Montag, 20. Dezember 2010

Du da

(Nichts gegen Gott und nichts gegen die Welt, aber viel gegen eine Kirche, die sich beides einverleiben will.)


Du da in deiner Krippe.

Kind im Brennpunkt einer Weichzeichnung.

Zentnerschwer haben sie Dich mir ans Herz gelegt. Das blutet, und weint um Deinen tausendfach wiederholten Tod. Aber um den geht es jetzt gar nicht. Um Deine Geburt geht es, die wir heute feiern. Um Heu und Stroh, in denen Du lagerst in unseren Hirnen. In genormte Liebe gebettet, zurechtgerückt von eifrigen Händen, mit liturgischer Präzision in Form gebracht.

Mit Schwung und sicherem Griff packen sie Dich in die grobzwirnige Windel, als Vorgeschmack auf härtere Bandagen. Lassen Engelszungen an Deinen Ohren lecken, flüstern Dir ein, was Du die nächsten dreißig Jahre zu tun hast. Wir kennen das alles schon. Du wirst es in Windeseile erfahren. Karfreitag weißt Du Bescheid.

Kein Wunder, dass Dem-Da-Oben die Klappe runterfällt in Form eines Sterns. Und der lockt dann auch noch alle Welt in diesen Stall.

Glaub mir: Wäre ich ein Sieb, würde ich das aushalten. Aber so? Ich bin ein geschlossenes Gefäß. Gleich bei meiner Aufnahme wurden mir die Augen verbunden und sämtliche Poren verstopft. Ich bin semipermeabel. Um die Bedeutung dieses Wortes zu verstehen, musst Du erst zweitausend Jahre alt werden. Ich erklär’s Dir jetzt schon: Nichts, was durch meine Ohren in mich hineingeht, kommt jemals wieder aus mir heraus! Ich schwitze Blut und Wasser in meine eigene Seele.

Du da in Deiner Krippe weißt in diesem Moment noch gar nichts, aber morgen schon alles. Und das ist viel zu viel für Dein kurzes Leben. Da geht nur noch Tod. Und der nur qualvoll. Heute noch gepriesen, morgen schon abgekanzelt.

Du bist wie wir, hattest auch keine Wahl. Da könnte ich eigentlich Bruder zu Dir sagen.

He, kleiner Bruder in der Krippe! Dein Weg beginnt genau hier und endet genau dort. Willst Du ihn gehen?

Spielt aber sowieso keine Rolle, diese Frage. Denn gefragt wird hier nicht. Geschluckt wird und gehorcht. Dann gibt’s auch was geschenkt: L-I-E-B-E, [Liebe]. Die standardmäßige Luxusausführung, gefriergetrocknet. Das ist ihre Antwort. Und zwar auf alle Fragen, die alten wie die neuen. Und wenn Du’s nicht glaubst, kriegst Du sie um die Ohren gehauen bis –

Ja, da können sie schon mal aus der Fassung geraten, so im Gefecht des Eiferns.

Aber jetzt liegst Du erst mal da in Deiner Krippe. Noch kitzelt das Stroh, noch duftet das Heu,noch lässt sich leicht glauben, dass Du selbst es seiest, der gerade Dein unbeflecktes Leben empfängt, und nicht eine Meute gieriger, lauernder –

Nein, ich werde Dir jetzt nicht verraten, dass Weihnachten immer genauso schnell vorbei ist wie es gekommen ist. Nicht heute.

Staune noch ein wenig, vertraue noch ein wenig, glaube noch ein wenig.

Sei noch einen Augenblick lang Kind.

Du da in Deiner Krippe.

Sonntag, 21. November 2010

Erri De Luca: Nachts ist die Stadt ein zivilisierter Ort

"Nachts ist die Stadt schön. Sie ist voller Gefahren, aber auch voller Freiheit. Die Schlaflosen sind auf den Straßen, die Künstler, die Mörder und die Spieler, Osterien, Garküchen und Cafés sind geöffnet. Man grüßt sich, die Leute, die nachts leben, kennen einander. Jeder vergibt dem anderen seine Laster. Das Tageslicht klagt an, das Dunkel der Nacht erteilt Absolution. Nachts kommen die Verwandelten heraus, Männer, wie Frauen gekleidet, denn so will es ihre Natur, und niemand belästigt sie. Nachts fordert niemand Rechenschaft. Die Krüppel, die Blinden, die Lahmen kommen heraus, die tagsüber abgewiesen werden. Nachts ist die Stadt wie eine umgekrempelte Tasche. Auch die Hunde kommen heraus, die, die kein Zuhause haben. Sie warten die Nacht ab, um nach Essensresten zu suchen, so viele Hunde überleben hier ohne Menschen. Nachts ist die Stadt ein zivilisierter Ort."

aus: Erri De Luca, Der Tag vor dem Glück, Roman Graf 2010

Freitag, 22. Oktober 2010

Margriet de Moor: Es war eine lange Reise gewesen ...

"Es war eine lange Reise gewesen. [...] Jeder wird mich wiedererkennen, meinen Körper, meine Kleidung, meinen Tonfall ... niemand wird aus meinem Verhalten schließen können, dass meine Augen klarer sehen, dass ich Entfernungen einschätzen und im Dunkeln sehen kann. Und wenn ich gleich dasitze und die Zeitung lese oder Freunde zum Essen kommen: Wen wird es stören, dass ich zwischendurch auf eine Landschaft schaue, die niemand außer mir kennt, und mir Dinge ins Gedächtnis rufe, an die zu denken angenehm ist, stolze, barbarische, persönliche Dinge, die ich nie, mit wem auch immer, teilen können werde ..."

aus: Margriet de Moor, Erst grau dann weiß dann blau, Roman Hanser 1993

Freitag, 15. Oktober 2010

Zu wenig verlangt (Loses Blatt #25)

Ein Tisch, ein Stuhl, ein Fenster, ein Bett.
Scheint, als wäre das zu wenig verlangt.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Platzhalter

Auf der Suche nach Platzhaltern
Erschaffst du dir Erinnerung

Legst Worte auf den Teller
Gießt eine Stimme ins Glas
Setzt eine Geschichte auf den Stuhl
Du hängst ein Bild in den Spiegel, direkt neben deins

Und den Abschiedsbrief verstaust du auf dem höchsten Bord
Hinter den am seltensten gelesenen Büchern

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Verlorene Dinge (Loses Blatt #24)

Warum brauchen die verlorenen Dinge so viel Platz?

