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Sonntag, 29. März 2015

Wochenrückblick 23. - 29. März 2015

Gelesen:

Anne Tyler: Der leuchtend blaue Faden 


Ich habe mal an irgendeiner Stelle gesagt, dass ich in meinem nächsten Leben am liebsten eine Romanfigur von Elizabeth Strout wäre. Hiermit füge ich hinzu, dass ich mich bei Anne Tyler genauso gut aufgehoben fühlen würde. Sie selbst bezeichnet ihre Familienromane als "Milch und Kekse"; für mich sind sie großartige Abbildungen ganz gewöhnlicher Menschen in ganz gewöhnlichen Beziehungsgeflechten, liebevoll, klug und psychologisch genau gezeichnet, erhellend und wärmend zugleich. Ich verschlinge jedes einzelne ihrer Bücher, so auch ihr jüngstes, in dem sie – zum wiederholten Male und trotzdem neu – die Geschichte "einer mehr oder weniger glücklichen Familie über mehrere Generationen" (NDR) erzählt.


Geschaut:

True Detective




Es gab schon einige Serien, die mich wirklich begeistert haben. Erst in der vorigen Woche habe ich mich nach der letzten Folge schweren Herzens von den Protagonisten von "Borgen" verabschiedet.

Diese Woche dann "True Detektive", und ich muss sagen, es ist die erste Serie seit "Twin Peaks", die einen vergleichbar unwiderstehlich-schauerlichen Zauber auf mich ausübt wie Lynchs Kultserie. 

Das verdankt sich dem perfekten Zusammenspiel von atmosphärisch starken Bildern, ungewöhnlichen Dialogen und Exkursen, die sich in einer Bandbreite zwischen abweisend-wortkarg und düster-philosophisch-ausschweifend bewegen, einem wunderbaren, der morbiden Stimmung angepassten Soundtrack:



Desweiteren natürlich der ganzen verwickelten, leicht surrealen, auf drei Zeitebenen erzählten Geschichte um die Aufklärung einer ritualartigen Mordserie. Und last but not least den wirklich grandiosen Hauptdarstellern Matthew McConaughey und Woody Harrelson. Die beiden sind echt ein Traumpaar. Applaus!

Ich bin gespannt auf die zweite Staffel der Serie, die mit einer komplett neuen Story und neuem Cast daherkommen wird.

Vorerst aber:
Fünf ✰für "True Detective I".


***

und weiter mit dem Wochenrückblick:

Gedacht:

Irgendwas blüht (dir) immer.


Gemieden:

Twitter, in den Tagen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24.3., weil ich die Kommentar- und Replyflut nach solchen Ereignissen nicht ertrage.


Gesucht:

einen Ort, irgends


Gefunden:

Fiktion
"ein Modellprojekt deutsch- und englischsprachiger Autoren, das die sich durch die Digitalisierung eröffnenden Chancen für die Wahrnehmung und Verbreitung anspruchsvoller Literatur weiterzuentwickeln sucht. Dies geschieht auf mehreren Ebenen:"
(in Stichworten; hier im Detail nachzulesen)
– alle Titel kostenlos
– alle Titel simultan deutsch/englisch
– Aufbau eines internationalen Autorennetzwerks
– Vertiefung der Debatte über das Uberheberrecht
– Entwicklung eines neuen, die Konzentration fördernden digitalen Leseformats

Dies könnte im weitesten Sinne eine Übung in Freiheit und Unabhängigkeit sein. Grund genug für mich, dieses Projekt gespannt zu verfolgen.

Darauf gestoßen bin ich über einen Beitrag im Literaturcafé.

Gepriesen sei das Netz. Halleluja.


Gefreut:

über Astrid, die seit dem 13. Januar wöchentlich einen ausführlichen Artikel über Raif Badawi schreibt und darin die neuesten Infos mit eigenen Gedanken zum Thema verknüpft. Sie hat sich vorgenommen, "erst dann auf[zu]hören, über diesen mutigen Blogger zu posten, wenn seine Strafe ausgesetzt ist."

