Donnerstag, 15. Juni 2017
Als ich noch Tier war
Als ich noch Tier war, nahezu, mich noch hineinzufühlen wusste in einen Hund, der einsam streunt durch die Nacht, als ich noch blutsverwandt war mit den mondsüchtigen Wölfen, scheu und wild, als ich noch laut zu heulen wusste, als Scham mir noch fremd war wie alles nie Gesehene, nie Gehörte, nie Erlebte, als ich noch erdverbunden schlief, geborgen im Finstern, wissend um den Mond, als mein Bauch mir noch Kompass war durch den Tag und durch die tiefgrüne Welt; als ich noch Tier war, nahezu, und die Städte nur streifte und etwas in mir doch schon wusste, dass die Lichter einen Reiz ausüben würden, dem ich eines Tages nicht mehr würde widerstehen können; als ich noch nahezu Tier war mit dem Willen eines Tieres und dem gesunden Instinkt und aber auch der Neugier und einem Sehnen, das ich erst im Nachhinein würde erkennen und benennen können, wenn es zu spät wäre, um die Evolution zu stoppen, die doch eine Folge eben dieser Unbändigkeit ist, nach der ich mich heute manchmal zurücksehne, da ich schon längst nicht mehr nahezu Tier bin, aber sehr genau und tief verwurzelt in mir immer noch darum weiß, für immer weiß.
Samstag, 3. Juni 2017
Diese Art Stummheit
Diese Art Stummheit, die nicht daher rührt, dass die Worte fehlen, sondern daher, dass keine Worte nötig sind.
Labels:
Lose Blätter,
Momentaufnahmen,
Schweigen,
Worte
Freitag, 19. Mai 2017
Es ist dir verboten ... (eine kleine Polemik)
Es ist dir verboten ...
... den Mund aufzumachen, wenn die Erwachsenen sich unterhalten.
... dem Lehrer zu widersprechen.
... in der Kirche laut zu lachen.
... bei Rot über die Straße zu gehen.
... einen kurzen Rock zu tragen.
... deinen Freund mit aufs Zimmer zu nehmen.
... bis weit in den Tag im Bett zu liegen.
... das Tun deiner Eltern in Frage zu stellen.
... am Wort Gottes zu zweifeln.
... zu begehren.
... Geschlechtsverkehr vor der Ehe zu haben.
... deinen Körper zu zeigen.
... dein Haar offen zu tragen.
... den Pfarrer gewisser Dinge zu beschuldigen.
... den Namen des Herrn unnütz zu gebrauchen.
... Andersgläubige oder ihren Gott zu beleidigen.
... deinen Gott zu verleugnen.
... dich vom Glauben abzuwenden.
... deinen Glauben offen zu bekennen.
... deine Kinder nicht impfen zu lassen.
... deine Organe nicht zu spenden.
... in der Öffentlichkeit zu rauchen.
... dein Antlitz zu verhüllen.
... dein Haar zu bedecken.
... dein Kreuz zu tragen.
... ein Geheimnis zu haben.
