Wie man Fuß fasst in der Welt, der großen weiten und der eigenen kleinen nicht minder weiten, wenn die Fesseln erst einmal abgeworfen sind.
Welche Fesseln, fragst du, und ich antworte nicht gleich, weil es schwierig ist, etwas zu vermitteln, wirklich schwierig. Es so zu vermitteln, dass es unverfälscht ankommt. Du würdest, vermutlich, nicht verstehen.
Welche Fesseln? Du insistierst, ich frage mich, welche Möglichkeiten ich habe.
Weißt du, sage ich, ich habe Angst um meine Antwort, deshalb fällt es mir schwer, sie hinauszulassen.
Du redest vielleicht ein wirres Zeug, sagst du.
Siehst du, sage ich, genau davor habe ich meine Antwort beschützt.
Wie man Fuß fasst in einer Welt, die wissen will, nicht um zu wachsen, sondern um zu herrschen. Wie man dort Fuß fassen soll, frage ich mich. Und wieso man dort Fuß fassen will, wenn man doch gerade erst die Fesseln ...
Ich gehe dann lieber mal, sagst du.
Gute Idee, sage ich, und schließe die Tür, meine Tür, hinter dir.
Wer fällt mir jetzt ins unausgesprochene Wort? Ins nicht zu Ende Gedachte? Wer stellt die falschen Fragen aus den falschen Gründen?
Woran wachse ich jetzt? (Das fragst du nicht im Ernst!)
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Mittwoch, 16. November 2016
Samstag, 21. November 2015
Du Land (Was nun?)
In den Krieg ziehen?
Liebesgedichte schreiben?
Ich sehe dich an, inneres Land, das du weit bist und schön und alt und verwüstet.
Ich sehe dich an und denke an das andere Land, das äußere, das ebenfalls weit ist und schön und alt und ach so verwüstet. Liegt da in Trümmern, trinkt das Blut von so vielen, so so vielen, schluckt das Lachen, das Weinen, frisst das Leben, die Liebe. Liegt da und schluckt und frisst und kann nichts dafür.
Ich sehe dich an, Land, das du weit bist und weit weg und fremd und sehe dich an, Land, das du nah bist und vertraut und sehe dich an, Land, das du innen liegst, so weit und durstig und salzig von den Tränen derer, die du nie gekannt.
Ich sehe dich an, Land, und ich verstehe nicht und ich weiß nicht, wie und was und ob und wohin und wozu.
Du Land, meine Worte sind zu nichts nütze, sind kein Schutz und kein Schild, sind kein Stein und sind keine Rose, sind, so scheint es mir, noch nicht einmal wirklich Wort, sind leer und sind dennoch das Einzige, das ich habe außer meiner Trauer, meiner Wut, meinem Trotz, meinem „Jetzt erst recht!“.
In den Krieg ziehen?
Ja, wenn es ein anderer ist als der, den du kennst, den du oh zur Genüge kennst.
Liebesgedichte schreiben?
Wenn dir ein Stammeln Beweis genug ist.
Manchmal gibt es keine Worte, aber auch die wollen hinaus.
Liebesgedichte schreiben?
Ich sehe dich an, inneres Land, das du weit bist und schön und alt und verwüstet.
Ich sehe dich an und denke an das andere Land, das äußere, das ebenfalls weit ist und schön und alt und ach so verwüstet. Liegt da in Trümmern, trinkt das Blut von so vielen, so so vielen, schluckt das Lachen, das Weinen, frisst das Leben, die Liebe. Liegt da und schluckt und frisst und kann nichts dafür.
Ich sehe dich an, Land, das du weit bist und weit weg und fremd und sehe dich an, Land, das du nah bist und vertraut und sehe dich an, Land, das du innen liegst, so weit und durstig und salzig von den Tränen derer, die du nie gekannt.
Ich sehe dich an, Land, und ich verstehe nicht und ich weiß nicht, wie und was und ob und wohin und wozu.
Du Land, meine Worte sind zu nichts nütze, sind kein Schutz und kein Schild, sind kein Stein und sind keine Rose, sind, so scheint es mir, noch nicht einmal wirklich Wort, sind leer und sind dennoch das Einzige, das ich habe außer meiner Trauer, meiner Wut, meinem Trotz, meinem „Jetzt erst recht!“.
In den Krieg ziehen?
Ja, wenn es ein anderer ist als der, den du kennst, den du oh zur Genüge kennst.
Liebesgedichte schreiben?
Wenn dir ein Stammeln Beweis genug ist.
Manchmal gibt es keine Worte, aber auch die wollen hinaus.
Freitag, 30. Oktober 2015
Zufrieden
Sie vergreift sich an losen Fäden, knüpft zusammen, was angeblich nicht zusammen gehört, löst Verbindungen, die als unlösbar gelten. Sie vergreift sich. Manchmal auch im Ton. Und denkt sich: Das gehört dazu. Das gehört wozu?, fragt eine Stimme aus dem Off (oder ist es der Zweifler in ihrem Kopf?) Soll sie antworten? Sie betrachtet die Frage als losen Faden, der lose bleiben darf. Verweigerung. Gestaltungsmöglichkeit der Folgen. Es geht ja immer weiter, denkt sie. Weiß sie. Mit dem gleichmäßigen Drehgeräusch der Welt im Kopf schläft sie ein, träumt sie, wacht sie auf, tagwandelt sie. Einwicklung. Verwicklung. Entwicklung. Immer weiter. Mehr will sie gar nicht. Und die Ruhehäfen in den Zwischenräumen der Sprache. In denen alles wächst. Ihr zuwächst. Sie lässt und pflückt und lässt und pflückt. Ihre Hinzufügungen? Ja. Ihre Quelle? Auf ewig zu erforschen. Sie ist‘s zufrieden.
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Samstag, 8. August 2015
Irritationen (Gewebeprobe)
auf drei
auf zwei
auf eins
Wir werden uns nicht einig und sprechen deshalb von uns als wir, denn würden wir uns einig, könnten wir ich sagen, denn schließlich sind wir eins, von außen betrachtet, von innen besehen aber sind wir viele, die einander auch nicht mit nur einem Augenpaar betrachten, sondern mit ebenso vielen wie ...
ungenügende Logik, die mich/uns den Satz vor seinem Abschluss beenden lässt. Lieber ins Leere laufen als gegen eine Wand.
die Gespräche, die dadurch möglich sind ... eine Auffächerung des Selbstgesprächs ...
das Zurückschnellen der sogenannten “anderen” ... aufgrund der Irritationen? Sollte ich diese unterlassen? Warum? Zur Besitzstandswahrung?
Was hat sich da denn angesammelt, hm? Augenpaare, zumeist anonyme. Bin ich in Liebe entbrannt? Bin ich in irgendwelcher Weise angewiesen? Wände, sprecht! ha ha ... Dennoch: der Verlust schmerzt, jeder einzelne versetzt mirdiruns einen Stich. Das Abwenden, das Wegsehen, das Kopfschütteln, das sich Entfernen. das mich Entfernen.
Und dann bist du beleidigt, betätigst deinerseits die Löschtaste, es ist ja so leicht, nein, es ist schwer, aber technisch betrachtet einfach, ein Klick. Und dann spürt den keiner! Deine Inkonsequenz.
Warum lässt du solche Texte hinaus? Gewebeproben, winzige Entzündungsherde inbegriffen.
Du lässt dich von innen schwer gegen deine Haut fallen. Sie reißt nicht, die gute.
Sprechen wir wieder von uns, das ist sicherer.
Beraten wir uns noch wegen des Labels?
Brauchen wir eins?
Schauen wir noch mal drüber über den Text?
