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Samstag, 1. Januar 2022

Danke 2021! Willkommen 2022!

Ich habe Grund zu danken, viele Gründe.
Zwei kann ich hier nennen (und habe das bereits getan, hier: Ich schreibe wieder):
1. Ich schreibe wieder
2. Ich tanze wieder
Alle anderen Gründe sind und bleiben privat.

Und ich habe Grund, mich auf das neue Jahr zu freuen. Es gibt Träume, Wünsche, Pläne (wer hat die nicht), auch diese sind und bleiben (zunächst) privat.

Deshalb DANKE 2021!
Und WILLKOMMEN 2022!
Von Herzen.

Außerdem will ich eine kleine Tradition in meinem Blog wiederbeleben:





CYNDI LAUPER: TRUE COLORS

You with the sad eyes 
Don't be discouraged
Oh I realize
It's hard to take courage
In a world full of people
You can lose sight of it all
And the darkness inside you
Can make you feel so small
But I see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful
Like a rainbow
Show me a smile then
Don't be unhappy, can't remember
When I last saw you laughing
If this world makes you crazy
And you've taken all you can bear
You call me up
Because you know I'll be there
And I'll see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let it show
Your true colors
True colors are beautiful
Like a rainbow
If this world makes you crazy
And you've taken all you can bear
You call me up
Because you know I'll be there
And I'll see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let it show
Your true colors
True colors
True colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful
Like a rainbow



Kommt gut an im neuen Jahr. Ich wünsche euch allen von Herzen nur das Schönste und Beste. 


DON'T BE AFRAID!


💖

Donnerstag, 4. November 2021

Ich schreibe wieder

Ich schreibe wieder, seit ein paar Wochen, seit einem Urlaub, der mich in vielerlei Hinsicht aufgeweckt hat. In vielerlei Hinsicht, da ich nicht nur wieder schreibe, sondern auch wieder Musik höre und tanze und insgesamt wieder lebendiger bin. Oder eben wacher.

Allerdings schreibe ich nun nach vielen Jahren wieder mit der Hand. 
Im Urlaub hatte ich meinen Laptop nicht dabei, auch kein Notizbuch, habe auf Zettel geschrieben und in meinen Taschenkalender. Zuhause dann weiter von Hand und damit es besser fließt, einen neuen Füller gekauft, der tatsächlich perfekt ist. Er schreibt so wunderbar flüssig, da fließen meine Gedanken automatisch mit.

Ob davon auch etwas in mein Blog einfließen wird, weiß ich noch nicht. Ein wenig fürchte ich, dass ich es mir damit wieder verderben könnte. Dass ich nicht mehr so für mich und in meinem Schreiben wäre, dass der Fluss unterbrochen wäre ...
Aber mitteilen wollte ich es dann doch.

Herzliche Grüße an euch da draußen (oder drinnen?) in der Bloggerwelt!

Sonntag, 17. Dezember 2017

Drivin‘ Home for Christmas

Bereits fünf Jahre liegt der unten verlinkte Post zurück.
Fünf Jahre, in denen viel passiert ist.
Fünf schwere leichte gute Jahre.
Und die Freude, alle Jahre wieder, dass die große Tochter über die Weihnachtstage nach Hause kommt.
Mein persönlicher Advent. Meine große Weihnachtsfreude.


Donnerstag, 13. Oktober 2016

1. Prost! Auf Dylan!; 2. Oops, I did it again (Brexit III)

1.
Erst mal das Glas heben auf Dylan und die bejubelnswerte Entscheidung der Nobelpreisjury. Ja! Ich freu mich tierisch. Hab immer wieder gehofft, dass er ihn endlich bekommt, den hochverdienten Preis. Gleich mal „Bringing It All Back Home“ oder „Blood On The Tracks“ laufen lassen, oder doch lieber „Love And Theft“ oder  „Tempest“ oder ... Auf jeden Fall feiern. Mit mir allein. Und ihm. Kann ja sowieso die halbe Welt nicht nachvollziehen, dass ausgerechnet er diesen Preis bekommt. Na und, mir doch egal. Jetzt hat er ihn. Thank you Stockholm!
Und Prost! rüber zur Veranda!
Uuund noch schnell den Link zu einem fast drei Jahre alten Text auf Sichten und Ordnen einfügen: All Along the Watchtower. Lyrik ist nicht tot. Sie ist bloß dahin zurückgekehrt, wo sie herkam: Zum Lied.“ Jawoll! 


2.
Ich war wieder da.
Und ich hab's wieder getan, in leicht abgewandelter Form.
Pst.
Liverpool, my love.
Hope I see you again soon.
No matter what Theresa says. (I know it does matter, but not in every way.)

Sonntag, 17. Januar 2016

2Wochenrückblick 4. - 17. Januar 2016

gelesen:

Don Winslow: Missing. New York

Zwei Mädchen sind verschwunden, die eine wird schon bald gefunden, ermordet, der Täter ist schnell gefasst, die Akte wird daraufhin geschlossen. Nur Frank Decker glaubt nicht an ein Ende des Falls und ermittelt auf eigene Faust weiter, ganz das Klischee des guten Detectives und des harten Typs mit dem weichen Kern, ein Mann nicht nur auf der Suche nach einem verschwundenen Kind, sondern auch nach sich selbst. Man(n) kennt das. Trotzdem: Die Geschichte ist in sich glaubwürdig, gut aufgebaut und vor allem so fesselnd geschrieben, dass ich den Alltag um mich herum komplett vergaß. Das ist Entspannung pur, dafür lese ich Krimis. 
Kleines Aber: Winslows bei Suhrkamp verlegte Krimis sind besser, komplexer, nicht wegen Suhrkamp, sondern umgekehrt, vermutlich; außerdem gibt es in Missing. New York patriotische Anklänge (Irakkrieg gut, Todesstrafe gut), weshalb ich ihn stellenweise mit ambivalenten Gefühlen gelesen habe.



Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Der Mann kann schreiben. Und zwar mit einer solchen Leichtigkeit, dass das Lesen der reinste Genuss ist. Schon mit dem Vorgängerroman Der Trafikant ging es mir so, hier nun wieder, wenn auch die Geschichte eine ganz andere und der Erzählstil diesmal karger, damit dem Sujet absolut angemessen ist.
Worum geht‘s: Um nicht mehr und nicht weniger als das ganze Leben eines einfachen Mannes, eines Einzelgängers in einem österreichischen Bergdorf, der im Laufe seines Lebens und in Anpassung an die politischen, gesellschaftlichen, technischen Veränderungen als Hilfsknecht, Seilbahnbauer, Soldat, Touristenführer arbeitet, eine einzige kurze große Liebe erlebt und am Ende, auf die anderen Dorfbewohner leicht verschroben wirkend, in selbstgesuchter Einsamkeit stirbt.
Gut 130 Seiten angefüllt mit Beschreibungen von archaischer Schönheit, taktvoller Charakterzeichnung und Würdigung eines Lebens in Schlichtheit und Selbstbescheidung, ohne Beschönigung oder Glorifizierung, beispielhaft für vermutlich viele Leben, die nunmal so und nicht anders verlaufen sind.



Laline Paull: Die Bienen

Aus den Klappentexten der gebundenen Fassung und des Taschenbuchs: 
„Ihr Name ist Flora. Ihre Nummer 717. Sie ist ziemlich groß. Ihr Pelz ist struppig. Andere finden sie hässlich. Doch sie ist klug und mutig. Und sie muss sich gegen die Regeln des Bienenstocks behaupten, denn Flora 717 ist eine Biene. Genauer: eine Säuberungsbiene aus der untersten Kaste im Bienenkorb. Ausgestattet mit Fähigkeiten, die ihren Rang weit überschreiten, steigt sie schnell auf und darf sogar an der Seite der Königin leben. Alles scheint perfekt. Doch ohne es zu wollen, gebiert Flora eines Tages ein Ei. Ein Umstand, der allein der Königin vorbehalten ist und bei Missachtung schwer bestraft wird. Es beginnt ein Wettlauf um Zeit, Nahrung und Geschicklichkeit, um ihr Leben und das ihres geliebten Kindes zu bewahren. Laline Paull inszeniert gekonnt einen Roman über Aufstieg, Liebe und Gerechtigkeit.“
Dieses Buch ist ein Märchen für Erwachsene, es ist Abenteuerroman und düstere Fabel um das Leben in einem totalitären Staat, allerdings mit gutem Ausgang und einer extrem originellen Heldin.  
„Ein hinreißendes Debüt“ meinte Denis Scheck und ich meine das auch.


geschaut:

The Killing

alle vier Staffeln
als Neuverfilmung der dänischen Serie Kommissarin Lund – Das Verbrechen produziert, aber in vielem abweichend und eigenständig, weshalb man die beiden nicht miteinander vergleichen muss, sie stehen jeweils für sich und ich habe die eine im letztem Jahr und die andere in den ersten zwei Wochen des neuen Jahres mit Begeisterung und fast suchtmäßig geschaut (Ach, und wie sich mein romantisches Herz über den Schluss der vierten Staffel von The Killing gefreut hat! Ich will hier aber nicht spoilern, falls jemand mitliest, der die Serie noch später als ich entdeckt.)
Bin jetzt in Linden & Holder verliebt.




Season 1-3 Trailer


Season 4 Trailer




geschrieben:

wenig
Es gibt ein paar Dinge in meinem Privatleben, die mich momentan sehr einnehmen.
Und es gibt die Reaktionen von verschiedenen Seiten, teilweise ideologiebesetzt, auf die Silvesternacht in Köln, die mich allesamt ebenso fassungslos machen wie die Ereignisse selbst. Und die mich entgegen meiner sonstigen Art im Netz verstummen ließen. Aus Feigheit? Aus dem Gefühl, mit meiner Sicht, meinen Gedanken allein dazustehen? Aus der kleinlichen Sorge, mich vielleicht unbeliebt zu machen?
Natürlich ist es nie leicht, zwischen all den laut und selbstbewusst Auftretenden und sich immer gleich in Aktionsbündnissen Zusammenschließenden als Einzelne eine abweichende Meinung zu vertreten, eine, die sich irgendwie nirgendwo einordnen lässt.
Ich brauche Bedenkzeit, Einkehrzeit, andere einzelne Stimmen (die es zum Glück gibt! s.u.), den Austausch mit ihnen ...
Ich habe mich also bisher darauf beschränkt, wenn überhaupt, dann „um den heißen Brei“ herum zu schreiben und tue das auch hier wieder. Gefällt mir zwar nicht, geht aber einfach (noch) nicht anders. 
Zwischendurch überlegte ich, über andere Dinge zu schreiben, aber das war mir nicht möglich, zu sehr bin ich innerlich von dem einen Thema besetzt. Lediglich das Dilemma Dinge, die mir auf der Seele brennen vs. selbstverordnete Sprachlosigkeit konnte ich ansatzweise formulieren. 
So der derzeitige Stand. Immerhin reichte es für einen Wochenrückblick. Eine im letzten Jahr erwachte und nach wenigen Monaten schon wieder eingeschlafene neue Tradition in meinem Blog. Vielleicht lässt sie sich wachküssen.


gedacht:

1. Freiheit ist eine Menschenpflicht.

2. #Hashtags machen Wörter kaputt.
(Ich wünsche uns allen, dass ausnahmslos jeder Aufschrei frei von Vereinnahmung durch ideologisch begründete #Hashtag Aktionen und Bündnisse gehört wird. Und ich wünsche den Wörtern, dass sie ideologisch unbesetzt bleiben. Ja. nennt mich ruhig naiv.)

