Freitag, 13. Juli 2012
Donnerstag, 12. Juli 2012
Hohle Zeit
Honigschwerer Tag
die Sonne zieht sich zäh
und klebt unter den Füßen - -
die Sonne zieht sich zäh
und klebt unter den Füßen - -
sie schlief heut rosenabgewandt
und
träumte ihren Tod
da
flog ein Satz pfeilschnell
an
ihr vorbei
wär
sie nicht lähmend satt
sie
hätt' ihr Glück mit
bloßen
Händen - -
ach - -
sie reckt die Glieder
aus
übervollen Himmeln
trieft's
in ihren Schlund
die hohle Zeit - -
die hohle Zeit bringt sie noch um
Mittwoch, 11. Juli 2012
Yvonne Mich: Jedenfalls
Wer
an was
glaubt
ist so egal
wie
wer
wen
liebt.
glaubt
ist so egal
wie
wer
wen
liebt.
Wenn
jeder
an jeden
glaubt,
liebt
jeder
jeder
an jeden
glaubt,
liebt
jeder
Montag, 9. Juli 2012
Vom Herumtreiben
- Du warst fort.
- Ich habe mich herumgetrieben.
- Wo?
- In der Fremde.
- Was hast du dort verloren?
- Woher weißt du, dass ich dort etwas verloren habe?
- Ach, das ist nur eine Redensart.
- Aber ich habe tatsächlich etwas verloren.
- So, was denn?
- Einen Blick, eine Frage ... Doch es erschien mir nicht wie ein Verlust.
- Aha?
- Ja, denn ich bekam sie umgestaltet zurück.
- Und nun, bist du klüger?
- Diese Frage kann ich dir erst beantworten, wenn du sie anders stellst.
- Wie denn?
- Das weiß ich nicht.
- Du sprichst in Rätseln.
- Treibt es dich um?
- Ja.
- Dann geh los, da liegen Welten hinterm Horizont.
- Ich habe mich herumgetrieben.
- Wo?
- In der Fremde.
- Was hast du dort verloren?
- Woher weißt du, dass ich dort etwas verloren habe?
- Ach, das ist nur eine Redensart.
- Aber ich habe tatsächlich etwas verloren.
- So, was denn?
- Einen Blick, eine Frage ... Doch es erschien mir nicht wie ein Verlust.
- Aha?
- Ja, denn ich bekam sie umgestaltet zurück.
- Und nun, bist du klüger?
- Diese Frage kann ich dir erst beantworten, wenn du sie anders stellst.
- Wie denn?
- Das weiß ich nicht.
- Du sprichst in Rätseln.
- Treibt es dich um?
- Ja.
- Dann geh los, da liegen Welten hinterm Horizont.
Samstag, 7. Juli 2012
Frauen, die pfeifen
Hier und da gibt es Frauen, die pfeifen. Auf Grashalmen, auf zwei Fingern, auf Dächern, auf die Etikette ...
Sie merken sich die selbsterzeugten Töne, die schrillen und schrägen, feinen und vulgären für die Pflichtveranstaltungen - wenn sie zwischen Plüsch und Keramik, Papier und Goldrahmen gemessen schreiten müssen. Ihr heimliches Grinsen schlüpft durch das feinmaschigste Netz, keine Chance für die Ordnungshüter. Hinter deren Rücken pfeifen sie schamlos weiter und verschütten ihr Lachen wie Quellwasser. Am Ende sind sie wund vor Vergnügen. Sie hauchen Luftküsse in die Kurven der perfekt gestylten Fragezeichen und verlassen die Party.
Pfeifend besteigen sie dann ihr selbstgebautes Boot, voller Lust atmen sie den Geruch der noch frischen Farbe: Einen eigenen Zugang zum Meer haben sie sich geschaffen, haben gezimmert, genäht und lackiert, während sie auf Frisuren, Kleider und Maniküre pfiffen.
Sie fahren stromabwärts und werden nur dort anlegen, wo ihnen unbekannte Farben und Klänge das Ufer säumen.
Können sie denn auch still sein? Und ob! So still wie der Wind, wenn er sich gelegt hat, manchmal für Tage, um anschließend mit neuer Kraft übers Land zu pfeifen.
Sie merken sich die selbsterzeugten Töne, die schrillen und schrägen, feinen und vulgären für die Pflichtveranstaltungen - wenn sie zwischen Plüsch und Keramik, Papier und Goldrahmen gemessen schreiten müssen. Ihr heimliches Grinsen schlüpft durch das feinmaschigste Netz, keine Chance für die Ordnungshüter. Hinter deren Rücken pfeifen sie schamlos weiter und verschütten ihr Lachen wie Quellwasser. Am Ende sind sie wund vor Vergnügen. Sie hauchen Luftküsse in die Kurven der perfekt gestylten Fragezeichen und verlassen die Party.
Pfeifend besteigen sie dann ihr selbstgebautes Boot, voller Lust atmen sie den Geruch der noch frischen Farbe: Einen eigenen Zugang zum Meer haben sie sich geschaffen, haben gezimmert, genäht und lackiert, während sie auf Frisuren, Kleider und Maniküre pfiffen.