Nee, den lassen wir so stehen, so ist er wenigstens wahr.
auf zwei
auf eins
Wir werden uns nicht einig und sprechen deshalb von uns als wir, denn würden wir uns einig, könnten wir ich sagen, denn schließlich sind wir eins, von außen betrachtet, von innen besehen aber sind wir viele, die einander auch nicht mit nur einem Augenpaar betrachten, sondern mit ebenso vielen wie ...
ungenügende Logik, die mich/uns den Satz vor seinem Abschluss beenden lässt. Lieber ins Leere laufen als gegen eine Wand.
die Gespräche, die dadurch möglich sind ... eine Auffächerung des Selbstgesprächs ...
das Zurückschnellen der sogenannten “anderen” ... aufgrund der Irritationen? Sollte ich diese unterlassen? Warum? Zur Besitzstandswahrung?
Was hat sich da denn angesammelt, hm? Augenpaare, zumeist anonyme. Bin ich in Liebe entbrannt? Bin ich in irgendwelcher Weise angewiesen? Wände, sprecht! ha ha ... Dennoch: der Verlust schmerzt, jeder einzelne versetzt mirdiruns einen Stich. Das Abwenden, das Wegsehen, das Kopfschütteln, das sich Entfernen. das mich Entfernen.
Und dann bist du beleidigt, betätigst deinerseits die Löschtaste, es ist ja so leicht, nein, es ist schwer, aber technisch betrachtet einfach, ein Klick. Und dann spürt den keiner! Deine Inkonsequenz.
Warum lässt du solche Texte hinaus? Gewebeproben, winzige Entzündungsherde inbegriffen.
Du lässt dich von innen schwer gegen deine Haut fallen. Sie reißt nicht, die gute.
Sprechen wir wieder von uns, das ist sicherer.
Beraten wir uns noch wegen des Labels?
Brauchen wir eins?
Schauen wir noch mal drüber über den Text?
Nee, den lassen wir so stehen, so ist er wenigstens wahr.
Sonntag, 2. August 2015
Still
Still.
Still, Stille, Stillen.
Stillerücken. Stille Rücken. (Ach, könnte ich doch malen ...)
Still (und schön. schön still)
„... it‘s oh so still ...
„Du bist so still.“ „Ja.“
Stillerücken. Stille Rücken. (Ach, könnte ich doch malen ...)
Still (und schön. schön still)
*
„... it‘s oh so still ...
... and so peaceful until ... “
*
Kontrastprogramm:
– Nothing compares to ...
– Satzfetzen
– weißes Rauschen
– Rausch
– Pst
– Shush
– Oh so ...
– Sie (irgendwo dazwischen. immer)
Labels:
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Freitag, 19. Juni 2015
Wo komm ich her, wo will ich hin? (Gewebeprobe)
eine Art Definitionsversuch:
sich von innen heraus zu schälen (nicht: herauszuschälen; man beachte den kleinen aber wesentlichen Unterschied)
dabei jegliche normalerweise mit Definierung einhergehende Einengung und Abgrenzung vermeiden
denn das Schälen soll ja freilegen was ist und was seinkönnte kann, nicht mehr und nicht weniger
ein exakter Vorgang
schmerzhaft?
vielleicht, auch daraus ließe sich unter Umständen Genuss ziehen, ähnlich wie bei einer Geburt (wenn sie ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft)
ein Gewinn sowieso
das Beglückende eines notwendigen Aktes
sich zu definieren, nicht (hin)nehmend, sondern gestaltend:
Wo komm ich her, wo will ich hin?
Man ist nie zu alt, um – sich Raum zu verschaffen.
sich von innen heraus zu schälen (nicht: herauszuschälen; man beachte den kleinen aber wesentlichen Unterschied)
dabei jegliche normalerweise mit Definierung einhergehende Einengung und Abgrenzung vermeiden
denn das Schälen soll ja freilegen was ist und was sein
ein exakter Vorgang
schmerzhaft?
vielleicht, auch daraus ließe sich unter Umständen Genuss ziehen, ähnlich wie bei einer Geburt (wenn sie ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft)
ein Gewinn sowieso
das Beglückende eines notwendigen Aktes
sich zu definieren, nicht (hin)nehmend, sondern gestaltend:
Wo komm ich her, wo will ich hin?
Man ist nie zu alt, um – sich Raum zu verschaffen.
Donnerstag, 18. Juni 2015
Ungefiltert (Gewebeprobe)
der Wunsch zu gefallen
egal ob geschminkt oder ungeschminkt
in alten wie in neuen Kleidern
und nackt
das Herausfallen
„Ich kenne dich nicht (mehr)“
Wir tanzten mal auf allen Festen, weißt du noch?
Da war doch was mit Profilierung ....
Nee, ist alleswas es ist wie es ist
(((Suchst du dich tatsächlich in den Augen der anderen?! Schäm dich!
Ja, tu ich. Und ja, tu ich auch, und zwar sehr.)))
Wo bin ich bloß hin?
Bin ich hin?
Aber immer doch.
Wir hatten mal etwas, das sich Ambitionen nennt. *lächel* Erinnerst du dich?
Zurück auf Anfang: der Wunsch zu gefallen – geht es darum? Nein!
der Wunsch, gesehen zu werden – das schon eher bzw. wahrscheinlich genau das – oder?
Oder??
Da war noch etwas anderes, Größeres, ganz zu Beginn:
eine Art Verweigerung
eine pure Kraft
etwas ganz und gar Eigenes
ungefiltert Meiniges
Weißt du noch, wie nahe dran wir waren? Fast schon drin.
...
egal ob geschminkt oder ungeschminkt
in alten wie in neuen Kleidern
und nackt
das Herausfallen
Aussortiertwerden
„Ich kenne dich nicht (mehr)“
der Schmerz der Auslöschung (die in Wahrheit keine ist, weiß der Kopf)
das Garnichterstauftauchen
Wir tanzten mal auf allen Festen, weißt du noch?
Da war doch was mit Profilierung ....
Nee, ist alles
Ja, tu ich. Und ja, tu ich auch, und zwar sehr.)))
Wo bin ich bloß hin?
Bin ich hin?
Aber immer doch.
Wir hatten mal etwas, das sich Ambitionen nennt. *lächel* Erinnerst du dich?
Zurück auf Anfang: der Wunsch zu gefallen – geht es darum? Nein!
der Wunsch, gesehen zu werden – das schon eher bzw. wahrscheinlich genau das – oder?
Oder??
Da war noch etwas anderes, Größeres, ganz zu Beginn:
eine Art Verweigerung
eine pure Kraft
etwas ganz und gar Eigenes
ungefiltert Meiniges
Weißt du noch, wie nahe dran wir waren? Fast schon drin.
...
Dienstag, 26. Mai 2015
Zurück. De retour. Back.
Es geht nicht: alles hineinzulegen in ein Wort. Oder in einen Satz. In irgendeinen kurzen oder langen (relativ) Text. Es geht nicht. Alles ist immer zuviel, und wenn es ganz bleiben soll – ganz im Sinne von heil und vollständig – dann kann es nicht in irgendetwas hineingepackt werden, schon gar nicht, möchte ich sagen, in ein Wort/einen Satz/einen wie auch immer gearteten Text. Es geht nicht.
Du, Gedicht –
könntest du –
könntest du –
würdest du –
Du, Gedicht –
nähmest du – hieltest du –
bärgest du – hütetest du –
Du, Gedicht –
könntest du? –
Du, Gedicht –
könntest du? –
würdest du? –
ja? –
bitte? –
bitte? –
[auf eine Antwort zu warten: härteste Übung, wirksamste zugleich]
spricht das Wort?
mit mir?
wenn ja: wann?
derweil:
„Ich kann Ihre Frage nur zur Hälfte beantworten“, sage ich. Er sieht mich verständnislos an, legt den Kopf schief, zieht die Augenbrauen hoch. Er hat längst vergessen, was er mich eingangs gefragt hat.
