Dienstag, 26. Mai 2015

Zurück. De retour. Back.

Es geht nicht: alles hineinzulegen in ein Wort. Oder in einen Satz. In irgendeinen kurzen oder langen (relativ) Text. Es geht nicht. Alles ist immer zuviel, und wenn es ganz bleiben soll – ganz im Sinne von heil und vollständig – dann kann es nicht in irgendetwas hineingepackt werden, schon gar nicht, möchte ich sagen, in ein Wort/einen Satz/einen wie auch immer gearteten Text. Es geht nicht.


Du, Gedicht –
könntest du – 
würdest du –

Du, Gedicht –
nähmest du – hieltest du –
bärgest du – hütetest du –

Du, Gedicht –
könntest du? –
würdest du? –
ja? –
bitte? – 


[auf eine Antwort zu warten: härteste Übung, wirksamste zugleich]



spricht das Wort?
mit mir?
wenn ja: wann?

derweil: 




[Nichts stellt sich von selbst ein. Alles andere erfordert Arbeit. Anstrengung. Tat.]


***


„Na, wie geht es uns denn heute?“ Er lächelt von oben herab, seine Zähne strahlen verbindlich. Ein Stethoskop baumelt um seinen Hals, schwingt gegen meinen Bettdeckenberg, als er sich zu mir herunterbeugt. Er legt Zeigefinger und Mittelfinger auf mein Handgelenk, schaut auf seine Uhr und zählt 15 Sekunden lang, nimmt das Ergebnis mal vier, scheint zufrieden. Mir sagt die errechnete Summe nichts, deshalb ignoriere ich sie.

„Ich kann Ihre Frage nur zur Hälfte beantworten“, sage ich. Er sieht mich verständnislos an, legt den Kopf schief, zieht die Augenbrauen hoch. Er hat längst vergessen, was er mich eingangs gefragt hat.

„Gut und auch wieder nicht gut“, sage ich. „Die andere Hälfte interessiert mich nicht.“ Das ist ein Test, und ich warte gespannt auf seine Reaktion.

„Ah! Achso!“ Er lacht, aber nur kurz; hat begriffen, aber nicht ganz; spürt das, aber will es nicht zulassen; kann mich und mein Verhalten nicht einordnen, aber überspielt die daraus resultierende Unsicherheit.

Ich setze noch eins drauf, aus purem Übermut, zwinkernd: „Ich bin ein schlaues Mädchen. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal zur Visite kommen.“ 

Er müsste jetzt eigentlich strammstehen und sowas wie „Aye aye, Sir!“  sagen, finde ich, aber natürlich tut er das nicht. Stattdessen dreht er sich wortlos um und stapft hinaus. Kurz bevor er die Tür hinter sich schließt, streckt er nochmal einen Arm herein und zeigt mir den Mittelfinger (nein, auch das tut er natürlich nicht; aber es hätte mir gefallen) und winkt mir zu.
Ich lasse mich tief in mein Kissen sinken und knibble ein wenig an meinen Nagelhäuten, während ich überlege, ob ich die Langeweile aushalten oder bekämpfen soll.


***

Was hat das alles mit meinem Bretagneurlaub zu tun? Könnte man fragen. Frage ich mich. Es ist müßig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Unschön auch das dabei entstehende Geräusch. Pfui. Weg mit der Frage, die ist einfach nur blöd. Dabei hatte sich die Standardantwort bereits eingestellt: Alles hängt mit allem zusammen. Ja doch, jaaaa. 


Ich hatte einen wirklich schönen Urlaub. Und ich kann/will/muss gerade nicht davon erzählen. Was sich da in meinem Kopf abspielt und aufs „Blatt“ ergießt ... ich will’s nicht in eine Kausalität zwingen. Correlation does not imply causation.


[Schon lustig, womit ich hier nach meinem Urlaub wieder auftauche. *schwapp*]


Jedenfalls bin ich zurück. Hallo Garten. Hallo Besucher und Besucherinnen.

Kommentare:

  1. Schön, der Hochsensibeltalk mit dem zerstreuten Kompetenzdoktor! Dass es nicht zur Situation der Heimkehr zu passen scheint, ist quarkegal, denn unsereiner kommen doch eh die warmen Winde durch alle Rippen und wie oft steht ein Pferd im Flur :-)

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    1. Liebe Sonja, da sagst du was! Kein Grund zur Analyse, es sei denn, sie macht Spaß. Ich sehe mich langgestreckt auf einem Sofa liegen, das mitten in einen (meinen) wild wuchernden Garten platziert ist, und das Blaue vom Himmel heruntererzählen. So wie’s grade kommt und solange es noch geht. :-)

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  2. erzähl nur weiter :)
    von was auch immer, es liest sich gut!
    bunte grüße
    von diana

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    1. Das ist eine schöne Ermutigung, danke! :-)
      Und himmelblaugrasgrüne Grüße zurück

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  3. bärgest? Statt zu googeln frage ich lieber Dich.
    Und nicht nur das möchte ich wissen. Wie es in der Bretagne war, das wüsste ich auch zu gerne. Das Wetter- war es mild?
    Liebe Grüße aus Kreuzberg

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    1. 2. Person Singular Konjunktiv II von bergen. Hab mich auf deine Frage hin vorsichtshalber nochmal vergewissert, es heißt tatsächlich so. Deutsch ist ganz schön kompliziert, aber es macht mir immer wieder Spaß, solche Formen auszugraben.

      Schön war’s in der Bretagne! Super Wanderwetter. Aber eine Woche war einfach zu kurz. Ich werde morgen im Wochenrückblick noch ein wenig darüber schreiben. Musste erstmal wieder im Alltag ankommen. :-)

      Liebe Grüße aus Freiburg!

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    2. Wo da bloß das "ä" herkommt in "bärgest". Mag das auch, absonderliche Verbformen und ungebräuchliche Worte an sich.

      Wie ich mich auf Deinen Bretagnerückblick freue!

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