Es ist enorm wichtig, dranzubleiben, auch bzw. erst recht dann, wenn das Medieninteresse langsam nachlässt und sich verlagert. Daher an dieser Stelle noch ein Link zu einem Appell von Raif Badawis Frau Ensaf Haidar.


Gearbeitet:

Viel. Und deshalb bis auf einen Amnestyaufruf und meinen Rückblick nichts gebloggt in dieser Woche. So what? Time works. 


Was man so:




oder so:




oder anders interpretieren kann.


***


Ich wünsche all meinen Leser_innen einen guten Start in die neue Woche.

Und vergesst nicht, von Zeit zu Zeit einen Blick/einen Fuß aus dem Fenster/vor die Tür zu werfen/zu setzen. Weil nämlich:


Sonntag, 15. Februar 2015

Stell dir vor (von Himmeln, Rayleigh-Streuung, Laizismus und der Amsel auf meinem Balkongeländer)



Stell dir vor, niemand würde von einem Himmel erzählen, einem Himmel, der ein paradiesischer Ort sei, irgendwo jenseits unseres irdischen Daseins, ein Ort, der für uns erreichbar sei, dies allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

Stell dir vor, man würde stattdessen von einem Himmel erzählen, und zwar überall und jedem auf der Welt, von einem Himmel, der sein Azur, diese wunderbare blaue Färbung, der Rayleigh-Streuung und dem Ozon verdankt, und man würde davon erzählen, wer dies wie und wann erforscht und entdeckt hat, von einem Himmel, der sich weit über das mit bloßem Auge Erkennbare erstreckt, so weit und tief, dass es uns ehrfürchtig und zugleich neugierig macht, dass wir begierig werden zu wissen, zu lernen und zu erfahren, uns nicht mit Halbwissen und Phantastereien abspeisen lassen, sondern selbst durchs Teleskop schauen wollen und damit unser Staunen ins Immense hinein nähren.

Stell dir vor, unser Wissensdrang würde befriedigt und gefördert, statt gedämpft und gelenkt.
Stell dir vor, unsere Fragen, alle, dürften frei geäußert werden und es gäbe keine vorformulierten Antworten abgelesen aus jahrtausendealten staubigen Büchern, die zwischen ihren schweren Deckeln hermetisch geschlossene Denksysteme beherbergen.
Stell dir vor, unsere Fragen würden Türen öffnen in immer neue Räume hinein, ohne absehbares Ende, immer neue Erkenntnisse und zugleich immer weitere Fragen nach sich ziehend.
Stell dir vor, wie befriedigend das wäre, wie beglückend und befreiend. Geradezu himmlisch.

Stell dir einen Himmel vor, absolut frei und unverstellt von Buchstaben "göttlichen" Gesetzes. Stell dir das mal vor

Mag sein, dass du mich eine Träumerin nennst, aber ich bin bestimmt nicht die einzige.



*


Ich denke lose darüber nach, eine Petition zu starten, die die Trennung von Staat und Kirche fordert, die Abschaffung der Kirchensteuer, die Abschaffung des Religionsunterrichts in den Schulen, die Abschaffung sämtlicher staatlicher Privilegien, die den Religionsgemeinschaften gewährt werden. Nicht die Abschaffung des Rechts auf freie Religionsausübung, wie es in unserer Verfassung verankert ist. Aber die Abschaffung der viel zu unkritischen Duldung der Einmischung von Religion in die Freiheitsrechte.
Gibt es da schon eine? Weiß jemand was?

Ich habe ein wenig im Internet recherchiert, bin dabei auf die Seite der Laizisten gestoßen, eine "Hochschulinitiative für einen weltanschaulich neutralen Staat", die finde ich ganz interessant. Allerdings scheue ich grundsätzlich Gruppierungen, Gemeinschaften, Vereine gleich welcher Couleur, würde mich nie (wieder) einer anschließen wollen, zu eng, zu beklemmend. (Okay, Ausnahme: Ich bin Mitglied bei Amnesty International. Muss ich das jetzt überdenken? Nö.)