„Gut und auch wieder nicht gut“, sage ich. „Die andere Hälfte interessiert mich nicht.“ Das ist ein Test, und ich warte gespannt auf seine Reaktion.
„Ah! Achso!“ Er lacht, aber nur kurz; hat begriffen, aber nicht ganz; spürt das, aber will es nicht zulassen; kann mich und mein Verhalten nicht einordnen, aber überspielt die daraus resultierende Unsicherheit.
Ich setze noch eins drauf, aus purem Übermut, zwinkernd: „Ich bin ein schlaues Mädchen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zur Visite kommen.“
Er müsste jetzt eigentlich strammstehen und sowas wie „Aye aye, Sir!“ sagen, finde ich, aber natürlich tut er das nicht. Stattdessen dreht er sich wortlos um und stapft hinaus. Kurz bevor er die Tür hinter sich schließt, streckt er nochmal einen Arm hereinund zeigt mir den Mittelfinger (nein, auch das tut er natürlich nicht; aber es hätte mir gefallen) und winkt mir zu.
Was hat das alles mit meinem Bretagneurlaub zu tun? Könnte man fragen. Frage ich mich. Es ist müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Unschön auch das dabei entstehende Geräusch. Pfui. Weg mit der Frage, die ist einfach nur blöd. Dabei hatte sich die Standardantwort bereits eingestellt: Alles hängt mit allem zusammen. Ja doch, jaaaa.
Ich hatte einen wirklich schönen Urlaub. Und ich kann/will/muss gerade nicht davon erzählen. Was sich da in meinem Kopf abspielt und aufs „Blatt“ ergießt ... ich will’s nicht in eine Kausalität zwingen. Correlation does not imply causation.
[Nichts stellt sich von selbst ein. Alles andere erfordert Arbeit. Anstrengung. Tat.]
***
„Na, wie geht es uns denn heute?“ Er lächelt von oben herab, seine Zähne strahlen verbindlich. Ein Stethoskop baumelt um seinen Hals, schwingt gegen meinen Bettdeckenberg, als er sich zu mir herunterbeugt. Er legt Zeigefinger und Mittelfinger auf mein Handgelenk, schaut auf seine Uhr und zählt 15 Sekunden lang, nimmt das Ergebnis mal vier, scheint zufrieden. Mir sagt die errechnete Summe nichts, deshalb ignoriere ich sie.
„Ich kann Ihre Frage nur zur Hälfte beantworten“, sage ich. Er sieht mich verständnislos an, legt den Kopf schief, zieht die Augenbrauen hoch. Er hat längst vergessen, was er mich eingangs gefragt hat.
„Gut und auch wieder nicht gut“, sage ich. „Die andere Hälfte interessiert mich nicht.“ Das ist ein Test, und ich warte gespannt auf seine Reaktion.
„Ah! Achso!“ Er lacht, aber nur kurz; hat begriffen, aber nicht ganz; spürt das, aber will es nicht zulassen; kann mich und mein Verhalten nicht einordnen, aber überspielt die daraus resultierende Unsicherheit.
Ich setze noch eins drauf, aus purem Übermut, zwinkernd: „Ich bin ein schlaues Mädchen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zur Visite kommen.“
Er müsste jetzt eigentlich strammstehen und sowas wie „Aye aye, Sir!“ sagen, finde ich, aber natürlich tut er das nicht. Stattdessen dreht er sich wortlos um und stapft hinaus. Kurz bevor er die Tür hinter sich schließt, streckt er nochmal einen Arm herein
Ich lasse mich tief in mein Kissen sinken und knibble ein wenig an meinen Nagelhäuten, während ich überlege, ob ich die Langeweile aushalten oder bekämpfen soll.
***
Was hat das alles mit meinem Bretagneurlaub zu tun? Könnte man fragen. Frage ich mich. Es ist müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Unschön auch das dabei entstehende Geräusch. Pfui. Weg mit der Frage, die ist einfach nur blöd. Dabei hatte sich die Standardantwort bereits eingestellt: Alles hängt mit allem zusammen. Ja doch, jaaaa.
Ich hatte einen wirklich schönen Urlaub. Und ich kann/will/muss gerade nicht davon erzählen. Was sich da in meinem Kopf abspielt und aufs „Blatt“ ergießt ... ich will’s nicht in eine Kausalität zwingen. Correlation does not imply causation.
[Schon lustig, womit ich hier nach meinem Urlaub wieder auftauche. *schwapp*]
Jedenfalls bin ich zurück. Hallo Garten. Hallo Besucher und Besucherinnen.
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Freitag, 8. Mai 2015
zu fallen; Notizen aus der Mitte I
Wenn ich mir die Metaebene versage, falle ich ins Bodenlose.
Das kann doch nicht Sinn des Denkens/der Sprache/des Schreibens sein: zu fallen. Oder doch?
Es muss ja nicht mit einem Aufprall enden. Schließlich ist da auch immer die Möglichkeit eines Auftriebs.
Frage: Wieviel Vertrauen setze ich in die Luft? Vor allem in die sehr dünne?
Andererseits: Nicht zu fragen, nicht einmal nach einem/dem (haha!) Sinn, erdet mich ungemein.
Was feststeht: Der ganze heilige Sch... (holy shit!) darf ins Feuer.
Lösungsvorschlag: Immer mal wieder gänzlich unmetaphorisch einen Liter Wasser trinken und/oder durch den Regen spazieren. (vom Wert des unvoreingenommenen Versuchs)
Das ist alles so – elementar? offensichtlich?
Strich drunter!
______________________
(ich und meine unabstreifbare Strukturierungsphilie *seufz*)
Das kann doch nicht Sinn des Denkens/der Sprache/des Schreibens sein: zu fallen. Oder doch?
Es muss ja nicht mit einem Aufprall enden. Schließlich ist da auch immer die Möglichkeit eines Auftriebs.
Frage: Wieviel Vertrauen setze ich in die Luft? Vor allem in die sehr dünne?
Andererseits: Nicht zu fragen, nicht einmal nach einem/dem (haha!) Sinn, erdet mich ungemein.
Was feststeht: Der ganze heilige Sch... (holy shit!) darf ins Feuer.
Lösungsvorschlag: Immer mal wieder gänzlich unmetaphorisch einen Liter Wasser trinken und/oder durch den Regen spazieren. (vom Wert des unvoreingenommenen Versuchs)
Das ist alles so – elementar? offensichtlich?
Strich drunter!
______________________
(ich und meine unabstreifbare Strukturierungsphilie *seufz*)
Donnerstag, 12. Februar 2015
Leere
Wie da manchmal so gar nichts ist, das in Worte gefasst werden kann. Wie da eine Leere aufscheint, von der du nicht weißt, ob sie dich ängstigen oder beruhigen will. Wie diese Leere hineingreift in dein Urteilsvermögen und du bis in eine Schicht stumm wirst, die tiefer liegt als die Schicht deines gewohnheitsmäßigen Verstummens. Wie diese Leere einen dunklen Raum bildet ohne Schutz vor einer Furcht, die gegenstandslos ist und deshalb den Namen Angst trägt, Urangst. Wie du plötzlich im Aufschreiben deiner Gedanken eine Hand vor Augen hast, auftauchend aus der Leere, ganz und gar vertraut. Eine große Hand, die dich gehalten hat, als du noch klein warst und die du viel zu früh losgelassen hast. Wie du die Leere auf einmal als den Abstand zwischen deiner und der anderen Hand begreifst. Und wie die Leere umso größer wird, je mehr sich der Abstand zwischen den zwei Händen verringert, weil du weißt, dass es nie zu einer Berührung kommen wird. Wie dich das schmerzt und wie dieser Schmerz zu etwas wird, das die Leere füllt und sich in Worte fassen lässt. Wie dich das erleichtert.