3. Das Sprachlos ist wahrlich kein leichtes.


gefreut:

über einzelne Stimmen der Vernunft zwischen den sich gegenseitig übertönenden Gruppen von dumpfem gewaltbereitem Pack, pöbelnden Rassist*innen und ideologiegeschwängerten Besserwisser*innen und Welterklärer*innen 


getrauert:

um David Bowie und Alan Rickman, zwei Wunderbare

Where are you now?

Im Netz gibt's so viele Nachrufe, Videos, Zitate, Links ..., dem muss ich nichts mehr hinzufügen


gehört:

klar, David Bowie
klar, Bob Dylan, The Cutting Edge 1965-1966, mein Weihnachtsgeschenk (und gedacht, bitte stirb du jetzt nicht auch noch)

und, in Dauerschleife, nachdem The Killing endgültig zu Ende war: den Schlusssong der letzten Folge der letzten Staffel (das Video mit Filmsequenzen zeige ich hier natürlich nicht, aus Spoilergründen :-))





The Jezabels: Peace of Mind

Sonntag, 3. Januar 2016

Statt eines Ausblicks: eine Idee von Heilung

den Planeten Kindheit noch in der Faust, die du nicht freiwillig öffnest
das Plätschern des Alls noch im Ohr
ach und die Sternsplitterreste in den blutig geschlagenen Knien

wie groß du geworden bist
und wie alt
und wie klein du noch bist, an manchen Tagen
und wie jung

deine Fußsohlen: seit jeher unempfindlicher als dein Herz
so heilt dich dein Gehen
weiter, immer weiter

dann schließlich (am Meer!) ((so die Idee)) öffnest du die Faust
branden Alt und Neu ineinander
blutet die Wunde ein allerletztes Mal, bevor


***


Du bist gut im neuen Jahr gelandet. Deine Flügel tragen also (noch). Deine Vorsätze: keine oder: weiter zu gehen, immer weiter; dich gut um dich zu kümmern (Du weißt genau, was das heißt.)

Montag, 28. Dezember 2015

Statt eines Jahresrückblicks:

Tauchen
tief
unter dem Netz durch
bis zum [eigenen] Grund


***


Ich war/bin weit weg, innerlich („Ich äußere mich nicht nur, ich innere mich auch“), fahre heute zudem in meine internetfreie Zone (Elsass, you know) und komme erst im neugeborenen Jahr 2016 zurück. Es gab hier diesmal keinen Jahresrückblick. Vielleicht bringe ich demnächst einen Ausblick zustande. Vielleicht aber auch nicht. Vorsätze? Keine außer diesem: immer weiter zu gehen, in Bewegung zu bleiben ... Ich könnte mich jetzt festschreiben, aber die Tasche ist gepackt, das Auto getankt. Los geht‘s! Ich wünsche Euch das Beste. Von Herzen. À bientôt!

Ach und nun trotzdem noch, weil es irgendwie Tradition ist:

Don‘t be afraid!


Montag, 14. Dezember 2015

Freude

Noch vier mal schlafen, dann fahre ich für drei Tage zur Freundin in die Schweiz. Meine jährliche kleine Auszeit inmitten des trubeligen Bücherweihnachtsgeschäfts.

Noch sechs mal schlafen, dann kommt meine Tochter für zwei Wochen aus dem fernen Liverpool nach Hause.



Ach, mein Herz ist manchmal eine schneeweiche kerzenlichtwarme Kitschgrube im allerpositivsten Sinn.


Das musste mal eben geteilt werden. Für mehr reicht meine Zeit gerade nicht. Vielleicht schaffe ich „zwischen den Tagen“ noch einen Jahresrückblick.

Habt es schön!

Freitag, 4. Dezember 2015

Mein Zimmer

In den vergangenen Tagen habe ich das alte Zimmer meiner Tochter zu meinem Zimmer gemacht. Ich hatte längst ihre Erlaubnis, brauchte aber eine Weile, um auch diese Phase des Abschieds in Angriff zu nehmen. Jetzt endlich war es soweit. Kisten packen, hinauf ins Dachzimmer tragen, putzen, Möbel umstellen, abbauen, wieder aufbauen, meine überall im Haus verteilten Sachen zusammentragen, entscheiden, was bleibt, was weg kann, was wo hinkommt.


Ich hatte zunächst überlegt, die paar Löcher in den Wänden zu verspachteln und anschließend alles neu zu streichen. Stattdessen habe ich aus einer spontanen Laune heraus Pflaster drauf geklebt, einen langen Riss mit roter Ölpastellkreide nachgemalt und „Die Wände bluten zurück“ mit Bleistift daneben geschrieben. 
Die Gedichtbände und Musikerbiografien stehen ordentlich nebeneinander aufgereiht, dazu noch ein paar schöne, besonders geliebte Bücher, z.B. Alice, der Ausstellungskatalog der Joan Mitchell-Retrospektive liegt da, aktuelles Inspirationsobjekt, darüber hängt das Ausstellungsposter, die Rolling Stone-Ausgaben sind chronologisch gestapelt, ein paar Muscheln (alle aus der Bretagne), eine Mosaikschale, meine alte Briefwaage, ein paar Romane auf dem Nachttisch („Phantasien“ von Jason Starr, „Die Gestirne“ von Eleanor Catton, „Die gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins Gilman), der Essayband „Wenn Männer mir die Welt erklären“ von Rebecca Solnit, das Gedichtbändchen „Dezember“ aus dem Reclam Verlag ...
Mein Bett, Kissen und Decken, mein Schreibtisch, darauf Stifte und Papier, Malblock und Farben, mein Laptop ...
Ich brauche gar nicht viel (oder: das Wenige ist mir viel).
Ordnung – Schönheit – Inspiration. Ich stand vor der Wahl, entschied mich für alle drei. Nichts ist fertig, alles ist Ausgangspunkt, Freiraum ...  Ich liebe mein neues Zimmer, es ist so – so – meins.

