Dienstag, 3. Januar 2012

Mal ehrlich:

Manchmal schreibst du, als hättest du dich bereits komplett herausgeschält aus sämtlichen Häuten, als wärest du im Kern angekommen und wüsstest nun Bescheid und könntest endlich ein Ist präsentieren statt des schier endlosen Werdens. Dann plötzlich sieht dich einer an, sieht dich richtig an, und du bemerkst, dass da doch noch Haut ist, nackte, durchscheinende, empfindliche Haut, die sich nicht so leicht abstreifen lässt, die noch gepflegt werden will und gestreichelt, die dich noch einhüllen und wärmen will, die dir Freund ist, weil sie Teil ist und mit dir wächst. Du lässt deinen Blick den Weg entlang schweifen, vorwärts und rückwärts, und ahnst, dass es vielleicht so bleiben wird, das Werden geht weiter, und vielleicht macht es ja gar keinen Unterschied, denn mal ehrlich: Willst du wirklich zu einem Abschluss kommen? 

Kommentare:

  1. Sehr inspirierend und weise dieser kleine Text, bleibt mir nur zu sagen, dass ich hoffe, dass auch dieser Blog nicht zum Abschluss kommt.

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  2. Oh wie froh man ist, wenn es jemanden gibt, der einen ansieht, einen erkennt!
    Schöner Text... der auch immer weiter wächst.

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  3. @DenKernumspinnen: siehe rechts oben "Dieses Blog ist ein Garten" ;-)

    @Eva: ... jemand, der weder aufdringlich wird noch wegsieht ...

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  4. Wie glücklich sich doch jeder schätzen kann, dessen Weggefährten ihn immer wieder entdecken und neugierig an allem zupfen, weil sie wissen, dass das Licht hinter jeder Falte eine neue Geschichte zu gebären bereit ist. Und sich ein weiteres im stetigen Sein begriffenes Ich offenbart.
    Danke, Iris.

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  5. @Vassili: So sehe ich es auch: Sein und Werden bedarf des Austauschs mit einem Gegenübers.

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