Samstag, 31. Januar 2015
Dylan forever
Am 30.12.2014 hat asallime auf ihrem Blog gefragt: „Hörst du drei oder vier Lieder mit mir?" und über ein paar Songs und deren spezielle Bedeutung für sie geschrieben. Gefiel mir sehr.
Nach und nach reagierten ein paar Blogger_innen darauf und stellten ihrerseits Beiträge mit persönlichen Musikerfahrungen ein, welche asallime gestern in dem Artikel „Mixtape – Die Lieder der Anderen" zusammenfasste. Schön! Ich mag sowas.
Und schließe mich jetzt mit einem eigenen Beitrag an:
Dürfte ich ein einziges Album mit auf die einsame Insel nehmen, es wäre „Blood on the Tracks" von Bob Dylan. Ganz im Ernst, ich brauch’ nichts anderes.
Nach und nach reagierten ein paar Blogger_innen darauf und stellten ihrerseits Beiträge mit persönlichen Musikerfahrungen ein, welche asallime gestern in dem Artikel „Mixtape – Die Lieder der Anderen" zusammenfasste. Schön! Ich mag sowas.
Und schließe mich jetzt mit einem eigenen Beitrag an:
*
Dürfte ich ein einziges Album mit auf die einsame Insel nehmen, es wäre „Blood on the Tracks" von Bob Dylan. Ganz im Ernst, ich brauch’ nichts anderes.
– that’s what his music always means to me.
(Dürfte ich zwei Alben mitnehmen, wäre noch „Desire", ebenfalls von Dylan, dabei.)
(Dürfte ich zwei Alben mitnehmen, wäre noch „Desire", ebenfalls von Dylan, dabei.)
*
Sooo viele andere Songs und Alben. Neben allem von Dylan: Neil Young und Bruce Springsteen, Johnny Cash, Leonard Cohen, Tom Waits ... aber auch Wolfgang Niedeken mit und ohne BAP, ein paar andere deutsche Bands ... französische Chansons, skandinavischer Jazz, Minimal Music, ein wenig Klassik ... Indie-Bands wie die Eels ... und natürlich alles mit Jugenderinnerungen Verbundene (erste Zigarette, erster Alkohol, erster Kuss, erste große Liebe ...) wie Manfred Mann’s Earthband, Queen, Supertramp ... ich weiß sämtliche Lieder für immer und ewig auswendig ...
Die Liste ist unvollständig. Und nach wie vor kommt Neues dazu. Wenn es auch nicht mehr die Intensität des damaligen Hör-Erlebens erreicht, dieses durch und durch Erfasstwerden und Ergriffensein von Musik und ihr Einssein mit der jeweiligen Lebenssituation, in der jeder Song mit Bedeutung aufgeladen war und sich mit jedem wiederholten Hören zuverlässig die gesamte Palette an Gefühlen und Erinnerungen abrufen ließ ...
Achja ... *seufz*
Hier noch ein ganz spezieller Song aus einer ganz speziellen Zeit, zu dem ich mit den besten Freunden und Freundinnen ever tanzte, tanzte, tanzte, die volle Länge hindurch, herumwirbelnd, atemlos (letzteres komplett ohne Helene Fischer Assoziation!!!), abhebend, fliegend ...
„... einmal wissen: dieses bleibt für immer ..."
Stärkste (und eigentlich einzige wirkliche, bleibende) Konditionierung aber: Dylan. Forever.
Gänsehaut, sobald irgendwo sein Name auftaucht, ein neuer Artikel (der Rolling Stone ist da ganz zuverlässig), ein neues Buch über oder um ihn (aktuell: „Catfish" von Mail Brüggemeyer, erscheint im Februar), bei den ersten Tönen eines seiner Songs, beim Klang seiner Stimme, seiner Mundharmonika, wenn er die Konzertbühne betritt ...
Und ich bin absolut der Meinung, dass er endlich den Nobelpreis für Literatur bekommen sollte. Entgegen allen Stimmen, die sagen, Lieder seien keine Literatur. Sind sie aber sehr wohl. Und seine Texte sind es auch. Beispiel:
Die Liste ist unvollständig. Und nach wie vor kommt Neues dazu. Wenn es auch nicht mehr die Intensität des damaligen Hör-Erlebens erreicht, dieses durch und durch Erfasstwerden und Ergriffensein von Musik und ihr Einssein mit der jeweiligen Lebenssituation, in der jeder Song mit Bedeutung aufgeladen war und sich mit jedem wiederholten Hören zuverlässig die gesamte Palette an Gefühlen und Erinnerungen abrufen ließ ...
Achja ... *seufz*
*
Hier noch ein ganz spezieller Song aus einer ganz speziellen Zeit, zu dem ich mit den besten Freunden und Freundinnen ever tanzte, tanzte, tanzte, die volle Länge hindurch, herumwirbelnd, atemlos (letzteres komplett ohne Helene Fischer Assoziation!!!), abhebend, fliegend ...
„... einmal wissen: dieses bleibt für immer ..."
*
Gänsehaut, sobald irgendwo sein Name auftaucht, ein neuer Artikel (der Rolling Stone ist da ganz zuverlässig), ein neues Buch über oder um ihn (aktuell: „Catfish" von Mail Brüggemeyer, erscheint im Februar), bei den ersten Tönen eines seiner Songs, beim Klang seiner Stimme, seiner Mundharmonika, wenn er die Konzertbühne betritt ...
Und ich bin absolut der Meinung, dass er endlich den Nobelpreis für Literatur bekommen sollte. Entgegen allen Stimmen, die sagen, Lieder seien keine Literatur. Sind sie aber sehr wohl. Und seine Texte sind es auch. Beispiel:
All Along the Watchtower
There must be some kind of way out of here
Said the joker to the thief
There's too much confusion
I can't get no relief
Businessmen, they drink my wine
Plowmen dig my earth
None will level on the line
Nobody offered his word, hey!
No reason to get excited
The thief, he kindly spoke
There are many here among us
Who feel that life is but a joke, but, uh
But you and I, we've been through that
And this is not our fate
So let us not talk falsely now
The hour's getting late, hey!
Hey
All along the watchtower
Princes kept the view
While all the women came and went
Barefoot servants too
Well, uh, outside in the cold distance
A wild cat did growl
Two riders were approaching
And the wind began to howl, hey!
All along the watchtower
All along the watchtower
© Bob Dylan 1967
*
Über diesen Song hat Andreas Wolf in seinem Blog Sichten und Ordnen mal einen schönen Beitrag mit eigenem Übersetzungsversuch geschrieben: Hier
Und er hat seinen Artikel mit einem Satz beendet, den ich den oben genannten Literaturnobelpreisberechtigungsabsprechern entgegenhalten möchte:
„Lyrik ist nicht tot. Sie ist bloß dahin zurückgekehrt, wo sie herkam: Zum Lied."
*
„Come on everybody ..." (Auch so einer. Aber den müsst ihr jetzt selber googeln ...)
