Einige von uns fielen vom Himmel
einige von uns zählten die Sterne
einige von uns zähmten einen Tiger
einige von uns flogen wie der Wind
einige von uns zogen in den Krieg
einige von uns warfen Bomben
einige von uns wurden schwer verletzt
einige von uns konnten nicht vergessen
einige von uns wurden verrückt
einige von uns liefen Amok
einige von uns verloren ihr Liebstes
einige von uns waren einsam
einige von uns rächten sich
einige von uns drehten sich im Kreis
einige von uns hatten Albträume
einige von uns glaubten an Gott
einige von uns glaubten an Monster
einige von uns waren Monster
einige von uns säten Getreide
einige von uns bohrten Brunnen
einige von uns bissen ins Gras
einige von uns starben fast vor Scham
einige von uns trauten sich was
einige von uns verirrten sich
einige von uns sahen Wunder
einige von uns saßen im selben Boot
einige von uns zeigten mit dem Finger
einige von uns behaupteten,
einige von uns seien anders
einige von uns verschlossen sich
einige von uns wollten dazugehören
einige von uns wussten Bescheid
einige von uns nahmen das Ruder
einige von uns stießen
einige von uns ins Meer, wo
einige von uns ertranken und
einige von uns gerettet wurden
einige von uns zogen Grenzen, die
einige von uns übertraten, worauf
einige von uns zu den Waffen griffen, um
einige von uns in Schach zu halten, bis
einige von uns zur Vernunft kamen und
einige von uns die Zäune einrissen, damit
einige von uns miteinander in Kontakt treten konnten und
einige von uns erkannten, dass es gar keine anderen gab als immer nur
einige von uns
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Freitag, 25. März 2016
Montag, 29. August 2011
Der Besuch
Dieser Text knüpft an einen früheren an, den man, wenn man möchte, zum besseren Verständnis hier nachlesen kann: Gott
Ein Jahr war vergangen, seit wir ihn das letzte Mal gesehen hatten. Dort auf dieser staubigen Straße. Mit seinen seltsamen, in den Wind gesungenen Fragen. Wir erinnerten uns nur ungern daran. Und hatten doch sein Bild sofort wieder klar vor Augen, als wir seinen Brief lasen.
Ein Jahr war vergangen, seit wir ihn das letzte Mal gesehen hatten. Dort auf dieser staubigen Straße. Mit seinen seltsamen, in den Wind gesungenen Fragen. Wir erinnerten uns nur ungern daran. Und hatten doch sein Bild sofort wieder klar vor Augen, als wir seinen Brief lasen.
Er lud uns ein in sein Refugium, schrieb, er habe ein Abteil gemietet, einen eigenen Platz, mit dem er Ordnung in sein Leben gebracht habe.
Unsere Neugier ließ sich nicht leugnen, also sagten wir zu, schärften unsere Messer, fragten uns noch einmal gegenseitig die Antworten ab. Wappneten uns. (Nicht, dass dieser Abtrünnige ein ernstzunehmender Gegner gewesen wäre!)
Als wir eintrafen, tanzte er auf dem Parkplatz zwischen Lieferwagen und abgestellten Kartons. Zu einer lauten, ungehörigen Musik, die wir schon von weitem vernommen hatten. Er schaltete sie ab, sobald er uns erblickte und lächelte uns strahlend an.
Wir verschränkten die Hände hinter dem Rücken, widerstanden seiner unangebrachten Herzlichkeit. Hier war eine förmlichere Begrüßung am Platz. Ein unverzügliches zur Sache Kommen.
Er schien zu verstehen und führte uns ins Gebäude. Durch einen hellen Flur gelangten wir zu seinem Abteil. Er öffnete die Tür und ließ uns eintreten: 16 Quadratmeter blanker Estrich und weißer Putz, die Wände an vier Stellen mit verschiedenfarbigen Vorhängen verhüllt; wir fühlten uns an einen Museumsraum erinnert.
Unser Gastgeber bat uns vor den ersten, weißen Vorhang und zog diesen zurück. Unser Blick fiel auf ein großformatiges Gemälde, das in seinem realistischen Stil wie eine Fotografie wirkte. Oberhalb des Rahmens war ein Schild angebracht, darauf stand in plakativen Buchstaben das Wort:
BRÜDER
„Schaut es euch in Ruhe an“, forderte er uns auf. „Und fragt, wenn ihr etwas nicht versteht.“ Als wäre es vorstellbar, dass wir Fragen an ihn haben könnten. Als wäre es möglich, dass er auf irgendetwas eine Antwort wüsste.
