Sonntag, 5. Januar 2014

Ein Ufer für die Hosentasche (Fundstück)

Gefunden, aufgehoben, mitgenommen.
Diesen Text, den ich gerade bei Springvogel las, würde ich mir am liebsten wortwörtlich merken. Was seinem Inhalt allerdings komplett widerspräche. Und sowieso wird er sich mir auf seine eigene Weise selbst einprägen.
Um ihn darüberhinaus irgendwie zu "behalten", verlinke ich ihn hier in meinem Garten. Auch für Euch.

hier: Am Ufer

Samstag, 4. Januar 2014

So sicher

Er ging so schnell und sicher, als müsste er über keinen einzigen seiner Schritte nachdenken. Sie neidete ihm das. Worauf er im Traum nicht käme. Noch mehr aber verachtete sie ihn für seine scheinbare Sorglosigkeit, kaum merklich zwar, aber immerhin.
Was sie nicht wusste: Es war nicht Gedankenlosigkeit, die ihn so unbeirrt und zügig schreiten ließ, sondern ein hart errungenes Vertrauen in seine Füße. Diesen oblag das Gehen, so hatte er einst entschieden. Der Weg gehörte den Füßen.
Sie wusste nichts von seinen früheren Kämpfen. Konnte es nicht wissen, denn er hatte nicht davon erzählt. Und sie hatte nicht danach gefragt. 
So urteilte sie blind in Unwissenheit. Und sein vorbehaltloses Vertrauen in sie - war es nicht ein gewissermaßen ebenso blindes Urteil?

Man ist versucht, ihnen einen Stein in den Weg zu wünschen, der sie stolpern lässt. Oder einen zurückfedernden Zweig, der ihre Wangen streift. Irgendetwas, das sie zum Innehalten zwingt. Ein schärferes Licht. Eine noch nie gesehene Farbe. Etwas Überraschendes, das ihnen das Illusorische an ihren jeweiligen Sicherheiten vor Augen führt.
Man wünscht ihnen einen klarsichtigen Spiegel.
Man sieht sie so genau. Genauer als sich selbst.

Donnerstag, 2. Januar 2014

Hör zu! (eine Kindergeschichte)

Zum Einstand ins neue (Schreib)Jahr habe ich eine alte Geschichte von mir herausgekramt, geschrieben vor ca. fünf Jahren, eine Kindergeschichte, angelehnt an reale Erinnerungen, ein wenig ausgeschmückt ... Ich mag sie. Lest selbst:

***

Hör zu!

Wenn Tante Anneliese heute zu Besuch kommt, wird es vermutlich so ablaufen wie all die Male zuvor: Sie wird sich auf dich und deine Brüder stürzen, noch während sie ihren Mantel und ihre vielversprechend ausgebeulte Tasche eurer Mutter in die Hände drückt. Sie wird ihre Arme um euch schlingen und euch an ihren monumentalen Busen pressen.
Da ihr Tobi immer in eure Mitte nehmt, wirst du wieder unter einer ihrer Achseln landen, eingeklemmt zwischen Brust und Oberarm. Dir wird auch diesmal kurz die Luft wegbleiben, bis sie euch endlich wieder von sich schiebt, euch nach wie vor am ausgestreckten Arm festhaltend, um euch einer eingehenden Musterung zu unterziehen.


Im Hintergrund wird nun eure Mutter beschwörend die Augen aufreißen und mahnend einen Zeigefinger senkrecht in die Luft strecken, während euer Vater Grimassen schneiden und euch aufmunternd zublinzeln wird. Er ist euer Verbündeter und kann Mutters ältere Schwester ebenso wenig leiden wie ihr.
Klaus wird wie immer am besten wegkommen. Denn ganz gleich, wo ihr euch rumtreibt und welche Abenteuer ihr zu bestehen habt, er bleibt stets staubfrei und fleckenlos. Wie er das schafft, ist dir ein Rätsel.
Tobi, der Dreckspatz wird ein entzücktes Lächeln und ein liebevolles Haarezerstrubbeln ernten. Er ist und bleibt Tante Annelieses "süßer kleiner Racker".
Zum Schluss wird ihr Blick an dir hängen bleiben, und so, wie er an dir auf und ab wandert, wird er dir die gefahrvollen Unternehmungen des Vormittags in Erinnerung rufen:

Als Klaus in der Ferne die Feinde erspähte, stürztet ihr euch ins Gebüsch. Die Folge: eine zerrissene Strumpfhose und eine tiefe Schramme am Schienbein.
Atemlos kämpftet ihr euch durchs Dickicht: Dornen in der Haut, kleine Zweige in den Haaren und ein Triangel in der Bluse.
Eine halbe Stunde lang harrtet ihr aus, die Gesichter in die Brombeeren gedrückt: ein Kratzer quer über Nase und Wange, schwarze Flecken um den Mund und Spinnweben im Haar.
Schließlich war die Gefahr vorüber und ihr konntet weiter eures Weges ziehen, immer auf der Hut vor Feinden und auf der Suche nach einem Stück Land mit einer Wasserstelle.


Und so wie jedesmal wird Tante Anneliese das Unfassbare tun, etwas, das in ungeheuerlicher Weise die Strapazen missachtet, die ihr auf euch genommen habt, um für eure Familien eine neue, sichere Heimat zu finden: Sie wird auf ihren Daumen spucken, einen ekligen Spuckesee voller kleiner Bläschen und wird, während sie mit der anderen Hand dein Kinn umklammert hält, in deinem Gesicht herumwischen, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist. Wenn sie endlich fertig ist mit ihrer Säuberungsaktion, wird sie sagen: "Marion, mein Spatz, bring mir doch bitte ein Glas Holunderbeerlimonade!" Zwinkernd wird sie hinzufügen: "Und dann wollen wir mal schauen, ob ich euch etwas Schönes mitgebracht habe."

Deine Brüder werden "Au ja!" rufen und Tante Anneliese voraus ins Wohnzimmer stürmen.
Euer Vater wird sich aus Solidarität zu dir an den Hals fassen, die Augen verdrehen und ein würgendes Geräusch machen. Daraufhin wird eure Mutter den Kopf schütteln und ihm auf den Fuß treten. 


Du wirst in die Küche laufen mit Wut im Bauch und Ekel in der Kehle. Du wirst ein hohes Glas aus dem Schrank angeln. Du wirst es mit Mineralwasser aus dem Kühlschrank füllen. Dann wirst du einen Schuss Holunderbeerensirup hineingeben.
Während du vorsichtig mit einem langstieligen Löffel umrührst, wirst du die Schlieren und Spiralen bewundern, die der dunkelviolette Sirup durchs Wasser zieht, das Fallen und Aufsteigen, das Verblassen bis die gesamte Flüssigkeit eine einheitliche Farbe aufweist.
Du wirst daran schnuppern, die Augen schließen und das Prickeln der Kohlesäurebläschen an deiner Nasenspitze spüren.
Dir wird das Wasser im Mund zusammenlaufen, und nun - nun wirst du folgendes tun:

Du wirst in deinem Mund die Spucke sammeln. Sauge dazu die Wangen etwas ein, spiele mit der Zunge herum, du wirst sehn, es ist ganz leicht, im Nu hast du eine ordentliche Menge Speichel gesammelt. Und diesen wirst du nun sachte, sachte - du willst ja nicht, dass etwas daneben geht - in Tante Annelieses Glas tropfen lassen.
Dann wirst du dir mit dem Handrücken über den Mund wischen, dein freundlichstes Lächeln auflegen und nochmal ein wenig im Glas herumrühren.

Und während du Tante Anneliese die Limonade reichst, wirst du daran denken, wie du nach dem Mittagessen mit deinen Brüdern in den Garten geschickt werden wirst, damit die Erwachsenen in Ruhe ihren Kaffee trinken und sich über Dinge unterhalten können, die "nichts für euch sind", und wie du Klaus und Tobi dort hinterm Brombeerbusch vom besten Ereignis des Tages berichten wirst.

