Bezieht sie das Bett
putzt sie das Fenster
wischt sie den Boden
lüftet sie den Schrank
leert sie den Papierkorb
gießt sie die Blumen
bereitet sie das Zimmer
gibt sie das Nest nicht auf
Dienstag, 2. Oktober 2012
Sonntag, 30. September 2012
Leer
Ich kann mich nicht konzentrieren. Durchstöbere meine Blogroll, schaue aus Gewohnheit jeden neuen Beitrag an, überfliege die Zeilen und hängen bleibt - nichts.
Dieser Text ist ein langgezogener Seufzer, der raus musste, vielleicht werden weitere folgen. Wer weiß das schon. Wer kennt sich schon so vorhersagbar genau. Sicher werden ab morgen auch wieder die parallelen Ströme fließen. Vermute ich.
Soviele unbekannte Größen in diesem Abschied.
Gleich kommt "Polizeiruf 110", ein kleiner beruhigender Fixpunkt.
Das liegt an diesem seit heute unbewohnten Zimmer, der ganze Tag hängt darin fest; wenn ich ihn hinausscheuchen will, krallt er sich in die Winkel. Ich habe ihm nachgegeben und muss das weiter tun, bis ich schlafen kann.
Oh, wie dramatisch das klingt, das soll es gar nicht. Es ist nur so: Die Wirkung meines Mantras, das sich im Laufe der letzten zwei Monate von "England ist nicht weit" zu "Hamburg ist viel näher als England" gewandelt hatte, ist heute mit dem Schließen der Tür hinter einem großen Kind mit Rollkoffer einfach so verpufft.
Hamburg ist nämlich nicht nah, im Gegenteil, wenn auch tatsächlich näher als England. Aber leider ist mit der geringeren Entfernung nicht gleichzeitig das Zimmer weniger leer. Hätte ich vorher wissen können, weiß ich aber erst seit heute. Und deshalb fängt es jetzt erst richtig an. Dieser Text ist ein langgezogener Seufzer, der raus musste, vielleicht werden weitere folgen. Wer weiß das schon. Wer kennt sich schon so vorhersagbar genau. Sicher werden ab morgen auch wieder die parallelen Ströme fließen. Vermute ich.
Soviele unbekannte Größen in diesem Abschied.
Gleich kommt "Polizeiruf 110", ein kleiner beruhigender Fixpunkt.
Samstag, 29. September 2012
Blaumachen
Ich war auf dem Spielplatz.
Dieser wurde mal von Karin C. Inderwisch empfohlen, einer von mir sehr geschätzten Bloggerin, die nun neue Wege beschreiten wird. Viel Glück, liebe Karin! Und vielleicht auf ein Wiederlesen.
Dieser wurde mal von Karin C. Inderwisch empfohlen, einer von mir sehr geschätzten Bloggerin, die nun neue Wege beschreiten wird. Viel Glück, liebe Karin! Und vielleicht auf ein Wiederlesen.
Freitag, 28. September 2012
Der Tisch wächst
Der Tisch wächst, genau wie das ganze Haus, und macht Platz für ... Nein, nicht für etwas. Im Moment macht er einfach nur Platz. Ich räume die gesamte Fläche frei und betrachte die Spuren im Holz, die von rund 20 Jahren gemeinsamem Essen, Feiern, Arbeiten, Planen und Spielen zeugen. Auch von Streiten und Weinen und Einsamkeit, aber diese Spuren sind weniger sichtbar. Es gibt keine Kuhlen von Faustschlägen oder Ränder von Tränen. Trotzdem haben sich ihm auch solche Ereignisse eingeprägt.
Zu den sichtbaren Spuren: Dort stand der schneebestäubte Gugelhupf mit der einzelnen roten Kerze, die beim Auspusteversuch mit Ganzkörpereinsatz nicht verlöschte, aber herunterfiel und einen winzigen Brandfleck hinterließ. Hier steckte die - im Anschluss verbogene - Gabel als stolzaufrechtes Zeichen der Gemüseverweigerung. In manchen Ecken finden sich blasse Farbkleckse oder Kugelschreiberspuren, der immer zu kleinen Din-Größe der Papierbögen geschuldet. Über jener Stelle trafen sich einst zwei randvolle Rotweingläser zur klirrenden Versöhnung; es wäre an der Zeit, eine weitere derartige Stelle hinzuzufügen.
Dieser Tisch, an dem ich täglich sitze und esse und schreibe und Gespräche verschiedensten Inhalts führe, über den hinweg ich meine Gedanken aus dem Fenster und wieder zurück schweifen lasse und auf dem neuerdings wiederholt die Karte einer 750 Kilometer entfernten Stadt ausgebreitet liegt, dieser Tisch ist ein Buch. Ich werde mich nicht von ihm trennen können, auch nicht nach weiteren 20 Jahren. Wir teilen ein Stück Geschichte, er teilt sie mir täglich mit.