Am linken Bildrand sah man einen bärtigen Mann in einem Schaukelstuhl sitzen, zwischen dicken, bunten Kissen und mit einem Buch in Händen. „Gutenachtgeschichten“ entzifferten wir den Titel. Rechts im Bild stand ein ganz ähnlich aussehender Mann in einem Boot, das, am Ufer vertäut, in seichtem Wasser lag. Er stützte sich auf eine lange Stange, die im Grund des Wassers stak. Der hintere Teil des Bootes war ebenfalls mit Kissen ausgelegt, aus denen ein Buch hervorschaute. „Von Anfang zu Anfang“ war auf dem Umschlag zu lesen. Zwischen den beiden Männern erstreckte sich ein Weg, der zu Füßen des Mannes im Schaukelstuhl begann, durch die tiefsten Schichten des Bildes führte und im Schilfgürtel auf der rechten Seite endete. Folgte man diesem Weg mit den Augen, entdeckte man Stationen eines ganzen Menschenlebens: eine Wiege, ein Märchenbuch, Bauklötze, eine Puppe, ein Schaukelpferd, Fahrzeuge aller Art vom Dreirad bis zum Automobil, eine Schiefertafel mit Griffel und Schwamm, einen Rechenschieber, einen Globus, eine Sternkarte, allerlei Werkzeug und technisches Gerät, ein Schmetterlingsnetz, einen Wanderstab, eine Angelrute, ein Jagdgewehr, Musikinstrumente von der Blockflöte bis zum Klavier. Ein Haus. Einen Garten. Eine Familie. Ein Krankenbett. Ein Sterbebett. Es wimmelte nur so von Details, blühenden wie blutigen, uns schwindelte ein wenig, und nun fragten wir ihn doch: „Wer sind die Brüder?“
„Schlaf und Tod“, war seine Antwort. Wir blieben stumm. Wussten wir doch, dass jedes einzelne Wort, an einen Verblendeten gerichtet, pure Verschwendung war.
„Schlaf und Tod“, war seine Antwort. Wir blieben stumm. Wussten wir doch, dass jedes einzelne Wort, an einen Verblendeten gerichtet, pure Verschwendung war.
Das Bild wurde wieder verhüllt und der zweite, ebenfalls weiße Vorhang zurückgezogen. Zum Vorschein kam ein Gemälde, das in Format und Technik dem ersten glich. Sein Titel lautete:
HOHES GERICHT
Abgebildet war ein Gerichtssaal, in dem mehrere Männer in schwarzen Roben über Tische und Bänke tanzten. Manche hatten ihre Röcke angehoben, so dass ihre haarigen Schenkel zu sehen waren. Sie vollführten waghalsige Sprünge, klatschten in die Hände und lachten mit breiten Mündern. Jeder einzelne von ihnen blickte dem Betrachter direkt ins Gesicht und drückte dabei ein Auge zu. Wir waren empört. Und verzichteten diesmal auf eine Erklärung.
Nachdem auch dieses Bild wieder verhüllt war, ging es weiter zur Wand gegenüber der Tür. Kaum war der dortige, türkisfarbene Vorhang zur Seite gezogen, mussten wir für einen Moment die Augen schließen, so sehr blendete uns die plötzliche Helligkeit. Tageslicht, strahlender Sonnenschein. Wir standen vor einem hohen, breiten Gemälde, das einen überraschend naturgetreuen Blick aus einem Fenster suggerierte. Es trug die Überschrift:
HIMMEL
Wir sahen hinaus auf einen blühenden Garten: Grünes Gras, blaue Hortensien, Kirsch- und Apfelbäume, bunte Blumen und Schmetterlinge, alles bewegt von einem sanften Lüftchen. Hier und da waren Personen zu erkennen, nackt!, einzeln, zu zweit, in Grüppchen. Ihr Anblick trieb uns die Schamröte ins Gesicht. An der hausfernen Seite wurde der Garten durch Granitfelsen begrenzt. Dort wand sich eine grob in den Stein gehauene Treppe hinunter in eine Bucht. Unser Blick fiel auf ein Meer, das in den gleichen Blau- und Grüntönen schimmerte wie der Vorhang. Vor dem Horizont hoben sich einige kleine Segelboote ab. Dahinter stand die Sonne, groß und rund und leuchtend. Unsere Augen schwammen vor Blendung durch täuschenden Schein, und unsere Herzen drohten weich zu werden von der Verführung durch äußere Schönheit. Wir wandten uns ab. Eine Aussicht, nichts weiter! Der Glaube an einen Himmel auf Erden war uns bekannt und in seiner ganzen Absurdität bewusst.