Donnerstag, 29. Januar 2015
diese Bühne braucht dich nicht
immer nicht genug (so die eine (zu kurz gegriffene) Auslegung)
lass die Stellen leer, die dir zu eng sind
trau dich abseits des Unverschwiegenen zu sein
abseits des Rings, in dem der Weitspuckwettbewerb tobt
diese Bühne braucht dich nicht
aber die Profis! die wollen dich auf der Bühne sehen, verbindlich
locken mit klebrigsüßen Zungen, geschult
ihre gönnerhaften, riesigen Münder („damit wir dich dich besser ...") rufen dir zu:
auch du kannst laut sein!
weil wir hinter dir stehen (*lächel*/*schulterklopf*/*schubs*)
nein, sage ich, ich stehe gut hier so für mich
(ich rahme euch weich in meine Stille)
((mein stummes Angebot))
(((so leise, dass jeder es ... pst!)))
wollen wir darüber reden?
peng! zerplatzt ihre Jovialität
sie haben eigentlich aber auch gerade gar keine Zeit zum Reden, leider, leider!
sie müssen weiter laut sein, das aber für dich mit (immerhin! haha ...)
müssen weiter auf Zack sein, die Ohren aufgestellt
müssen Laut geben
wie Wachhunde
an der Bühnenleine
ooooooooooh
auf diese Bühne?
ich?
warum?
(war das jetzt laut genug? achso, ihr habt („so sorry!") gerade nicht zugehört ...)
lass die Stellen leer, die dir zu eng sind
trau dich abseits des Unverschwiegenen zu sein
abseits des Rings, in dem der Weitspuckwettbewerb tobt
diese Bühne braucht dich nicht
aber die Profis! die wollen dich auf der Bühne sehen, verbindlich
locken mit klebrigsüßen Zungen, geschult
ihre gönnerhaften, riesigen Münder („damit wir dich dich besser ...") rufen dir zu:
auch du kannst laut sein!
weil wir hinter dir stehen (*lächel*/*schulterklopf*/*schubs*)
nein, sage ich, ich stehe gut hier so für mich
(ich rahme euch weich in meine Stille)
((mein stummes Angebot))
(((so leise, dass jeder es ... pst!)))
wollen wir darüber reden?
peng! zerplatzt ihre Jovialität
sie haben eigentlich aber auch gerade gar keine Zeit zum Reden, leider, leider!
sie müssen weiter laut sein, das aber für dich mit (immerhin! haha ...)
müssen weiter auf Zack sein, die Ohren aufgestellt
müssen Laut geben
an der Bühnenleine
ooooooooooh
auf diese Bühne?
ich?
warum?
(war das jetzt laut genug? achso, ihr habt („so sorry!") gerade nicht zugehört ...)
Sonntag, 25. Januar 2015
dünne Haut
Ich habe dich heute gesehen, in der Frühe, als ich da lag, gerade aufgewacht, die Augen aufschlagend und mit dem Blick in meiner linken Armbeuge landend, die weiche Hautfalte dort, die zarte, verletzliche Stelle, die mich an eine tiefergreifende Verletzlichkeit erinnerte, eine in mir drin, verwandt mit der Verletzlichkeit aller und so auch mit deiner, die ich gut kenne und vor der ich manchmal die Augen verschlossen habe, wie du sie ebenfalls verschlossen hast vor meiner, wir voreinander, wir, die wir nichts mehr sehen wollten, irgendwann, nichts als unseren jeweils eigenen Weg, dessen einsames Beschreiten nicht so weh tat wie das Nebeneinander ohne Berührung, der Schmerz des Nichtangefasstwerdens, das tiefere Spuren hinterlassen kann als ein festes Zupacken, und dann dieses sanfte Erwachen in der Frühe, in einen pflichtfreien Sonntag hinein, mit dem ersten Blick auf eine empfindlich zarte Stelle, meine eigene Haut, dünn und verletzlich wie deine, und da auf einmal sah ich dich, sah dich, wie du früher warst, für mich, für uns, und es nicht mehr bist, für mich, für uns, aber immer noch für dich, in der immer noch selben schutzbedürftigen Haut, die dünner wird mit den Jahren, nicht wahr?, dünn wie Papier irgendwann, bis zum Ende beschrieben, hoffe ich, für dich wie für mich.
Freitag, 23. Januar 2015
genau in der Mitte (Bruchstücke)
Wir sitzen einander gegenüber, zwischen uns der alte Tisch. Auf den häufen wir alles, was wir haben: Bruchstücke
un/vollkommener Reichtum
Dann beginnt die Zusammenfügung.
Ob sie gelingt?
Alles bleibt unabgeschlossen.
Die Fragen unbeantwortet.
Während die Zeit fortschreitet.
Wir fließen
" fliehen
" fliegen
Sag: Wo wollen wir ankommen?
Und dort: Nehmen wir das nächste Schiff.
Hinaus.
Nehmen wir das nächste Schiff?
Hinaus?
Wie verloren wir sind in der Enge.
Wie geborgen in der Weite.
Nicht? Wahr?
Sieh: Wir müssen nur lernen, was wir längst tun: Leben.
Und Lieben, sagst du.
Ach: Fragst du?
Nein: Weißt du!
Es ist so schwer wie leicht.
Wir lachen. Solche Sätze mögen wir. Weil wir wissen: Unmöglich klingt im ersten Moment, was bei näherer Betrachtung: Wahrheiten enthält.
Wir warten.
Hier am Tisch, einander gegenüber, mit ausgestreckten Händen.
Warten auf das, was noch kommt. Was in uns aufsteigt, wenn wir geduldig sind.
Und während wir warten: gehen wir. In verschiedene Richtungen. Driften wir auseinander. Lassen wir los. Übergeben wir uns dem Strom. Kommen wir an. Du da, ich dort.
(für Eva. weil wir über den Tisch sprachen, gestern.)
un/vollkommener Reichtum
Dann beginnt die Zusammenfügung.
Ob sie gelingt?
Alles bleibt unabgeschlossen.
Die Fragen unbeantwortet.
Während die Zeit fortschreitet.
Wir fließen
" fliehen
" fliegen
Sag: Wo wollen wir ankommen?
Und dort: Nehmen wir das nächste Schiff.
Hinaus.
Nehmen wir das nächste Schiff?
Hinaus?
Wie verloren wir sind in der Enge.
Wie geborgen in der Weite.
Nicht? Wahr?
Sieh: Wir müssen nur lernen, was wir längst tun: Leben.
Und Lieben, sagst du.
Ach: Fragst du?
Nein: Weißt du!
Es ist so schwer wie leicht.
Wir lachen. Solche Sätze mögen wir. Weil wir wissen: Unmöglich klingt im ersten Moment, was bei näherer Betrachtung: Wahrheiten enthält.
Wir warten.
Hier am Tisch, einander gegenüber, mit ausgestreckten Händen.
Warten auf das, was noch kommt. Was in uns aufsteigt, wenn wir geduldig sind.
Und während wir warten: gehen wir. In verschiedene Richtungen. Driften wir auseinander. Lassen wir los. Übergeben wir uns dem Strom. Kommen wir an. Du da, ich dort.
Und steht der Tisch. Und steht. Und steht für immer. Und steht genau:
in der Mitte
*
(für Eva. weil wir über den Tisch sprachen, gestern.)
Dienstag, 20. Januar 2015
Glättung, Kuss und Traum
Glättung.
Der Wogen. Der Erhöhungen und der Vertiefungen.
Der Unruhe.
Einebnung.
Ruhende Pole allerorts.
Ist es das, was wir wollen? Bequemlichkeit. Mit den Gedanken schlurfen können, ohne uns an Unebenheiten zu stoßen; ohne zu stolpern. Wollen wir das?
Ungehindert bleiben. Unangestoßen.
Ach, gar nicht erst gehen!
Lieber stehen wir am Rand und schauen. Und stehen. Und schauen.
Schauen nur. Weiter nichts.
Warum dann das Einebnen? Warum das Glätten der Wogen, wenn wir doch nur schauen und nicht gehen? Machen wir's unseren Blicken bequem!
Wir betten sie. Unsere Blicke. Betten uns, statt uns auszusetzen. Betten uns weich und sanft.
