Montag, 3. September 2012

Babel spielen

- eGntu egMnor!
- Wie bitte?
- EGNTU EGMNOR!!
- Tut mir leid, aber ich verstehe dich nicht.
- abDei abeh chi eeimn eörrtW os cdghilnrü eiorrstt.
- Du gibst mir ein Rätsel auf.
- Nnu eehrssttv du, moruw es eght.
- Könnte es sein, dass es darum geht?
- Du elnrst cehllns.
- Es beginnt mir zu gefallen.
- aDnn alss nsu aBbel eeilnps!
- riW önntken belBa elipsen!
- Du aknnst es!
- Ja! Ich kann es! etriWe!
- Bis in den eHilmm.
- dUn edriwe ruckzü.

Sonntag, 2. September 2012

Schöpfung mit leichtem Tiefgang, Huhn und Ei (spielerisch)

Vorsicht, freilaufende Hühner Gedanken!

***

Die Finger in die Tasten stippen
die klebrig-zähen Zeichen
Fäden ziehen lassen
kreuz und quer durchs
Innen wie durchs Außen
wo sie im Aufeinandertreffen
komplexere Gebilde zeugen
die weder Und noch Oder
sondern trennstrichfreies Eins
das zeitgleich an zwei Stellen
wartet auf Vereinigung 
in einem Leib und einem Schoß 
Geburtsraum für das Amalgam
BezeichnungundBezeichnetes
das Zwitterwesen WortundDing 

***

Was war am Anfang, das Huhn oder das Ei? Oder das Wort? Und wenn es das Wort war, welches war es dann, Huhn oder Ei? Und was war zuerst da, das Wort oder das Wesen, das es sprach? Und woher hatten das Wort oder das Wesen eine Vorstellung vom Huhn? Oder stellte sich das Huhn vor, wie es ausgesprochen wurde und von wem und war dann plötzlich da und legte vor lauter Freude und Erregung ein Ei? Und dem entsprang ein neues Wort, darin das Schöpferwesen und die ganze Welt? In dieser Welt die Worte Anfang, Huhn und Ei? 
Und wer hört überhaupt noch zu? Den Worten und den Dingen? Und wenn sie niemand hört, sind sie dann trotzdem? Vielleicht freier, eigentlicher? Oder sind sie nicht? 
Was war zuerst da, Mund, Wort, Ohr oder Ding?

***

- Gib mir etwas zu spielen.
- Hier hast du ein Wort.
- Was soll ich damit?
- Forme es oder lass dich von ihm formen.
- Vielleicht wirst du uns danach nicht wiedererkennen.
- Das wird mir eine Lehre sein.
- Du wirst es bereuen?
- Nein, ich werde daran wachsen.
- Ich hielt dich bereits für vollkommen.
- Vollkommen ja, aber längst nicht vollendet.
- Dann werde ich jetzt spielen.
- Und ich werde lernen. (Und dir beim nächsten mal erklären, dass beides eins ist.)

*** 

Die Finger in die Tasten stippen
...

Samstag, 1. September 2012

DANKE

Aus der inneren Fülle nach zwei Wochen Urlaub erstmal dies (das Wichtigste):
 
Danken will ich: dem Wasser und der Luft, der deutschen und der Schweizer Eisenbahn, der Sonne (die Übertreibungen verzeih ich ihr), den Bergen, den Tälern und der Ebene, den Bussen, der U-Bahn, meinen Füßen, den Schuhen, dem Asphalt, den Booten, dem Regenschirm, den Tischen und Stühlen, den zwei bequemen Betten, den Küchen und Bädern, den Dächern überm Kopf, den Wegen, die mich trugen.
Ich will den Fenstern danken und den Türen, den Ein- und Ausblicken, dem Drinnen und dem Draußen, den Einladungen und Erlaubnissen, den Ohren und Mündern, den Augen und dem Miteinander, dem Teilen und der Bereitschaft, sich einzulassen, der Nachdenklichkeit, der Beweglichkeit, der Neugier und dem Spaß, den Worten und dem Schweigen, der Möglichkeit, zu lernen.
Und ich will all den wunderbaren Menschen danken: S. und E. und P. und J. und S. und L. und A. und S. und R. Ihr habt meinen Urlaub zu etwas ganz Besonderem gemacht, etwas von großem Wert.
Danke!