Fehlte noch das Bild an der Wand rechts der Tür. Unser Gastgeber blickte uns der Reihe nach an und zog dann den nachtschwarzen Vorhang zur Seite. Ein Bild mit weißem Hintergrund wurde freigelegt. Eine Gruppe von Personen war darauf zu sehen, sie schauten dem Betrachter direkt in die Augen. Sie ähnelten sich stark, sowohl was die Gesichtszüge und die Körperhaltung, als auch die Kleidung betraf. Alle trugen staubgraue Anzüge, scharfe Bügelfalten, korrekt gebundene Krawatten, blank polierte Schuhe. Irgendwie imponierten sie uns. Irgendwie waren sie uns unheimlich. Als wir uns vorbeugten, um nach eventuellen unterscheidenden Details zu suchen, beugten sich die Gestalten im Bild ebenfalls vor, uns entgegen. Wir schraken zurück. Einige von uns gerieten ins Taumeln. Desgleichen die Figuren im Bild. Schließlich fassten wir uns, traten nochmals einen Schritt näher heran und erkannten nun, dass wir vor einem Spiegel standen. Er trug den Titel:
DIE ANDEREN
Wir griffen nach unseren Messern, nach unseren geschliffenen Antworten - und ließen sie dann doch stecken. Verzichteten auf jedes weitere Wort, jede weitere Geste.
Wir wurden hinausgeleitet und verließen umgehend und ohne seinen Abschiedsgruß zu erwidern diesen Ort. Als wir noch einmal über die Schulter zurückblickten, sahen wir, wie er zwischen Lieferwagen und Kartons ein Rad schlug. In unserem Rücken hörten wir, wie die Musik wieder eingeschaltet wurde, spürten wir, wie er wieder zu tanzen begann.
Und leider begleiteten uns die Bilder und Klänge auch noch, nachdem wir viele Kilometer zwischen ihn und uns gelegt hatten.
Donnerstag, 18. Oktober 2012
Ursula Ziebarth: Gelesene Kinder
Ein Plädoyer für das Lesen von Romanen über Kinder, für das Lesen von Romanen, für das Lesen. (abseits von sogenannter "Fach"literatur)
Ich besitze ein einziges Buch von Ursula Ziebarth, es ist längst nur noch antiquarisch zu bekommen: Ein Kinderspiegel, 1979 bei Piper erschienen. "Ein Buch der Freundschaft zu Kindern, ein Schatz an Geschichten, Bildern, Träumen und, weil wir alle Kinder waren, ein Buch der Freundschaft zu den Menschen." (aus dem Klappentext) Ich habe bereits einmal daraus zitiert, hier.
Ich besitze ein einziges Buch von Ursula Ziebarth, es ist längst nur noch antiquarisch zu bekommen: Ein Kinderspiegel, 1979 bei Piper erschienen. "Ein Buch der Freundschaft zu Kindern, ein Schatz an Geschichten, Bildern, Träumen und, weil wir alle Kinder waren, ein Buch der Freundschaft zu den Menschen." (aus dem Klappentext) Ich habe bereits einmal daraus zitiert, hier.
Sollte ich, um die Aufmerksamkeit für diese bemerkenswerte Frau zu wecken, auf ihren Briefwechsel mit Gottfried Benn hinweisen? Würde man an dieser Stelle dann hellhörig werden, höbe das Wissen um die Bekanntschaft mit dem berühmten Dichter sie in ihrer Bedeutung? Ich glaube nicht an Werbung. An deren Macht natürlich schon, aber nicht an ihre Bedeutung für die Beförderung des Guten, an eine nachhaltige Wirkung auf das Weltwesen. Ich glaube an die Kraft von Graswurzeln.