Meine Tochter hatte mit Bleistift auf die Tapete neben dem Türrahmen (so dass jedesmal beim Verlassen des Zimmers ihr Blick darauf fiel) geschrieben: „You‘ll never get what you want unless you take it.“ Das bleibt, ich hab‘s noch rot eingerahmt.

Montag, 16. November 2015

Köln – Paris – Köln oder: Jetzt erst recht!

Vier Tage, 12.11. bis 15.11. in meiner Heimatstadt Köln verbracht. In verschiedenen Ausstellungen* gewesen, im Kino** und in einem Friedenskonzert***, durch die Viertel gebummelt, am Rhein entlang spaziert, Brücken überquert, in Kneipen und Brauhäusern gesessen und gegessen, mein Leben, meine bisherigen und zukünftigen Wege überdacht. Wie immer, wenn ich unterwegs bin, gerät etwas in Bewegung.

Am Samstag früh noch im Hotelbett die Nachrichten gesehen, erschrocken und geweint. Gewohnheitsmäßig Twitter an: Alles hat seine Berechtigung, jeder Ausdruck. Die hilflosen, die unbeholfenen, die danebengreifenden sind für mich die ehrlichsten. Trotzdem ertrage ich sie nicht. Nicht in der Vielzahl. Noch weniger ertrage ich die vermeintlich klugen, die erklärenden, die, die schon die ersten Kommentare kommentieren, die alles besser wissen. Ich will keinen kritisieren, muss mir das aber nicht antun. Also Twitter wieder aus.

Anschließend Überdenken meines Plans für den Tag: Joan Mitchell-Retrospektive im Museum Ludwig. Kann ich das jetzt? Will ich? Darf ich angesichts des Terrors? Schnell komme ich zu dem Schluss: Jetzt erst recht! Ich weigere mich, mit Angst, Rückzug und Hass zu reagieren. Keine Macht dem Terror. 

Also mache ich mich auf den Weg und muss dafür nicht ausblenden, was in Paris geschehen ist, sondern nehme es mit. Das entwickelt für mich eine ganz besondere Dynamik an diesem Tag, weitet meinen Blick. Unter anderem für die Bedeutung von Kunst. 
Ganz abgesehen davon, dass ich Joan Mitchell einfach großartig finde. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ihre Bilder eine Offenbarung für mich sind. Ich habe seitenweise Notizen dazu gemacht. Vielleicht stelle ich sie irgendwann in geordneter Form hier ein. Die Retrospektive ist umfassend, absolut ansprechend präsentiert, abgerundet durch Archivmaterial und Filme. Sie läuft bis 21. Februar 2016. Empfehlung!

Am Ende der Ausstellung haben Besucher die Möglichkeit, sich in einem Atelier selbst an abstrakter Malerei zu versuchen, behutsam angeleitet und anhand verschiedener kleiner Anregungen. Das sagt mir spontan zu, jagt mir im zweiten Moment aber Angst ein (Ich kann doch gar nicht malen! etc.), so dass ich der freundlichen Betreuerin des Ateliers sage, ich käme lieber eventuell ein andermal, „Auf Wiedersehen!“, um nach drei Schritten zurückzukehren, immer noch das Motto „Jetzt erst recht!“ im Kopf, dem ersten Impuls zu folgen, die Angst zu ignorieren, sie ist ein schlechter Ratgeber, die Freiheit zu nutzen zu tun, was ich will und wozu sich die Möglichkeit bietet. Nichts auslassen. Jetzt erst recht.

Ich war schon früh im Museum, gleich als es öffnete, und hatte dadurch viel Raum für mich beim Betrachten der Bilder. War dann auch die erste Besucherin des Ateliers. Und die erste, die ihre fertigen Bilder in den dafür vorgesehenen Raum hängte (ich hätte sie auch mitnehmen können, wollte aber gerne Teil des Ganzen sein, und hab sie nur mit dem Handy abfotografiert). Das Ganze fühlte sich so gut an. Vielleicht ein Stück Selbsttherapie? Ach, das muss nicht alles analysiert werden. Ans Licht mit den unbekannten Seiten! Jetzt erst recht.

Thanks to Joan Mitchell for her inspiring work!



Am Abend das Konzert in der St. Agnes Kirche: „In Terra Pax“, eine Gedenkveranstaltung zu 70 Jahre Frieden, also Rückblick einerseits und gleichzeitig Blick in die Zukunft in der Formulierung des Wunsches nach und des Willens zum Frieden. 
Ein schönes Konzert, vorgetragen vom Europäischen Kammerchor Köln unter Leitung von Michael Reif. Gerahmt von guten Vorträgen des Leiters des NS-Dokumentationszentrums Köln, Dr. Werner Jung, und dem Leiter des Friedensbildungswerks Köln, Roland Schüler.
Wie passend diese Veranstaltung ausgerechnet an diesem Tag. 
Natürlich wurden die Ereignisse in Paris angesprochen, gab es eine Schweigeminute, war das ganze Konzert auch Ausdruck der Solidarität mit den Opfern des Terrors.
Das war eine gute, angemessene Veranstaltung.

Apropos „angemessen“: Wie reagiert man, reagiere ich angemessen auf die furchtbaren Morde in Paris und auf den Terror weltweit? Schlagartig entzünden sich ja immer die Metadiskussionen zu dieser Frage. Im Netz nervt mich das tierisch, inzwischen reagiere ich mit Abschalten. Ich weiß nicht, ob sich diese Frage eindeutig beantworten lässt. Was heißt denn „angemessen“? Ich denke für mich darüber nach und bin an diesem Wochenende, wiederum nur für mich, zu einer Antwort gekommen, die ich seitdem fast mantramäßig in mir trage: Jetzt erst recht. Die Freiheit, die mir mein Staat schriftlich garantiert, nicht nur theoretisch kennen, sondern praktisch leben. Weil ich sie damit zugleich verteidige.



