Montag, 26. Juli 2010

Gott

Jeden Abend nach dem Tischgebet teilten sie Dich in mundgerechte Stücke. Dann wurden wir gefüttert; einer nach dem anderen bekam sein Häppchen, immer reihum bis der Teller leer war. Wenn wir alles ohne zu murren aufaßen, waren wir brav. Dann durften wir meistens noch etwas spielen, bevor es ins Bett ging.
Wir spielten auf dem Boden, schoben geduckt unsere kleinen Autos hin und her, erfanden eine Welt ohne Dich, in der wir allem, allem schutzlos ausgeliefert waren. Bis sie uns aufklaubten und mit harten Bürsten den Geschmack des Verbotenen von unseren Zähnen und Zungen schrubbten.
Weiß und rein kuschelten wir uns dann in unsere Betten, blinzelten ins Kerzenlicht und ließen uns das wichtigste Wort des Tages in die Ohren pflanzen: Dein Wort. Herausgepflückt aus einem großen schwarzen Buch. Jeden Abend aufs Neue. Jeden Abend ein anderes.
Da konnten wir schön träumen! Von Erde und Licht und Blut und Zähnen und Klauen und Tod und Hölle und Gesetz und Strafe … Und sogar von Liebe! Liebe, die es unermesslich reichlich in vollkommener überfließender unvorstellbarer Fülle gab - geschenkt gab! - wenn man nur immer und immer und immer gehorsam und gehorsam und gehorsam war.
Manchmal schrie einer von uns im Traum. Er hatte sich gewehrt gegen Dein Wort und war auf der Straße gelandet, im Staub, allein; Autos fuhren vorbei, und keines brachte Rettung.
Dann kamen der Morgen und mit ihm Dein Glanz und Deine Herrlichkeit, ein ganzer neuer Tag unter Deinem guten Stern. Wir wussten in- und auswendig, wie glücklich wir uns schätzen durften.

So vergingen die Tage, die Wochen, die Monate, die Jahre. Aus uns wurden Helfer. Wir bekamen die scharfen Messer in die Hand. Mit Stolz und Ehrfurcht zerschnitten wir Dich in mundgerechte Stücke, fütterten die Neuen, ließen sie ein wenig spielen, schrubbten den Schmutz von ihren Zähnen und Zungen, brachten sie zu Bett, pflanzten Dein Wort in ihre Ohren. 
Auf alles hatten wir eine Antwort bekommen. Und immer waren die Antworten unseren Fragen vorausgeeilt. Und so wussten wir alles, was wir wissen mussten und konnten den Neuen gute Lehrer sein mit unserem großen Antwortschatz.

Doch einer von uns war verloren gegangen. Wir trafen ihn einmal, er sang seine Fragen in den Wind. Und diese Fragen waren uns fremd. Wir hatten keine Antworten darauf. Da wussten wir, dass er nicht mehr zu retten war. Wir überließen ihn dem Staub der Straße.
Als wir noch einmal über die Schulter zurückblickten, sahen wir, wie er zwischen zwei vorbeifahrenden Autos ein Rad schlug.
Manchen von uns klingen seine Worte noch heute leise in den Ohren:

Fremder
Gestalt gewordene Relevanz
Furchteinflößer
Tröster
Offene Hand
Innerer Zusammenhang
Letzte Instanz

Weinst du manchmal?
Oder immer?
Worüber lachst du?
Verstehst du Ironie?
Was ist dein Lieblingswitz?
Spielst du gerne?
Im Ernst?

Warst du schon mal verliebt?
In wen?
Wen liebst du am meisten?
Liebst du mich?
Wirklich?
Kann ich dir trauen?
Wer bist du?

Wo schaust du hin?
Siehst du mich?
Wenn ja, warum sehe ich dich dann nicht?
Bin ich dein Spiegel?
Siehst du dann dich?
In mir?
Und wenn du wegschaust, wo bin ich dann?

Sieh doch:
Ich denke
Selbstständig
Strample in deinen Armen
Will nichts als Bewegungsfreiheit

Und ich will nicht,
Dass du weißt,
Wie sich das anfühlt!

Schmerzt dich das?

Freitag, 25. Juni 2010

Tief in den Sommer hinein

Tief in den Sommer hinein
Tobten wir, waren Kinder
Streiften die starken Halme im Flug
Tauchten ein in das schwappende Weiß
Der frisch gemolkenen Milch
Plätscherten durch den Bach
Unsere übermütigen Füße flogen
Mit den Forellen um die Wette
Silberflimmer
Ha!
Wer sollte wer konnte uns aufhalten
In unserem Schwung
Jung wie wir waren
Und unerfahren in Leid
Schorf an den Knien
Und Erde unter den Nägeln
Warfen wir uns hoch in die flirrende Luft
Tanzten mit roten Luftballons
Und platzten vor Freude
Die wir nicht zerdachten
Tief in den Sommer hinein
Tobten wir, waren Kinder
Nahmen uns die ganze Welt
Das ganze Glück
Bargen einen Schatz
Für das Geschichtenfeuer am Abend

Mittwoch, 23. Juni 2010

Neil Young: Helpless




There is a town in North Ontario
With dream comfort memory to spare
And in my mind I still need a place to go
All my changes were there

Blue, blue windows behind the stars
Yellow moon on the rise
Big birds flying across the sky
Throwing shadows on our eyes

Leave us
Helpless, helpless, helpless
Baby can you hear me now
The chains are locked and tied across the door
Baby, sing with me somehow

Blue, blue windows behind the stars
Yellow moon on the rise
Big birds flying across the sky
Throwing shadows on our eyes

Leave us
Helpless, helpless, helpless

Mittwoch, 16. Juni 2010

Nimm mein Gedicht in Schutz

Nimm mein Gedicht in Schutz
Leg deinen Arm um dieses Bild
Das mich so sichtbar macht
Schenk mir ein Flüstern
Das mich abschirmt
Von der Welt

Montag, 14. Juni 2010

Etwas in mir

Etwas in mir fällt
Und etwas wendet sich ab
Ein zerstückeltes Wort
Ein vergilbter Gedanke
Ein Versprechen
Das nie gegeben wurde
Etwas in mir macht sich klein
Und etwas zögert
Vergräbt die Bilder
Legt die Briefe weg
Atmet weder aus
Noch ein
Etwas in mir trauert
Und etwas will nicht gehn
Etwas sucht
Und etwas will nicht sehn

Samstag, 5. Juni 2010

In den Fluss

Heute
Heute will ich mich tief
In den Fluss legen
Will mich glätten lassen
Wie ein Kiesel
Das Salz der letzten Sommer
Die Erinnerungen einer Liebe
Will ich auswaschen lassen
Bis auf die Knochen
Und alles
Alles dem Atlantik
Wiedergeben
In den Fluss
Tief in den Fluss
Will ich mich heute legen

Donnerstag, 3. Juni 2010

Schönheit - Aufrichtigkeit (Loses Blatt #22)

Schönheit verleiht Worten Glanz, Aufrichtigkeit lässt sie leuchten.

... ist der Weg ist das Ziel (Loses Blatt #21)

Hüpfen tänzeln schweben flattern springen gleiten schlendern kreuzen schreiten balancieren stehen bleiben schauen ist der Weg ist das Ziel.