In dem Text, auf den ich mich beziehe, geht es, wie der Titel schon sagt, um "Gelesene Kinder". Ziebarth schreibt:
"Auch gelesene Kinder sind unsere Kinder, wir sehen ihnen zu ohne daß sie es bemerken, begleiten sie ohne zu stören oder sie zu beschämen. [...]
Man versteht sich besser auf Kinder, nachdem einem geschriebene begegnet sind, [...], was ein paar Klugköpfe sicher sophistisch bestreiten werden, weil diese Kinder ja nur auf dem Papier existieren und wer sich mit ihnen beschäftigt, angeblich noch lange nichts von lebendigen Kindern wisse, ja, diesen durch Flucht in die Lektüre womöglich sogar ausweiche, sich also von der Realität entferne.
Auch Literatur ist eine Realität, schließlich dichten, schreiben, lesen Menschen spätestens seit dem Gilgamesch-Epos, und sie werden schon wissen, warum sie so beharrlich Leben schildern und geschildertes Leben in sich aufnehmen.
[...]
Der Verfasser von Oliver Twist und David Copperfield hat mehr für Kinder bewirkt als so mancher Fachliteraturverfertiger der pädagogischen Disziplin in seiner Unfähigkeit, Empfindungen für Kinder zu wecken, weil von Kindern in der Fachsprache nicht anders als von Objekten gesprochen wird, die es zu beobachten, zu untersuchen, zu beurteilen gilt.
[...]
Das Kind im Mittelpunkt oder auch nur am Rande eines Kunstwerkes aus Sätzen weckt, was Überlegungungen übertrifft: Zuneigung, anwendbare, auf lebendige Kinder anwendbare, nicht begrenzbar auszudehnende Zuneigung zu allen Kindern dieser Welt in ihrer Wehrlosigkeit.
Die großen Fürsprecher der Kinder sind nicht die Erfinder pädagogischer Instrumentarien, nicht die Empfehler angeblich optimaler Verhaltensweisen, sonder die uns zum Mitempfinden hinreißenden Darsteller kindlichen Lebens, die uns zwingen, sie zu adoptieren und die Substanz an Liebe, die ihre wörtliche Existenz in uns Lesern sich ansammeln läßt, zu verwenden auf jedes Kind, das unseren Weg kreuzt. Sie, die Kunstmacher, sind die Prediger in der Wüste."
Ziebarth nennt und beschreibt in ihrem Essay einige literarische Kinderfiguren*, mir selbst fallen weitere ein, ich kenne die Wirkung solcher Erzählungen, sie ist meines Erachtens nicht hoch genug zu schätzen. (Im Übrigen betrifft das nicht nur die Schilderung kindlicher, sondern allgemein menschlicher Schicksale.) In der Buchhandlung stehe ich immer mal wieder vor der Situation, dass ein Erziehungsratgeber gesucht wird (aus einer schier unglaublichen Masse, von der nur ein Bruchteil als brauchbar zu bezeichnen ist) und ich am liebsten empfehlen würde, stattdessen Romane zu lesen, Geschichten über Kinder, keine Appelle, sondern reine Schilderungen, aus den von Ursula Ziebarth genannten Gründen. Manchmal tue ich's .
* Folgende Beispiele für "Geschriebene Kinder" erwähnt Ursula Ziebarth in ihrem Text:
- Rudyard Kipling, Kim
- Jules Romain, Am 6. Oktober
- Jules Renard, Poil de carotte
- Emile Ajar, Du hast das Leben noch vor dir
- Robert Walser, Der Gehülfe
- Martin Anderson-Nexö, Ditte Menschenkind
- Charles Dickens, Oliver Twist und David Copperfield
- Bernward Vesper, Die Reise
Samstag, 15. März 2014
Am Abend saßen wir zusammen und ... (Vogelfrau 3)
... sprachen über die Ereignisse des Tages. Einer von uns hatte gehört, wie Bluhm im Aufzug vor sich hin murmelte: "Lass dies um Himmels willen keinen Krimi sein, bitte lass dies keinen Krimi sein."
Wir lachten, aber nicht, weil wir Bluhms Aussage so witzig fanden, sondern um das Gefühl der Beklemmung abzuschütteln.