Es ist dir all dies und noch viel mehr verboten, denn dies ist eine freie und friedliebende Gesellschaft, die mit Vorliebe und voller Weisheit Verbote erlässt, damit niemand durch Abweichungen irritiert wird oder gar provoziert, zum Widerspruch gereizt und einen Streit vom Zaun bricht, der eskalieren könnte, da wir es nicht gewohnt sind, Unbekanntes hinzunehmen und Unliebsames auszuhalten Dies ist eine freie Gesellschaft, deren vielzählige Verbote ebendieser Freiheit und dem inneren Frieden dienen, denn wir sind zu verwöhnt und zu empfindsam, um Störendes auszuhalten, da geraten wir leicht aus der Bahn und sind schnell auf Hundertachtzig, nicht mehr kommunikationsbereit und -fähig, da wird es schnell gefährlich, so empfindlich und harmoniebedürftig sind wir. Da ist es einfach gut und wichtig, dass Papa und Mama Staat uns mit ihrer weisen Verbotgebung schützen, vor allem vor uns selbst und unserer eskalationsbereiten Natur. Deshalb sagen wir auch gerne Ja und Amen zu immer neuen Verboten jeglicher Art, ob es nun um böse, böse Worte geht, um gefährliches Gedankengut vom linken oder rechten Rand, um Zigarette, Impfung, Kopftuch oder Kreuz. Danke, Papa und Mama Staat. Ja, Papa und Mama Staat. Danke, dass alles bis ins kleinste Detail so super geregelt ist und wir uns über nichts mehr Gedanken machen müssen. Und bitte, bitte regelt doch noch viel mehr, noch viele, viele kleine Details unseres alltäglichen Lebens mehr, damit unser Zusammenleben immer einfacher wird, überschaubarer und dadurch freier und friedlicher. Danke, lieber Staat. Und Amen. Und aus.
... den Mund aufzumachen, wenn die Erwachsenen sich unterhalten.
... dem Lehrer zu widersprechen.
... in der Kirche laut zu lachen.
... bei Rot über die Straße zu gehen.
... einen kurzen Rock zu tragen.
... deinen Freund mit aufs Zimmer zu nehmen.
... bis weit in den Tag im Bett zu liegen.
... das Tun deiner Eltern in Frage zu stellen.
... am Wort Gottes zu zweifeln.
... zu begehren.
... Geschlechtsverkehr vor der Ehe zu haben.
... deinen Körper zu zeigen.
... dein Haar offen zu tragen.
... den Pfarrer gewisser Dinge zu beschuldigen.
... den Namen des Herrn unnütz zu gebrauchen.
... Andersgläubige oder ihren Gott zu beleidigen.
... deinen Gott zu verleugnen.
... dich vom Glauben abzuwenden.
... deinen Glauben offen zu bekennen.
... deine Kinder nicht impfen zu lassen.
... deine Organe nicht zu spenden.
... in der Öffentlichkeit zu rauchen.
... dein Antlitz zu verhüllen.
... dein Haar zu bedecken.
... dein Kreuz zu tragen.
... ein Geheimnis zu haben.
Es ist dir all dies und noch viel mehr verboten, denn dies ist eine freie und friedliebende Gesellschaft, die mit Vorliebe und voller Weisheit Verbote erlässt, damit niemand durch Abweichungen irritiert wird oder gar provoziert, zum Widerspruch gereizt und einen Streit vom Zaun bricht, der eskalieren könnte, da wir es nicht gewohnt sind, Unbekanntes hinzunehmen und Unliebsames auszuhalten Dies ist eine freie Gesellschaft, deren vielzählige Verbote ebendieser Freiheit und dem inneren Frieden dienen, denn wir sind zu verwöhnt und zu empfindsam, um Störendes auszuhalten, da geraten wir leicht aus der Bahn und sind schnell auf Hundertachtzig, nicht mehr kommunikationsbereit und -fähig, da wird es schnell gefährlich, so empfindlich und harmoniebedürftig sind wir. Da ist es einfach gut und wichtig, dass Papa und Mama Staat uns mit ihrer weisen Verbotgebung schützen, vor allem vor uns selbst und unserer eskalationsbereiten Natur. Deshalb sagen wir auch gerne Ja und Amen zu immer neuen Verboten jeglicher Art, ob es nun um böse, böse Worte geht, um gefährliches Gedankengut vom linken oder rechten Rand, um Zigarette, Impfung, Kopftuch oder Kreuz. Danke, Papa und Mama Staat. Ja, Papa und Mama Staat. Danke, dass alles bis ins kleinste Detail so super geregelt ist und wir uns über nichts mehr Gedanken machen müssen. Und bitte, bitte regelt doch noch viel mehr, noch viele, viele kleine Details unseres alltäglichen Lebens mehr, damit unser Zusammenleben immer einfacher wird, überschaubarer und dadurch freier und friedlicher. Danke, lieber Staat. Und Amen. Und aus.