Seit gestern bin ich zurück. Alltag? Irgendwie schon. Aber Paris ist in allem gegenwärtig.









Schalcken im Wallraf-Richartz-Museum

  Madonna trifft Uma, eine Kooperation der Museen Schnütgen und Rautenstrauch-Joest

  Joan Mitchell Retrospective im Museum Ludwig

** Familienfest im Odeon, meinem Lieblingskino in Köln

*** In Terra Pax in der St. Agnes Kirche




***


Nachtrag am Abend: Astrid vom Le Monde de Kitchi-Blog hat in ihrer Reihe Great Women schon mal einen Artikel über Joan Mitchell geschrieben, sehr lesenswert und mit einigen von Mitchells Bildern.

Freitag, 13. November 2015

Weil Herbst ist ...

... fällt mir plötzlich das wieder ein:

Wie ich auf einmal falle, in alles falle ohne Unterlass und nicht mehr sein will ohne dieses Fallen, und ist doch gar kein Herbst - fall - autumn, harvest, fall - to fall - nein: fallenwirklich fallen ließ ich mich im Frühling - spring - to spring, sprang, sprung - I sprang from your wholehearted gaze - entspringe neu in diesem Fallen, entspringe neu und sehend deinem Blick -  bleibst du, wenn schließlich alles um uns fällt? - 
Es entstammt diesem Zusammenhang: Fallen (aus To Save a Nightingale)

Ganz schön herbstlich. Fallen, das; zu fallen. Könnte ein Thema sein wie die Schatten. Wenn ich nicht so träge/müde wäre gerade. Auch das irgendwie herbstlich. Melancholie. Melancholie? Würde gerne wieder mehr schreiben. Hätte Lust auf ein/dieses Thema. Will mich nicht festlegen, tue ich zu oft, hält nie lange, liegt mir nicht, diese Selbstverpflichtung (nur manchmal, in den wirklich wichtigen Zusammenhängen). Bin ein Blatt im Wind, bewegt, kein Stein. Wäre manchmal gerne einer.

Belanglosigkeiten. Hätte genauso gut schreiben können: Es gibt mich noch. 

Schluss mit diesen trüben Gedanken. Habe vier freie Tage. Bin unterwegs, hier (Blatt im Wind oder Rolling Stone?). Heute: Museum und Brauhaus und Museum. Das ist der Plan. So.

Montag, 19. Oktober 2015

Kleine Fluchten

Wenn mir im Alltag die Decke auf den Kopf fällt, greife ich zu einem Mittel, das sich bewährt hat: Ich überlege mir, an welchen Ort ich gerne reisen würde, und sei es nur für ein paar Tage. Idealerweise liegt er am Meer. Dann stöbere ich auf booking.com, suche mir ein schön gelegenes Hotel aus, das man bis zum Anreisetag kostenfrei stornieren kann, und buche ein Zimmer. Sofort setzt die Vorfreude ein. Ich werde am Meer sein! Schon bald! (Nein, werde ich nicht, aber ich bin eine Meisterin im Ausblenden dieser Tatsache.)

Erst kürzlich habe ich das wieder praktiziert, habe ein Zimmer in einem kleinen Hafenhotel in einem nordbretonischen Küstenort gebucht. Dort war ich schon mehrmals, sodass ich meine Vorfreude mit zahlreichen Erinnerungen füttern konnte. Ich habe mir eine Küstenwanderung vorgestellt, einen Stadtbummel, Besuch des Marktes, des Fischgeschäfts und der Lieblingslokale, Herumlungern am Hafen und am Strand ... Wunderbar! Hilfreich in einer Alltagssituation, die ich als extrem beengend empfunden habe. 
Dass ich das Zimmer dann wie üblich storniert habe (zu teuer, die Reise zu weit, sowieso kein Urlaub mehr etc.) und stattdessen ein paar Tage im Elsass war (fast genauso gut, lang nicht so kostspielig) – egal. Die beruhigende und zugleich befreiende Wirkung war zuverlässig eingetreten.

Kleine Fluchten. (Und mit klein meine ich nicht die Art der Flucht, sondern den Grund. Der ist vergleichsweise klein, schließlich leide und fliehe ich keine Not.) 
Baden in Vorstellungen, Bildern. Ein klärendes Wehen von Salzluft durchs Gemüt, Schütteln des Gefieders, leichtes Anheben der Schwingen ... Der Beweis, dass ich fliegen könnte, wenn ich wollte. 
Ein erlaubter Trick. Vielleicht sogar eine Übung, eine Art mentaler Vorbereitung, wer weiß ...

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Schätze heben

Bin dann mal eine Woche offline, und zwar aaaaaaaaaab: jetzt.

Nehme mir Zeit für Schätze wie diesen:


»Das schönste Buch, das ich je gesehen habe.« The New Yorker
Mir geht‘s ähnlich wie dem Rezensenten vom New Yorker. Ich freue mich wie das lesebegeisterte Kind, das ich war, ein paar von Terminen unzerrissene Tage mit dem Buch zu haben; Zeit, mich in die Geschichte zu vertiefen, ohne Ablenkung, vor allem ohne eine solche wie das Internet, das alles so schnell macht und von dessen Forderungen ich mich manchmal so schlecht lösen kann.

Mehr Infos zum Buch hier und hier


Für den Fall, dass ich ganz und gar leseeuphorisch werde und mir das eine Buch nicht genügt, habe ich noch eins dabei:




Und weitere schöne Dinge werde ich tun, zum Beispiel:

Spazierengehen, lesen (hatten wir schon), ausschlafen, regionale Köstlichkeiten speisen, Weißwein schlürfen, dösen, spüren, schauen  –  rien d‘autre.

Bin dann mal en Alsace, Schätze heben. 
À bientôt!

Mittwoch, 16. September 2015

Wieder „zuhause“

Ich war so angekommen im Unterwegssein. 