Zur Sache: Die Rollen waren klassisch verteilt, ohne dass wir bewusst Einfluss darauf genommen hatten. Letzteres war uns einzig gültiger Beweis für die Echtheit einer Geschichte. Anscheinend waren wir noch nicht so weit, uns vollkommen von alten Klischees zu lösen.
Nächster Punkt: Die Flügel. Einige hätten gerne ihre Ideen dazu geäußert, aber unser gemeinschaftlicher Beschluss lautete: Abwarten! Wir wollen nehmen, was kommt.
Nochmal zurück zu Bluhms gemurmelter Bitte: Da ließ sich was machen. Hielten wir doch ohnehin nicht viel von Genrezuordnungen. Wir konnten die Ereignisse laufen lassen, ohne sie unter einen Oberbegriff zu fassen. Konnten wir doch, oder? Oder?? Die Zweifler unter uns beeilten sich, zustimmend zu nicken. Naja ...
Das ist eben alles noch Neuland für uns. Groß die Gefahr (oder nur unsere Angst?), sich zu verlaufen. Aber selbst dann ... Hey, wir wollten das so! Wir wollten diese Form von Freihei!. Lasst sie uns bis zur Neige auskosten!
Montag, 29. November 2021
Some of Us
Some of us had fallen from the sky
Some of us knew the exact number of stars
Some of us were able to tame tigers
Some of us could fly like the wind
*
Some of us went to war
Some of us dropped bombs that mortally wounded
some of us
Some of us could not forget
Some of us went insane
Some of us ran amok
Some of us lost our loved ones
Some of us wanted revenge
Some of us were lonely
Some of us spun in circles
Some of us had nightmares
Some of us never woke up
Some of us believed in God
Some of us believed in monsters
Some of us believed in miracles
Some of us lost all our faith
Some of us sowed grain
Some of us dug wells
Some of us dared to do something
Some of us surpassed ourselves
Some of us broke new ground
Some of us got lost
Some of us pointed a finger to
some of us
Some of us wanted to be part
Some of us closed ourselves off
Some of us were in the same boat
Some of us took hold of the rudder
Some of us pushed
some of us into the sea where
some of us drowned and
some of us were rescued
Some of us drew boundaries that
some of us broke, causing
some of us to take up arms to keep
some of us at bay
Some of us came to our senses
Some of us tore down fences so
some of us could get in touch and realize
there were no Others but just and always
Some of Us
*
Some of us witnessed miracles
Some of us tamed tigers
Some of us flew like the wind
Some of us touched the sky
Komplette Neufassung und gleichzeitige Übertragung ins Englische des Gedichts Einige von uns, das ich 2016 geschrieben habe
Donnerstag, 28. November 2013
Erzähl doch einfach deine Geschichte
Erzähl doch einfach deine Geschichte, sagtest du und reagiertest damit auf meine Klage über die Schreibhemmung, die mich seit Wochen lähmt.
Erzähl doch einfach deine Geschichte.
Du meintest es gut und ehrlich, aber ich musste darüber lachen. Tat ich doch nichts anderes. Schrieb und redete und schwieg ich doch seit jeher von nichts anderem als meiner Geschichte. Und leuchtete diese doch umso heller hervor, je mehr ich sie ins Dunkel zu schieben versuchte, indem ich andere Geschichten erfand. "Erfand", haha. Als ließe sich aus einer anderen Quelle schöpfen als der eigenen, als ließe sich mit eines anderen Kopf denken, mit eines anderen Lunge atmen.
Ich versuchte, dir dies zu erklären. Das ließ dich zunächst verstummen, für einen ganzen langen Tag. Am Abend aber kamst du zu mir in mein Zimmer, nachdem du zuvor zurückhaltender als gewohnt angeklopft hattest.
Ja?, fragte ich. Du blicktest zu Boden, dann in meine Augen. Ich kenne dich nicht mehr, sagtest du.
Das hatte ich erwartet. Dennoch versetzte es mir einen Stich. Die Antwort kostete mich einige Anstrengung: Du hast mich nie gekannt. Du hast mich lediglich einsortiert. Hättest du dies unterlassen, du hättest mich kennenlernen können. Stück für Stück, täglich mehr. Nicht täglich neu oder anders, so wie es dir jetzt erscheint.
