Mittwoch, 7. Mai 2014

Tanz den Anagramm!

für S.


Wie der Clan sich erhitzt!
Sein Lachen ritzt
die schwärzeste Nacht,
bis sie aus allen Ritzen lacht.

Ihr richtet die Lanz
und die Ratzel im Nicht,
bis lichter Tanz
durch die Dämmerung bricht.

Dann lichten wir zart 
unsre Gegenwart.
 


*** 


Liebe Frau Paulchen, Ihr #frapalymo macht mir Spaß! :-)

Dienstag, 6. Mai 2014

Sagt die Feder zum Stein

Sagt die Feder zum Stein:
Wie schwer du es hast,
so viel schwerer als ich.

Der Stein drauf zur Feder:
Zu bleiben, meine Liebe,
ist ein Leichtes für mich.


***


Auch dieses Gedicht entstand im Rahmen des #frapalymo-Projekts von Sophie Paulchen.


Sonntag, 4. Mai 2014

Im Erwachen flog mir ...

Im Erwachen flog mir
ein Vöglein zu

Ich war nicht die erste
bei der es verweilte
und war nicht die letzte
aber zwischen zwei Flügen
gehörte es mir



***


angeregt durch Sophie Paulchens #frapalymo-Projekt, Impuls 4: "etwas leichtes"

Freitag, 2. Mai 2014

Dann

Dann
eines Tages
sind wir endlich
unumstellt
dann 
gehen wir über
in die salzige Luft
unseres Sehnens
dann 
fliegen wir
himmelweit
in alle Richtungen zugleich
dann 
sind wir
nicht mehr
und nicht weniger

Donnerstag, 1. Mai 2014

Die Hände meines Vaters, ein bretonischer Küstenort und Hauptsache bewegt

Deine Hände waren ein Hafen, den ich viel zu jung und viel zu überstürzt verlassen habe, und in den ich erst kurz vor deinem Tod zurückgekehrt bin. Große schwere Hände. Sensibel genug, um feine Bleistiftlinien zu zeichnen und aus Papierbögen Schiffchen zu falten. Stark genug, um Eisen zu schmieden und um mich hoch in die Luft zu werfen und wieder aufzufangen. Zärtlich genug, um mein aufgeschürftes Knie zu verarzten und mir das Haar aus der Stirn zu streichen. Brutal genug, um deinem Zorn Ausdruck zu verleihen auf entsetzter Haut. Nicht auf meiner. Trotzdem schmerzte es. Als ich nicht mehr wegsehen konnte, verließ ich den Hafen. Da war ich zwölf. Erst an deinem Sterbebett steuerte ich ihn wieder an, hielt deine Hand, die kaum noch Gewicht hatte, keinen Widerstand mehr bot. Leicht wie ein Vogel ruhte sie in meinen Händen. Nur warm war sie noch.

*

Ich habe immer eine Sehnsucht in mir gehabt. Selten wusste ich sie zu benennen. Ein Gefühl wie Heimweh und Fernweh zugleich. Meistens wünschte ich mich woanders hin. Immer sehnte ich mich nach einem beständigen Ort. Ich bin bisher vierzehn mal in meinem Leben umgezogen, am häufigsten in der Kindheit. Ich habe Grundschulen in drei verschiedenen Städten besucht. Inzwischen sind die Abstände größer geworden, nicht zuletzt meinen eigenen Kindern zuliebe. Vor etwa achtzehn Jahren machte ich mit meiner kleinen Familie Urlaub in der Nordbretagne. Wir fanden einen Campingplatz mit Blick aufs Meer. Dort, in dem Hafenstädtchen Binic, hatte ich erstmals das Empfinden, als wären Heimweh und Fernweh zugleich gestillt. Als schlösse sich ein Kreis. Der Atlantik ist mir in dieser Bucht wie ein Geliebter, sanft tragend und Widerstand leistend zugleich. Wind, Möwen und Sonne sind mir dort vertrauter als anderswo. Dieser Ort ist mir ein inneres und äußeres Zuhause geworden. Schon viel zu lange war ich nicht mehr da. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich in irgendeiner Weise von dieser Küste stamme. Ob ich vielleicht keltische Ursprünge habe. Aber es ist nicht wichtig, das zu erforschen und zu wissen. Wichtig ist, was ich spüre, wenn ich dort bin: Zugehörigkeit. Das Gefühl, angekommen zu sein. Nichts, was man erklären muss.

*

Was ich seit vier, fünf Jahren zunehmend wahrnehme: Ein Gefühl des Zuhauseseins im Schreiben und in der Bewegung. Beides hängt zusammen; und mit Bewegung meine ich sowohl eine körperlich-räumliche als auch eine gedankliche. Reisen, Entwicklung, Lebendigsein. Ein Heimatfinden und -einrichten in mir und im Unterwegssein, in meiner Gangart, in meinem Tempo. Ich selbst als mein allereigenster Ort, egal wo, Hauptsache bewegt. Unterwegs und mit der Ahnung eines Hafens im Kopf.


***


Dieser Text entstand nach Anregung durch das Heimat-Projekt der Mützenfalterin. In ihrem Blog gibt es bereits eine Reihe schöner, persönlicher Texte zum Thema.