Sonntag, 14. Mai 2017
Zum Muttertag: „Mein vagabundierendes Herz“ oder Meine geheime Superkraft
„Die Schauspielerin Helena Bonham Carter sagte in einem Interview auf die Frage, was sich durch ihre Mutterschaft verändert habe: ,Du siehst dein Herz auf der Straße spazieren!‘ Meines ist gleich mehrfach unterwegs und ich kenne niemanden, der mehr Zugriff darauf hätte als unsere Kinder. Für sie würde ich alles stehen und liegen lassen, um die ganze Welt reisen und mich in die Höhle jedes Löwen begeben. Über diese Kraft wird manchmal gelächelt, viel gespottet und allzu oft hinweggesehen. Doch davon leben kleine und große Kinder, weil sie auf diese Weise mindestens einen sicheren Platz im Leben haben. Erst nehmen sie das Herz ihrer Mütter in Beschlag – und später mit in die Welt hinaus.“ (Martina Kreisler-Kos)
Über diesen Text ließe sich diskutieren, wollte man ihn verallgemeinernd oder unter Genderaspekten lesen. Ich lese ihn für mich und für den Moment ganz persönlich und subjektiv. Da trifft er hundertprozentig zu. (Ob meine Kinder das aus ihrer Warte bestätigen können, wäre noch mal eine andere Frage. :-) )
Mein Mutterherz funktioniert genau so. Es vagabundiert mit meinen Kindern durch die Welt. Das ist meine geheime Superkraft.
Dienstag, 2. Mai 2017
Es gab eine Zeit vor den Schulhöfen ...
Es gibt sie noch, die scheinbar sich selbst schreibenden Texte. Habe den folgenden gerade in meinem Entwurfordner gefunden und wollte ihn nicht löschen. Das tat ich mit den meisten anderen. Aber dieser hier bringt etwas in mir zum Klingen:
Es gab eine Zeit vor den Schulhöfen, da waren wir uralt. Uralt und weise. Weise genug eine Welt zu regieren. Eine Welt aus Blüten, Muscheln und Stein, aus Holz und aus Glas. Unsere Fähigkeiten waren immens, alles gehorchte uns. Alles bis weit hinauf ins All. Die Sterne verneigten sich vor uns und den komplexen Mustern, die wir aus den Steinen und den welken Blüten und den leeren Muschelschalen legten. Wir setzten Preise fest für Rindenstückchen und grünschimmerndes Glas. Wir hauchten jedwedem Ding Leben ein, indem wir ihm einen neuen Namen gaben, diesen zum Beweis in den Sand schrieben. Wir schufen Bleibendes, waren ungewaschen von allen Wassern. Wenn wir die Augen schlossen, wurden wir zu Geschwistern der Nacht und flogen mit ihr hinauf zum höchsten aller Gipfel, weit über den Wolken. Von dort zurück ins Tal war es ein Katzensprung. Und immer, immer landeten wir auf den Füßen. Wir waren unverwundbar. Heute sind wir sterblicher als jeder Wurm. Eines Tages werden wir uns ein letztes Mal in die Flut werfen [wahlweise in die Glut], in der Nase den Duft von Sonne und Schnee, von Asphalt und Brot und frisch geschnittenem Gras. Ein letzter Hauch von Kindheit. Dann endlich das Meer. Der salzige Leib. Der ewige Grund. [Wahlweise Feuer. Asche. Und Wind.]