Freitag, 24. September 2010

Hoffnung

Einen Regenbogen packen und schütteln, bis er grau ist.
Dem Wind ins Gesicht lachen.
Ein "Ich liebe Dich" in den Himmel schleudern.
Alle Hoffnung auf's Meer setzen.

Freitag, 17. September 2010

Rezept gegen Schlechte Laune

Stell deine schlechte Laune in die Ecke. Lass alles stehn und liegen. Schlüpf in die Stiefel, schnapp dir Jacke, Tasche, Schlüssel. Wirf die Haustür hinter dir ins Schloss.
Setz dich ins Auto, dreh das Radio an, fahr los, zum Park.
Lauf eine Runde um den See. Stampf durch die Pfützen, spring hinein oder darüber. Pfeif den Vögeln ein Lied. Schick ein paar flache Steine übers Wasser. Sieh den Jungs mit ihren ferngesteuerten Booten zu. Beneide sie, die Boote und die Vögel, das Wasser und die Steine um ihren Gleichmut.
Zieh Stiefel und Strümpfe aus, kremple die Hosenbeine hoch, lach über die Blicke der anderen Spaziergänger und wate hinein ins eiskalte Wasser. Spür das Ziehen, den Kick, die Konzentration deines Körpers. Spür dein Blut und das Leben in dir. Die anschließende Wärme.
Nun stelle fest, dass du Lust auf Hühnersuppe hast. Besorge alles, was du dafür brauchst. Fahr voller Tatenlust nach Hause.
Fang den Nachbarn ab, der vor deiner Haustür steht und schon dreimal vergeblich geklingelt hat. Erinnere dich an den Termin, koch ihm einen Kaffee und lass ihn endlich deine Satellitenschüssel richten und den neuen Receiver anschließen. Freu dich, dass du am nächsten Sonntag wieder Tatort schauen kannst.
Währenddessen widme dich der Hühnersuppe: Brate das Hähnchen an, zerkleinere das Gemüse, öffne den Wein. Hol zwei Gläser, stoße mit dem freundlichen Alleskönner an auf die 300 zusätzlichen Programme, die du bald empfangen kannst. Wirf das Gemüse in den Topf; den Ingwer, die Zitronenviertel, die Chilischote. Gieß Sojasoße und Wasser drüber.
Geh wieder ins Wohnzimmer zu deinem Nachbarn und dem Wein. Lass dich in den Sessel fallen und plaudere ein bisschen, lach über die schlechten Witze, freu dich an der Freundlichkeit. Schiele rüber in die Ecke:
Da steht die schlechte Laune und schämt sich. Soll sie auch.

Donnerstag, 2. September 2010

Raymond Carver: Träge

"Die Leute, die besser dran waren, hatten's komfortabel.
Sie lebten in getünchten Häusern mit Wasserklosetten.
Fuhren Autos, deren Baujahr und Typ erkennbar waren.
Jenen, denen's schlechter ging, tat's leid und sie hingen rum.
Ihre seltsamen Wagen standen auf Klötzen in staubigen Höfen.
Die Jahre vergehen und alles und jeder
wird ersetzt. Doch eines bleibt wahr -
ich wollte nie was tun. Mein Ziel war immer,
träge zu sein. Darin sah ich das Verdienst.
Mir gefiel der Gedanke, in einem Stuhl zu sitzen,
vor dem Haus, stundenlang, nichts zu tun,
als einen Hut zu tragen und Cola zu trinken.
Was soll daran falsch sein?
Von Zeit zu Zeit an einer Zigarette ziehen.
Spucken. Mit einem Messer Dinge aus Holz schnitzen.
Was soll daran schlimm sein? Dann und wann die Hunde rufen,
und Hasen zu jagen. Versuch's einmal.
Bisweilen ein fettes, blondes Kind, eins wie ich, grüßen
und sagen: 'Wir kennen uns doch?'
anstatt: 'Was willst Du werden, wenn Du mal groß bist?'"


aus: Raymond Carver, Gorki unterm Aschenbecher, Gedichte
Maroverlag 2002

Montag, 26. Juli 2010

Gott

Jeden Abend nach dem Tischgebet teilten sie Dich in mundgerechte Stücke. Dann wurden wir gefüttert; einer nach dem anderen bekam sein Häppchen, immer reihum bis der Teller leer war. Wenn wir alles ohne zu murren aufaßen, waren wir brav. Dann durften wir meistens noch etwas spielen, bevor es ins Bett ging.
Wir spielten auf dem Boden, schoben geduckt unsere kleinen Autos hin und her, erfanden eine Welt ohne Dich, in der wir allem, allem schutzlos ausgeliefert waren. Bis sie uns aufklaubten und mit harten Bürsten den Geschmack des Verbotenen von unseren Zähnen und Zungen schrubbten.
Weiß und rein kuschelten wir uns dann in unsere Betten, blinzelten ins Kerzenlicht und ließen uns das wichtigste Wort des Tages in die Ohren pflanzen: Dein Wort. Herausgepflückt aus einem großen schwarzen Buch. Jeden Abend aufs Neue. Jeden Abend ein anderes.
Da konnten wir schön träumen! Von Erde und Licht und Blut und Zähnen und Klauen und Tod und Hölle und Gesetz und Strafe … Und sogar von Liebe! Liebe, die es unermesslich reichlich in vollkommener überfließender unvorstellbarer Fülle gab - geschenkt gab! - wenn man nur immer und immer und immer gehorsam und gehorsam und gehorsam war.
Manchmal schrie einer von uns im Traum. Er hatte sich gewehrt gegen Dein Wort und war auf der Straße gelandet, im Staub, allein; Autos fuhren vorbei, und keines brachte Rettung.
Dann kamen der Morgen und mit ihm Dein Glanz und Deine Herrlichkeit, ein ganzer neuer Tag unter Deinem guten Stern. Wir wussten in- und auswendig, wie glücklich wir uns schätzen durften.

So vergingen die Tage, die Wochen, die Monate, die Jahre. Aus uns wurden Helfer. Wir bekamen die scharfen Messer in die Hand. Mit Stolz und Ehrfurcht zerschnitten wir Dich in mundgerechte Stücke, fütterten die Neuen, ließen sie ein wenig spielen, schrubbten den Schmutz von ihren Zähnen und Zungen, brachten sie zu Bett, pflanzten Dein Wort in ihre Ohren. 
Auf alles hatten wir eine Antwort bekommen. Und immer waren die Antworten unseren Fragen vorausgeeilt. Und so wussten wir alles, was wir wissen mussten und konnten den Neuen gute Lehrer sein mit unserem großen Antwortschatz.