Sie fahren stromabwärts und werden nur dort anlegen, wo ihnen unbekannte Farben und Klänge das Ufer säumen.
Können sie denn auch still sein? Und ob! So still wie der Wind, wenn er sich gelegt hat, manchmal für Tage, um anschließend mit neuer Kraft übers Land zu pfeifen.
Mittwoch, 4. Juli 2012
Montag, 2. Juli 2012
Die wilden Kinder
An Regentagen kommen die wilden Kinder in die Stadt. Dort suchen sie die großen Pfützen auf und werfen ihre Angeln aus. Stundenlang sitzen sie geduldig und warten.
Seit der Fluss vergiftet ist, kommen sie aus dem Wald hierher und harren aus, aufrecht und stumm unter den Blicken, den Fingerzeigen und dem Gelächter der Leute. Erst in der Dämmerung, wenn die Stadtbewohner in ihren Häusern vor den schwarzen Kästen sitzen oder um Biere geschart Parolen tauschen, erst dann ziehen sie ihren Fang an Land. Stolz sind sie und frei.
Jedes Mal werfen sie die Hälfte der Beute zurück ins Wasser, nehmen nur so viel mit, wie sie tragen können. Die ersten Fische essen sie roh, weitere werden im Feuer gebraten, andere im Rauch haltbar gemacht. Es genügt für ein paar Wochen.
Wir Kinder beobachten ihren Rückzug von unseren Zimmerfenstern aus. Wir beneiden sie, und etwas zieht an uns. Eines Tages zieht es so stark, dass wir die Fenster öffnen müssen und hinausklettern. Es geht nicht geräuschlos vonstatten, aber wir sind vom Weltgeschehen übertönt, das unsere Eltern im Wohnzimmer gefangen hält.
Wir folgen den wilden Kindern tief in den Wald hinein, sie lassen es geschehen und teilen ihren Fisch mit uns. Sie bieten uns ein Lager. Zudecken müssen wir uns selbst, niemand erzählt uns eine Geschichte, nichts, das uns davon abhalten könnte, das Rascheln in den Zweigen zu hören, die Wolken am Mond vorbeiziehen zu sehen, den Nachtwind auf unseren Wangen zu spüren.
Nach einigen Wochen ist unsere Haut gebräunt. Unsere Muskeln sind gehärtet und unsere Sinne geschärft. Wir haben Hornhaut an den Füßen und können uns lautlos fortbewegen. Nun dürfen wir mit in die Stadt. Niemand erkennt uns dort, denn wir sind durch einen neuerworbenen aufrechten Gang getarnt.
Wir sitzen an den Pfützen, ertragen die Blicke, die Fingerzeige und das Gelächter der Leute. Geduldig lassen wir die Fische an den Angeln zappeln und ziehen sie erst an Land, nachdem die Stadtbewohner sich hinter ihre Mauern zurückgezogen haben.
Seit der Fluss vergiftet ist, kommen sie aus dem Wald hierher und harren aus, aufrecht und stumm unter den Blicken, den Fingerzeigen und dem Gelächter der Leute. Erst in der Dämmerung, wenn die Stadtbewohner in ihren Häusern vor den schwarzen Kästen sitzen oder um Biere geschart Parolen tauschen, erst dann ziehen sie ihren Fang an Land. Stolz sind sie und frei.
Jedes Mal werfen sie die Hälfte der Beute zurück ins Wasser, nehmen nur so viel mit, wie sie tragen können. Die ersten Fische essen sie roh, weitere werden im Feuer gebraten, andere im Rauch haltbar gemacht. Es genügt für ein paar Wochen.
Wir Kinder beobachten ihren Rückzug von unseren Zimmerfenstern aus. Wir beneiden sie, und etwas zieht an uns. Eines Tages zieht es so stark, dass wir die Fenster öffnen müssen und hinausklettern. Es geht nicht geräuschlos vonstatten, aber wir sind vom Weltgeschehen übertönt, das unsere Eltern im Wohnzimmer gefangen hält.
Wir folgen den wilden Kindern tief in den Wald hinein, sie lassen es geschehen und teilen ihren Fisch mit uns. Sie bieten uns ein Lager. Zudecken müssen wir uns selbst, niemand erzählt uns eine Geschichte, nichts, das uns davon abhalten könnte, das Rascheln in den Zweigen zu hören, die Wolken am Mond vorbeiziehen zu sehen, den Nachtwind auf unseren Wangen zu spüren.
Nach einigen Wochen ist unsere Haut gebräunt. Unsere Muskeln sind gehärtet und unsere Sinne geschärft. Wir haben Hornhaut an den Füßen und können uns lautlos fortbewegen. Nun dürfen wir mit in die Stadt. Niemand erkennt uns dort, denn wir sind durch einen neuerworbenen aufrechten Gang getarnt.
Wir sitzen an den Pfützen, ertragen die Blicke, die Fingerzeige und das Gelächter der Leute. Geduldig lassen wir die Fische an den Angeln zappeln und ziehen sie erst an Land, nachdem die Stadtbewohner sich hinter ihre Mauern zurückgezogen haben.
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