*** 


08.05.2014

Die Twitterin @dites_donc übersetzt manchmal die Tweets anderer ins Französische. Eine schöne Idee, finde ich. Und nun hat sie den letzten Abschnitt meines Textes übertragen. Hier:

Ce qui grandit en moi depuis quatre ou cinq ans, c’est cette sensation d’être chez moi dans l’écriture et le mouvement - les deux sont liés. Le corps, les idées : en mouvement. Voyager, évoluer, être vivant. Me retrouver en moi, m’y faire ma place. Et bouger, à mon rythme, au pas qui est le mien. Être mon propre repère, itinérant. Avoir un ancrage intérieur, vibrant.

 Gefällt mir gut. Merci beaucoup, chère @dites_donc!

Sonntag, 27. April 2014

Wir könnten uns - wie die Ornithologin - ... (Vogelfrau 7)

... mit den Harpyien beschäftigen. Ja!

Dieser Gedanke, der uns alle ergreift, als wären wir eins, kommt so unerwartet, dass wir nicht anders können, als ihm zu trauen.

Auf der Stelle stürzen wir uns in die Recherche, besorgen uns Literatur sowohl über den Vogel als auch und vor allem über den Mythos des Mischwesens.
Wir verstummen, wir fiebern, wir lechzen.

Wir freuen uns an der Erforschung des größten Greifvogels der Welt.
Wir erschrecken ob der einseitigen Darstellung der mythologischen Gestalt.

Vogelfrau!
Wir sind sowas von auf deiner Seite! Wer das nicht erkennt an der Ausrichtung unseres Herzschlags, dem ist nicht zu helfen.

Wir fragen: Wo sind die Dichterinnen unter uns? 
Überlasst nicht den Männern das Feld! Weder den alten (Homer, Vergil, Ovid) noch den jungen (zum Beispiel: Durs Grünbein, ha! Sorry, aber selbst du mit deinem zerpflückenden Blick verlässt nicht den ausgetretenen Pfad.). 
Was wissen sie schon, die sie aus ganz anderen Wunden bluten? 

Wir haben zu tun, liebe Freunde der gefiederten Wesen. Wir glühen wie Kinder im Spiel.

Und entschuldigt!: Wir nahmen im Eifer unserer Begeisterung etwas vorweg. Aber jetzt nehmen wir uns wieder zurück und überlassen der Geschichte selbst das Weitererzählen. 
(Und erwähnen nur schnell noch am Rande, dass die Ornithologin sich neben den Harpyien auch mit dem Einfluss von Viren auf den genetischen Code befasst.)

Samstag, 26. April 2014

Bis sie es spürt

Was sie sich manchmal fragt: Ob es ihr tatsächlich genügt, die einzige zu sein, die um alles weiß, was sie verschweigt. Und wie es wäre, eine Sprache zu finden, die wie angegossen passt. Mit der sie vor die Tür treten könnte und sagen: Seht her! Und was in die Augen der Hersehenden fiele, wäre identisch mit dem, was sie zeigte.

Wie sie sich dann wieder sagt: Alles wiederholt sich und dreht sich im Kreis. Und dass man nicht wissen kann, wo in diesem Kreis aus der Vorwärtsbewegung möglicherweise eine Rückwärtsbewegung wird. Wo es möglicherweise hängt, wie früher manchmal bei Schallplatten und man in einer endlosen Wiederholung gefangen ist. Es sei denn, man greift ein.

Wie sie sich ängstigt: Eingreifen? Woher soll sie denn wissen, dass sie es ist, die da eingreift und nicht ihr ferngesteuertes Selbst? Und auch diese Befürchtung: Die xte Wiederholung.

Wie sie sich anfeuert, zaghaft: Spring! Durchbrich den Kreis! Mach eine Bewegung, die du noch nie gemacht hast!

Wie sie erstarrt: Nein! Nicht! Nicht jetzt!

Wie sie sich erlaubt: Sich zu wiederholen, bis sie spürt: Ja! Jetzt! Bis sie es spürt. Es wirklich spürt. Dann. Und erst dann.

Wie sie (an)erkennt: Dass auch im Zögern Freiheit liegt, eine unermessliche sogar.

Donnerstag, 24. April 2014

Krudes Zeug (Sammlung, unvollständig)

Entwürfe löschen ist wie Fenster öffnen.

Was sich schreibt, wenn du nicht schreibst.

Unterlassungen, ins Blaue hinein.

Blütenkram, welkend unter zu langem Blick.

Sammlungen, krudes Zeug. (Komm da erst mal hin!)

Und jetzt? (Eine Frage, als wäre da Unterbrechung gewesen. Ist aber nie.)

- Weißt du? 
- Haha! Natürlich NICHT!

- Siehst du? 
- Ja! Und zwar ohne Beweis. Last. But not least. (Fällt unter Primitives-Wortspiel-Erlaubnis. Hey, du musst das nicht mögen!)

Wir melken die Zeit vor der Zeit.

- Verstehst du überhaupt irgendetwas von dem, was du da von dir gibst? 
- Erstens: Darum geht es nicht. 
  Zweitens: Ich gebe nicht, ich lasse. 
  Drittens: Du bist zu schnell für deine eigentlichen Fragen. (Und sag jetzt bitte nicht Häh?!)

Wie wir liebten, wenn ...

... ist wie Fenster öffnen.

Klammern auf )(