Das schien mir bereits im Moment des Aussprechens zu einer furchtbar simplen Weisheit zu schrumpfen, wie von billigen Kalenderpostkarten abgeschrieben. Fast schämte ich mich. Für uns beide. Für mich, weil ich mit so banalen Aussagen daherkam. Und für dich, weil du trotzdem nicht verstehen konntest oder wolltest.
Ich begriff: Mich freizuschreiben, über Jahre hinweg, bedeutete gleichzeitig, mich aus einer vermeintlichen Nähe herauszuschreiben, einer Nähe zu Menschen, die mich zu kennen glaubten, die mich aber in Wirklichkeit nur gedeutet hatten aus dem - vielleicht zu wenigen und widersprüchlichen? - , was ich ihnen über Jahre gezeigt hatte.
Wie lässt sich dies wertungsfrei lösen? Ich hatte selbst mitgewirkt an meiner Einsperrung, hatte es aber zugleich nicht anders vermocht.
Nach vorne blicken, dort liegt ein Weg, auf den scheint hin und wieder die Sonne. Wer neugierig ist, darf mich begleiten. Etwas in der Art könnte ich sagen. Eine Einladung aussprechen. Mich im Gegenzug auch selbst als Begleiterin anbieten. Aber ist es so einfach? Und ist es notwendig? Will ich das?
Wenn du wüsstest, was für ein sicheres Zuhause mir meine Fragen sind.
Erzähl doch einfach deine Geschichte.
Du meintest es gut und ehrlich, aber ich musste darüber lachen. Tat ich doch nichts anderes. Schrieb und redete und schwieg ich doch seit jeher von nichts anderem als meiner Geschichte. Und leuchtete diese doch umso heller hervor, je mehr ich sie ins Dunkel zu schieben versuchte, indem ich andere Geschichten erfand. "Erfand", haha. Als ließe sich aus einer anderen Quelle schöpfen als der eigenen, als ließe sich mit eines anderen Kopf denken, mit eines anderen Lunge atmen.
Ich versuchte, dir dies zu erklären. Das ließ dich zunächst verstummen, für einen ganzen langen Tag. Am Abend aber kamst du zu mir in mein Zimmer, nachdem du zuvor zurückhaltender als gewohnt angeklopft hattest.
Ja?, fragte ich. Du blicktest zu Boden, dann in meine Augen. Ich kenne dich nicht mehr, sagtest du.
Das hatte ich erwartet. Dennoch versetzte es mir einen Stich. Die Antwort kostete mich einige Anstrengung: Du hast mich nie gekannt. Du hast mich lediglich einsortiert. Hättest du dies unterlassen, du hättest mich kennenlernen können. Stück für Stück, täglich mehr. Nicht täglich neu oder anders, so wie es dir jetzt erscheint.
Das schien mir bereits im Moment des Aussprechens zu einer furchtbar simplen Weisheit zu schrumpfen, wie von billigen Kalenderpostkarten abgeschrieben. Fast schämte ich mich. Für uns beide. Für mich, weil ich mit so banalen Aussagen daherkam. Und für dich, weil du trotzdem nicht verstehen konntest oder wolltest.
Ich begriff: Mich freizuschreiben, über Jahre hinweg, bedeutete gleichzeitig, mich aus einer vermeintlichen Nähe herauszuschreiben, einer Nähe zu Menschen, die mich zu kennen glaubten, die mich aber in Wirklichkeit nur gedeutet hatten aus dem - vielleicht zu wenigen und widersprüchlichen? - , was ich ihnen über Jahre gezeigt hatte.
Wie lässt sich dies wertungsfrei lösen? Ich hatte selbst mitgewirkt an meiner Einsperrung, hatte es aber zugleich nicht anders vermocht.
Nach vorne blicken, dort liegt ein Weg, auf den scheint hin und wieder die Sonne. Wer neugierig ist, darf mich begleiten. Etwas in der Art könnte ich sagen. Eine Einladung aussprechen. Mich im Gegenzug auch selbst als Begleiterin anbieten. Aber ist es so einfach? Und ist es notwendig? Will ich das?
Wenn du wüsstest, was für ein sicheres Zuhause mir meine Fragen sind.
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