Freitag, 5. Dezember 2014

Ungereimtheit

In diesem langen
fehlerhaften 
Leben
ist es hin und wieder
so:
Da schmiegt ein Wort sich
wie gegossen
an ein andres
da fügt ein Blick sich
in den andern
lückenlos
da machen zwei aus 
einer Ungereimtheit
ein Gedicht


*


07.12.2014, "Baustellen"eröffnung:

Nach einem Kommentar von Sonja denke ich darüber nach, das Wort "fehlerhaft" auszutauschen. Sie hat recht damit, dass es nicht wirklich passt. Wer will Lebensereignisse als Fehler bezeichnen? Das kann immer nur aus subjektiver Sicht geschehen. Und sind es wirklich Fehler? Wir scheitern, ja. Andere scheitern und es hat Auswirkungen auf unser Leben. Wir gehen keinen geraden, ebenen Weg. Aber alles gehört letztlich dazu, ist Teil des Ganzen, will angenommen, integriert sein. Aus Fehlern lernen wir, an Schicksalsschlägen wachsen wir (oder auch nicht). Es ist wie es ist. Es ist. Und es ist unvollkommen, bruchstückhaft, vorläufig, schmerzvoll, verlustträchtig ... 

Es ist nur ein kleines Wörtchen, nur ein kleines Gedicht. (Ich verkneife mir an dieser Stelle die Relevanzfrage, mit der ich mich immer wieder beschäftige.)
Aber ein Aspekt, den ich an Sprache mag, ist, dass wir mit ihr sehr genau sein können. Und am genauesten ist sie meines Erachtens in ihrer poetischen Form. Wenn denn die Wortwahl stimmt.
Deshalb freue ich mich über Sonjas Anmerkung und suche noch ein wenig nach einem passenderen Ausdruck, bin auch dankbar für Vorschläge.

Kommentare:

  1. Gute Worte sind das.
    Doch unter "fehlerhaft" würde ich ein Fragezeichen setzen.
    Für wen- und wer bestimmt, was Fehler ist, was nicht?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich stimme dir zu: fehlerhaft trifft es eigentlich nicht so richtig, weil eine Wertung darin liegt. Ich denke mal nach, vielleicht fällt mir ein passenderes Wort ein. Oder hättest du eine Idee?

      Löschen
  2. Was vielleicht passen könnte:
    wechselhaft
    unverblümt
    kurvenreich
    wildwüchsig
    fordernd
    farbige
    ...?

    AntwortenLöschen
  3. Ich finde es auch toll. Fehlerhaft erscheint mir auch nicht stimmig. Weitverzweigt?

    AntwortenLöschen
  4. "wechselhaft" geht schon in die Richtung. Es sollte aber auch das schmerzlich unvollkommene ausdrücken, der genaue Gegensatz sein zu den anschließenden "sich wie gegossen anschmiegen" und "sich lückenlos einfügen" ... "mangelhaft" vielleicht ... Ich denk noch drüber nach. Und bin dankbar für alle Vorschläge. :-)

    AntwortenLöschen
  5. hm, ich finde "fehlerhaft" zwar schon passend,
    aber ich denke, was du letztlich meinst ist so etwas wie "unvollkommen", oder?
    ich würde es jedenfalls so verstehen.
    liebe grüße :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. oder unzulänglich?
      lang ... und doch unzulänglich ...

      Löschen
    2. Ja, das ist die Richtung. Unwegsam und ruhelos fallen mir noch ein ...
      unwägbar, rätselhaft, nebelhaft, schleierhaft, unbestimmt

      Oder ungereimt! Kommt mir grade. Das wäre DER Gegensatz.

      Löschen
  6. ja, aber das hast du ja zum schluss schon ... die ungereimtheit, lächel.
    lückenhaft käme mir noch in den sinn, wobei du später auch schon von "lückenlos" schreibst.
    oder auch unberechenbar.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ... oder um vielleicht noch bildhafter zu bleiben:
      "kantig" oder etwas in der art?

      ich liebe das feilen, die suche nach DEM einen passenden wort übrigens auch ... und ja, jedes wort hat relevanz, vor allem in einem kurzen gedicht.

      sonnige grüße zu dir,
      diana

      Löschen
    2. Eine Wiederholung fände ich nicht schlimm.
      Lückenhaft, unberechenbar geht aber doch eher in die Richtung. Bruchstückhaft vielleicht ...
      Es sollte drei Silben haben, wie fehlerhaft und dieselbe Betonung ...
      Ich lasse es mal ein wenig sacken.

      Ja, dieses Feilen macht Spaß. Und zeigt einem den Reichtum der Sprache. Und ihre Lücken. :-)

      Danke für die sonnigen Grüße, die kann ich hier im Trüben grade gut gebrauchen.
      LG, Iris

      Löschen