Aber über eine Petition denke ich, wie gesagt, nach, noch sehr unkonkret, mehr wünschend als planend. 
Falls es bereits eine gibt, würde ich mich der gerne anschließen. Für Meinungen zum Thema und Infos meiner Leser_innen wäre ich dankbar.



*


Ein Blick aus dem Fenster: Besonders blau ist der Himmel momentan nicht. Aber er ist da, interessant und geheimnisvoll. Weit. Das findet die Amsel auf dem Balkongeländer auch, sie singt davon (bilde ich mir ein). Gleich hebt sie ab und ich mit. Es ist möglich. In meiner Vorstellung.

Dienstag, 10. Februar 2015

"Och nö" (Limerick)

Ha! Frau Tikerscherk bittet zum Tanz, nee, zum Spiel! Jawoll, zum Dichtespiel, genauer zum Limerickdichtespiel. Sowas macht mir Spaß, da werde ich zum großen Kind und lasse mich nicht lange bitten. Hier das Ergebnis, ganz spontan hingeschrieben und inhaltlich meine Reflexion über Tikerscherks Aufforderung zum Tanz Mitdichten:


*


"Och nö", denkt die Dichterin, die, wenn
sie dichtet, nicht fragen will: "Wie denn?",
"Wie soll ich?" und "Kann ich?"
und "Wie, bitte, bann ich
in Worte, die nicht zum Davonrenn’n?"


*


Für alle, die ebenfalls Lust haben, mitzumachen: Hier geht’s zur #Limerick-Parade auf Kreuzberg Süd-Ost. 
Mein Tipp: Nicht zuviel nachdenken, einfach machen!

Samstag, 31. Januar 2015

Dylan forever

Am 30.12.2014 hat asallime auf ihrem Blog gefragt: „Hörst du drei oder vier Lieder mit mir?" und über ein paar Songs und deren spezielle Bedeutung für sie geschrieben. Gefiel mir sehr.

Nach und nach reagierten ein paar Blogger_innen darauf und stellten ihrerseits Beiträge mit persönlichen Musikerfahrungen ein, welche asallime gestern in dem Artikel „Mixtape – Die Lieder der Anderen" zusammenfasste. Schön! Ich mag sowas. 

Und schließe mich jetzt mit einem eigenen Beitrag an:


*

Dürfte ich ein einziges Album mit auf die einsame Insel nehmen, es wäre „Blood on the Tracks" von Bob Dylan. Ganz im Ernst, ich brauch’ nichts anderes.


– that’s what his music always means to me.

(Dürfte ich zwei Alben mitnehmen, wäre noch „Desire", ebenfalls von Dylan, dabei.)

*

Sooo viele andere Songs und Alben. Neben allem von Dylan: Neil Young und Bruce Springsteen, Johnny Cash, Leonard Cohen, Tom Waits ... aber auch Wolfgang Niedeken mit und ohne BAP, ein paar andere deutsche Bands ... französische Chansons, skandinavischer Jazz, Minimal Music, ein wenig Klassik ... Indie-Bands wie die Eels ... und natürlich alles mit Jugenderinnerungen Verbundene (erste Zigarette, erster Alkohol, erster Kuss, erste große Liebe ...) wie Manfred Mann’s Earthband, Queen, Supertramp ... ich weiß sämtliche Lieder für immer und ewig auswendig ...

Die Liste ist unvollständig. Und nach wie vor kommt Neues dazu. Wenn es auch nicht mehr die Intensität des damaligen Hör-Erlebens erreicht, dieses durch und durch Erfasstwerden und Ergriffensein von Musik und ihr Einssein mit der jeweiligen Lebenssituation, in der jeder Song mit Bedeutung aufgeladen war und sich mit jedem wiederholten Hören zuverlässig die gesamte Palette an Gefühlen und Erinnerungen abrufen ließ ...

Achja ... *seufz*


*

Hier noch ein ganz spezieller Song aus einer ganz speziellen Zeit, zu dem ich mit den besten Freunden und Freundinnen ever tanzte, tanzte, tanzte, die volle Länge hindurch, herumwirbelnd, atemlos (letzteres komplett ohne Helene Fischer Assoziation!!!), abhebend, fliegend ...
 „... einmal wissen: dieses bleibt für immer ..."




