Jutta Pivecka)
und hier („Fremdkörper“ von Phyllis Kiehl) *
Die machen was mit mir, diese vollen Texte. Und ich lass sie machen, setze mich aus, verzichte auf kritische Distanz. Weil ich hungrig bin. Also spreche ich hier nicht nur eine nüchterne Empfehlung aus, sondern schreibe, wie immer, auch von mir.
hier („Immer“ von Tikerscherk)
und hier („Sandsteinburg“ von Michael Perkampus)
und hier („Niemand kann jemand sein. Mein Zimmer für mich allein...“ von Jutta Pivecka)
und hier („Fremdkörper“ von Phyllis Kiehl) *
Die machen was mit mir, diese vollen Texte. Und ich lass sie machen, setze mich aus, verzichte auf kritische Distanz. Weil ich hungrig bin. Also spreche ich hier nicht nur eine nüchterne Empfehlung aus, sondern schreibe, wie immer, auch von mir.
Diese Beflügelungen, diese inspirierenden Texte, die ich trinke wie Wasser und esse wie Brot, die ich verstoffwechsle, sie machen aus mir eine andere, eine mir Nähere, mehr mich ...
Ob das erlaubt ist, ein solch distanzaufhebendes, vereinnahmendes Lesen? Das frage ich mich nicht. Ich kann auch anders, ganz von außen, ohne Vermischung, mit kritisch distanziertem Blick, wertend. Kann ich. Tue ich. Oft oder meistens. Und manchmal ist es eben anders. Ist es so: distanzlos, aufsaugend, aus einem Hunger heraus oder aus purer Lust. Why not?
Das alles ist nur ein Bild. Ein anderes wäre: Da wächst mir etwas zu. (was mit Federn, oh ...)
Das alles ist nur ein Bild. Ein anderes wäre: Da wächst mir etwas zu. (was mit Federn, oh ...)
es wächst dir zu, wächst dir an, wächst in dich hinein und aus dir heraus
(nur fliegen musst du selbst)
Ich lese höre Texte. Die werfen Anker. Die strecken Wurzeln. Die sitzen dann fest. Und rühren in mir herum. Rühren etwas auf. Da fällt Staub ab. Und Schorf. Und schweres Tuch. Da rührt sich etwas in mir. Dieses Etwas, das Ich ist, greift nach den Wurzeln. Hält den Anker. Zieht an der Kette. Will. Schlingt sich hinein in das Durch-/Ein-/Vor-Dringende. Saugt daran. Streckt sich. Dringt selbst. Verwächst. Wächst. Hinaus! Bricht durch. Wird weiß von Licht. Fächert sich auf. Überlässt sich der Luft. Wächst weiter. Zu wissen. Zu kennen. Wohin? Keine Frage: Wiederholt: Hinaus! Das Ziel im Wachsen schaffend. Und dann: Eine Bewegung über das Wachsen hinaus: Ein Schritt. Ein Flügelschlag. Das, ja.
Es wächst dir zu. Fliegen musst du selbst.
Das Pathos des Notwendigen. Wasser und Brot. Ein Fest.
Die Worte der anderen und was sie mit mir machen (weil ich sie lasse).
* Tolle Texte finde ich an vielen Stellen. Wer sich durch meine Blogroll scrollt, kann da Verschiedenstes entdecken. Nachhaltig beeindruckt und beflügelt haben mich in den letzten Tagen/Wochen u.a. die oben verlinkten Texte aus den Blogs Kreuzberg Süd-Ost, Die Veranda, Gleisbauarbeiten, Tainted Talents.
Die Worte der anderen und was sie mit mir machen (weil ich sie lasse).
* Tolle Texte finde ich an vielen Stellen. Wer sich durch meine Blogroll scrollt, kann da Verschiedenstes entdecken. Nachhaltig beeindruckt und beflügelt haben mich in den letzten Tagen/Wochen u.a. die oben verlinkten Texte aus den Blogs Kreuzberg Süd-Ost, Die Veranda, Gleisbauarbeiten, Tainted Talents.