Es gab eine Zeit vor den Schulhöfen, da waren wir uralt. Uralt und weise. Weise genug eine Welt zu regieren. Eine Welt aus Blüten, Muscheln und Stein, aus Holz und aus Glas. Unsere Fähigkeiten waren immens, alles gehorchte uns. Alles bis weit hinauf ins All. Die Sterne verneigten sich vor uns und den komplexen Mustern, die wir aus den Steinen und den welken Blüten und den leeren Muschelschalen legten. Wir setzten Preise fest für Rindenstückchen und grünschimmerndes Glas. Wir hauchten jedwedem Ding Leben ein, indem wir ihm einen neuen Namen gaben, diesen zum Beweis in den Sand schrieben. Wir schufen Bleibendes, waren ungewaschen von allen Wassern. Wenn wir die Augen schlossen, wurden wir zu Geschwistern der Nacht und flogen mit ihr hinauf zum höchsten aller Gipfel, weit über den Wolken. Von dort zurück ins Tal war es ein Katzensprung. Und immer, immer landeten wir auf den Füßen. Wir waren unverwundbar. Heute sind wir sterblicher als jeder Wurm. Eines Tages werden wir uns ein letztes Mal in die Flut werfen [wahlweise in die Glut], in der Nase den Duft von Sonne und Schnee, von Asphalt und Brot und frisch geschnittenem Gras. Ein letzter Hauch von Kindheit. Dann endlich das Meer. Der salzige Leib. Der ewige Grund. [Wahlweise Feuer. Asche. Und Wind.]
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Erinnerung,
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Kindheit,
Sterben Abschied Tod
Montag, 1. Mai 2017
Some day oder Wie ging das noch mal mit dem Bloggen?
Ich konstatiere: Es ist ein Leichtes, nicht zu bloggen.
Immer seltener betrete ich meinen Garten und die Gärten der anderen. Am Anfang (vor etwa einem Jahr) fehlte mir die Zeit und ich beklagte das noch in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen. Das Schreiben fehlte mir. Der innere Drang war noch da, ich kam nur kaum noch dazu, ihm nachzugehen. Und dann war irgendwann auch dieser Drang verschwunden. Es fühlt sich gut an. Und irritierend zugleich. Irritierend gut.
Es gab diese Zeit, in der Schreiben mir eine Lebensnotwendigkeit war. Nun scheint die Not gewendet. Ganz im Ernst: Manche tiefsitzende Not ist tatsächlich (ab)gewendet. Ohne mein Schreiben wäre ich heute nicht an diesem Punkt, und zwar das Schreiben in dieser Form, auf diese Weise, also öffentlich im Blog, zunehmend persönlich (nie oder höchst selten aber privat!), mich ausprobierend, Grenzen auslotend, neugierig, freudig, in steter Entwicklung begriffen, wachsend an mir selbst und an der Auseinandersetzung mit Text und Leserschaft usw.
Brauche ich das Schreiben nicht mehr?
Was ist mit den angefangenen Geschichten?
Was ist mit dem, das brannte und nun nur noch glimmt?
Wie ging das noch mal mit dem Bloggen?
Vor einigen Wochen (oder sind es schon wieder Monate?) begann ich, wieder mehr in anderen Blogs zu lesen. Aber auch das schlief mit der Zeit ein. Hin und wieder mache ich kleine Stippvisiten, möchte den Faden nicht ganz abreißen lassen (vermute zumindest, dass dies der Grund ist).
Es ist wie es ist, um es ganz einfallslos mit einer Plattitüde zu sagen.
Und hier ist nach wie vor mein Garten, dieser allein meinige (wie wichtig mir das immer war!), und ich liebe ihn nach wie vor. Für das, was er mir ermöglicht hat und für das, was er mir immer noch ist: ein Raum der freien Entfaltung und des Rückzugs.
Dies als Momentaufnahme mal eben eingeschoben und in die Freiheit, die Öffentlichkeit entlassen.
Bis die Tage (Wochen, Monate ...)
