Sonntag, 27. Januar 2013

Lieber Freund!

Das war eine Trauerfeier, wie ich sie bisher nicht erlebt habe. So wenig wurde geweint von den vielen, die gekommen waren, um Abschied zu nehmen. Keine Verzweiflung war zu spüren. 
Alle haben sie Dich geliebt. Und alle haben sie, solang Du am Leben warst und solang sie Dich kannten, von Dir profitiert. Von Deiner Güte und Deiner Freundlichkeit. Von Deiner Gabe, jeden Menschen so nehmen und sein lassen zu können, wie er ist. Mit Dir konnte man nicht streiten, es gab auch keinen Grund. Aber diskutieren konnte man mit Dir, sich austauschen, miteinander sprechen und von Dir lernen. Alle sind wir traurig über den Verlust. Wir hätten Dich so gerne noch bei uns behalten.
Und alle haben wir nur schöne Erinnerungen an Dich. Kaum einer, der nicht ein selbstgeschreinertes Stück von Deinen Händen besitzt. Einer Deiner Musikerfreunde blies zum Abschied auf seinem von Dir gefertigten Alphorn. Ich habe eine von Dir gemachte Tür. Könnte es ein schöneres Symbol geben? Kaum einer, der nicht mindestens eine gebrannte Musik-CD von Dir erhalten hat. Durch Dich habe ich Jazz aus Skandinavien kennen und lieben gelernt. Kaum einer, der sich nicht an die großen Feste in der Schreinerei erinnern kann. Und keiner, der nicht die Erinnerung an inspirierende und wohltuende Gespräche mit Dir als Schatz in sich trägt. 
Du hast Dich verabschiedet, als die Zeit gekommen war, und es gab nichts mehr zu klären und zu bereinigen, nichts Dringliches noch kurz vor Schluss. Denn Du hättest es nie soweit kommen lassen, dass sich etwas Ungutes einschlich, etwas Unausgesprochenes, Trennendes. Und so gerne wir alle noch weiter mit Dir gegangen wären: Da gab und gibt es nichts zu beweinen an verpassten Gelegenheiten und an Unerledigtem. Nichts steht zwischen Dir und uns, das nun nicht mehr ausgeräumt werden kann. Wir müssen nicht verzeifelt sein. Wir dürfen traurig sein und froh. 
Hab von ganzem Herzen Dank, Du lieber Freund!




Kommentare:

  1. Wie friedlich, ruhig und versöhnt...Bewundernswert.Ganz ohne Gebrüll, Hass und Hadern. Ein integrer, souveräner Mensch muss er gewesen sein. Wie rar auf dieser Welt!

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    1. Friedlich, das war es. Und obwohl ihn jeder von uns ja so kannte, wurde es dann, als wir in dieser Menge versammelt waren, an dieser speziellen Atmosphäre nochmal besonders deutlich, was für ein erstaunlicher Mensch er war. Es war - neben der klar vorhandenen Trauer - wirklich schön.

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  2. Was für eine schöne Freundschaftsliebeserklärung. Möge er gerade glücklich sein dort, wo er ist ... ❤

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    1. Vermutlich macht er "dort" bereits wieder andere glücklich, durch seine pure Gegenwart. :-)

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