Elsass – Berlin – Hamburg – Kopenhagen

Zurück in der Enge des Alltags gerate ich ins Trudeln.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. (Psalm 31,9) 
Du musst dein Ändern leben. 

Ich will es zunächst bei diesen beiden Zitaten belassen. Die bedeuten mir gerade viel.

Bin also wieder „zuhause“. *seufz* 

Hatte übrigens die perfekte Urlaubslektüre dabei: 

Das große Los“ 

von Meike Winnemuth










Mal sehn, wie das hier weitergeht. 

Wer mein Blog regelmäßig liest, dürfte mit meinem Back home-Blues vertraut sein.

Mittwoch, 26. August 2015

Eveline Hasler: Mein Schatten

Mein Schatten

Ich will nicht in der Hocke leben
um zu essen und zu trinken von euren
Becherchen und Tellerchen
auf Kindsgröße schrumpfen
um in euren Betten zu schlafen
mir Streicheleinheiten
erschleichen

Ich richte mich auf
Die Arme wachsen aus den Fenstern
Mein Kopf hebt das Dach ab
Vögel nisten in meinem Haar
Ich bin die Solitärin
mein Schatten fällt
wo er fällt



Eveline Hasler. In: Neue Freuden, neue Kräfte. Ermutigungen. Hrsg. Herbert Schnierle-Lutz. Insel Verlag Berlin 2013

Gefunden in Sonjas Wildgansblog, hier, und gedacht, dass ich es zu mir rüberholen muss, wegen der Schatten, you know.


*


Ich richte mich ebenfalls auf. Und aus. Und verabschiede mich in den Urlaub. Farben sammeln. Licht und Schatten. Eindrücke.





Bis bald!

Sonntag, 9. August 2015

Wochenrückblick 3. - 9. August 2015

Gelesen, gehört, geschaut, gefreut:

Ja, ja, ja, ja
Habe aber gerade keine Lust, darüber zu schreiben. Anderes zieht an mir.


Gestolpert:

– über mich selbst und meine Ansprüche (wie sehr ich Arroganz verabscheue! zugleich aber auch Dummheit absolut unerträglich finde, eigentlich unhinnehmbar)
– über meine Empfindlichkeit
– über meinen Wunsch, gesehen (und akzeptiert) zu werden, ohne mich dafür verbiegen zu müssen (womit ich Anpassung und Selbsterklärung meine); die Übungen, die ich mir deshalb auferlege (auf mein Blog bezogen bedeutet das: schwer verständliche Texte, Unbehauenes, Bruchstückhaftes, krude Assoziationen und dergleichen ungefiltert rauszulassen (noch viel zu wenig! (Ich liebe dieses Üben!))) 
– über eine defekte Fahrradbremse, was zum Nächsten Abschnitt führt:


Gestürzt:

mit dem Fahrrad. Halb so schlimm. Nur eine leichte Prellung und eine große Schürfwunde am linken Knie. Das rechte war wegen einer Zerrung, die ich mir vor kurzem zugezogen habe, noch bandagiert und deshalb vor einer allzu harten Begegnung mit dem Asphalt geschützt.
Weil ich dazu neige, jegliches Malheur auch (wohlgemerkt: auch, nicht nur) in einem ganzheitlichen (und ganz und gar unesoterischen) Zusammenhang zu deuten, dachte ich spontan: Aha, offenbar gehe ich in die Knie. Kapituliere. Gut so. Passt in meine derzeitige Lebenssituation.
Kapitulation ist im Gegensatz zu Resignation ja etwas Positives, ihr geht eine Akzeptanz unausweichlicher Fakten voraus. Sie ist vernunftbewegt und schließt weiteres Handeln nicht aus, sondern ermöglicht es erst neu.
So spreche ich mir Mut zu, pflege meine Knie mit ihren verschiedenen Blessuren und ziehe daraus die Zeit und die Muße, mich auch anderen Anteilen meiner Person pfleglich zuzuwenden.


Gescheitert:

mit der Absicht, zu einem bestimmten Post in einem bestimmten Blog einen Kommentar zu hinterlassen. „Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.“, heißt es da. Nein, muss ich nicht. Ich setze ihn einfach hier bei mir hinein:


... und im Schuppen hinterm Haus steht eine mechanisch betriebene Zeitmaschine, mit der man sich wahlweise ins Pliozän (um auf einem wilden Hipparion zu reiten?) oder ins Internetzeitalter (um einen Blogartikel zu verfassen?) katapultieren kann ...

Wer den zugehörigen Blogartikel findet, gewinnt ....
... einen Einblick in den Zusammenhang. Wofür ich natürlich nicht garantiere.

Derweil beobachte ich einen vor vielen Jahren auf der Straße liegen gebliebenen Schatten eines Mannes dabei, wie er seinen Hut zum Gruß einer Zeit, die er nicht mehr erleben wird, zieht und dann wieder aufsetzt.


Gefunden: 

das Blog geflüchtet.de.


Die AutorInnen sind ...


„... erschrocken und wütend über die Übergriffe auf Flüchtlinge in unserem Land. Das Versagen der EU, auch nur einen Minimalkonsens bezüglich ihrer Versorgung zu erreichen, beschämt uns. Wir sind es leid, wie in Medien, aber auch persönlichen Gesprächen die Schutzbedürftigkeit aus ihrer Heimat fliehender und geflohener Menschen in Frage gestellt und zugleich Rassismus verharmlost wird.“ *

Ihr Blog soll ...