***
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***
Ach ja, und irgendwann blogge ich vielleicht doch mal darüber, wieso ich in Bezug auf Frauenrechte eine Veränderung im Sprachgebrauch für wichtig halte und warum ich eine Mail ans Museum Barberini geschrieben habe, in dessen aktuellen Ausstellungen doch tatsächlich exakt die Hälfte fehlt ...
Wie gesagt: Irgendwann.
Sonntag, 12. Februar 2017
Alice? (Notiz aus der Mitte)
Alice?
...
Hey, Alice!
...
...
Ja?
Alice! Ich dachte schon, du ...
Was?
Ach , ich weiß nicht, ich dachte ... ich hab dich einfach vermisst. Sehr.
Ich weiß, ich vermisse mich auch.
Du vermisst dich?
Ja, und wie.
Aber ...
Nichts aber.
Erklär‘s mir.
Das kann ich nicht. Will ich auch nicht.
Du warst schon mal offener.
Ich bin immer noch offen, nur nicht in beide Richtungen.
Ach so ...
Verstehst du das?
Nee, nicht wirklich.
Ach Hase.
Ach Alice.
Wir zwei.
Ja? Immer noch?
Aber natürlich! Wie kannst du daran zweifeln?
Weil alles so anders ist.
Nicht alles, Hase.
Aber das Beste.
Das Beste? Das kommt erst noch. Ganz bestimmt.
Glaubst du das wirklich?
Ja, das glaube ich. Erinnerst du dich an die beiden am Fluss?
Na klar, wie könnte ich die je vergessen.
Dann weißt du auch noch, wie lange sie gewartet haben. Und wie geduldig.
Ja, weiß ich noch. Und am Ende hat sie tatsächlich gesungen.
Das hat sie. Und wie schön das war.
Es war das Beste, was ich je ...
Siehst du! *lächel*
*seufz* Ich hab dich lieb, Alice.
Ich dich auch, Hase.
Wir zwei.
Ja, Hase, wir zwei.
Inwendig, tief in mir drin schlummert etwas, wartet, worauf? Auf den richtigen Zeitpunkt? Wenn ich das bloß wüsste! Es hat – möglicherweise – etwas mit Alice und dem Hasen zu tun. Mit einer schlafenden Nachtigall und anderen geflügelten Wesen. Möglicherweise. Vielleicht auch mit etwas ganz anderem. Oder etwas Ähnlichem, Verwandtem. Oder ... Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht ist es eher ein Prozess der Häutung. Des Abschieds. Der Hinwendung zu etwas Neuem. Vielleicht auch nicht. Inmitten meines (endlich!, ja, endlich, dachte ich) sehr geordneten Lebens beginne ich zu schwimmen, zu trudeln, mich zu fragen ... Viel zu früh! Gib dir mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar fünf, sage ich mir selbst. Du bist so frei. So frei. Hinge da nicht dieser Planet an meinen Füßen ...
...
Hey, Alice!
...
...
Ja?
Alice! Ich dachte schon, du ...
Was?
Ach , ich weiß nicht, ich dachte ... ich hab dich einfach vermisst. Sehr.
Ich weiß, ich vermisse mich auch.
Du vermisst dich?
Ja, und wie.
Aber ...
Nichts aber.
Erklär‘s mir.
Das kann ich nicht. Will ich auch nicht.
Du warst schon mal offener.
Ich bin immer noch offen, nur nicht in beide Richtungen.
Ach so ...
Verstehst du das?
Nee, nicht wirklich.
Ach Hase.
Ach Alice.
Wir zwei.
Ja? Immer noch?
Aber natürlich! Wie kannst du daran zweifeln?
Weil alles so anders ist.
Nicht alles, Hase.
Aber das Beste.
Das Beste? Das kommt erst noch. Ganz bestimmt.
Glaubst du das wirklich?
Ja, das glaube ich. Erinnerst du dich an die beiden am Fluss?
Na klar, wie könnte ich die je vergessen.
Dann weißt du auch noch, wie lange sie gewartet haben. Und wie geduldig.