Und eigentlich schauen wir auch nicht, sondern lassen unseren Blick träge auf dem Naheliegenden ruhen. Schauen, wirkliches Schauen wäre Bewegung, wäre Wille und Anstrengung. Wäre auch: Wunsch und Vorstellung. Einer Möglichkeit.
Wir stippen den Finger ins Unbekannte. Aber unmittelbar darauf verlieren wir die Neugier, den Mut und lassen den Arm sinken. Kraftlos. Lustlos. Die Möglichkeit tropft ins Leere und verliert sich auf dem Weg zwischen Zeugung und Geburt im Nichts.
Glättung. Einebnung.
Lakenruhe.
Und irgendwo in uns das Messer.
Und das aufgewühlte Meer.
Um diese beiden und alles Unbenannte unsere zum Zerreißen gespannte Haut. Nicht wahr? Diese zum Zerreißen gespannte Haut. Darüber in zitternder Schwebe ein brüchiger Fingernagel. Dazwischen: du. Wir. Und eine Angst, die Angst hat, sich beim Namen zu nennen.
In all dies hinein biete ich dir: einen Kuss. Biete ihn dar. Schenke ihn hin. Einen ernst gemeinten Kuss, der deinen Namen auf die Zunge nimmt wie eine kostbare Speise. Der ihn schmeckt, deinen Namen. Der dich schmeckt.
Und der dich trägt. In eine Brandung trägt. In ein Wogen. An einen Fels. In eine Schlucht.
Es beginnt immer mit einem Traum. In dem du nicht schläfst, sondern rennst. Um dein Leben rennst. An Fassaden hoch, über Dächer, durch unwegsames Gelände. Ein Traum, in dem du rennst. Und rennst. Und schließlich fällst. Ab_grund_tief.
Der Wogen. Der Erhöhungen und der Vertiefungen.
Der Unruhe.
Einebnung.
Ruhende Pole allerorts.
Ist es das, was wir wollen? Bequemlichkeit. Mit den Gedanken schlurfen können, ohne uns an Unebenheiten zu stoßen; ohne zu stolpern. Wollen wir das?
Ungehindert bleiben. Unangestoßen.
Ach, gar nicht erst gehen!
Lieber stehen wir am Rand und schauen. Und stehen. Und schauen.
Schauen nur. Weiter nichts.
Warum dann das Einebnen? Warum das Glätten der Wogen, wenn wir doch nur schauen und nicht gehen? Machen wir's unseren Blicken bequem!
Wir betten sie. Unsere Blicke. Betten uns, statt uns auszusetzen. Betten uns weich und sanft.
Und eigentlich schauen wir auch nicht, sondern lassen unseren Blick träge auf dem Naheliegenden ruhen. Schauen, wirkliches Schauen wäre Bewegung, wäre Wille und Anstrengung. Wäre auch: Wunsch und Vorstellung. Einer Möglichkeit.
Wir stippen den Finger ins Unbekannte. Aber unmittelbar darauf verlieren wir die Neugier, den Mut und lassen den Arm sinken. Kraftlos. Lustlos. Die Möglichkeit tropft ins Leere und verliert sich auf dem Weg zwischen Zeugung und Geburt im Nichts.
Glättung. Einebnung.
Lakenruhe.
Und irgendwo in uns das Messer.
Und das aufgewühlte Meer.
Um diese beiden und alles Unbenannte unsere zum Zerreißen gespannte Haut. Nicht wahr? Diese zum Zerreißen gespannte Haut. Darüber in zitternder Schwebe ein brüchiger Fingernagel. Dazwischen: du. Wir. Und eine Angst, die Angst hat, sich beim Namen zu nennen.
In all dies hinein biete ich dir: einen Kuss. Biete ihn dar. Schenke ihn hin. Einen ernst gemeinten Kuss, der deinen Namen auf die Zunge nimmt wie eine kostbare Speise. Der ihn schmeckt, deinen Namen. Der dich schmeckt.
Und der dich trägt. In eine Brandung trägt. In ein Wogen. An einen Fels. In eine Schlucht.
Es beginnt immer mit einem Traum. In dem du nicht schläfst, sondern rennst. Um dein Leben rennst. An Fassaden hoch, über Dächer, durch unwegsames Gelände. Ein Traum, in dem du rennst. Und rennst. Und schließlich fällst. Ab_grund_tief.
Montag, 12. Januar 2015
to be continued
... der Wunsch, es möchte etwas aufscheinen vom Willen zur Wahrhaftigkeit in den Erschreibungen, den Herantastungen, auch in den Verschlüsselungen, auch in den Verschweigungen, die ihre Begründung aus was auch immer beziehen, vielleicht aus einer Notwendigkeit, das möchte ich jedenfalls glauben, möchte es m i r glauben, die ich mir mit jedem, auch jedem nach außen gerichteten, Text Briefe schreibe, ohne mir deshalb ununterbrochen als meine eigene Adressatin bewusst zu sein, Briefe von mir und aus mir an mich und in mich, um m i c h zu schreiben und zu lesen in einer fortwährenden Arbeit der Aufdeckung und der Häutung, die in Aufrichtigkeit geschehen soll und auch muss, weil es sonst nichts nützt, einer gewissen Schonungslosigkeit auch, die schmerzt, aber viel weniger schmerzt als eine fortwährende Schonung, eine echte Aufrichtigkeit, so der Wille, von dem ich hoffe, dass er aufscheint in den Bruchstücken, auch den fantasierten, dennoch aus mir oder wenigstens dem mir Bekannten geschöpften, um zu zeigen, was war und was ist und wie es war und wie es ist und d a s s es ist, ja, vor allem das, so eine Art Selbstvergewisserung abseits von Einordnungen und Bewertungen, nichts anderem verpflichtet als eben der Wahrhaftigkeit oder zumindest dem Willen dazu, mehr geht ja vielleicht gar nicht ... und am Ende nie das to be continued vergessen, weil es ein echtes Ende ja erst ganz am Schluss gibt, wenn wirklich nichts mehr geht, jedenfalls nichts, von dem wir wissen könnten, höchstens ahnen oder hoffen, aber j e t z t i s t und nur jetzt, alles andere ...
(beim abschließenden Lesen fiel mir auf, dass ich in diesem Text ein bestimmtes Wort inflationär verwende, nämlich das Wort "auch", erst wollte ich's ändern, aber dann dachte ich, dass dieses "auch" doch recht genau zeigt, worum es geht: eine Addierung kleiner gleichwertiger Teile zu einem Ganzen, längst nicht abgeschlossen, to be continued eben)
(beim abschließenden Lesen fiel mir auf, dass ich in diesem Text ein bestimmtes Wort inflationär verwende, nämlich das Wort "auch", erst wollte ich's ändern, aber dann dachte ich, dass dieses "auch" doch recht genau zeigt, worum es geht: eine Addierung kleiner gleichwertiger Teile zu einem Ganzen, längst nicht abgeschlossen, to be continued eben)
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Dienstag, 30. Dezember 2014
30. Dezember 2014 (allen Lauten und Leisen, allen Narren und Weisen)
Heute vor einem Jahr veröffentlichte ich hier ein Gedicht mit dem Titel "nichts zählen". Ich kopiere es der Einfachheit halber hier rüber, dann muss man nicht dem Link folgen:
Wenn ich das fast vergangene Jahr Revue passieren lasse, erkenne ich, dass ich das Zählen nicht in dem Maße lassen konnte, wie ich es gerne getan hätte. Ich habe für meinen Geschmack immer noch zuviel gemessen, abgewogen, kalkuliert, Kosten-Nutzen-Rechnungen erstellt. Deswegen nehme ich denselben Vorsatz wieder mit ins neue Jahr.
