Samstag, 30. März 2013

Weiter, Fortsetzung, fließend, atemlos (nach dem Traum 1)

(Dieser Traum lässt mich nicht los.)

Dann gingen wir doch noch einmal zurück, das heißt, ich ging zurück, dich träumte ich ja nur, nahm dich mit hinter meinen Lidern an den Ort unserer ersten Begegnung, diesen seltsamen, kühlen Ort, dieses Haus mit den hallenden Räumen, den leeren Schränken und den seltsamen Fundstücken, von denen das Bilderbuch mit den zahlreichen Vorhängen und der tiefen dunklen Höhle nur eines war, dasjenige, von dem wir erzählen durften, aber die anderen Dinge, die wir fanden, zwangen uns zum Schweigen, wir hielten uns daran, wie wir uns immer an das hielten, was man uns sagte, so waren wir es gewohnt, nie waren wir schlecht damit gefahren, immer wurden uns eine Schlafstatt und Nahrung gewährt, ohne dass wir dafür hätten zahlen oder arbeiten müssen, nur gehorchen mussten wir, aber das war nicht schwer, verlangte man doch nichts Unmögliches, sondern nur das Beugen unserer Knie und unserer Häupter vor den Himmelhohen, und wer wollte das als zuviel verlangt bezeichnen, war es doch eine Ehre, zum Kreis derer zu gehören, die gezählt waren und gerettet, blieben sie nur innerhalb der Grenzen, die aus Liebe gezogen waren und die sich hart und kalt anfühlten, aber das war eine Täuschung, hatten wir gelernt, denn in Wirklichkeit waren sie warm und weich und unser einziger Schutz, daran erinnerten wir uns nun, in diesem Haus, von dem wir nicht wussten, wie wir hineingekommen waren, nur, dass wir eine Wartezeit zu überbrücken hatten, ganz allein und nach einer überstandenen Gefahr, einer Jagd durch wildes Gelände, durch Schlamm und Gestrüpp, davon zeugten die Spuren an unseren Kleidern, und dass wir uns nicht erinnern konnten, irritierte uns weniger als die Tatsache, dass wir, dass ich für uns beide dachte, denn scheinbar träumte ich dich nur, hatte dich erfunden, aber nun warst du da, so nackt und so ahnungslos, da musste ich dich doch schützen und wollte plötzlich nichts mehr wissen von meinen Hütern, denn wenn sie dich sähen, würden sie dich mir wegnehmen, das war mir so klar, wie etwas nur klar sein kann, und es interessierte mich nicht, wieso es mir klar war, für solche Überlegungen war keine Zeit, wollte ich dich retten, musste ich mich aussetzen, weit hinter die Umgrenzung aus gefühlt kalter, aber in Wirklichkeit warmer Liebe, weit außerhalb der Blicke der Himmelhohen, und ich hatte mich bereits entschieden, das merkte ich nun, als mir bewusst wurde, dass ich längst rannte, atemlos und ohne Pause rannte, weg von dieser gewaltigen immerdagewesenen Liebe, die mich zugesperrt hatte von außen mit einem stählernen Schloss, das du von innen gesprengt hattest, als wärest du einzig und allein dafür geboren worden, und ich hatte keine Zeit, mich zu wundern, weil ich plötzlich soviel wusste und noch mehr wissen wollte, und was ich schon wusste, war, dass alles, was ich darüberhinaus wissen wollte, da draußen lag, nicht drinnen, wie ich immer geglaubt hatte, und dich nahm ich mit, nackt wie du warst, und wären wir erst auf der Wiese am Fluss angelangt, würde auch ich meine Kleider ablegen, und dann würden wir gemeinsam in den Fluss steigen, und spätestens da würde ich dann meine Augen öffnen und dich hinauslassen und hoffen, dass du bleibst, aber wenn nicht, wäre auch das immer noch besser als das, was ich bereits zu vergessen begann.

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