„... Biografien von Flüchtlingen in Gegenwart und Vergangenheit dokumentieren, historische Vorgänge thematisieren, die Zwangsmigration und Flucht hervorgerufen haben und Umgangsweisen von Aufnahmegesellschaften beschreiben. Wir wollen nicht die sich wiederholenden gegenwartspolitischen Argumente aufwärmen, wir wollen aus fachlicher Perspektive erklären, wie Flucht entsteht und entstand, wie Menschen flüchteten und fliehen, wie Aufnahmeländer mit ihnen umgingen und umgehen.“ *

Weiter schreiben sie:


„Gleichzeitig ist eine globale Geschichte von Flucht immer auch eine Verflechtungsgeschichte. Über die Jahrhunderte haben Kriege, Kolonisation und Ausbeutung zu nationalen, ethnischen und religiösen Verwerfungen geführt, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart spürbar sind. Auch diesen Aspekt möchten wir beleuchten.“ *

Das alles können sie nicht allein leisten, deshalb ... 

„... bitten wir Interessierte um ihre Mitarbeit. Schreiben Sie Blogbeiträge, helfen Sie unserem Lektoratsteam oder erzählen Sie anderen von uns.“ *

geflüchtet.de bündelt in für mich beispielloser Weise Fakten, globale und historische Zusammenhänge und Einzelschicksale. Die Blogbeiträge informieren, klären auf und berühren, je nach Thema und immer auf sachlich und verständlich geschriebene Weise. 
Zu eigenen Beiträgen wird eingeladen (s.o.), die BetreiberInnen fungieren dabei als Redakteure.
Ich wünsche dem Blog eine breite Akzeptanz und schließe mich ganz und gar dem folgenden an:
„Wir wünschen uns eine Gesellschaft, die Menschen unabhängig von ihrer Herkunft willkommen heißt und sie als Bereicherung sieht. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ *

* alle Zitate: geflüchtet.de 




Montag, 29. Juni 2015

Wochenrückblick 22. - 28. Juni 2015

Gelesen:




Geschaut:




Gehört:

Butcher‘s Crossing“ von John Williams, gelesen von Johann von Bülow.


Hörprobe
Hab‘s erst gelesen und später gehört. Es hat sich gelohnt.

John Williams‘ Sprache – wie er es schafft, eine raue, oft brutale Wirklichkeit ungeheuer poetisch zu beschreiben. Nicht metaphorisch, sondern elementar und realistisch – absolut beeindruckend. Man muss kein Westernfan sein, um diesen Western der besonderen Art zu mögen.



Gefiel mir übrigens noch besser als „Stoner“, den ich auch schon klasse fand.




*


Gesessen:

auf einer Bank, am Fluss, in der Sonne, auf dem Balkon, im Gras, am Küchentisch, im Biergarten, unter Bäumen, unter Sonnenschirmen, unter Markisen, am Schreibtisch, im Eiscafé, zwischen den Stühlen (was sich genauso abgedroschen anfühlt wie es klingt), am Hang mit Blick übers Tal ... 


Gelegen:

im Bett, auf dem Sofa, im Gras, am Ufer, in den Wolken, zwischen den Laken, am Herzen (hoffentlich), unter Papieren begraben, in Armen, im Argen, im Liegestuhl, abseits, daneben, zwischen Buchseiten, in Gedanken ...


Gestanden:

unter Strom, auf beiden Beinen, im Gras, am Ufer, im seichten Wasser, in der Schlange, hinter dem Tresen, in der Menge, auf dem Berg, an der Sektbar, am Büfett, an der Ampel, auf der Leitung, auf der Schwelle ...


Gelaufen:

ungezählte Kilometer, drinnen und draußen, im Wald, durch Felder und Wiesen, am Ufer entlang, durchs Gras, auf Asphalt, zwischen Häuserreihen, zwischen Bücherregalen, in Gedanken, im Traum, durch Geschichten, auf und ab, hin und zurück, auch mal ohne Ziel ...




*


Geschrieben:

über Sie und die (oder den?) Andere(n), die (den) sie braucht, anscheinend, um sich zu artikulieren, durch die (den) sie spricht zu ... über ... 
Wer ist Adressat, was ist der Gegenstand ihres Schreibens? 
Wieso braucht sie einen Stellvertreter? 
Wer ist sie – und wenn ja wie viele? 
(Nein, dies ist keine Reminiszenz an Richard David Precht, dessen Schriften ich nicht mag, weshalb ich den von ihm gebrauchten Satz bzw. Buchtitel auch nicht zitiere, sondern als freies Gedankengut und für mich originär einfach ebenfalls benutze.) 



Gespürt:

Da wird, da muss noch mehr kommen, von ihr und der (dem) Anderen.



*



(Nachtrag um 11:20 Uhr: Ute Weber schreibt mir auf Twitter zum Precht-Zitat: 
Ich kenne den Spruch aus dem Film "RobbiKallePaul" (1989) von Dani Levy. Da muss man wirklich nicht Precht zitieren.“ (Link)
Womit mal wieder bewiesen wäre: Die Gedanken sind frei und fliegen mal hierhin, mal dorthin, lassen sich mal auf der einen, mal auf der anderen Schulter nieder, nisten sich mal in des einen, mal in der anderen Kopf ein. Nomaden sind sie. Man kann sie nicht besitzen. Thx, Ute!)



Montag, 8. Juni 2015

Wochenrückblick 1. - 7. Juni 2015

Gelesen:

zwei Manuskripte, ein paar Leseexemplare und die Juniausgabe des Rolling Stone. 



Den kaufe ich mir immer am Bahnhof, wenn ich länger mit dem Zug unterwegs bin. Und das war ich gestern anlässlich einer Geburtstags- und Wohnungseinweihungsfeierfeier in Frankfurt –––>>>


Gefeiert:

den Geburtstag und die neue Wohnung einer lieben Freundin in Frankfurt, dabei viele tolle Menschen kennengelernt und wiedergesehen. Das war schön. Belebend, anregend, lecker, entspannt und fröhlich.