Doch einer von uns war verloren gegangen. Wir trafen ihn einmal, er sang seine Fragen in den Wind. Und diese Fragen waren uns fremd. Wir hatten keine Antworten darauf. Da wussten wir, dass er nicht mehr zu retten war. Wir überließen ihn dem Staub der Straße.
Als wir noch einmal über die Schulter zurückblickten, sahen wir, wie er zwischen zwei vorbeifahrenden Autos ein Rad schlug.
Manchen von uns klingen seine Worte noch heute leise in den Ohren:

Fremder
Gestalt gewordene Relevanz
Furchteinflößer
Tröster
Offene Hand
Innerer Zusammenhang
Letzte Instanz

Weinst du manchmal?
Oder immer?
Worüber lachst du?
Verstehst du Ironie?
Was ist dein Lieblingswitz?
Spielst du gerne?
Im Ernst?

Warst du schon mal verliebt?
In wen?
Wen liebst du am meisten?
Liebst du mich?
Wirklich?
Kann ich dir trauen?
Wer bist du?

Wo schaust du hin?
Siehst du mich?
Wenn ja, warum sehe ich dich dann nicht?
Bin ich dein Spiegel?
Siehst du dann dich?
In mir?
Und wenn du wegschaust, wo bin ich dann?

Sieh doch:
Ich denke
Selbstständig
Strample in deinen Armen
Will nichts als Bewegungsfreiheit

Und ich will nicht,
Dass du weißt,
Wie sich das anfühlt!

Schmerzt dich das?

Freitag, 25. Juni 2010

Tief in den Sommer hinein

Tief in den Sommer hinein
Tobten wir, waren Kinder
Streiften die starken Halme im Flug
Tauchten ein in das schwappende Weiß
Der frisch gemolkenen Milch
Plätscherten durch den Bach
Unsere übermütigen Füße flogen
Mit den Forellen um die Wette
Silberflimmer
Ha!
Wer sollte wer konnte uns aufhalten
In unserem Schwung
Jung wie wir waren
Und unerfahren in Leid
Schorf an den Knien
Und Erde unter den Nägeln
Warfen wir uns hoch in die flirrende Luft
Tanzten mit roten Luftballons
Und platzten vor Freude
Die wir nicht zerdachten
Tief in den Sommer hinein
Tobten wir, waren Kinder
Nahmen uns die ganze Welt
Das ganze Glück
Bargen einen Schatz
Für das Geschichtenfeuer am Abend

Mittwoch, 23. Juni 2010

Neil Young: Helpless




There is a town in North Ontario
With dream comfort memory to spare
And in my mind I still need a place to go
All my changes were there

Blue, blue windows behind the stars
Yellow moon on the rise
Big birds flying across the sky
Throwing shadows on our eyes

Leave us
Helpless, helpless, helpless
Baby can you hear me now
The chains are locked and tied across the door
Baby, sing with me somehow

Blue, blue windows behind the stars
Yellow moon on the rise
Big birds flying across the sky
Throwing shadows on our eyes

Leave us
Helpless, helpless, helpless

Mittwoch, 16. Juni 2010

Nimm mein Gedicht in Schutz

Nimm mein Gedicht in Schutz
Leg deinen Arm um dieses Bild
Das mich so sichtbar macht
Schenk mir ein Flüstern
Das mich abschirmt
Von der Welt

Montag, 14. Juni 2010

Etwas in mir

Etwas in mir fällt
Und etwas wendet sich ab
Ein zerstückeltes Wort
Ein vergilbter Gedanke
Ein Versprechen
Das nie gegeben wurde
Etwas in mir macht sich klein
Und etwas zögert
Vergräbt die Bilder
Legt die Briefe weg
Atmet weder aus
Noch ein
Etwas in mir trauert
Und etwas will nicht gehn
Etwas sucht
Und etwas will nicht sehn

Samstag, 5. Juni 2010

In den Fluss

Heute
Heute will ich mich tief
In den Fluss legen
Will mich glätten lassen
Wie ein Kiesel
Das Salz der letzten Sommer
Die Erinnerungen einer Liebe
Will ich auswaschen lassen
Bis auf die Knochen
Und alles
Alles dem Atlantik
Wiedergeben
In den Fluss
Tief in den Fluss
Will ich mich heute legen

Donnerstag, 3. Juni 2010

Schönheit - Aufrichtigkeit (Loses Blatt #22)

Schönheit verleiht Worten Glanz, Aufrichtigkeit lässt sie leuchten.

... ist der Weg ist das Ziel (Loses Blatt #21)

Hüpfen tänzeln schweben flattern springen gleiten schlendern kreuzen schreiten balancieren stehen bleiben schauen ist der Weg ist das Ziel.

Sonntag, 30. Mai 2010

Wunder (Loses Blatt #20)

Wunder werden in Absichtslosigkeit gezeugt und in Erwartungslosigkeit geboren.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Für meinen Hunger

Für meinen Hunger
dein Wort
Für meinen Durst
dein Blick
Für meine Müdigkeit
dein Arm

Unbegründete Traurigkeit

Als ließe sich Freude berechnen
Als könnte man Zufriedenheit planen
Als wäre Glück machbar

Wir ziehen durch Verborgenheit
Kreuzen Strand und Asphalt
Eine schmale Sonne
Ein spottender Mond
Ein leiser Schmerz in deinem Innern
Der sich nicht begründen lässt

Was schwärzt deinen Tag
Was bedroht deine Nacht
Warum bist du traurig unter meiner Liebe

Wir schreiten aus
Wir tänzeln
Wir laufen barfuß über Dornen

Du balancierst dein Herz
Bis du vor Müdigkeit
Die Schultern beugst
Und alles fallen lässt
Ich reiche schnell
Ein federndes Gedicht
Die Worte tragen
Und die Bilder wiegen dich
In einen dunkelblauen Schlaf

Im Traum komm ich zu dir
Und lege meine Hand
Auf alle Stellen die noch weinen
Dein Lächeln zeigt mir
Dass du wenigstens an diesem Ort
Geborgen bist

Donnerstag, 13. Mai 2010

Ich andere (Loses Blatt #19)

Ich möchte eine andere sein als die, die ich nicht bin.

