Sonntag, 8. November 2015

(vom Worthunger) Beflügelungen ...

... durch die Worte der anderen

hier („Immer“ von Tikerscherk) 
und hier („Sandsteinburg“ von Michael Perkampus) 
und hier („Niemand kann jemand sein. Mein Zimmer für mich allein...“ von Jutta Pivecka) 
und hier („Fremdkörper“ von Phyllis Kiehl) *

Die machen was mit mir, diese vollen Texte. Und ich lass sie machen, setze mich aus, verzichte auf kritische Distanz. Weil ich hungrig bin. Also spreche ich hier nicht nur eine nüchterne Empfehlung aus, sondern schreibe, wie immer, auch von mir.

Diese Beflügelungen, diese inspirierenden Texte, die ich trinke wie Wasser und esse wie Brot, die ich verstoffwechsle, sie machen aus mir eine andere, eine mir Nähere, mehr mich ...

Ob das erlaubt ist, ein solch distanzaufhebendes, vereinnahmendes Lesen? Das frage ich mich nicht. Ich kann auch anders, ganz von außen, ohne Vermischung, mit kritisch distanziertem Blick, wertend. Kann ich. Tue ich. Oft oder meistens. Und manchmal ist es eben anders. Ist es so: distanzlos, aufsaugend, aus einem Hunger heraus oder aus purer Lust. Why not?

Das alles ist nur ein Bild. Ein anderes wäre: Da wächst mir etwas zu. (was mit Federn, oh ...)

es wächst dir zu, wächst dir an, wächst in dich hinein und aus dir heraus
(nur fliegen musst du selbst)

Ich lese höre Texte. Die werfen Anker. Die strecken Wurzeln. Die sitzen dann fest. Und rühren in mir herum. Rühren etwas auf. Da fällt Staub ab. Und Schorf. Und schweres Tuch. Da rührt sich etwas in mir. Dieses Etwas, das Ich ist, greift nach den Wurzeln. Hält den Anker. Zieht an der Kette. Will. Schlingt sich hinein in das Durch-/Ein-/Vor-Dringende. Saugt daran. Streckt sich. Dringt selbst. Verwächst. Wächst. Hinaus! Bricht durch. Wird weiß von Licht. Fächert sich auf. Überlässt sich der Luft. Wächst weiter. Zu wissen. Zu kennen. Wohin? Keine Frage: Wiederholt: Hinaus! Das Ziel im Wachsen schaffend. Und dann: Eine Bewegung über das Wachsen hinaus: Ein Schritt. Ein Flügelschlag. Das, ja.

Es wächst dir zu. Fliegen musst du selbst.

Das Pathos des Notwendigen. Wasser und Brot. Ein Fest.

Die Worte der anderen und was sie mit mir machen (weil ich sie lasse).


* Tolle Texte finde ich an vielen Stellen. Wer sich durch meine Blogroll scrollt, kann da Verschiedenstes entdecken. Nachhaltig beeindruckt und beflügelt haben mich in den letzten Tagen/Wochen u.a. die oben verlinkten Texte aus den Blogs Kreuzberg Süd-Ost, Die Veranda, Gleisbauarbeiten, Tainted Talents.

Kommentare:

  1. Vielen Dank für´s Verlinken, liebe Iris. Ich freue mich darüber und bin selbst gerade in einem solchen Schreibfluss, dass ich viel zuwenig bei anderen lese. Deswegen erst jetzt auf diesen Text stoße und Deinen weiteren Text ohne Punkt und Komma. Atemlos auch dieser. Ich mag das wirklich gerne.
    Schöne Grüße aus dem Martinssommer!

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    1. Ich liebe deinen Schreibfluss. Immer wieder so tolle Texte bei dir.
      Bin selber grade weder im Schreib- noch im Lesefluss, ist alles eher sporadisch. Trotzdem gibt es da diesen Hunger in mir, nähren mich Worte. Also wird es wieder fließen irgendwann, nehme ich an. Es ist wie es ist.
      Martinssommer, ja, nicht zu fassen diese Temperaturen.
      Ganz herzliche Grüße zurück!

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  2. "nähren mich Worte."
    That`s it!!!!!!!!!!
    :-)

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