Ja, weiß ich noch. Und am Ende hat sie tatsächlich gesungen.
Das hat sie. Und wie schön das war.
Es war das Beste, was ich je ...
Siehst du! *lächel*
*seufz* Ich hab dich lieb, Alice.
Ich dich auch, Hase.
Wir zwei.
Ja, Hase, wir zwei.
*
Inwendig, tief in mir drin schlummert etwas, wartet, worauf? Auf den richtigen Zeitpunkt? Wenn ich das bloß wüsste! Es hat – möglicherweise – etwas mit Alice und dem Hasen zu tun. Mit einer schlafenden Nachtigall und anderen geflügelten Wesen. Möglicherweise. Vielleicht auch mit etwas ganz anderem. Oder etwas Ähnlichem, Verwandtem. Oder ... Vielleicht bilde ich mir das alles auch nur ein. Vielleicht ist es eher ein Prozess der Häutung. Des Abschieds. Der Hinwendung zu etwas Neuem. Vielleicht auch nicht. Inmitten meines (endlich!, ja, endlich, dachte ich) sehr geordneten Lebens beginne ich zu schwimmen, zu trudeln, mich zu fragen ... Viel zu früh! Gib dir mindestens ein Jahr, wenn nicht sogar fünf, sage ich mir selbst. Du bist so frei. So frei. Hinge da nicht dieser Planet an meinen Füßen ...
Donnerstag, 26. Januar 2017
Stein und Rose reloaded
Vor sieben Jahren habe ich ein kleines pazifistisches Gedicht geschrieben, mit dem ich hin und wieder neu konfrontiert werde, wenn meine Statistik mir anzeigt, dass es jemand aufgerufen hat.
Stein und Rose
Du hebst den Stein
Ich pflücke die Rose
Du holst weit aus
Ich strecke den Arm
Du wirfst den Stein
Ich reiche die Rose
Du triffst mich nicht
Aber ich treffe dich
(Man könnte auch sagen I had a dream)
Was dieses Gedicht für mich bedeutet und wie ich zu seiner Aussage stehe, unterliegt über die Jahre einem Wandel.
Stein und Rose
Du hebst den Stein
Ich pflücke die Rose
Du holst weit aus
Ich strecke den Arm
Du wirfst den Stein
Ich reiche die Rose
Du triffst mich nicht
Aber ich treffe dich
(Man könnte auch sagen I had a dream)
Was dieses Gedicht für mich bedeutet und wie ich zu seiner Aussage stehe, unterliegt über die Jahre einem Wandel.
Ganz am Anfang stand es in meinem Blog an prominenter Stelle, war immer gleich zu sehen und zu lesen. Irgendwann nahm ich es heraus, die Gründe sind komplex und beschämend simpel zugleich: Es wurde mir peinlich, da es mir (zu) naiv schien, nahezu kitschig, unterkomplex in einer komplexen Welt (dreimal komplex in einem Satz, uff ...).
Und heute?
Unablässig bin ich mit Nachrichten aus der Welt beschäftigt, reflektiere sie und meine Reaktion darauf, bin manchmal erstaunt über mich selbst, manchmal auch erschrocken, aber es schält sich etwas heraus, das schon damals, vor sieben Jahren (und wahrscheinlich schon in den Jahrzehnten zuvor) Grundlage meiner inneren Haltung war und ist:
Ich bin Pazifistin und (nicht aber!) eine radikale Verfechterin von Freiheitsrechten. Das ist nicht bequem, unter anderem deshalb, weil sich mein Platz häufig zwischen den Stühlen befindet. Beispiel: Auf welchen Stuhl soll ich mich setzen, wenn (alternativ: unter welchem Hut lässt sich zusammenfassen, dass) ich folgende Ansichten vertrete (eine kleine Auswahl, die willkürlich ist und keinen Prioritäten folgt):
– Refugees welcome! Ausnahmslos.