Komma (Loses Blatt #18)

Überzeugungssätzen ist nur dann zu trauen, wenn an ihrem Ende kein Punkt, sondern ein Komma steht,

Dienstag, 11. Mai 2010

Werner Lämmerhirt: All Along the Watchtower




“There must be some way out of here,” said the joker to the thief
“There’s too much confusion, I can’t get no relief
Businessmen, they drink my wine, plowmen dig my earth
None of them along the line know what any of it is worth”

“No reason to get excited,” the thief, he kindly spoke
“There are many here among us who feel that life is but a joke
But you and I, we’ve been through that, and this is not our fate
So let us not talk falsely now, the hour is getting late”

All along the watchtower, princes kept the view
While all the women came and went, barefoot servants, too
Outside in the distance a wildcat did growl
Two riders were approaching, the wind began to howl

1968 by Bob Dylan 

Sonntag, 9. Mai 2010

Zärtlich

Ich kann nur zärtlich.
Vor allem mit dir.

Du bist ein Wunder

Du greifst tief in mein Herz
mit deiner hartnäckigen Wärme
Du hüllst mich ein
in etwas Federleichtes, Sanftes
wie Regen
Seide
Sommerwind
Du verwandelst Kälte
in Tau
und blühendes Licht
Du bist ein Wunder
Meine Seele erholt sich
in deiner Hand

Max Frisch: Kommunikation mit dem Unaussprechlichen

"Zuweilen habe ich das Gefühl, man gehe aus dem Geschriebenen hervor wie eine Schlange aus ihrer Haut. Das ist es; man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten. Aber wen soll diese tote Haut noch interessieren! Die immer wieder einmal auftauchende Frage, ob denn der Leser jemals etwas anderes zu lesen vermöge als sich selbst, erübrigt sich: Schreiben ist nicht Kommunikation mit Lesern, auch nicht Kommunikation mit sich selbst, sondern Kommunikation mit dem Unaussprechlichen. Je genauer man sich auszusprechen vermöchte, um so reiner erschiene das Unaussprechliche, das heißt die Wirklichkeit, die den Schreiber bedrängt und bewegt. Wir haben die Sprache, um stumm zu werden. Wer schweigt, ist nicht stumm. Wer schweigt, hat nicht einmal eine Ahnung, wer er nicht ist."


aus: Max Frisch, Stiller, Suhrkamp 1954

Montag, 3. Mai 2010

Das Schönste, das Beste

Ins Meer tauchen
In Sonnenlicht baden
Barfuß gehen
Tanzen
Singen
Lachen
Lieben

Tirade

Ich schlage die Zähne in dein Wort
dieses Ungetüm das du für Wahrheit
hältst reiße ich in blutlose Fetzen
du schleuderst ungerührt hämisch ein
weiteres hinterher wesensgleich kein
Entrinnen du glaubst du weißt und
bist so überzeugt geschlossen in
deinem engfatalen Hirn so gnadenlos
lauernd auf jedes Straucheln jeden
ängstlich sich entblößenden Blick und
immer noch stehe ich bebend und
hoffe auf einen Zweifelsblitz in
deinen himmelsstahlharten Augen
doch du bist die Buchstabentreue
selbst schwingst Sandpapierreden
ich sehe uns noch mit unseren
aufgeschürften Herzen festgefroren
an deinen Lippen blind zuckende
Marionetten an heiligen
Speichelfäden höre uns im Chor
unsere Unmündigkeit preisen
Halleluja deine frostgrauen
Fingerspitzen haben mir tausendfach
die Haut verbrannt blank und
erschöpft wie ich war vor dich
hingebreitet mit wundgescheuerten
Schulterblättern dieser anmaßende
Geruch deines Talarsaums auch du
Erleuchteter in Verblendung erstarrt
gefangen in fehlgeleiteter Liebe so
spende ich umfassende Trauer häufe
glühende Asche auf des Hirten Haupt
vergelte enteignete Jahre ewige
Sehnsucht kein Fegefeuer nie
verrauchter Seelenschmerz mein
Atem hält mich am Leben nicht du

Samstag, 1. Mai 2010

Zupfgeigenhansel: Wie schön blüht uns der Maien




Wie schön blüht uns der Maien,
Der Sommer fährt dahin,
Mir ist ein schön, jung Jungfräulein
Gefallen in meinen Sinn.
Bei ihr da wär mirs wohl,
Wenn ich nur an sie denke,
Mein Herz ist freudenvoll.

Bei ihr, da wär ich gerne,
Bei ihr, da wär mirs wohl
Sie ist mein Morgensterne,
strahlt mir ins Herz so voll
Sie hat ein roten Mund,
Sollt ich sie darauf küssen,
Mein Herz würd mir gesund.

Wollt Gott, ich fänd' im Garten,
Drei Rosen auf einem Zweig,
Ich wollte auf sie warten,
Ein Zeichen wär' mir' s gleich.
Das Morgenrot ist weit,
Es streut schon seine Rosen;
Ade, mein' schöne Maid!

Text nach einem Gedicht von Georg Forster (1510-1568)

Mittwoch, 28. April 2010

Sicherer Ort

Rückzug
Hinter den Spiegel
Unter ein Blütenblatt
In ein Gedicht

Einzig sicherer Ort

Montag, 26. April 2010

Flipflops

Gestern habe ich meine Flipflops aus dem Winterschlaf geweckt. Prompt erzählten sie mir Geschichten vom letzten Sommer:
Wie ich sie von den Füßen schleuderte, um der Frisbeescheibe schneller hinterherrennen zu können. Wie sie sich kleine Bröckchen vom in der Hitze geschmolzenen Asphalt in die Sohlen traten. Wie ich sie beim Autofahren von den Füßen streifte, um die Pedale sicherer bedienen zu können. Wie ich in ihnen auf bunten Lichtflecken tanzte, bevor sie für den Rest der Nacht in der Ecke landeten, damit ich mehr Bewegungsfreiheit hatte. Wie sie geduldig am Strand warteten, bis ich mit salzignassen Füßen wieder in sie hineinschlüpfte. Wie sie weich wurden auf dem harten, heißen Kopfsteinpflaster zwischen Münster und Eisdiele. Und wie sie ständig irgendwo herumlagen, auf der Terrasse, im Gras, im Sand, weil ich noch mehr als meine Flipflops das Barfußlaufen liebe.

Sonntag, 25. April 2010

Euphorismus

Er fand, ihre Euphorismen seien zu wenig durchdacht.
Sie setzte sich mit einem Luftsprung darüber hinweg.

Samstag, 24. April 2010

Grenzen

Wir trennten uns, als wir
an deiner Grenze angelangt waren.
Meine lag viel weiter draußen.

