Dienstag, 30. Dezember 2014

30. Dezember 2014 (allen Lauten und Leisen, allen Narren und Weisen)

Heute vor einem Jahr veröffentlichte ich hier ein Gedicht mit dem Titel "nichts zählen". Ich kopiere es der Einfachheit halber hier rüber, dann muss man nicht dem Link folgen:


nichts zählen
außen sein
an kleine Türen klopfen
die Klopflaute nicht zählen 
mich selbst herein bitten
den Raum füllen
oder leer lassen
aus winzigen Schritten 
einen Weg bereiten
die Schritte nicht zählen 
auf einer Bank sitzen
warten bis
– die Stunden nicht zählen – 
genug gewartet ist
(was wahrlich nicht leicht ist)
einen Vogelschwarm beobachten 
die Vögel nicht zählen
leicht sein
oder schwer
ganz nach Belieben
Gedanken in Wörter kleiden
"Eine Geschichte erfinden, um zu erzählen, wie es war." *
die Wörter nicht zählen



*** 


"Diese Geschichte habe ich erfunden, um zu erzählen, wie es war." schreibt Eugen Ruge einleitend zu seinem jüngsten Roman Cabo de Gata. Wie treffend dieser Satz ist!

Wenn ich das fast vergangene Jahr Revue passieren lasse,  erkenne ich, dass ich das Zählen nicht in dem Maße lassen konnte, wie ich es gerne getan hätte. Ich habe für meinen Geschmack immer noch zuviel gemessen, abgewogen, kalkuliert, Kosten-Nutzen-Rechnungen erstellt. Deswegen nehme ich denselben Vorsatz wieder mit ins neue Jahr.


*

Vor fünf Jahren habe ich mit Bloggen angefangen, mit einer Vision, von der manches – sinnbildlich betrachtet – wahr wurde. Das war für mich ein Befreiungsschlag damals. Von Beginn an habe ich mein Blog als einen Ort erlebt, der wie kein anderer mir gehört, mir ganz allein. Mein eigenes Zimmer oder sogar Haus, zu dem nur ich einen Schlüssel besitze; mein Garten, in dem nur ich Hand anlegen bzw. wuchern lassen darf. Ganz wichtig ist mir das, dieses selbstbestimmte Stück Raum. Und dann im Laufe dieser fünf Jahre das Wachsen zu erleben, ganz langsam, so wie ich es liebe. Die Verknüpfung mit anderen Blogs, die Vernetzung, das Teilen. Alles ganz langsam, das kann ich nicht genug betonen, Graswurzelkraft, Schritt für Schritt, zeitweise auch mit Ängsten verbunden, wenn ich wieder ein Stückchen mehr Öffnung wagte. Die allergrößtenteils positiven Resonanzen, die nach und nach wachsende Leserschaft  – ganz langsam wachsend auch die –, die treuen Begleiter_innen, der überaus bereichernde Austausch ... Und wie schön, dass ich einige Blogger_innen inzwischen persönlich kennenlernen konnte, neue Freundinnen und Freunde gefunden habe. Nichts davon möchte ich missen.


*

Im neuen Jahr will ich so weitermachen wie bisher, mich weiter Stück für Stück öffnen, weiter wachsen, weiter Verknüpfungen erstellen, weiter Verbindungen pflegen, weiter teilen. Deshalb an dieser Stelle auch ein Hinweis auf meine Blogroll, die sich im vergangenen Jahr etwas verändert hat. Manches habe ich aussortiert, manches kam neu dazu. Weiter schreiben gemäß dem Motto, das für mich seit Beginn meines Blogs unverändert Gültigkeit besitzt:


"Schreiben ist Kommunikation mit dem Unaussprechlichen."
"Man kann sich nicht niederschreiben, man kann sich nur häuten."

beide Zitate: Max Frisch (Hier findet sich der gesamte Abschnitt.)



[mich]
w e i t e r schreiben
im mehrdimensionalen Sinn

*

Ich wünsche allen Leser_innen, allen treuen Begleiter_innen, allen, die hin und wieder reinschneien, allen Lauten und Leisen, allen Narren und Weisen ;-) 

E I N   G L Ü C K L I C H E S   N E U E S   J A H R !

und verabschiede mich für den Übergang in die internetfreie Zone.


Ach ja, was ich noch sagen wollte – (auch das übrigens eine Wiederholung; leider ist das damalige Video mit meiner Lieblings-Live-Version von Cindy Lauper inzwischen gesperrt, aber die hier gefällt mir auch ganz gut): 

Don't be afraid!




Kommentare:

  1. Gedanken in Worte kleiden..............
    Neujahrsgruß von Sonja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ... und manche Gedanken durch Worte entkleiden ...
      Neujahrsgruß zurück! Alles Liebe! Iris

      Löschen