*

Stärkste (und eigentlich einzige wirkliche, bleibende) Konditionierung aber: Dylan. Forever. 

Gänsehaut, sobald irgendwo sein Name auftaucht, ein neuer Artikel (der Rolling Stone ist da ganz zuverlässig), ein neues Buch über oder um ihn (aktuell: „Catfish" von Mail Brüggemeyer, erscheint im Februar), bei den ersten Tönen eines seiner Songs, beim Klang seiner Stimme, seiner Mundharmonika, wenn er die Konzertbühne betritt ...

Und ich bin absolut der Meinung, dass er endlich den Nobelpreis für Literatur bekommen sollte. Entgegen allen Stimmen, die sagen, Lieder seien keine Literatur. Sind sie aber sehr wohl. Und seine Texte sind es auch. Beispiel:



All Along the Watchtower


There must be some kind of way out of here

Said the joker to the thief

There's too much confusion

I can't get no relief

Businessmen, they drink my wine

Plowmen dig my earth
None will level on the line
Nobody offered his word, hey!

No reason to get excited
The thief, he kindly spoke
There are many here among us
Who feel that life is but a joke, but, uh
But you and I, we've been through that
And this is not our fate
So let us not talk falsely now
The hour's getting late, hey!

Hey

All along the watchtower
Princes kept the view
While all the women came and went
Barefoot servants too
Well, uh, outside in the cold distance
A wild cat did growl
Two riders were approaching
And the wind began to howl, hey!

All along the watchtower
All along the watchtower

© Bob Dylan 1967

*

Über diesen Song hat Andreas Wolf in seinem Blog Sichten und Ordnen mal einen schönen Beitrag mit eigenem Übersetzungsversuch geschrieben: Hier 

Und er hat seinen Artikel mit einem Satz beendet, den ich den oben genannten Literaturnobelpreisberechtigungsabsprechern entgegenhalten möchte: 

Lyrik ist nicht tot. Sie ist bloß dahin zurückgekehrt, wo sie herkam: Zum Lied."

*

„Come on everybody ..." (Auch so einer. Aber den müsst ihr jetzt selber googeln ...)

    Sonntag, 18. Januar 2015

    Tausend Tode schreiben


     Tausend Tode schreiben Version 2/4.

    „‘Tausend Tode schreiben’ ist ein groß angelegtes Projekt. Die Idee ist, dass tausend Autoren tausend kurze Texte über den Tod schreiben: Persönliche Begegnungen, wissenschaftliche Betrachtungen, Fiktion. Diese vielfältigen Texte sollen zusammenwirken als ein transpersonaler Text, der – so die Annahme – einiges über das aktuelle Bild des Todes in unserer Gesellschaft verraten wird.
    ‘Tausend Tode schreiben’ ist ein work in progress. Eine weitere Version folgt am 16.2.2015 (3/4), die endgültige und vollständige Fassung (4/4) erscheint am 13.3.2015 zur Leipziger Buchmesse. Käufer*innen älterer Versionen der ’1000 Tode’ bekommen die jeweils neuen gratis per E-Mail. 
    Die Herausgeber- und Autorenanteile an den Erlösen werden dem Kindersterbehospiz Sonnenhof in Berlin-Pankow gespendet."

    (Soweit die Beschreibung auf minimore.de)


