Samstag, 23. Januar 2016

Lichtblicke in der Debatte um Köln

Es gibt Lichtblicke in der Debatte um die Silvesternacht in Köln, einer Debatte, die nun doch zunehmend stattfindet, auch wenn die Vertreter*innen der extremen Positionen, seien es rechtspopulistische oder links- u./o. feministisch-ideologische, samt ihrer Anhängerschaft noch so laut tönen. Es gibt sie inzwischen, die sachlichen, nüchtern argumentierenden Stimmen, die weder beschönigen noch polemisieren, sondern benennen und gemeinschaftlich nach Lösungsansätzen suchen.


Die „Kölner Botschaft“ ist so ein Lichtblick. Ein Statement prominenter Bürger der Stadt, das leidenschaftlich ist im Ausdruck seiner Liebe zu Köln und das sachlich ist in seinen Forderungen, die den Ereignissen der Silvesternacht und ihren Folgen entspringen:
[...] Um der wachsenden Polarisierung in unserer Gesellschaft entgegenzuwirken, ist es wichtig, an das Gemeinsame zu erinnern – und zwar auch ganz konkret mit Blick auf die Ereignisse der Silvesternacht. Denn gleich welchen Geschlechts und Alters wir sind, welcher Herkunft und Religion, welchen Beruf wir ausüben und welcher Partei wir angehören, welche sexuelle Orientierung wir haben und welche private Leidenschaft - wir alle wollen uns in Köln sicher, frei und offenen Blicks bewegen. So haben wir vier Forderungen aufgeschrieben, von denen wir glauben, dass sie nicht nur unsere eigenen sind. Und wir haben jeweils Erläuterungen hinzugefügt, die bei manchen wahrscheinlich Widerspruch provozieren – aber das ist auch gut, solange es ein konstruktiver, im Ton nicht verletzender Widerspruch ist. Nichts tut aus unserer Sicht mehr not, als die Debatte zu versachlichen, die wir in Köln und über Köln hinaus spätestens seit der Silvesternacht zu Recht führen. [...]
Die vier Forderungen (in ihren Überschriften): 
1. Keinerlei Tolerieren von sexueller Gewalt
2. Kampf gegen bandenmäßige Kriminalität
3. Konsequenzen aus dem behördlichen Versagen
4. Schluss mit fremdenfeindlicher Hetze – Deutschland bleibt ein gastfreundliches Land

Juttas Blogbeitrag „Kölner Botschaft“ statt #ausnahmslos ist ein weiterer Lichtblick in der Debatte. Sie analysiert in gewohnt kluger Weise, sieht genau hin, differenziert, und benennt konkret. Sie schreibt zu Beginn ihres Artikels:
Ich habe #ausnahmslos, den "Aufruf des progressiven Feminismus", wie "Der Freitag" diese Reaktion auf die Silvesternacht von Köln nennt, nicht unterzeichnet. Obwohl ich - selbstverständlich - ausnahmslos gegen sexualisierte Gewalt, Sexismus und Rassismus bin, egal von wem sie ausgehen.
Wer allerdings sexualisierte Gewalt, Sexismus und Rassismus auch für strukturelle Probleme (patriarchaler) Gesellschaften und Weltanschauungen hält - und nicht nur für individuelle Defekte - , muss sich durchaus Fragen zum sogenannten "soziokulturellen Hintergrund" von Tätern stellen. [...]
Liebe Jutta, ich freue mich sehr über deinen Mut und deine Klarheit. Danke dafür!


Juttas Text wiederum wird von Bersarin in seinem Blogbeitrag „Kölner Botschaft“, Teil 2 aufgegriffen. Es pflanzt sich fort. Das lässt hoffen.


Liebe Leser*innen, das ist viel Stoff, der sich aber lohnt, wenn man unter all den einseitigen Überzeugungen, die einem vor allem im Netz verzehrfertig aufgetischt werden, Anstöße  zum differenzierten und vor allem Selber-Denken sucht.

Kommentare:

  1. Danke für diese Lesetipps! Gerade habe ich Juttas Beitrag mit großer Zustimmung gelesen.
    LG
    Astrid

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich. Ich wünsche mir, dass ihr Beitrag weit verbreitet wird. Er ist so klug und differenziert. Damit wird er der Komplexität des Themas gerecht. Auf einer solchen Basis lässt sich diskutieren und nach Lösungen suchen.
      Liebe Grüße nach Köln! Ich vermisse die Stadt. Gerade jetzt.
      Iris

      Löschen