– Dem Islam ist dringend kritisch zu begegnen. Dies hat mit Islamophobie nichts zu tun und leitet sich ab aus einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber ausnahmslos jeder Religion, da jede in fundamentalistischer Ausprägung zu alleinigem Wahrheitsanspruch, geschlossenem Denk- und Argumentationssystem, Unterdrückung und Unterwerfung neigt.
– Frauenrechte sind Menschenrechte sind universell.
– Sexuelle Übergriffe, verbale ebenso wie tätliche, sind zu verfolgen und zu bestrafen bzw. durch jedes mögliche rechtsstaatliche Mittel zu verhindern. Ausnahmslos.
– Jeder Mensch hat ein Recht auf Asyl und darf auch dann nicht abgeschoben werden, wenn er straffällig wird, so lange sein Herkunftsland nicht wirklich sicher ist, d.h. die Menschenrechte vollumfänglich vertritt.
– Dank an die Polizei in der Kölner Silvesternacht 2016 für das Garantieren der Freiheitsrechte der Frauen.
– Nein zu verstärkter Abschiebepraxis (s.o.).
– Ja zum Nein des Verfassungsgericht zum NPD-Verbot. In meinen Augen ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie. (auch wenn ich zugegebenerweise erstmal schlucken musste)
– Ja zu einer aktiven unablässigen Erinnerungskultur. Nein zur AfD und ihren nationalsozialistischen, zur Geschichtsklitterung neigenden Tendenzen.
– Ja zur geplanten Abschaffung des Paragraphen 103 der „Majestätsbeleidigung“.
– Nein zur Witzfigur Trump.
– Dank an alle, die gegen ihn und seine Politik der Dummheit demonstrieren.
– ...
Diese Liste stellt ein Sammelsurium dar, das unvollständig ist, aber vielleicht deutlich macht, warum ich mich weder auf links noch auf rechts platzierte Stühle setzen möchte. Und ich will mich noch nicht einmal, obwohl ich mich ihnen am nächsten fühle, den Humanisten anschließen. Solidarisch sein – ja, am ehesten noch mit Frauen (aber auch da nicht ausnahmslos), immer mit Einzelnen, Freiheitsliebenden; einer Gruppierung, einem Verein beitreten – nein.
Ausgangspunkt für diese Gedankensammlung war aber das Gedicht von Stein und Rose.
Ich finde mich wieder darin, nachdem ich es lange als zu einfach, als unterkomplex empfunden habe. Ich möchte wieder Rosen pflücken gegen die Steinewerfer. Keine überzüchteten Rosen ohne Dornen, nein, wildduftende müssen es sein, an denen man sich die Finger blutig sticht. Ich möchte diese Rosen auf die Stühle derer legen, die sich so sicher sind, auf der richtigen Seite zu sitzen. Auf die Rednerpulte derer, die ihre Fäuste niedersausen lassen zur Unterstreichung ihrer populistischen Parolen. Auf die Wege derer, die im Gleichschritt marschieren.
Man könnte auch sagen I have dream. Yes, I have.
Und heute?
Unablässig bin ich mit Nachrichten aus der Welt beschäftigt, reflektiere sie und meine Reaktion darauf, bin manchmal erstaunt über mich selbst, manchmal auch erschrocken, aber es schält sich etwas heraus, das schon damals, vor sieben Jahren (und wahrscheinlich schon in den Jahrzehnten zuvor) Grundlage meiner inneren Haltung war und ist:
Ich bin Pazifistin und (nicht aber!) eine radikale Verfechterin von Freiheitsrechten. Das ist nicht bequem, unter anderem deshalb, weil sich mein Platz häufig zwischen den Stühlen befindet. Beispiel: Auf welchen Stuhl soll ich mich setzen, wenn (alternativ: unter welchem Hut lässt sich zusammenfassen, dass) ich folgende Ansichten vertrete (eine kleine Auswahl, die willkürlich ist und keinen Prioritäten folgt):
– Refugees welcome! Ausnahmslos.