Vor fünf Jahren habe ich mit Bloggen angefangen, mit einer Vision, von der manches – sinnbildlich betrachtet – wahr wurde. Das war für mich ein Befreiungsschlag damals. Von Beginn an habe ich mein Blog als einen Ort erlebt, der wie kein anderer mir gehört, mir ganz allein. Mein eigenes Zimmer oder sogar Haus, zu dem nur ich einen Schlüssel besitze; mein Garten, in dem nur ich Hand anlegen bzw. wuchern lassen darf. Ganz wichtig ist mir das, dieses selbstbestimmte Stück Raum. Und dann im Laufe dieser fünf Jahre das Wachsen zu erleben, ganz langsam, so wie ich es liebe. Die Verknüpfung mit anderen Blogs, die Vernetzung, das Teilen. Alles ganz langsam, das kann ich nicht genug betonen, Graswurzelkraft, Schritt für Schritt, zeitweise auch mit Ängsten verbunden, wenn ich wieder ein Stückchen mehr Öffnung wagte. Die allergrößtenteils positiven Resonanzen, die nach und nach wachsende Leserschaft – ganz langsam wachsend auch die –, die treuen Begleiter_innen, der überaus bereichernde Austausch ... Und wie schön, dass ich einige Blogger_innen inzwischen persönlich kennenlernen konnte, neue Freundinnen und Freunde gefunden habe. Nichts davon möchte ich missen.
Im neuen Jahr will ich so weitermachen wie bisher, mich weiter Stück für Stück öffnen, weiter wachsen, weiter Verknüpfungen erstellen, weiter Verbindungen pflegen, weiter teilen. Deshalb an dieser Stelle auch ein Hinweis auf meine Blogroll, die sich im vergangenen Jahr etwas verändert hat. Manches habe ich aussortiert, manches kam neu dazu. Weiter schreiben gemäß dem Motto, das für mich seit Beginn meines Blogs unverändert Gültigkeit besitzt:
nichts zählen
außen sein
an kleine Türen klopfen
die Klopflaute nicht zählen
mich selbst herein bitten
den Raum füllen
oder leer lassen
aus winzigen Schritten
einen Weg bereiten
die Schritte nicht zählen
auf einer Bank sitzen
warten bis
– die Stunden nicht zählen –
genug gewartet ist
(was wahrlich nicht leicht ist)
einen Vogelschwarm beobachten
die Vögel nicht zählen
leicht sein
oder schwer
ganz nach Belieben
Gedanken in Wörter kleiden
"Eine Geschichte erfinden, um zu erzählen, wie es war." *die Wörter nicht zählen
***
* "Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war." schreibt Eugen Ruge einleitend zu seinem jüngsten Roman Cabo de Gata. Wie treffend dieser Satz ist!
Wenn ich das fast vergangene Jahr Revue passieren lasse, erkenne ich, dass ich das Zählen nicht in dem Maße lassen konnte, wie ich es gerne getan hätte. Ich habe für meinen Geschmack immer noch zuviel gemessen, abgewogen, kalkuliert, Kosten-Nutzen-Rechnungen erstellt. Deswegen nehme ich denselben Vorsatz wieder mit ins neue Jahr.
*
Vor fünf Jahren habe ich mit Bloggen angefangen, mit einer Vision, von der manches – sinnbildlich betrachtet – wahr wurde. Das war für mich ein Befreiungsschlag damals. Von Beginn an habe ich mein Blog als einen Ort erlebt, der wie kein anderer mir gehört, mir ganz allein. Mein eigenes Zimmer oder sogar Haus, zu dem nur ich einen Schlüssel besitze; mein Garten, in dem nur ich Hand anlegen bzw. wuchern lassen darf. Ganz wichtig ist mir das, dieses selbstbestimmte Stück Raum. Und dann im Laufe dieser fünf Jahre das Wachsen zu erleben, ganz langsam, so wie ich es liebe. Die Verknüpfung mit anderen Blogs, die Vernetzung, das Teilen. Alles ganz langsam, das kann ich nicht genug betonen, Graswurzelkraft, Schritt für Schritt, zeitweise auch mit Ängsten verbunden, wenn ich wieder ein Stückchen mehr Öffnung wagte. Die allergrößtenteils positiven Resonanzen, die nach und nach wachsende Leserschaft – ganz langsam wachsend auch die –, die treuen Begleiter_innen, der überaus bereichernde Austausch ... Und wie schön, dass ich einige Blogger_innen inzwischen persönlich kennenlernen konnte, neue Freundinnen und Freunde gefunden habe. Nichts davon möchte ich missen.
*
Im neuen Jahr will ich so weitermachen wie bisher, mich weiter Stück für Stück öffnen, weiter wachsen, weiter Verknüpfungen erstellen, weiter Verbindungen pflegen, weiter teilen. Deshalb an dieser Stelle auch ein Hinweis auf meine Blogroll, die sich im vergangenen Jahr etwas verändert hat. Manches habe ich aussortiert, manches kam neu dazu. Weiter schreiben gemäß dem Motto, das für mich seit Beginn meines Blogs unverändert Gültigkeit besitzt:
"Schreiben ist Kommunikation mit dem Unaussprechlichen."
&
"Man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten."
beide Zitate: Max Frisch (Hier findet sich der gesamte Abschnitt.)
[mich]
w e i t e r schreiben
im mehrdimensionalen Sinn
*
Ich wünsche allen Leser_innen, allen treuen Begleiter_innen, allen, die hin und wieder reinschneien, allen Lauten und Leisen, allen Narren und Weisen ;-)
E I N G L Ü C K L I C H E S N E U E S J A H R !
und verabschiede mich für den Übergang in die internetfreie Zone.
Ach ja, was ich noch sagen wollte – (auch das übrigens eine Wiederholung; leider ist das damalige Video mit meiner Lieblings-Live-Version von Cindy Lauper inzwischen gesperrt, aber die hier gefällt mir auch ganz gut):
Don't be afraid!
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Freitag, 19. Dezember 2014
Gegen "Die versammelten Schrecken des Nichterzählten um das Herz." *
Schreib's auf, sagt sie, die ich ist, zu mir, die sie ist. Schreib's auf. Du. Schreib's auf für uns. Und wir schreiben's auf. Ich und sie und du. Alle. Alles. Bis es da steht. Sichtbar da steht. Für ... Bis es weg ist. Aus meinem deinem ihrem unserem Kopf. Aus dem Bauch. Weg ist. Der Bauch wieder leer ist. Einen neuen gesunden Hunger hat auf ... Und dann. Oh. Ja. Dann: gehen wir in den Garten. Dann: pflückt sie den Apfel vom Baum. Dann: beißt du hinein. Dann: schließt ich die Augen und folgt dem Apfelstückchen durch den dunklen Schlund hinab in den Bauch. Ist ich in unserer ihrer deiner Mitte. Ist dort Sonne. Oh. Ja. Sonne. Aber zuvor: Schreib's auf. Schreib alles auf, du, die ich ist und sie und wir. Die ich ist in jeder deiner ihrer unserer Geschichten. Du. Schreib's auf. Und nochmal ganz zärtlich: Du. Ja. Du. Als sie, die ich ist. Und ja. Und noch einmal: Schreib's auf. Schreib alles auf. Alles. Du. Alles. Sie. Alles. Wir. Alles. Und dann: (Ja. Sonne.)
