Sonntag, 8. September 2013

Das Erwachen 1 (nach dem Traum 19)

Ich schlafe unruhig in dieser Nacht nach deinem Begräbnis. Im Traum durchlebe ich wieder und wieder Szenen unserer gemeinsamen Zeit. 
Die Flucht aus dem seltsamen Haus, nach der ich dich zunächst verloren glaubte. 
Die Wiederbegegnung mit dir im Fluss, das Errichten unseres Lagers, das Erkunden der Umgebung. Das Verschwundensein des seltsamen Hauses.
Wie wir essbare Pflanzen sammelten, Fische fingen. Uns liebten. Am Tag und in der Nacht. Im Fluss, im Gras, auf der Sandbank. 
Das gegenseitige Erforschen unserer Körper, unsere schier unersättliche Neugier.
Die Beschäftigung mit den Fundstücken aus dem Haus. Das Hüten und Versorgen der Nachtigall.
Unsere Zwiegespräche. Deine für mich oft rätselhaften Aussagen über Sinn und Zweck dessen, was uns geschieht und dessen, was wir tun. Über Liebe, Freiheit und Schönheit. 
Deine stille Gelassenheit, mein berstendes Glück. Deine Geduld, meine Ungeduld. Deine Zugewandtheit, meine allmähliche Gesundung. 
Unsere Verbindung, von der ich gehofft hatte, sie würde ewig dauern.
Dein plötzlicher Tod. 

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Kurz vor Einsetzen der Dämmerung reißen mich ungewohnte Laute aus meinen Träumen, ein nie zuvor gehörter Gesang.




Die Nachtigall ist aus ihrem Schlaf erwacht.


 
Fortsetzung folgt

Kommentare:

  1. Danke! Auch mich tröstet die Nachtigall.

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    1. Das ist schön. Einerseits.
      Andererseits: Du brauchst Trost ... (Mail kommt!)

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