    Zu Weihnachten 2014 bekam ich meinen ersten E-Reader geschenkt und lud mir gleich die Version 1/4 von „Tausend Tode schreiben"  runter.
    Zunächst ein wenig skeptisch ob dieses Großgruppenprojekts, war ich dann doch positiv angetan von der Vielfalt der Erfahrungen und Betrachtungsweisen, der Art, sich der Thematik zu stellen und damit umzugehen, den nüchternen wie poetischen Worten. Vieles hat mich wirklich berührt, in seiner Tragik, in der Menschlichkeit und Tiefe, auch in der Schlichtheit oder der trotz aller Trauer aufscheinenden Schönheit.
    Ich kann diese Fülle an Texten allerdings nicht runterlesen wie einen Roman oder Erzählungsband. Ich brauche Pausen, lese immer mal wieder einen oder mehrere Texte, dann folgt ein Nachsinnen oder Reflektieren. Was dort geschrieben ist, geht nicht spurlos an mir vorüber. Wie auch, handelt es sich doch um ein Thema, das ausnahmslos jeden betrifft. Kein Leben, das nicht irgendwann mit dem Tod endet.
    Diese Art des Lesens – immer mal wieder ein paar Seiten – lässt mich wünschen, ich könnte das Buch in gedruckter Form in der Hand halten. Dann könnte ich darin herumblättern, mal hier, mal dort intuitiv hängen bleiben und mich spontan hineinziehen lassen in einen Text. Auch mal zurückblättern, weil eine Assoziation zu etwas vorher Gelesenem kommt usw. So mache ich es mit Gedichtbänden, und so würde ich es mit dieser Anthologie auch gerne tun.
    Aber wer weiß, was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden ...

    In Version 2/4 bin ich jetzt ebenfalls mit einem Text vertreten. Den habe ich 2012 geschrieben und damals auch hier im Blog veröffentlicht. Ich berichte darin über die Erfahrung mit dem Tod meiner Mutter. 

    Bleibt mir, wirklich sehr, sehr herzlich Danke zu sagen an Christiane Frohmann vom Frohmann Verlag für dieses bemerkenswerte Projekt und ihren enormen Einsatz dafür! 



    Übrigens: Es können weiterhin Texte eingereicht werden. Eine kurze Beschreibung, wie man teilnehmen kann, gibt Stefan Mesch auf Facebook.

    Freitag, 10. Oktober 2014

    was wir sahen wenn wir schliefen

    wir hatten Hunger
    und steckten uns 
    wahllos Brot oder 
    Lehm zwischen die 
    Zähne wir suchten 
    die Sonne und 
    fanden sie bleich
    hinter Hügeln aus 
    Schmutz wir hätten 
    töten können so 
    verloren waren wir
    was uns rettete
    waren die Nächte
    mit ihren dünnen
    schillernden Häuten aus 
    Traum und einer 
    besseren Welt darin
    was wir sahen
    wenn wir schliefen
    musste doch möglich 
    sein und so 
    zogen wir weiter
    über Halden voll 
    grauen Gestanks unter 
    Himmeln aus Feuer
    und hofften und 
    glaubten unseren Träumen


    *




    *


    Kann man dem Hunger, dem Krieg ein Lied entgegenstellen? Einen Traum? Ein Kunstprojekt? Ist das rechtens? Nützt es?
    Sind das die relevanten Fragen?
    Wer entscheidet, was aus Gewalt, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht gezeugt und geboren wird?
    Gibt es nur eine (richtige) Antwort?
    Hat jeder die gleiche Rolle zu spielen? Und wählen wir unsere jeweiligen Rollen selbst?
    Muss ich mein Recht zu träumen verteidigen? Nein.


    *


    "... nothing to kill or die for
    and no religion, too ..."




    "... you may say I'm a dreamer
    but I'm not the only one ..."


    *


    Traum und Vorstellungskraft als weicher Widerstand. Dessen Rechtfertigung und Nutzen nicht im umgehenden Erfolg liegen kann. Dann wäre es ja einfach. (Und wunderbar.) Allein die Haltung als solche ... Diese muss erlaubt sein als Option. Als Versuch. Als zusätzliches Mittel. Keine verkitschte Friedensromantik, sondern pure Notwendigkeit. Finde ich. Und bleibe zugleich mitten im Zweifel. Denn ich glaube nicht, dass es die eine, ausschließliche befried(ig)ende Lösung gibt. Aber ich bin überzeugt, dass mehr als Waffengewalt nötig ist. (Dass diese aktuell nötig ist, dieser Überzeugung bin ich allerdings auch.) Und dass zu diesem Mehr die gewaltlosen Träumer gehören, immer. Gewaltlos, nicht machtlos. Die Liedermacher. Die Künstler. Die ...