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Montag, 28. September 2015
Schreiben ist ... (Antwort auf einen Text, der gar nicht fragt)
Einer, den/dessen Blog ich seit kurzem lese, schreibt:
Ja!
Und nein.
Denn ja, genau das (so vereinnahme ich die Worte, den einen stark behauptenden Satz) bedeutet mir mein Schreiben: Mittel zur Befreiung. Zur Befreiung von – schon da trenne ich mich von den Worten des anderen, denn ja, Fesseln sind es auch bei mir, von denen ich mich in einem langen und andauernden Prozess befreie, aber ob diese Fesseln aus dem gleichen Material sind? Darum geht es auch nicht. Und natürlich brauche ich, um dies über mich und mein Schreiben zu sagen, nicht die Worte, den starken Satz eines anderen, denn ich weiß das ja in mir, weiß es besser und richtiger, als es ein von außen drauf Schauender wissen oder auch nur ahnen kann, dass es genau so ist und stimmt, für mich. Ich brauche diese Worte nicht, die vertrauten des Fremden, brauche diesen starken Satz nicht, den ganzen kleinen großen Text nicht, der da aus fremder Feder kommt. Brauche ihn nicht, da er längst in mir ist. Okay, hin und wieder ein Spiegel zur Bestätigung: Ja, du bist noch da, Entfesslungswille, bist noch genauso wahr und stark da wie je, wirst bleiben, ja, das wirst du. Und ein Spiegel zur Erinnerung: Da sind noch Reste der Fesseln, lass nicht nach. Ja, dafür sind sie gut, diese fremden Worte, Sätze, Texte. Deshalb greife ich zu, nehme sie mir, verleibe sie mir ein, erlaube mir das, überhaupt: nichts als Erlaubnis, Selbsterlaubnis, entfesselte.
Und nein. Nein, nein, nein!, tobt es zugleich in dir, denn eine deiner Fesseln heißt „Ausschließlichkeit“, heißt „die eine Wahrheit“. Von der hast du dich zuerst befreit, als es soweit war, als du anfingst. Von der hast du dich befreit und willst es bleiben, in aller Konsequenz. Willst kein „entweder oder“ mehr, sondern nur noch das „sowohl als auch“, das „alles“, selbst im krassest scheinenden Widerspruch, ja, dann erst recht, weil dich das herausfordert wie ein unermesslicher Ozean.
Verzettele ich mich? Nein. Was ist das überhaupt für ein Wort: verzetteln? Darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Nein, ich begebe mich hinein und lasse mich mitreißen, bewusst, und jetzt hangele ich mich wieder ans Ufer, schüttle mich, nehme meine Umgebung wahr, denke: ach, du hast ja noch ein paar Stündchen, bis du zur Arbeit musst, könntest bei diesem schönen Wetter doch ... dies und das und jenes ... alles ist möglich, hab mich schon für eins entschieden, jedenfalls hinaus, beschwingt, danke für den Text, den einen starken Satz, die Worte, danke für den Spiegel, der mich nicht meinte, in den ich trotzdem, ohne um Erlaubnis zu fragen!, einen Blick warf und dann sah, was wichtig ist, für mich, immer noch. Danke.
„[...] Schreiben ist entweder das Mittel der Befreiung von gesellschaftlichen Fesseln, Konventionen und Zwängen, oder es ist nichts. Null und nichtig.“ (hier der ganze Artikel)Und meine innere Antwort/Reaktion darauf? Ja! Was sonst? Ich meine, wie sonst sollte ich antworten/reagieren (mal ganz abgesehen davon, dass der Text ja gar keine Antwort will/fordert/braucht).
Ja!
Und nein.