Mittwoch, 1. Januar 2014

Neujahrswunsch 2014: Don't be afraid




You with the sad eyes
Don't be discouraged
Oh I realize
Its hard to take courage
In a world full of people
You can lose sight of it all
And the darkness inside you
Can make you feel so small

 

But I see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful,
Like a rainbow


Show me a smile then,
Don't be unhappy, can't remember
When I last saw you laughing
If this world makes you crazy
And you've taken all you can bear
You call me up
Because you know I'll be there


And I'll see your true colors
Shining through

I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful,
Like a rainbow


(When I last saw you laughing)
If this world makes you crazy
And you've taken all you can bear
You call me up
Because you know I'll be there


And I'll see your true colors
Shining through
I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show


Your true colors
True colors
True colors
Shining through


I see your true colors
And that's why I love you
So don't be afraid to let them show
Your true colors
True colors are beautiful,
Like a rainbow



H A P P Y   N E W   Y E A R !

Montag, 30. Dezember 2013

nichts zählen

außen sein
an kleine Türen klopfen
die Klopflaute nicht zählen
mich selbst herein bitten
den Raum füllen
oder leer lassen
aus winzigen Schritten
einen Weg bereiten
die Schritte nicht zählen
auf einer Bank sitzen
warten bis
- die Stunden nicht zählen -
genug gewartet ist
(was wahrlich nicht leicht ist)
einen Vogelschwarm beobachten
die Vögel nicht zählen
leicht sein
oder schwer
ganz nach Belieben
Gedanken in Wörter kleiden
"Eine Geschichte erfinden, um zu erzählen, wie es war." *
die Wörter nicht zählen


*** 


* "Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war." schreibt Eugen Ruge einleitend zu seinem jüngsten Roman Cabo de Gata. Wie treffend dieser Satz ist!

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Liebster (eine gestammelte Erklärung)

Lieber, Liebster -
in Superlativen gedachter Mondwiesenmann, du -
du -
kennst du der Sterne Zahl? -
dann kennst du das Maß meines Verlangens -

- Wäre nicht all dies schon einmal -
damals am Fluss auf der Wiese unterm Mond -
ähnlich -

Ach, dieses alte vertraute Blau,
in das ich dich tunken will -
immerzu -
und das erinnerte Grün,
auf dem ich dich lieben will -
bis zur Atemlosigkeit, die -
nicht die deine wäre, nicht wahr?

Wie es war und -
wie es sich in mir verinnert -
das ist ein Mangel, kein Vermögen!

Mein lieber, geliebtester Mondwiesenmann -
mein in ein altes Bild Geträumter - du -
du -
verzeih, dass ich dich kaum je ohne diesen Rahmen,
nicht ohne diese Leinwand denken kann -

Lieber, Liebster -
du -

Und weißt du - glaub mir! -
in Wirklichkeit will ich dich -
nackt -
auf weißem Leinen -
vor schemenhaftem Horizont und unter -
einem Himmel, der sich meinen Augen -
erstmals zeigt -
ein neues Sternbild, einen neuen Mond gebiert -
auf einer Wiese in noch jungem Grün -
ein andres blaueres Blau -
vielleicht auch -
eine unbekannte Farbe, ja!

Nein, das ist -
weder romantisch,
ist nicht alt noch neu,
das ist -
ist einfach - ist - wie es nur ist - nur so -

Ja, stell die Frage, die ich mir -
verboten hab -
- Wird er mein Stammeln verzeihn? -
die Antwort muss ich Dir verweigern,
doch nicht den Kuss,
das Siegel 
-

Dienstag, 24. Dezember 2013

Vorschläge zur Selbstbeschenkung

Pelle die Schrift
von deinem Gesicht,
lass nicht zu,
dass sie
erneuert wird!

Trage dich nackt
ins neue Jahr
und schneidere dir
ein -
- Salzwasserkleid!

Gib dich der Welt!

Beschenke dich selbst!

Geh hinaus!
An der Luft 
bist du leicht -




F R O H E   W E I H N A C H T E N !

 

Dienstag, 17. Dezember 2013

Kurze Zwischenmeldung, die zweite

Wo ich am vergangenen Wochenende war:

Hier: METAMATIC Reloaded

und hier: Basler Weihnachtsmarkt

und hier: Kunstmuseum Basel

und: mit meiner Freundin

und: ganz bei mir

Schön war's und wunderbar, erholsam, anregend, ernst und lustig.
Vielleicht erzähle ich bei Gelegenheit mehr. 
Nun erstmal Endspurt im Bücherweihnachtsgeschäft. *uff* (aber nicht nur ;-))