*
* Der Satz, den ich in der Überschrift zitiere, steht auf Seite 47 von Marlene Streeruwitz: Nachkommen., Roman S. Fischer, 2014
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Freitag, 12. Dezember 2014
Worauf kam's nochmal an? (Eine kleine adventliche Schonungslosigkeit)
Am Morgen hängst du schlampig rum, verschüttest Kaffee im Bett, zeigst dem Tag (oder der Welt?) den Mittelfinger, wachst erst vorm Spiegel auf in alles, was da sonst noch ist, dann liest du Zeitung, weißt dich wieder inmitten der Katastrophe, aber da sind ja auch die Lichtblicke, hey, da spendet wer, da kümmern sich welche, da appelliert man, da könntest, solltest, müsstest auch du, achja, und fast vergessen: Ist ja Advent!, Besinnungszeit, wie wärs mal mit der schonungslosen Variante? ...
Am Vormittag vernachlässigst du deine Pflichten, hast ja frei heute, zumindest einen halben Tag lang, tust aber nichts von dem, was du dir vorgenommen hast, schiebst es auf die lange Bank, an deren anderem Ende alles runterfällt, in ein schwarzes Loch, das spuckt dir manchmal ins Gesicht, dann kommt der Ekel, pfui, die letzte Rettung sind dann lange detaillierte Listen, die sortieren dich fein säuberlich, fehlen nur die Häkchen, oder lieber noch 'ne Liste?, eine für die Innerlichkeit?, du bist sooo gut ...
Am Mittag bist du überdrüssig des vertanen Morgens, des Betrugs der Listen, der Stunden ohne Ziel, auch ohne echte Muße, weißt ja nichtmal, was dir fehlt, da ist so eine leere Stelle, die ist immens, und dennoch dieser Überdruss, als wär da kein Zuwenig, sondern ein Zuviel, dann isst du was Gesundes, Selbstgekochtes, tust deinem Körper etwas Gutes, schon gehts dir besser, zum Nachtisch einen Apfel, an apple a day keeps the doctor away, so bestimmt dich dein Gewissen, ha ha ha ...
Am Nachmittag dann im Geschäft bist du routinemäßig freundlich, fleißig, froh, dass du die Arbeit hast, die dir liegt, du bist so gut darin und echt, nichts an dir ist verstellt, obwohl auch das nur eine deiner Rollen ist, und weil sie dir so leicht fällt, hältst du sie für deine beste, weit gefehlt, denkt ein Teil in dir, ein hintergründiger, kluger?, das weißt du nicht, gibt es denn überhaupt eine einzige kluge Stelle in dir?, mein Instinkt!, rufst du laut, auf den ist Verlass, wie auf nichts sonst, oh ja ...
Am Abend söhnst du dich dann aus, denn ändern lässt sich sowieso nichts mehr, vorbei der Tag, jetzt bist du rechtschaffen müde, stundenlang aufmerksam und zugewandt gewesen, mit Freude bei der Sache, immerhin, das kann nicht jede_r von sich sagen, jetzt sinkst du in die wohlverdienten Sofakissen, ziehst dir irgendeine Serie rein, aber eine wirklich gute!, immerhin, da könntest du sogar drüber schreiben, öffentlich im Blog, ohne dass es peinlich wäre, und formulieren kannst du ja ...
Worauf kam's nochmal an im Leben und im Schreiben? Ich hab's vergessen.
Am Vormittag vernachlässigst du deine Pflichten, hast ja frei heute, zumindest einen halben Tag lang, tust aber nichts von dem, was du dir vorgenommen hast, schiebst es auf die lange Bank, an deren anderem Ende alles runterfällt, in ein schwarzes Loch, das spuckt dir manchmal ins Gesicht, dann kommt der Ekel, pfui, die letzte Rettung sind dann lange detaillierte Listen, die sortieren dich fein säuberlich, fehlen nur die Häkchen, oder lieber noch 'ne Liste?, eine für die Innerlichkeit?, du bist sooo gut ...
Am Mittag bist du überdrüssig des vertanen Morgens, des Betrugs der Listen, der Stunden ohne Ziel, auch ohne echte Muße, weißt ja nichtmal, was dir fehlt, da ist so eine leere Stelle, die ist immens, und dennoch dieser Überdruss, als wär da kein Zuwenig, sondern ein Zuviel, dann isst du was Gesundes, Selbstgekochtes, tust deinem Körper etwas Gutes, schon gehts dir besser, zum Nachtisch einen Apfel, an apple a day keeps the doctor away, so bestimmt dich dein Gewissen, ha ha ha ...
Am Nachmittag dann im Geschäft bist du routinemäßig freundlich, fleißig, froh, dass du die Arbeit hast, die dir liegt, du bist so gut darin und echt, nichts an dir ist verstellt, obwohl auch das nur eine deiner Rollen ist, und weil sie dir so leicht fällt, hältst du sie für deine beste, weit gefehlt, denkt ein Teil in dir, ein hintergründiger, kluger?, das weißt du nicht, gibt es denn überhaupt eine einzige kluge Stelle in dir?, mein Instinkt!, rufst du laut, auf den ist Verlass, wie auf nichts sonst, oh ja ...
Am Abend söhnst du dich dann aus, denn ändern lässt sich sowieso nichts mehr, vorbei der Tag, jetzt bist du rechtschaffen müde, stundenlang aufmerksam und zugewandt gewesen, mit Freude bei der Sache, immerhin, das kann nicht jede_r von sich sagen, jetzt sinkst du in die wohlverdienten Sofakissen, ziehst dir irgendeine Serie rein, aber eine wirklich gute!, immerhin, da könntest du sogar drüber schreiben, öffentlich im Blog, ohne dass es peinlich wäre, und formulieren kannst du ja ...
Worauf kam's nochmal an im Leben und im Schreiben? Ich hab's vergessen.
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Mittwoch, 10. Dezember 2014
weitermachen
die Neigung, etwas zu beenden, weil es – scheinbar – zu keinem Ergebnis führt
*
das Paradoxon darin erkennen
und: weitermachen
*
An verschiedenen Stellen in der Blogwelt (meint den kleinen Teil dieser Welt, den ich lese*) wird gerade – mal wieder – darüber nachgedacht, was die Schreiberei soll und wie sie soll und ob überhaupt. Gedanken, die ich kenne, auch ich hege sie wiederholt. Aus verschiedensten Gründen. Die Zeit, die dafür "draufgeht", ist einer davon. Dann die Zersplitterung, als solche empfinde ich zum Teil die Beschäftigung mit den zahllosen Kleinstbruchstücken im Netz. Auch die Relevanzfrage stellt sich mir immer wieder, und sie ist zugleich die, gegen die ich alles und jede_n immer verteidigen möchte. Wer entscheidet, was relevant ist? Dagegen gibt es Erlaubnisse, vor allem solche, die wir uns selbst zu erteilen haben. Nicht zuletzt als eine Art des Widerstandes gegen die selbsternannten Relevanzapostel. (Wie schnell mich dieses Thema jedes mal aufs Neue in Rage zu bringen vermag. Nein, nicht jetzt.)
Momentan komme ich für mich zu dem Schluss, den ich in die drei obigen Zeilen komprimiert habe.
All jenen, die ihre Blogschreiberei momentan in Frage stellen, möchte ich sagen:
Bitte macht weiter!
(Und das nicht nur, weil ich mich so sehr an euch gewöhnt habe, dass ich keine_n Einzelne_n missen möchte.)
Bitte macht weiter!
(Und das nicht nur, weil ich mich so sehr an euch gewöhnt habe, dass ich keine_n Einzelne_n missen möchte.)
* zum Beispiel bei Sichten und Ordnen und bei der Mützenfalterin ; und außerdem vermisse ich Melusine, die sich zur Zeit so rar macht ...
Was Schreiben, auch und vor allem das im Blog für mich bedeutet, finde ich nach wie vor am besten bei Max Frisch wieder: Die Kommunikation mit dem Unaussprechlichen Das ist es, dafür lohnt es sich.
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