Freitag, 10. Oktober 2014

was wir sahen wenn wir schliefen

wir hatten Hunger
und steckten uns 
wahllos Brot oder 
Lehm zwischen die 
Zähne wir suchten 
die Sonne und 
fanden sie bleich
hinter Hügeln aus 
Schmutz wir hätten 
töten können so 
verloren waren wir
was uns rettete
waren die Nächte
mit ihren dünnen
schillernden Häuten aus 
Traum und einer 
besseren Welt darin
was wir sahen
wenn wir schliefen
musste doch möglich 
sein und so 
zogen wir weiter
über Halden voll 
grauen Gestanks unter 
Himmeln aus Feuer
und hofften und 
glaubten unseren Träumen


*




*


Kann man dem Hunger, dem Krieg ein Lied entgegenstellen? Einen Traum? Ein Kunstprojekt? Ist das rechtens? Nützt es?
Sind das die relevanten Fragen?
Wer entscheidet, was aus Gewalt, Wut, Hilflosigkeit, Ohnmacht gezeugt und geboren wird?
Gibt es nur eine (richtige) Antwort?
Hat jeder die gleiche Rolle zu spielen? Und wählen wir unsere jeweiligen Rollen selbst?
Muss ich mein Recht zu träumen verteidigen? Nein.


*


"... nothing to kill or die for
and no religion, too ..."




"... you may say I'm a dreamer
but I'm not the only one ..."


*


Traum und Vorstellungskraft als weicher Widerstand. Dessen Rechtfertigung und Nutzen nicht im umgehenden Erfolg liegen kann. Dann wäre es ja einfach. (Und wunderbar.) Allein die Haltung als solche ... Diese muss erlaubt sein als Option. Als Versuch. Als zusätzliches Mittel. Keine verkitschte Friedensromantik, sondern pure Notwendigkeit. Finde ich. Und bleibe zugleich mitten im Zweifel. Denn ich glaube nicht, dass es die eine, ausschließliche befried(ig)ende Lösung gibt. Aber ich bin überzeugt, dass mehr als Waffengewalt nötig ist. (Dass diese aktuell nötig ist, dieser Überzeugung bin ich allerdings auch.) Und dass zu diesem Mehr die gewaltlosen Träumer gehören, immer. Gewaltlos, nicht machtlos. Die Liedermacher. Die Künstler. Die ...

Kommentare:

  1. Derzeit kann man mit seinen Friedliebensträumen- und Gedanken arg ins Schleudern kommen!
    Das finde ich in diesem Beitrag gut zum Ausdruck gebracht!

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    1. Danke, Sonja! So ist es: man kommt ins Schleudern. Es war leichter zu Zeiten des Kalten Krieges und von Natodoppelbeschluss, in der Friedensbewegung aktiv zu sein. Nostalgisch verklärte Erinnerungen an kleine und große Demos. Bonn im Juni '82! Gigantisch. Man konnte (Welt)Frieden tatsächlich noch für möglich halten. Heute gelingt mir dieser Glaube an Frieden schaffen ohne Waffen nur noch im Kleinen. Darüberhinaus: Ratlosigkeit.

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  2. ach, es ist ein dilemma.
    ich finde diesen beitrag von dir wunderbar eindrücklich, liebe iris, kompliment.
    das gedicht ist stark und ganz wundervoll!

    sollte der (welt)frieden doch nur ein märchen sein ...?
    nein, wir sollten nie aufhören daran zu glauben und daran zu arbeiten!

    liebe grüße
    diana

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    1. Liebe Diana, danke für dein Kompliment, das mich sehr freut.

      "arbeiten" ist das Stichwort. Etwas dafür tun, eine Haltung einnehmen ... Allein durch Wünschen und Herbeisehnen wird das nichts mit dem Frieden.

      LG, Iris

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