Samstag, 25. August 2012

Rückreise

In den Zug gestiegen
mit dem Koffer
mit der Tasche
doch ohne den Blick
den ließ sie liegen

Sonntag, 19. August 2012

Irrelevanz

Hier wird es still bleiben für ein paar Tage. Morgen reise ich ab in die Schweiz.
Ein guter Zeitpunkt, hinterfrage ich doch sowieso gerade meine Blogschreiberei. Bezüglich ihrer Relevanz. Ich weiß, vor einigen Tagen sprach ich noch davon, wie glücklich ich sei mit meinem Blog und den zahlreichen Entfaltungsmöglichkeiten, die es bietet. Heute ist es anders. Ach, auch gestern schon. Es wechselt. Seit je. Und wird es vermutlich auch in Zukunft tun.
Dennoch, auch wenn ich um dieses Auf und Ab weiß: Heute zweifle ich und halte für im höchsten Maße irrelevant, was ich hier von mir gebe.
Ich habe mit einem Roman begonnen. Jedenfalls nehme ich an, dass aus der Vögelchen-Geschichte ein solcher wachsen wird, denn die Menge des Stoffs, die sich über Nacht in meinen Kopf hineingestapelt hat, ist beachtlich, ich habe jedenfalls gut zu tun.
Aber davon abgesehen, oder darüber hinaus: Ich möchte hier präsent bleiben. Aber ich will nicht ins Plappern kommen. Allein dass ich begonnen habe, nun auch übers Bloggen zu schreiben, gibt mir zu denken. Ich bin nicht sicher, ob ich diese Entwicklung wollte, dieses Heraustreten.
Es ist schön, Rückmeldungen zu erhalten. Es ist nicht schön, zu diesem Zweck zu schreiben. (Tue ich das bereits? Hin und wieder?) Ich bin empfindlich, was Verstrickungen und Abhängigkeiten betrifft, beginne bei den leisesten Anzeichen dafür zu zappeln, irgendwo in mir drin.
Gleichzeitig handelt es sich aber um einen Prozess, den ich von außen beobachte, in dessen Verlauf ich mich gewähren lasse, um zu sehen, was passiert, in der Hoffnung, rechtzeitig die Bremse ziehen zu können.
Klingt dramatisch? Ist es nicht. Aber trotzdem von existenzieller Bedeutung. Für mich, bei sowas lässt sich ja nicht vergleichen.
Wen interessiert's? Soll ich das hier einstellen? Warum? Für wen?
Wer hört schon mein Herzklopfen. Und nein, ich fische nicht nach Bestätigung. Auch nicht nach Widerspruch. Ich stelle mich selbst auf die Probe und übe mich in Mut.

Samstag, 18. August 2012

Wie sie so unbesiegbar sind (memento mori)

Wie sie unentwegt herfallen über die mit den dreckigen Stecken und den schiefen Gesichtern, mit den falschen Wörtern und den verschränkten Armen. Wie sie so unbeirrt richten, weil sie jeden Zug, jede Geste zu deuten wissen aus ihren Büchern und den teuren Kursen. Wie sie sich selbstkontrolliert in heroische Haltungen biegen und mit gebleckten Fingern von Seminarpodesten herab auf die Verdächtigen, weil Unbeholfenen deuten. Wie sie so gut Bescheid wissen und gewandt sind in den wesentlichen Künsten. Wie sie Hiebe und Münzen mit ein und derselben Hand verteilen und wie ihnen Scham so fremd ist wie Güte. Wie sie so unantastbar gebildet sind und sich in dieses ihr Bild die ganze Welt hineinschaufeln, so unersättlich und so erlaubt durch ihre einzigartige Begründungsfähigkeit. Wie ihnen keiner etwas vormacht, sie aber gerne streuen und austeilen, so gerne, denn da wollen sie doch für sorgen, dass etwas abfällt von ihrem Glanz zur Belichtung derer im Dunkeln.
Wie sie so absolut unbesiegbar sind, solange nur nichts hereinbricht zu ihnen, das kein noch so ausgeschöpftes Gehirn aufhalten kann, weil es vielleicht etwas mit Hunger zu tun hat oder mit Durst, mit einem tiefen Loch und einem plötzlichen Versetztwerden an einen Wüstenort oder in eine Steppe oder mitten hinaus auf die stürmische See, wo ihnen kein Buchstabe mehr hilft und kein noch so kluger Gedanke. Wo sie ausgesetzt und auf einmal nicht mehr zu unterscheiden sind, weil sie wie jeder und jede zurückflüchten in die Embryonalhaltung und ihr allererstes erlerntes Wort dasselbe ist wie bei jedem und jeder anderen und sie deshalb einen gigantischen Chor bilden, indem sie im Kanon dieses Wort herausschreien, und doch waren sie nie in ihrem Leben so allein wie jetzt.

