Donnerstag, 25. Juni 2015

Sie I

„Das Schreiben ist mir fremd geworden“, sagt sie und sieht mich dabei mit einem Ausdruck an, den ich nicht deuten kann.

„Vermisst du es?“, frage ich und warte tagelang auf eine Antwort. Warte bis heute.

Derweil wirft sie die verwelkten Rosen fort, bezieht die Betten neu, kauft Brot und Wein, liest nach vielen Jahren wieder die Romane von Colette. 

„Sie wird mir noch davonfliegen“, denke ich und möchte ein Netz spannen um das, was in ihrem Kopf vor sich geht.

Sie hebt den Blick und lächelt mich nahezu an. „Lass mich“, sagt sie stumm. Und natürlich! Natürlich lasse ich sie.

Meine Hände sind leer. Ich könnte einen Stein aufheben oder eine Blume pflücken oder Wasser schöpfen oder einen Stift nehmen und ...

Ich nehme ihre Hand. „Ist gut“, sage ich.

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