Gewandert:

auf dem Brend, der uns an Fronleichnam, als hier „unten“ lähmende Hitze herrschte, wunderbare Fluchtmöglichkeit war mit angenehmen 25° Celsius. Sonne, Wiesen, Wald, Aussichtsturm und nette Lokale am Weg. 


http://media-cdn.tripadvisor.com/media/photo-s/03/3e/1f/17/berggasthof-hotel-brend.jpg


Geliebt:

was ich tue und die Wege, die sich momentan abzeichnen und von denen ich noch gar nicht weiß, wohin sie führen, aber das ist auch nicht so wichtig (versuche ich, mir zu sagen).


Geklickt:

den Button zum Versenden einer E-Mail, die die sofortige Freilassung von Atena Farghadani fordert.




„Am 1. Juni wurde die Künstlerin und Aktivistin Atena Farghadani zu einer Gefängnisstrafe von zwölf Jahren und neun Monaten verurteilt. Sie wurde aufgrund ihres friedlichen Engagements als Aktivistin wegen "Beteiligung an Versammlungen und Verschwörungen gegen die nationale Sicherheit", "Beleidigung von Parlamentsabgeordneten durch Zeichnungen", "Verbreitung von Propaganda gegen das System", "Beleidigung des Präsidenten" und "Beleidigung des Religionsführers" anklagt. Unter anderem bezogen sich die Anklagen auf ihre Bekanntschaft mit den Familien von politischen Gefangenen, ihre regierungskritischen Einträge auf Facebook und ihre Kunst. Atena Farghadani hatte eine Kunstausstellung veranstaltet, die den Getöteten in der Folge der umstrittenen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2009 gewidmet war. Sie zeichnete zudem eine Karikatur, in der sie Parlamentsabgeordnete kritisierte, die einen Gesetzentwurf eingebracht hatten, der freiwillig durchgeführte Sterilisationen unter Strafe gestellt hätte. Der Entwurf ist Teil eines groß angelegten Plans, den Zugang zu Verhütungsmitteln und Dienstleistungen bezüglich der Familienplanung zu beschränken.“ (Text: ai)

Hier geht’s zur Urgent Action von Amnesty International.

Dienstag, 26. Mai 2015

Zurück. De retour. Back.

Es geht nicht: alles hineinzulegen in ein Wort. Oder in einen Satz. In irgendeinen kurzen oder langen (relativ) Text. Es geht nicht. Alles ist immer zuviel, und wenn es ganz bleiben soll – ganz im Sinne von heil und vollständig – dann kann es nicht in irgendetwas hineingepackt werden, schon gar nicht, möchte ich sagen, in ein Wort/einen Satz/einen wie auch immer gearteten Text. Es geht nicht.


Du, Gedicht –
könntest du – 
würdest du –

Du, Gedicht –
nähmest du – hieltest du –
bärgest du – hütetest du –

Du, Gedicht –
könntest du? –
würdest du? –
ja? –
bitte? – 


[auf eine Antwort zu warten: härteste Übung, wirksamste zugleich]



spricht das Wort?
mit mir?
wenn ja: wann?

derweil: 




[Nichts stellt sich von selbst ein. Alles andere erfordert Arbeit. Anstrengung. Tat.]


***


„Na, wie geht es uns denn heute?“ Er lächelt von oben herab, seine Zähne strahlen verbindlich. Ein Stethoskop baumelt um seinen Hals, schwingt gegen meinen Bettdeckenberg, als er sich zu mir herunterbeugt. Er legt Zeigefinger und Mittelfinger auf mein Handgelenk, schaut auf seine Uhr und zählt 15 Sekunden lang, nimmt das Ergebnis mal vier, scheint zufrieden. Mir sagt die errechnete Summe nichts, deshalb ignoriere ich sie.

„Ich kann Ihre Frage nur zur Hälfte beantworten“, sage ich. Er sieht mich verständnislos an, legt den Kopf schief, zieht die Augenbrauen hoch. Er hat längst vergessen, was er mich eingangs gefragt hat.

„Gut und auch wieder nicht gut“, sage ich. „Die andere Hälfte interessiert mich nicht.“ Das ist ein Test, und ich warte gespannt auf seine Reaktion.

„Ah! Achso!“ Er lacht, aber nur kurz; hat begriffen, aber nicht ganz; spürt das, aber will es nicht zulassen; kann mich und mein Verhalten nicht einordnen, aber überspielt die daraus resultierende Unsicherheit.

Ich setze noch eins drauf, aus purem Übermut, zwinkernd: „Ich bin ein schlaues Mädchen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zur Visite kommen.“ 

Er müsste jetzt eigentlich strammstehen und sowas wie „Aye aye, Sir!“  sagen, finde ich, aber natürlich tut er das nicht. Stattdessen dreht er sich wortlos um und stapft hinaus. Kurz bevor er die Tür hinter sich schließt, streckt er nochmal einen Arm herein und zeigt mir den Mittelfinger (nein, auch das tut er natürlich nicht; aber es hätte mir gefallen) und winkt mir zu.
Ich lasse mich tief in mein Kissen sinken und knibble ein wenig an meinen Nagelhäuten, während ich überlege, ob ich die Langeweile aushalten oder bekämpfen soll.


***

Was hat das alles mit meinem Bretagneurlaub zu tun? Könnte man fragen. Frage ich mich. Es ist müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Unschön auch das dabei entstehende Geräusch. Pfui. Weg mit der Frage, die ist einfach nur blöd. Dabei hatte sich die Standardantwort bereits eingestellt: Alles hängt mit allem zusammen. Ja doch, jaaaa. 


Ich hatte einen wirklich schönen Urlaub. Und ich kann/will/muss gerade nicht davon erzählen. Was sich da in meinem Kopf abspielt und aufs „Blatt“ ergießt ... ich will’s nicht in eine Kausalität zwingen. Correlation does not imply causation.


[Schon lustig, womit ich hier nach meinem Urlaub wieder auftauche. *schwapp*]


Jedenfalls bin ich zurück. Hallo Garten. Hallo Besucher und Besucherinnen.