    Samstag, 17. Mai 2014

    Ach Sommer

    Ach Sommer
    lass mich Beute sein
    deines Raubvogellichts
    raube mir, Apfelluft,
    den zögernden Sinn
    stürze mich, Baum,
    aus dem Nest
    zieh mich, Sonne, empor
    zum süßen Kreisen
    über Grün, Grün und Grün 
    hohe Zeit, Mensch,
    dich mit allem zu verbünden
    was fliegt


    ***



    zum #frapalymo no 17 

    Folgende Wörter stammen aus "Raubvogel süß ist die Luft" von Sarah Kirsch:

    Raubvogel
    süß
    Luft
    kreisen
    Mensch
    Baum
    stürzen
    Sonne
    ziehen
    rauben
    Licht
    fliegen
    Sommer

    Mittwoch, 7. Mai 2014

    Tanz den Anagramm!

    für S.


    Wie der Clan sich erhitzt!
    Sein Lachen ritzt
    die schwärzeste Nacht,
    bis sie aus allen Ritzen lacht.

    Ihr richtet die Lanz
    und die Ratzel im Nicht,
    bis lichter Tanz
    durch die Dämmerung bricht.

    Dann lichten wir zart 
    unsre Gegenwart.
     


    *** 


    Liebe Frau Paulchen, Ihr #frapalymo macht mir Spaß! :-)

    Dienstag, 6. Mai 2014

    Sagt die Feder zum Stein

    Sagt die Feder zum Stein:
    Wie schwer du es hast,
    so viel schwerer als ich.

    Der Stein drauf zur Feder:
    Zu bleiben, meine Liebe,
    ist ein Leichtes für mich.


    ***


    Auch dieses Gedicht entstand im Rahmen des #frapalymo-Projekts von Sophie Paulchen.


    Sonntag, 4. Mai 2014

    Im Erwachen flog mir ...

    Im Erwachen flog mir
    ein Vöglein zu

    Ich war nicht die erste
    bei der es verweilte
    und war nicht die letzte
    aber zwischen zwei Flügen
    gehörte es mir



    ***


    angeregt durch Sophie Paulchens #frapalymo-Projekt, Impuls 4: "etwas leichtes"

    Donnerstag, 1. Mai 2014

    Die Hände meines Vaters, ein bretonischer Küstenort und Hauptsache bewegt

    Deine Hände waren ein Hafen, den ich viel zu jung und viel zu überstürzt verlassen habe, und in den ich erst kurz vor deinem Tod zurückgekehrt bin. Große schwere Hände. Sensibel genug, um feine Bleistiftlinien zu zeichnen und aus Papierbögen Schiffchen zu falten. Stark genug, um Eisen zu schmieden und um mich hoch in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen. Zärtlich genug, um mein aufgeschürftes Knie zu verarzten und mir das Haar aus der Stirn zu streichen. Brutal genug, um deinem Zorn Ausdruck zu verleihen auf entsetzter Haut. Nicht auf meiner. Trotzdem schmerzte es. Als ich nicht mehr wegsehen konnte, verließ ich den Hafen. Da war ich zwölf. Erst an deinem Sterbebett steuerte ich ihn wieder an, hielt deine Hand, die kaum noch Gewicht hatte, keinen Widerstand mehr bot. Leicht wie ein Vogel ruhte sie in meinen Händen. Nur warm war sie noch.