Wie sehr du mir fehltest
auf dem Rest des Weges!

Unter diesem Wort

Unter diesem Wort
liegt ein anderes
Das kommt von Herzen
Hinter diesem Satz
steht ein anderer
Der spricht mir aus der Seele
Vor diesen Zeilen
waren andere
Die habe ich aus Mutlosigkeit überschrieben

Freitag, 23. April 2010

???

_ _ _ a c h _ _ _ _ _ _ _ _ _

Mittwoch, 21. April 2010

Immer nur fast (Loses Blatt #17)

Ich drifte durch ein Meer von Scheinbarkeiten und berühre alles immer nur fast.

Montag, 19. April 2010

Im Bilde (Loses Blatt #16)

"Ich bin im Bilde.", sagte der Mann mit dem Goldhelm.

Samstag, 17. April 2010

(Sich) verlassen (auf) (Loses Blatt #15)

Irgendwer verlässt (sich) immer (auf) irgendwen.

Komm her

Mein tapferer Freund
Komm her
Lass mich dein Herz berühren und
Deine ängstliche Haut
Reich mir den übervollen Blick
Ich trinke ihn in einem Zug
Und träufle Tau in deinen wunden Geist
Komm her
Wir sind noch nicht am Ende
Du musst nichts sagen
Die Worte die an deiner Zunge haften
Pflücke ich
In einem einzigen geduldigen Kuss
Sei weich
Sei offen
Und wage mit mir einen Sprung
Aus höchster Höhe
Hand in Hand erlernen wir das Fliegen
Dem Wind vertraut besiegen wir die Angst
Und unsere Landung wird ein Fest
Komm her
Mein tapferer Freund
Wir sind noch nicht am Ende

Donnerstag, 15. April 2010

Auf deinem Kopfkissen Sterne (Schlaflied)

Auf deinem Kopfkissen Sterne
Zwischen den Federn ein Traum
Der Wind trägt ein Lied aus der Ferne
Von früher erzählt dir der Baum

Zwischen den Federn ein Traum
Ein Säuseln, ein Wispern, ein Raunen
Von früher erzählt dir der Baum
Die Dunkelheit birgt ein Erstaunen

Ein Säuseln, ein Wispern, ein Raunen
Geheimnisvoll lächelt die Nacht
Die Dunkelheit birgt ein Erstaunen
Der Mond hält leuchtende Wacht

Geheimnisvoll lächelt die Nacht
Der Wind trägt ein Lied aus der Ferne
Der Mond hält leuchtende Wacht
Auf deinem Kopfkissen Sterne

Montag, 12. April 2010

in einem zug (reisebeschreibung)

in einem zug
gedachtgegrübeltgelesengerätseltgesammeltgeschriebengeträumt
unvollständig angekommen
und nun: w a r t e n a u f d i e n a c h z ü g l e r

Donnerstag, 8. April 2010

Nahezu jeder (Loses Blatt #14)

Kaum je ein Mensch, der mich wesentlich beeindrucken würde.
Aber nahezu jeder rührt mich früher oder später zutiefst.

Nicht zu fassen

Manches widersetzt sich einer Überhöhung.
Ich wollte ein ausführliches, mit Metaphern angefülltes Gedicht darüber schreiben, wie es mir inzwischen, nach all den Jahren, mit deiner Abwesenheit geht. Und das Einzige, was ich denken kann, ist:

Nicht zu fassen
wie sehr du mir fehlst!

Montag, 5. April 2010

Silber

Flügelschlag zwischen
leise knackenden Zweigen,
Novembermusik.

Eine silberne Sonne
streicht über's fröstelnde Feld.

Gold

Bunt raschelndes Laub,
Gedächtnis einer Saison.
Lausche den Blättern:

Ihre zarten Geschichten
tauchen deinen Herbst in Gold.

Ostern 2010

Familientreffen im Elsass
Enggemütlichturbulent
Ostereier für die Kleinen versteckt
Und wieder versteckt und wieder versteckt und ...
Das letzte Ei nicht mehr gefunden
Alle zusammen am Tisch
Lammbraten und Löwenzahnsalat gegessen
Einen ausgedehnten Wind- und Regenspaziergang gemacht
Kicker Kniffel Karten gespielt
Bis tief in die Nacht geredet
Verschlafenes Frühstück
Aufbruch der Gäste, Besuch verabschiedet
In aller Ruhe aufgeräumt
Sonnenblumen gesät
Herbstgedichte geschrieben
Gepackt
Das vermisste Osterei in der Reisetasche wiedergefunden

Freitag, 2. April 2010

Am Anfang Licht

Am Anfang
Licht
Ein Gesicht
Ein Lächeln
Ein Baum ein Vogel ein Haus

Dann die schriftverdunkelten Jahre
Der beschnittene Baum
Der gebundene Vogel
Das entwinkelte Haus
Das begradigte Lächeln
Das aufgeteilte Gesicht
Das entzauberte Licht

Am Ende das Fallen der Wörter
Und wieder

Ein Baum ein Vogel ein Haus
Ein Lächeln
Ein Gesicht
Licht

Mittwoch, 31. März 2010

Konstantin Wecker: Wenn der Sommer nicht mehr weit ist


















Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
und der Himmel violett,
weiß ich, dass das meine Zeit ist,
weil die Welt dann wieder breit ist,
satt und ungeheuer fett.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
und die Luft nach Erde schmeckt,
ist's egal, ob man gescheit ist,
wichtig ist, dass man bereit ist
und sein Fleisch nicht mehr versteckt.

Und dann will ich, was ich tun will, endlich tun.
An Genuss bekommt man nämlich nie zuviel.
Nur man darf nicht träge sein und darf nicht ruhn,
denn Genießen war noch nie ein leichtes Spiel.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist
und der Himmel ein Opal,
weiß ich, dass das meine Zeit ist,
weil die Welt dann wie ein Weib ist,
und die Lust schmeckt nicht mehr schal.

Wenn mein Ende nicht mehr weit ist,
ist der Anfang schon gemacht.
Weil's dann keine Kleinigkeit ist,
ob die Zeit vertane Zeit ist,
die man mit sich zugebracht.

Und dann will ich, was zu tun ist, endlich tun.
An Genuss bekommt man nämlich nie zuviel.
Nur man darf nicht träge sein und darf nicht ruhn,
denn Genießen war noch nie ein leichtes Spiel.

