Sonntag, 2. September 2012

Schöpfung mit leichtem Tiefgang, Huhn und Ei (spielerisch)

Vorsicht, freilaufende Hühner Gedanken!

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Die Finger in die Tasten stippen
die klebrig-zähen Zeichen
Fäden ziehen lassen
kreuz und quer durchs
Innen wie durchs Außen
wo sie im Aufeinandertreffen
komplexere Gebilde zeugen
die weder Und noch Oder
sondern trennstrichfreies Eins
das zeitgleich an zwei Stellen
wartet auf Vereinigung 
in einem Leib und einem Schoß 
Geburtsraum für das Amalgam
BezeichnungundBezeichnetes
das Zwitterwesen WortundDing 

***

Was war am Anfang, das Huhn oder das Ei? Oder das Wort? Und wenn es das Wort war, welches war es dann, Huhn oder Ei? Und was war zuerst da, das Wort oder das Wesen, das es sprach? Und woher hatten das Wort oder das Wesen eine Vorstellung vom Huhn? Oder stellte sich das Huhn vor, wie es ausgesprochen wurde und von wem und war dann plötzlich da und legte vor lauter Freude und Erregung ein Ei? Und dem entsprang ein neues Wort, darin das Schöpferwesen und die ganze Welt? In dieser Welt die Worte Anfang, Huhn und Ei? 
Und wer hört überhaupt noch zu? Den Worten und den Dingen? Und wenn sie niemand hört, sind sie dann trotzdem? Vielleicht freier, eigentlicher? Oder sind sie nicht? 
Was war zuerst da, Mund, Wort, Ohr oder Ding?

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- Gib mir etwas zu spielen.
- Hier hast du ein Wort.
- Was soll ich damit?
- Forme es oder lass dich von ihm formen.
- Vielleicht wirst du uns danach nicht wiedererkennen.
- Das wird mir eine Lehre sein.
- Du wirst es bereuen?
- Nein, ich werde daran wachsen.
- Ich hielt dich bereits für vollkommen.
- Vollkommen ja, aber längst nicht vollendet.
- Dann werde ich jetzt spielen.
- Und ich werde lernen. (Und dir beim nächsten mal erklären, dass beides eins ist.)

*** 

Die Finger in die Tasten stippen
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