    *

    Ich habe immer eine Sehnsucht in mir gehabt. Selten wusste ich sie zu benennen. Ein Gefühl wie Heimweh und Fernweh zugleich. Meistens wünschte ich mich woanders hin. Immer sehnte ich mich nach einem beständigen Ort. Ich bin bisher vierzehn mal in meinem Leben umgezogen, am häufigsten in der Kindheit. Ich habe Grundschulen in drei verschiedenen Städten besucht. Inzwischen sind die Abstände größer geworden, nicht zuletzt meinen eigenen Kindern zuliebe. Vor etwa achtzehn Jahren machte ich mit meiner kleinen Familie Urlaub in der Nordbretagne. Wir fanden einen Campingplatz mit Blick aufs Meer. Dort, in dem Hafenstädtchen Binic, hatte ich erstmals das Empfinden, als wären Heimweh und Fernweh zugleich gestillt. Als schlösse sich ein Kreis. Der Atlantik ist mir in dieser Bucht wie ein Geliebter, sanft tragend und Widerstand leistend zugleich. Wind, Möwen und Sonne sind mir dort vertrauter als anderswo. Dieser Ort ist mir ein inneres und äußeres Zuhause geworden. Schon viel zu lange war ich nicht mehr da. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich in irgendeiner Weise von dieser Küste stamme. Ob ich vielleicht keltische Ursprünge habe. Aber es ist nicht wichtig, das zu erforschen und zu wissen. Wichtig ist, was ich spüre, wenn ich dort bin: Zugehörigkeit. Das Gefühl, angekommen zu sein. Nichts, was man erklären muss.

    *

    Was ich seit vier, fünf Jahren zunehmend wahrnehme: Ein Gefühl des Zuhauseseins im Schreiben und in der Bewegung. Beides hängt zusammen; und mit Bewegung meine ich sowohl eine körperlich-räumliche als auch eine gedankliche. Reisen, Entwicklung, Lebendigsein. Ein Heimatfinden und -einrichten in mir und im Unterwegssein, in meiner Gangart, in meinem Tempo. Ich selbst als mein allereigenster Ort, egal wo, Hauptsache bewegt. Unterwegs und mit der Ahnung eines Hafens im Kopf.


    ***


    Dieser Text entstand nach Anregung durch das Heimat-Projekt der Mützenfalterin. In ihrem Blog gibt es bereits eine Reihe schöner, persönlicher Texte zum Thema.


    *** 


    08.05.2014

    Die Twitterin @dites_donc übersetzt manchmal die Tweets anderer ins Französische. Eine schöne Idee, finde ich. Und nun hat sie den letzten Abschnitt meines Textes übertragen. Hier:

    Ce qui grandit en moi depuis quatre ou cinq ans, c’est cette sensation d’être chez moi dans l’écriture et le mouvement - les deux sont liés. Le corps, les idées : en mouvement. Voyager, évoluer, être vivant. Me retrouver en moi, m’y faire ma place. Et bouger, à mon rythme, au pas qui est le mien. Être mon propre repère, itinérant. Avoir un ancrage intérieur, vibrant.

     Gefällt mir gut. Merci beaucoup, chère @dites_donc!

    Montag, 24. Juni 2013

    Hoffnung

    für H.

     Ich wünschte, ich könnte dir Sommer sein
    Sonne und hüfthohes Gras
    Hitze und Haut

    stattdessen bin ich dir Herbst
    weil mein Wort nicht hält, sondern fällt
    und mit ihm fällst du

    Lass uns schweigen, das Jahr dreht sich weiter
    ich weiß, nach dem Frost kommt das Grün
    und mit ihm  - 
                           (vielleicht)
                         


    Landschaft von Marlies Blauth





    *


    Marlies Blauth, deren Blog ich folge, hat etwas Neues eingerichtet: Sie stellt einen Teil Ihres Werkes (Bilder und Texte) als kostenlosen Download zur Verfügung. Das finde ich ganz wunderbar, weil es zum einen meiner Idee vom Teilen im Netz (aber nicht nur da) entspricht und ich zum anderen Ihre Werke sehr schätze, vor allem die Landschaften in Grün haben es mir angetan. Herzlichen Dank, Marlies!

    Donnerstag, 13. Juni 2013

    "The desire to feel beautiful in your own skin"

    Was für ein wundervolles Projekt!:


    Thanks to Jade Beall!

    Montag, 10. Dezember 2012

    Lea Brumsack und Tanja Krakowski: CulinARy MiSfiTS

    Esst die ganze Ernte!


    Das finde ich sinnvoll und mache deshalb gerne Werbung dafür.
    Und hier kann man die Aktion unterstützen.

    Die passende Kochbuchempfehlung: Taste the Waste
    Mehr Infos zum Thema auf der Taste the Waste Homepage.