– Dem Islam ist dringend kritisch zu begegnen. Dies hat mit Islamophobie nichts zu tun und leitet sich ab aus einer grundsätzlich kritischen Haltung gegenüber ausnahmslos jeder Religion, da jede in fundamentalistischer Ausprägung zu alleinigem Wahrheitsanspruch, geschlossenem Denk- und Argumentationssystem, Unterdrückung und Unterwerfung neigt.
„Es gab christlichen Terror wie zu Zeiten der Kreuzzüge, und es gab jüdischen Terror wie durch die Untergrundorganisation Irgun zur Zeit der israelischen Staatsgründung. Es gibt – man mag es kaum glauben – buddhistischen Terror in Myanmar gegenüber der islamischen Minderheit, und es gibt hinduistischen Terror, wie etwa in Form des Massenmords an Muslimen 2002 im indischen Gujarat.“
(aus: Oliver Jeges: Islamophobie? Wir nennen es Aufklärung, Welt online, 28.10.2014, ein Artikel, der nach wie vor aktuell und wichtig ist)
– Frauenrechte sind Menschenrechte sind universell.
– Sexuelle Übergriffe, verbale ebenso wie tätliche, sind zu verfolgen und zu bestrafen bzw. durch jedes mögliche rechtsstaatliche Mittel zu verhindern. Ausnahmslos.
– Jeder Mensch hat ein Recht auf Asyl und darf auch dann nicht abgeschoben werden, wenn er straffällig wird, so lange sein Herkunftsland nicht wirklich sicher ist, d.h. die Menschenrechte vollumfänglich vertritt.
– Dank an die Polizei in der Kölner Silvesternacht 2016 für das Garantieren der Freiheitsrechte der Frauen.
– Nein zu verstärkter Abschiebepraxis (s.o.).
– Ja zum Nein des Verfassungsgericht zum NPD-Verbot. In meinen Augen ein Zeichen der Stärke unserer Demokratie. (auch wenn ich zugegebenerweise erstmal schlucken musste)
– Ja zu einer aktiven unablässigen Erinnerungskultur. Nein zur AfD und ihren nationalsozialistischen, zur Geschichtsklitterung neigenden Tendenzen.
– Ja zur geplanten Abschaffung des Paragraphen 103 der „Majestätsbeleidigung“.
– Nein zur Witzfigur Trump.
– Dank an alle, die gegen ihn und seine Politik der Dummheit demonstrieren.
– ...
Diese Liste stellt ein Sammelsurium dar, das unvollständig ist, aber vielleicht deutlich macht, warum ich mich weder auf links noch auf rechts platzierte Stühle setzen möchte. Und ich will mich noch nicht einmal, obwohl ich mich ihnen am nächsten fühle, den Humanisten anschließen. Solidarisch sein – ja, am ehesten noch mit Frauen (aber auch da nicht ausnahmslos), immer mit Einzelnen, Freiheitsliebenden; einer Gruppierung, einem Verein beitreten – nein.
Ausgangspunkt für diese Gedankensammlung war aber das Gedicht von Stein und Rose.
Ich finde mich wieder darin, nachdem ich es lange als zu einfach, als unterkomplex empfunden habe. Ich möchte wieder Rosen pflücken gegen die Steinewerfer. Keine überzüchteten Rosen ohne Dornen, nein, wildduftende müssen es sein, an denen man sich die Finger blutig sticht. Ich möchte diese Rosen auf die Stühle derer legen, die sich so sicher sind, auf der richtigen Seite zu sitzen. Auf die Rednerpulte derer, die ihre Fäuste niedersausen lassen zur Unterstreichung ihrer populistischen Parolen. Auf die Wege derer, die im Gleichschritt marschieren.
Man könnte auch sagen I have dream. Yes, I have.
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