Zu den sichtbaren Spuren: Dort stand der schneebestäubte Gugelhupf mit der einzelnen roten Kerze, die beim Auspusteversuch mit Ganzkörpereinsatz nicht verlöschte, aber herunterfiel und einen winzigen Brandfleck hinterließ. Hier steckte die - im Anschluss verbogene - Gabel als stolzaufrechtes Zeichen der Gemüseverweigerung. In manchen Ecken finden sich blasse Farbkleckse oder Kugelschreiberspuren, der immer zu kleinen Din-Größe der Papierbögen geschuldet. Über jener Stelle trafen sich einst zwei randvolle Rotweingläser zur klirrenden Versöhnung; es wäre an der Zeit, eine weitere derartige Stelle hinzuzufügen.
Dieser Tisch, an dem ich täglich sitze und esse und schreibe und Gespräche verschiedensten Inhalts führe, über den hinweg ich meine Gedanken aus dem Fenster und wieder zurück schweifen lasse und auf dem neuerdings wiederholt die Karte einer 750 Kilometer entfernten Stadt ausgebreitet liegt, dieser Tisch ist ein Buch. Ich werde mich nicht von ihm trennen können, auch nicht nach weiteren 20 Jahren. Wir teilen ein Stück Geschichte, er teilt sie mir täglich mit.
Mittwoch, 26. September 2012
Ihr eigenes Spiel
Sie war abgeglitten unter eine Hand aus steilen Buchstaben, eine Rasterhand, unter der lag sie nun, bewegungsängstlich und wortscheu, nichts passte. Bis sie paradox intervenierte und den Buchstaben befahl, streng mit ihr ins Gericht zu gehen. Hingegeben erwartete sie den Schlag, der an ihr vorbei von der Hand abfiel, kraftlos, am Boden kreuz-und-querten sich Stäbe zur beliebigen Anordnung. Ein Spiel. Soviel zur Gültigkeit der Buchstaben. Soviel zum über den Menschen geworfenen Gesetz. Sie schüttelte sich. Was sie da geglaubt hatte - am liebsten schwiege sie fortan. Oder erfand ihr eigenes Spiel.
Dienstag, 25. September 2012
Winter's Bone
Ein großartiger Film nach dem Buch von Daniel Woodrell und dieser Vorlage in nichts nachstehend - die gleiche Schönheit der Sprache, die gleichen starken Figuren, die gleiche archaische Wucht.
Buch auf englisch.
Buch auf deutsch.
Samstag, 22. September 2012
Ist alles ihrs
aus weniger ein Meer und tanzt nur noch auf ihrem eigenen Fest
woanders bleibt sie auf den Stühlen, streicht das weiße Leinen glatt, schaut zu
und schaut auch wieder weg
Was sagst du da? Wohin ist deine Neugier?
eingesammelt trag ich sie auf meiner Haut
darüber Kleider aus zwei Schichten, innen glatt und außen rau
darf mich der Spiegel bitten um den nächsten Tanz
ein Reigen um die eigene Relevanz
und pflücke hier und da Ergänzungen
zu meinem Strauß Geschichte
Um dich geht's da?
und mehr verrät sie nicht
ist alles ihrs
Freitag, 21. September 2012
Bist du Gefäß
Da schrieb heute früh einer, dessen Blog ich liebe wegen seiner Einzigartigkeit und das ich Ihnen und Euch deshalb ans Herz lege, schrieb dieser also von den
"Vasentieren", und in Kombination mit dem Foto, das er unter seinen Text
platzierte, assoziierte ich augenblicklich das Folgende:
Stehst du und weitest dich
Stehst du und weitest dich
stehst still und öffnest dich
machst du dich undurchlässig
hältst du dicht
bist du verlässliches Gefäß
lässt du dich füllen bis zum Rand
dort fließt du über
stehst du still
und bleibst du stumm
spitzt du die Ohren
lässt du ein was kommt
von oben her
lässt du dich füllen bis zum Rand
sinkst du auf deinen Grund
wirst Schlick und Schlamm
was dein ist du bist
sinkt auf deinen dunklen Grund
lässt du nur zu und immerzu
dich füllen
hältst du still
und stumm
bist du gehorsames Gefäß
bist du geschmückt zu Ehren
dessen das dich füllt
bist du solch lauteres Gefäß
kommt über deine Zunge nur
ein Lobpreis dieser Macht
die dich von oben her
so randvoll füllt
nährst du aus dieser Fülle andere
zum selben Lobpreis
pflanzt du fort und fort
hinaus in alle Welt
du tüchtiges du artiges nährst du aus dieser Fülle andere
zum selben Lobpreis
pflanzt du fort und fort
hinaus in alle Welt
du prächtiges Gefäß
Danke, Andreas Louis Seyerlein, für die Anregung! (Ich glaube auch, dass es eher unglückliche Wesen sein würden, bin mir dabei der Subjektivität meiner Interpretation durchaus bewusst.)
Abonnieren
Posts (Atom)