Denn ja, genau das (so vereinnahme ich die Worte, den einen stark behauptenden Satz) bedeutet mir mein Schreiben: Mittel zur Befreiung. Zur Befreiung von – schon da trenne ich mich von den Worten des anderen, denn ja, Fesseln sind es auch bei mir, von denen ich mich in einem langen und andauernden Prozess befreie, aber ob diese Fesseln aus dem gleichen Material sind? Darum geht es auch nicht. Und natürlich brauche ich, um dies über mich und mein Schreiben zu sagen, nicht die Worte, den starken Satz eines anderen, denn ich weiß das ja in mir, weiß es besser und richtiger, als es ein von außen drauf Schauender wissen oder auch nur ahnen kann, dass es genau so ist und stimmt, für mich. Ich brauche diese Worte nicht, die vertrauten des Fremden, brauche diesen starken Satz nicht, den ganzen kleinen großen Text nicht, der da aus fremder Feder kommt. Brauche ihn nicht, da er längst in mir ist. Okay, hin und wieder ein Spiegel zur Bestätigung: Ja, du bist noch da, Entfesslungswille, bist noch genauso wahr und stark da wie je, wirst bleiben, ja, das wirst du. Und ein Spiegel zur Erinnerung: Da sind noch Reste der Fesseln, lass nicht nach. Ja, dafür sind sie gut, diese fremden Worte, Sätze, Texte. Deshalb greife ich zu, nehme sie mir, verleibe sie mir ein, erlaube mir das, überhaupt: nichts als Erlaubnis, Selbsterlaubnis, entfesselte.
Und nein. Nein, nein, nein!, tobt es zugleich in dir, denn eine deiner Fesseln heißt „Ausschließlichkeit“, heißt „die eine Wahrheit“. Von der hast du dich zuerst befreit, als es soweit war, als du anfingst. Von der hast du dich befreit und willst es bleiben, in aller Konsequenz. Willst kein „entweder oder“ mehr, sondern nur noch das „sowohl als auch“, das „alles“, selbst im krassest scheinenden Widerspruch, ja, dann erst recht, weil dich das herausfordert wie ein unermesslicher Ozean.
(Und warum wechsle ich jetzt eigentlich vom ich zum du? Immer wieder passiert mir das, erst im letzten Blogeintrag habe ich mich selbst darauf aufmerksam gemacht. Es muss etwas bedeuten, deshalb ändere ich es nicht, wie ich es kurz überlegt habe, das du im Nein-Abschnitt zum ich, wie es noch im Ja-Abschnitt steht. Nein, ich lasse es so, es ist relevant, denke ich mir, in irgendeiner mir noch nicht einleuchtenden Weise.)
Nein auch deshalb, weil ich die anderen Beweggründe und Formen des Schreibens nicht so als null und nichtig abtun kann und will. Immerhin liebe ich Geschichten, Fiktion, halte das Erzählen, ob mündlich, schriftlich oder im Film oder ... für gesellschaftlich bedeutend, mag in gewissem Maße sogar den Schund (den ich nicht in Anführungszeichen setze, weil ich mir durchaus erlaube, hin und wieder, ein Urteil zu fällen über gewisse Literatur und sie Schund zu nennen und dann nicht zu sagen „Ich finde“ oder „Meiner Meinung nach“, sondern „Das ist“, ja, so, das erlaube ich mir hin und wieder, auch das ist Teil meiner Freiheit), mag also diesen Schund auch, weil er Teil des Ganzen ist, wichtig für die Beleuchtung und die Reibung, physikalisch ausgedrückt, wichtig für die Freiheit, die über meine eigene Freiheit, die keine wäre ohne die der anderen, hinausgeht.Verzettele ich mich? Nein. Was ist das überhaupt für ein Wort: verzetteln? Darüber will ich jetzt nicht nachdenken. Nein, ich begebe mich hinein und lasse mich mitreißen, bewusst, und jetzt hangele ich mich wieder ans Ufer, schüttle mich, nehme meine Umgebung wahr, denke: ach, du hast ja noch ein paar Stündchen, bis du zur Arbeit musst, könntest bei diesem schönen Wetter doch ... dies und das und jenes ... alles ist möglich, hab mich schon für eins entschieden, jedenfalls hinaus, beschwingt, danke für den Text, den einen starken Satz, die Worte, danke für den Spiegel, der mich nicht meinte, in den ich trotzdem, ohne um Erlaubnis zu fragen!, einen Blick warf und dann sah, was wichtig ist, für mich, immer noch. Danke.
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