Freitag, 23. Januar 2015

genau in der Mitte (Bruchstücke)

Wir sitzen einander gegenüber, zwischen uns der alte Tisch. Auf den häufen wir alles, was wir haben: Bruchstücke
un/vollkommener Reichtum
Dann beginnt die Zusammenfügung.
Ob sie gelingt?

Alles bleibt unabgeschlossen.
Die Fragen unbeantwortet.
Während die Zeit fortschreitet.

Wir fließen
  "   fliehen
  "   fliegen

Sag: Wo wollen wir ankommen?

Und dort: Nehmen wir das nächste Schiff.
Hinaus.
Nehmen wir das nächste Schiff?
Hinaus?

Wie verloren wir sind in der Enge.
Wie geborgen in der Weite.
Nicht? Wahr?

Sieh: Wir müssen nur lernen, was wir längst tun: Leben.

Und Lieben, sagst du.
Ach: Fragst du?
Nein: Weißt du!

Es ist so schwer wie leicht.
Wir lachen. Solche Sätze mögen wir. Weil wir wissen: Unmöglich klingt im ersten Moment, was bei näherer Betrachtung: Wahrheiten enthält.

Wir warten.
Hier am Tisch, einander gegenüber, mit ausgestreckten Händen.
Warten auf das, was noch kommt. Was in uns aufsteigt, wenn wir geduldig sind.
Und während wir warten: gehen wir. In verschiedene Richtungen. Driften wir auseinander. Lassen wir los. Übergeben wir uns dem Strom. Kommen wir an. Du da, ich dort.

Und steht der Tisch. Und steht. Und steht für immer. Und steht genau: 
in der Mitte




*


(für Eva. weil wir über den Tisch sprachen, gestern.)

Kommentare:

  1. Schön. In seiner Nobelpreisrede sagte Derek Walcott: "Break a vase, and the love that reassembles the fragments is stronger than that love which took its symmetry for granted when it was whole." Daran musste ich beim Lesen denken...

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    1. Mit diesem Zitat triffst du wirklich ins Schwarze, liebe Pagophila ... Und Derek Walcott mag ich sehr. Ich habe mal eins meiner Lieblingsgedichte von ihm gepostet: http://iris-bluetenblaetter.blogspot.de/2012/05/derek-walcott-love-after-love.html
      Past auch grade thematisch ...

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  2. Der Tisch: gebraucht gekauft, kaum noch erkennbar seine Glanzzeit. Die Textfragmente: abgegriffene Zettel, Schnipsel über ein vergessenes Leben. Eines Tages werde ich alles vererben..............................trotzdem<3 Eva

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    1. "trotzdem" ist gut! Mit Trotz gegen die Idee der Vergänglichkeit. Etwas bleibt immer. Behaupte ich mal ganz trotzig. Und vielleicht gibt es am Ende sogar so etwas wie Vollständigkeit ...
      <3 <3 <3

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  3. Das ist gut, dass du trotzig bist. Sei es für mich mit, es ist ein Stück Lebendigkeit. Danke. <Eva

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    1. Ich bin's gerne für dich mit ((und weiß genau, dass du selbst auch diesen Trotz in dir hast))

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