Donnerstag, 16. August 2012

Etwas Freiliegendes, abseits

Sieh nur, hier stromern wir durch einen Wald aus Stricken und Tauen und haben unsere Macheten im letzten echten Dschungel zurückgelassen. So bleiben wir hängen, taumeln und verfangen uns, knüpfen Knoten auf und zu und fühlen uns doch unendlich frei, nur weil die uns umfangende Verwirrung selbst ins Unendliche zu reichen scheint. 
Und sieh die Feuer! Wie es an allen Ecken und Enden funkt und brennt. Wie die einen Öl, die anderen Wasser in die Flammen schütten. Wie es lodert und zischt bis in die entferntesten Winkel. 
Und spürst du das unablässige Zucken? Die kleinste Erschütterung in diesem Endlosnetz, hervorgerufen durch die Kollision eines Schmetterlingsflügels oder einer Guppyflosse mit einem der Seile, pflanzt sich fort und fort zu einer grenzenlosen Teilhabe. 
Und nun sieh hier, das hereinströmende Wasser, die durchziehende Luft, diese Abgesandten einer anderen Art Freiheit. Glaubst du wirklich, für diese müssten uns erst Kiemen wachsen und Flügel?
Betrachten wir einmal genauer unsere unbenutzten Glieder, unsere vernachlässigten Sinne, wie sie einrosten und verstauben. Könnten wir nur weiterdenken! Aber wir können ja! 
Wagen wir uns heraus aus dem bequemen Konjunktiv, dem weichen Lager der Fantasie und begeben uns in eine unmittelbare Erfahrung an Leib und Seele. 
Es muss dort noch etwas Offenes sein, etwas Freiliegendes, abseits, bereit, uns aufzunehmen. 
Hier bahnen wir uns einen Weg und glauben, voranzukommen, dabei bewegen wir uns im Kreis und erkennen es nicht, denn hinter uns wuchern die Pfade im Zeitraffer zu, gaukelt das Netz uns in einer Endlosschleife unbetretenes Gebiet vor. So kämpfen wir uns voran und voran in einem unendlich winzigen Raum.
Aber es gibt ein Draußen. Es zieht an uns.

Montag, 13. August 2012

Entscheidungen

Juhu! 
Zwei Wochen Urlaub stehen bevor. Noch kürzlich schien es mir, als ließe sich darin alles unterbringen, worauf ich Lust habe. Und zwar ganz ohne Hektik. Reisen quer durch die Republik und auch ein wenig grenzüberschreitend plus das Lesen diverser Bücher aus der Warteschleife.
Pure Illusion! 
Je näher die zwei Wochen rückten und meine Pläne konkretisiert werden wollten durch Terminabsprache, Bahntickets kaufen etc., umso mehr wurde mir ihre Begrenztheit deutlich.
Kein Drama!
Ich habe befreiende Entscheidungen getroffen, und ein paar Vorhaben über Bord geworfen. Winke, winke. Nichts ist so dringend, als dass es meinen Urlaubsplan in eine To-do-Liste verwandeln dürfte.
Juhu again!
Die erste Woche werde ich bei einer Freundin am Thuner See verbringen und Berge, Wasser, tiefschürfende und alberne Gespräche, Langsamkeit, gutes Essen ... genießen.
In der zweiten Woche werde ich in Berlin sein, untergebracht bei einer anderen Freundin und ihrem Mann. Ich werde außer diesen beiden noch weitere liebe Menschen treffen und werde keine Sehenswürdigkeiten aufsuchen müssen, denn ich war schon des öfteren in Berlin, da ist mir vieles bekannt, und alles andere läuft nicht weg.
Über Bord geworfen ist u.a. die Reise nach Kassel mit Besuch der Documenta. Schade drum, aber der Gewinn ist höher.
Puh!
War gar nicht so schwer.
Noch eine Woche arbeiten, dann geht's los. Ganz entspannt.

Eine weitere Entscheidung, die ich getroffen habe:
Die Geschichte von Vögelchen wird unter Verschluss weitergehen. Sie braucht einen geschützten Raum. Ich brauche diesen geschützten Raum. Mein Gefühl sagt mir, dass da etwas keimt, an das ich mich seit Jahren in Spiralbewegungen herangeschrieben habe. Es wird sich zeigen.

So, weiter im Text.