Konstantin Wecker: Ich singe, weil ich ein Lied hab


















Er war Sänger, wie andere Bäcker
oder Handelsvertreter sind.
Er verkaufte sehr gut, denn er hielt sich
an die Sonne, den Mond und den Wind.
Seine Welt war so herrlich gerade,
seine Hemden so weiß und so rein,
und er sang sich, ganz ohne zu zögern,
in die Seele des Volkes hinein.

Doch ganz plötzlich befiel ihn das Singen,
wie einen ein Fieber befällt,
so als hätte sich irgendwas in ihm
gegen ihn gestellt.
So als hätte sich seine Stimme
über ihn hergemacht
und das stumme Gestammel des Sängers
plötzlich zum Schweigen gebracht.

Ich singe, weil ich ein Lied hab,
nicht, weil es euch gefällt.
Ich singe, weil ich ein Lied hab,
nicht, weil ihr's bei mir bestellt.
Ich singe, weil ich ein Lied hab.

Es gab viele, die hatten bis dato
ihr tägliches Brot an ihm,
und sie sahen die Sangesmaschine
aus ihren Fängen entfliehn.

Und die Mädchen verließen den Sänger,
und der Ruhm stieg dem nächsten ins Haupt,
und es wurde ihm einfach alles,
was früher für ihn war, geraubt.

Und so trug man den Sänger zu Grabe,
und ein neuer stieg lächelnd ins Land.
Er verkaufte sehr gut, denn er hatte
sich besser in der Hand.

Nur von weitem und etwas verschwommen,
schon zu leise, um noch zu bestehn,
sucht ein Lied sein Recht zu bekommen,
denn man kann es schon nicht mehr verstehn.

Ich singe, weil ich ein Lied hab,
nicht, weil es euch gefällt.
Ich singe, weil ich ein Lied hab,
nicht etwa, weil ihr's bei mir bestellt.
Ich singe, weil ich ein Lied hab,
nicht weil ihr mich dafür entlohnt.
Ich singe, weil ich ein Lied hab,
und keiner, keiner, keiner wird von mir geschont.
Ich singe, weil ich ein Lied hab.

Sein lassen (Loses Blatt #13)

Könntest du dich bitte mal sein lassen!

Jeglicher Logik entbehren (Loses Blatt #12)

Könntest du bitte mal jeglicher Logik entbehren!

Samstag, 27. März 2010

Hinaus ins Watt

Verlass nicht diese
Stelle die sich
erschöpft hat gerade
als du tief
eintauchen wolltest Ebbe
Hinaus ins Watt
Schätze zu sammeln
Muscheln und Herzsteine
zum Fädeln auf
die goldene Schnur
deiner Erinnerung bevor
die Flut wiederkehrt
und dir das
Meer zurückgibt genau
an dieser Stelle

Freitag, 26. März 2010

"La trahison des images (Ceci n'est pas la mer)"

Die Tage, die Wochen, die maßlose Zeit ...
Ich spüre noch immer den Sand unter den Füßen und bei
Ebbe das Watt. Endlose
Strandspaziergänge.

In meinen Träumen schlucke ich
Salzwasser.
Tauche blind.

Nachts
Ist es leicht. Dann teile ich wieder meine
Calamares mit den Möwen, schlendere durch den
Hafen, lausche dem Klirren der
Takelage.

Der unausweichliche Morgen stiehlt mir den
Atlantik, blendet mich mit einer fremden
Sonne.

Muscheln auf der Fensterbank.
Erinnerungen in rauer Schale und Perlmutt.
Einzigartiges, unbeschreibliches Gefühl von
Ruhevollem Sehnen.

Ohne dich

Ohne lich kein Ankerlichten
Ohne sich nie Neuland sichten
Ohne rich nichts zu berichten
Ohne dich könnt' ich nicht dichten

Sonntag, 21. März 2010

Soundsovielter Frühlingsanfang

Zur Feier des Tages habe ich Sonnenstrahlen und Vogelzwitschern gefrühstückt.
Nun habe ich diese Kitzelwärme, dieses Flattern in meinem Bauch und frage mich:
Wann war ich eigentlich zum letzten Mal verliebt?

Kopf oder Füße

"Dem sollte mal jemand gründlich den Kopf waschen!"
"Findest du? Ich bin ja eher für Füße waschen."

Donnerstag, 18. März 2010

Binic 2

Am Strand die Boote
Mit buntgeschuppten Flügeln
Wir setzen Segel
Wandeln Schmetterlinge in
Schillernde Wellentänzer

Ruf des Horizonts
Lagerstatt unsrer Träume
Meerduftender Wind
Wir kreuzen das Abendrot
Werfen den Tag über Bord

Ankunft am Morgen
Ein Bett aus Sonne und Sand
Salz unter der Haut
Wir holen die Netze ein
Heben den Schatz einer Nacht

Mittwoch, 17. März 2010

Neunzehnter Geburtstag (1)

Mein Sohn fragt mich an seinem 19. Geburtstag, ob es okay ist, wenn er abends mit Freunden weggeht, statt zu Hause Pizza zu essen.
Ich frage mich daraufhin, ob ich in meiner Erziehung etwas sehr richtig oder völlig falsch gemacht habe.

Montag, 15. März 2010

? ? ?

EEILSV ÄEHTT CHI ADEENNRSTV, ENNW AMN ES IMR CHINT ÄEKLRRT ÄEHTT.

(AAILNSSTW EJRYZ CEL)

Sonntag, 14. März 2010

Ruhe

Die Ruhe kam
Über Nacht
Vielleicht bleibt sie
Wenn du still hältst

Donnerstag, 11. März 2010

Binic 1

Binic, du Schöne
Brandung und Fels
In deinem Hafen ankert meine Seele
Deine Bucht birgt mein Herz

Brandung und Fels
Besucher bin ich in der Welt
Deine Bucht birgt mein Herz
Zu Hause bin ich bei dir

Besucher bin ich in der Welt
Das Pflaster deiner Straßen
Zu Hause bin ich bei dir
Der Sand deiner Strände

Das Pflaster deiner Straßen
Meine früheren Leben
Der Sand deiner Strände
Meine alten Spuren

Meine früheren Leben
Nie verlasse ich diesen Ort
Meine alten Spuren
Immer wieder kehre ich zurück

Nie verlasse ich diesen Ort
In deinem Hafen ankert meine Seele
Immer wieder kehre ich zurück
Binic, du Schöne

Dienstag, 9. März 2010

Raus! (Loses Blatt #11)

Was immer geht: Raus an die Luft, Gesicht in die Sonne halten!

