Freitag, 19. Dezember 2014

Gegen "Die versammelten Schrecken des Nichterzählten um das Herz." *

Schreib's auf, sagt sie, die ich ist, zu mir, die sie ist. Schreib's auf. Du. Schreib's auf für uns. Und wir schreiben's auf. Ich und sie und du. Alle. Alles. Bis es da steht. Sichtbar da steht. Für ... Bis es weg ist. Aus meinem deinem ihrem unserem Kopf. Aus dem Bauch. Weg ist. Der Bauch wieder leer ist. Einen neuen gesunden Hunger hat auf ... Und dann. Oh. Ja. Dann: gehen wir in den Garten. Dann: pflückt sie den Apfel vom Baum. Dann: beißt du hinein. Dann: schließt ich die Augen und folgt dem Apfelstückchen durch den dunklen Schlund hinab in den Bauch. Ist ich in unserer ihrer deiner Mitte. Ist dort Sonne. Oh. Ja. Sonne. Aber zuvor: Schreib's auf. Schreib alles auf, du, die ich ist und sie und wir. Die ich ist in jeder deiner ihrer unserer Geschichten. Du. Schreib's auf. Und nochmal ganz zärtlich: Du. Ja. Du. Als sie, die ich ist. Und ja. Und noch einmal: Schreib's auf. Schreib alles auf. Alles. Du. Alles. Sie. Alles. Wir. Alles. Und dann:               (Ja. Sonne.)     



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* Der Satz, den ich in der Überschrift zitiere, steht auf Seite 47 von Marlene Streeruwitz: Nachkommen., Roman S. Fischer, 2014

Kommentare:

  1. ach ... das ist wunderschön!
    weil es um essentielles geht.
    erleben und (auf)schreiben und wieder(er)(be)leben.
    liebe grüße
    diana

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    1. Danke!
      Schreiben ist für mich essentiell, fast wie Atmen.

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    2. schreiben IST atmen :)
      für mich jedenfalls auch.
      herzliche grüße, liebe Iris, hab eine gute zeit!
      diana

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    3. Auch dir eine gute Zeit, liebe Diana, schöne Weihnachtstage!
      Herzlich, Iris

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