Sonntag, 16. September 2012

Das Haus wächst

Das Haus wächst und breitet sich aus, macht Platz, der nicht nötig, aber willkommen ist, Platz, der auch Zeit in sich birgt, Raum, der sich über die dritte Dimension hinausdehnt.
So fühlt es sich an. 
Abschied genommen habe ich innerlich bereits, bevor es soweit war. Jetzt freue ich mich an der begeisterten Aufbruchstimmung der Gehenden und lasse mich davon anstecken. 
Denn auch ich breche auf, hinein in den neuen Raum im alten Haus und in die neue Zeit für Projekte, die sich gerade jetzt melden, als hätten sie geahnt, dass da eine Lücke ist, die sie füllen können, bevor es die Langeweile tut. Aber der hätte ich sowieso keine Chance gegeben, die hatte sie bei mir noch nie, dafür finde ich selbst den Blick aus dem Fenster zu spannend.
Aus fünf BewohnerInnen - eine davon "nur für eine kurze Übergangszeit", die sich dann zu zehn (schönen!) Monaten auswuchs - werden drei. Wir richten uns neu mit- und zu- und aufeinander ein.
Was mich zwischendurch wehmütig stimmt, ist, dass sich nichts halten, geschweige denn zurückdrehen lässt. Weiß ich ja, weiß ja jeder, nützt dem Gefühl aber nichts. Eine Kette endgültiger Abschiede, wie sie jedem weiteren Neuanfang bereits innewohnen.  
Aber in diese Stimmung will ich mich jetzt nicht tiefer hineinbegeben. Schließlich wollen Koffer gepackt und Umzüge bewältigt, Betten frisch bezogen und neue Bücher aufgeschlagen werden.

Kommentare:

  1. Ich wünsch dir sehr, dass du den Raum nutzen kannst. (Und glaube fest daran.) Der Phantom-Schmerz, der sich wohl auch einstellen wird, unvermeidlich, denk ich, - er möge sacht sein! LG

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  2. Liebe Melusine, erst jetzt, beim Lesen Deines Kommentars, merke ich, dass ich wohl doch ein wenig Zuspruch nötig habe. Deshalb ganz herzlichen Dank dafür!

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  3. Irgendwann kann man sie behaglich machen, die Räume, die die Trauer schafft.

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  4. Das stimmt, und es ist nochmal ein anderer Aspekt, denn an Trauer hatte ich in diesem Zusammenhang gar nicht gedacht. An Traurigkeit und Wehmut schon. Trauer assoziiere ich mit Tod, mit absolutem Verlust, und da habe ich tatsächlich diese Behaglichkeit schon erlebt, die sich irgendwann einstellt und die raumfüllende Trauer nach und nach durch Dankbarkeit, schöne Erinnerungen oder auch einen Prozess des Versöhnens ersetzt.
    Hm, aber Wehmut beinhaltet ja auch das dem Gewesenen Nachtrauern, in diesem Sinne also ... Ja, irgendwann wird dieser Raum behaglich werden.
    Liebe Grüße!

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