Montag, 8. März 2010

Dein Sehnen

Dein düsteres Herz am Abend
Die Unruhe in der Nacht
Der haltlose Kreis der Gedanken
Deine Seele im freien Fall
Der quälende Traum am Morgen
Das Erwachen im selben Leben
Dein Sehnen nach dem einen Ort

Sonntag, 7. März 2010

Jan Delay: Hoffnung


















Dies ist für die Traurigen,
die zu Tausenden da draußen sind
Irgendwo alleine sitzen,
und einfach nicht mehr weiter wissen

Für die die Sonne nie mehr scheint,
weil die graue Wolkendecke ewig bleibt
Verlassen und verloren,
ausgepowert und am Boden

Doch wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo diese Mukke her
Und sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt

Ein Tunnel ohne Licht am Ende
Dunkelheit für immer
Du kannst die Sorgen nicht ertränken
Sie sind verdammt gute Schwimmer

Doch zum Glück kann ich vermelden,
wie schlimm's auch immer kommen mag
Da sind noch welche die dir helfen
und das sind Prince und Stevie Wonder

Denn wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo diese Mukke her
Und sagt dir, sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt

Und ich sing: Whoo Whoohoho Whoohoho Whoohoho...
Au ja und ich sag:
(Whooo)
Musik is so schön
(Whohoho)
Sie ist das Beste im Leben
(Whohoho)
Schickt die Sonne in dein Herz
(Whohoho)
und sie, sie trocknet deine Tränen
Sie,
(Who)
sie ist immer für dich da
(Whohoho)
und sie, sie nimmt dich in den Arm
(Whohoho)
Also, also scheiß mal auf die Trauer
(Whohoho)
und mach die Anlage noch lauter

Denn wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo schöne Mukke her
Und sagt dir, sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt

Ja wenn du denkst es geht nicht mehr,
dann kommt von irgendwo diese Mukke her
Und sagt dir, sagt dir dass alles besser wird
Und dass die Hoffnung als aller Letztes stirbt

Freitag, 5. März 2010

Ich fasse den Tag (Loses Blatt #10)

Ich fasse den Tag mit beiden Händen und nehme mir vor,
ihn während der nächsten 24 Stunden nicht beiseite zu legen.

Das Wasser reichen (Loses Blatt #9)

Könntest du mir bitte mal das Wasser reichen!

Aus dem Weg! (Loses Blatt #8)

Könntest du dir bitte mal aus dem Weg gehen!

Mittwoch, 3. März 2010

Manchmal ein Schweigen

Immer wieder
Worte

Manchmal
Ein Schweigen
Eine Berührung
Ein Blick

Stare

Kitzelnde Strahlen
Verlockendes Gezwitscher
Tau auf der Seele

Winter flieht den jungen Blick:
Die Stare sind wieder da!

Sonntag, 28. Februar 2010

Dieser Weg

Verweile an der Biegung des Flusses
Lege die Erschöpfung ab
Die Atemlosigkeit
Und die verblassten Fotografien
Was war und was sein wird ist eins
Taste dich durch das ausgewaschene Kiesbett
Hinüber ins sanftkühle Nass
Tauche ein in die tanzenden Lichtflecke
Das Leben schmeckt noch immer nach junger Haut!
Lass dich nieder im warmen Sommergras
Und spüre:
Die Stille um dich kommt aus dir
Nimm ihr die letzten Fragen
Das Wesentliche weißt du seit je:
Dieser Weg führt zum Meer!
Du konntest ihn gar nicht verfehlen
Denn alles in dir,
Alles in dir strebt hinaus ins Offene

Samstag, 27. Februar 2010

Herein kam

Aus dem Nichts
Angesprungen
Gepackt
Geschüttelt
Zu Boden geworfen
Bespuckt
Getreten

Du hattest endlich
Der Hoffnung die Tür geöffnet
Herein kam
Die alte Angst

Leicht und schwer (Loses Blatt #7)

Ein Wort kam leicht und wog schwer.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Glück (Loses Blatt #6)

Glück ist einfach.

Iris enfin seule en France

Iris enfin seule
Iris enfin seule en France
Iris seule en France

Ganz von alleine
Ausgeschlafen aufwachen
Und weiterträumen

Irgendwann aufstehn
Kaffee trinken und lesen
Und kein Blick zur Uhr

Ins Schreiben tauchen
In der Tiefe verweilen
Atmen und fließen

Durch die Felder ziehn
Vom Weg verführen lassen
Der Weite folgen

Zurück ins Warme
Ein Glas Rotwein und Musik
Nur für mich tanzen

Iris seule en France
Iris enfin seule en France
Iris enfin seule

Du führst


Du führst

Ich folge dir blind

Jedes Stolpern fängst du ab

Hältst mich bei der Hand

Lässt mich laufen

Und holst mich wieder ein

Pflückst nebenher Blumen

Und beschenkst mich

Am Ende des Weges

Mit einem leuchtenden Strauß

Du führst


Donnerstag, 18. Februar 2010

Haiku 2

Dieses Schneeglöckchen
In meines Nachbarn Garten
So unverfroren

Haiku 1

Kaninchenträume
von Freiheit und Löwenzahn
Wiesen im April

Samstag, 13. Februar 2010

Tauwasser (Loses Blatt #5)

Endlich war das Eis zwischen ihnen geschmolzen. Nun stand ihnen das Tauwasser bis zum Hals.

Freitag, 12. Februar 2010

Frühlings-Pantun, leicht überarbeitet


Ein glitzerndes Licht
Ein Blau in der Luft
Ein helles Gesicht
Ein grasgrüner Duft

Ein Blau in der Luft
Wie fröhlich ich bin
Ein grasgrüner Duft
Wie fedrig mein Sinn

Wie fröhlich ich bin
Wie alles erwacht
Wie fedrig mein Sinn
nach schwarzdunkler Nacht

Wie alles erwacht
Ein glitzerndes Licht
nach schwarzdunkler Nacht
Ein helles Gesicht

Mittwoch, 10. Februar 2010

Niemand !

Mit nassem Fell und hungrigem Blick streunst du umher

Suchst längst kein Zuhause mehr

Bist getrieben und wund

Niemand fängt dich ein !

Hast die Kette abgeschüttelt

Die Versorgung von harter Hand

Bist losgezogen mit hängender Zunge

Und gierigen Zähnen

Winterkälte, Sturm und keine Deckung

Wetter so rau wie dein Herz

Du leckst die blutende Pfote

Verjagst jeden Gefährten, der dich braucht

Schließt dich den Einzelgängern an

Den Schweigsamen

Den Dieben in der Nacht

Liebst nur und über alles

Deine selbstgewählte Einsamkeit

Heulst den Mond an

Und schläfst ein mit dem Echo deiner Entäußerung

Niemand fängt dich ein !

Montag, 8. Februar 2010

Frühlings-Pantun


Ein glitzerndes Licht

Ein Blau in der Luft

Ein Frühlingsgedicht

Ein grasgrüner Duft


Ein Blau in der Luft

Wie fröhlich ich bin

Ein grasgrüner Duft

Wie fedrig mein Sinn


Wie fröhlich ich bin

Wie alles erwacht

Wie fedrig mein Sinn

Nach schwarzdunkler Nacht


Wie alles erwacht

Ein glitzerndes Licht

Nach schwarzdunkler Nacht

Ein Frühlingsgedicht


Sonntag, 7. Februar 2010

Blaues Band


Blassgrüne Blattfinger bohren behände.

Bröckelnde Brachfelder, blauwärt’ger Blick,

bindende Bastfädenspur bis Binic.

Berstender Becher birgt blühende Brände.


Bitterer, beeriger Blauzungenbote,

Braunbärenwinterschlaf brechende Brut;

blubberndes, brodelndes, bangendes Blut.

Bäuchlings beruhigen buttrige Brote.


Badende Blaumeisen, biblisch belesen,
betteln beflügelt, Blankaugen bestückt.

Bleiche Blondinen betätigen Besen.


Biedere, bräsige Bierbauchbesitzer

brummen beim Barte behaglich beglückt.

Blinkendes, blitzendes Blauauggeglitzer.


Mittwoch, 3. Februar 2010

Kaffee Rotwein Zigaretten

Kaffee, Rotwein, Zigaretten
Ein einfacher Tisch
An dem ich sitze und schreibe

Über Kaffee an verschlafenen Morgen
Rotwein allein oder zu zweit
Eine Zigarette in der zitternden Hand

In der Schublade mein Taschenmesser
Postkarten und Aspirin
Erinnerungen ans Meer

Ab und zu ritze ich mit dem Messer
Ein Datum in die Tischplatte
Wenn du kamst und eine Nacht bliebst

Hole die Ansichtskarten hervor
Reise zurück an fernvertraute Orte
Netze die Wunden im Tisch mit meinen Tränen

Schlucke ein, zwei Aspirin
Zur Vorbeugung gegen den Kater
Und trinke auf uns und das Meer

Dienstag, 2. Februar 2010

Dazwischen

Auf die Spitze getrieben
Haltloser Ort
Sturmgepeitscht

In der Ferne die Ebene
Tragfähiges Grün
Lichtumstellt

Und dazwischen:

Ein steiniger Weg
An dessen Rändern es blüht

Mittwoch, 27. Januar 2010

Erstaunliches über mich selbst (Loses Blatt #4)

Ich schreibe manchmal ohne dabei nachzudenken und lese anschließend Erstaunliches über mich selbst.

Dienstag, 26. Januar 2010

Die Musik in dir


Ein Wind von fern streicht über meine Saiten
Und bringt sie sanft zum Klingen
Ein Echo folgt
Bestätigung eines Gefühls

Erlebtes schwingt
Stößt Wellen in die unbewegte Stille
Trennt Seele von Materie
Schafft Wesentlichem Raum

In mir ein frisch gezeugter Ton
Der wächst und mächtig wird
Das letzte Hindernis durchbricht

Und schließlich dringt ein Laut
Sofort gefolgt von weiteren heraus
Befreit, erleichtert, zitternd, klar
Sich selbst erfahrend
Staunend angesichts der Fülle
An Mut und Kraft gewinnend
Und an Freude
Erkenntnis weckend, dass ich's kann:

Mich öffnen
Durchlässig sein nach innen und nach außen
Berührungen in Klänge fassen
Und Stimme geben dem was mich betrifft

Und, wenn's gelingt, an Saiten rühren
Von andern Seelen
Die als Gruß ein Echo schicken
Bestätigend:

Wir sind ein Chor
Von unzählbaren Stimmen
Und geben ein nie endendes Konzert



August 2009

Windgeborene


Windgeborene

Gezeugt in sternklaren Träumen

Auf Wellen reitend

Immer auf dem höchsten Kamm

Getragen vom Licht

Gerufen vom Meer

Teilt mit den Möwen das Brot


Tastende durch die Zeiten

Streift nur flüchtig die Städte

Verbündet euch mit den andern

Aufgewachsen in den Büschen

Federn im Haar

Zwischen den Zehen das harte Gras


Streunende

An den Waden noch Strand

Zum Tausch in der Wüste

Netzt die Lippen mit Tau

Kühlt mit Schnee eure salzige Haut


Streunende

Nehmt euch die Welt

Ihren blutroten Kelch

Ihren seidenen Schal

Ihren kühlen schimmernden Grund



Juni 2009

Mehr geht nicht

Mehr als mein Ohr
Mehr als mein Blick
Mehr als mein Wort
Mehr als meine Hand
Mehr als mein Herz
Geht nicht
Selbst wenn ich wollte

Ein Stück unseres Weges
Einen Teil unserer Zeit
Gemeinsam
Und dann

Dein eigener
Mein eigener
Weg
Deine eigene
Meine eigene
Zeit
Dein eigener
Mein eigener
letzter
Schritt

Kains Beil (Loses Blatt #3)

Ich habe nicht vor, Kains Beil zu heben.

(frei nach: Ich habe nicht vor, klein beizugeben.)

Vorsicht, beliebt! (Loses Blatt #2)

Vorsicht! Du könntest dich beliebt machen.

Sonntag, 24. Januar 2010

Die alte Melodie


Hey du, spiel doch noch mal

Die alte Melodie

Die Kleinen wollen tanzen

Den Tanz der Alten

In viel zu großen Schuhen

Schlurfen sie dahin

Die Wangen rot

Ein Glanz in ihren Augen

Die Lippen jung

Und bebend von dem Lachen

Das nun heraufschwappt

Tief unten aus der Kehle

Und das sie schüttelt

Durch und durch

Doch schon ist es vorbei

Sie fassen sich

Und werden ernst

Und würdevoll

Der Frack zu weit

Das Kleid schleift auf dem Boden

So schreiten sie

Und wiegen sich

Und lächeln still

Und träumen sich

In unsre Welt von gestern

Und ihre Welt von morgen

Hey du, spiel doch noch mal

Die alte Melodie