Donnerstag, 31. Januar 2013

-schreiben

um-
und um-
und um-
und um-
...
-schreiben
immer-
und immer-
und immer-
und immer-
...
-zu

o d e r

auf-
und auf-
und auf-
und auf-
...
-schreiben

i m m e r

a l l e s

Sonntag, 27. Januar 2013

Lieber Freund!

Das war eine Trauerfeier, wie ich sie bisher nicht erlebt habe. So wenig wurde geweint von den vielen, die gekommen waren, um Abschied zu nehmen. Keine Verzweiflung war zu spüren. 
Alle haben sie Dich geliebt. Und alle haben sie, solang Du am Leben warst und solang sie Dich kannten, von Dir profitiert. Von Deiner Güte und Deiner Freundlichkeit. Von Deiner Gabe, jeden Menschen so nehmen und sein lassen zu können, wie er ist. Mit Dir konnte man nicht streiten, es gab auch keinen Grund. Aber diskutieren konnte man mit Dir, sich austauschen, miteinander sprechen und von Dir lernen. Alle sind wir traurig über den Verlust. Wir hätten Dich so gerne noch bei uns behalten.
Und alle haben wir nur schöne Erinnerungen an Dich. Kaum einer, der nicht ein selbstgeschreinertes Stück von Deinen Händen besitzt. Einer Deiner Musikerfreunde blies zum Abschied auf seinem von Dir gefertigten Alphorn. Ich habe eine von Dir gemachte Tür. Könnte es ein schöneres Symbol geben? Kaum einer, der nicht mindestens eine gebrannte Musik-CD von Dir erhalten hat. Durch Dich habe ich Jazz aus Skandinavien kennen und lieben gelernt. Kaum einer, der sich nicht an die großen Feste in der Schreinerei erinnern kann. Und keiner, der nicht die Erinnerung an inspirierende und wohltuende Gespräche mit Dir als Schatz in sich trägt. 
Du hast Dich verabschiedet, als die Zeit gekommen war, und es gab nichts mehr zu klären und zu bereinigen, nichts Dringliches noch kurz vor Schluss. Denn Du hättest es nie soweit kommen lassen, dass sich etwas Ungutes einschlich, etwas Unausgesprochenes, Trennendes. Und so gerne wir alle noch weiter mit Dir gegangen wären: Da gab und gibt es nichts zu beweinen an verpassten Gelegenheiten und an Unerledigtem. Nichts steht zwischen Dir und uns, das nun nicht mehr ausgeräumt werden kann. Wir müssen nicht verzeifelt sein. Wir dürfen traurig sein und froh. 
Hab von ganzem Herzen Dank, Du lieber Freund!




Freitag, 25. Januar 2013

Einmal ein reiner Stein zu sein

Einmal ein reiner Stein zu sein. Unbewegt aber wahr.
Einmal ein deutliches Nein zu sein. Einsam aber klar.

Statt eines biegsamen Zweigs.
Statt eines mäandernden Geists.

Einen Atemzug lang.

– – –


(und schon geht es wieder)

Donnerstag, 24. Januar 2013

Ein Film, ein Buch, ein Mensch

Gestern auf ARTE gesehen:




Ein wunderbarer Film:
So viele Jahre liebe ich dich (ARTE Filmausschnitt und Beschreibung)
                                    (WIKIPEDIA-Artikel)

von einem wunderbaren Menschen:

der u.a. auch dieses wunderbare Buch geschrieben hat:
Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung



Man kann ein Buch empfehlen, man kann einen Film empfehlen, aber man kann natürlich keinen Menschen empfehlen, auch wenn es gerade dieses Menschsein, das Menschliche ist, was ihn als Autor und Filmmacher ausmacht. 
Für mich ist Philippe Claudel jemand, dessen Werke geeignet sind, die Welt und den Menschen besser zu machen. Er belehrt nicht, er moralisiert nicht, er sieht hin und zeigt, und das auf eine unbeschönigende, liebevolle Weise, die zutiefst berührt und an der nichts stört, weil sie nämlich weder plump noch künstlich, sondern aufrichtig und in Schönheit daherkommt.
Das Buch habe ich bereits vor Jahren gelesen, es hat mich in seiner schlichten Sprache überzeugt, einer Schlichtheit und Knappheit, welche die Gewalt, von der erzählt wird, umso deutlicher und gleichzeitig unfassbarer machen. Ein dünnes Bändchen von 128 Seiten, mehr Erzählung als Roman, mit einer erahnbaren und dennoch schockierenden Wendung gegen Ende.
Und der Film! Dass ich den verpasst habe, als er 2008 in die Kinos kam ... Ein Zufall, dass ich ihn gestern Abend auf ARTE entdeckte, wo er in den folgenden Tagen noch zweimal wiederholt wird.

Mittwoch, 23. Januar 2013

Wenn ich lese (Loses Blatt #54)

Wenn ich lese, nehme oder gebe ich dann?

Dienstag, 22. Januar 2013

Die Übende

Sie nimmt das Stichwort auf
spricht ihren Satz
spürt die Lücke
hebt erneut die Stimme
und -
vergisst wie stets an dieser Stelle ihren Text

Von A über B nach C, von A über B nach C, von A über B nach C ...
 
Von mir über mich zu mir,
denkt sie, und vergisst für einen Moment Probenbühne, Ensemble und Regie, sieht sich stattdessen in einem Garten spielen, der ihrer sein könnte, mit einem Haus darin, das ihres sein könnte. Sie folgt dem grasüberwucherten Pfad zur Tür, öffnet diese und -
Stille brandet ihr entgegen.
Plötzlich weiß sie ihren Text wieder, weiß ihn, wie sie sonst nichts weiß, außer dass sie ihn niemals im Skript hätte finden können.

Montag, 21. Januar 2013

Wie Traurigsein geht, fragt sie

Wie Traurigsein geht, fragt sie, und ahnt, dass sie etwas ganz anderes meint, nämlich wie sich die Zeit zurückdrehen ließe auf Anfang, und wie sich ein gerader Weg einschlagen ließe ohne Schmerz und ob das dann wirklich schöner und besser und wahrer wäre, oder ob dann etwas fehlte. Auf die Traurigkeit könnte sie verzichten, denkt sie, aber auch auf die auslösenden Momente? Das weiß sie nicht, aber nun ist die Frage plötzlich eine Art Gesellschafterin und der Raum nicht mehr so leer. Es treten Wörter ein, jedes einzelne ein Freund, der sich zur Verfügung stellt. Sie spielt und vergisst darüber die Zeit, die mit ihrer winzigen Schaufel und ihrer unendlichen Geduld den Berg abträgt, der ihr die Sicht verstellt.
Und dann steht da plötzlich ein Mensch.

Sonntag, 20. Januar 2013

Naive kleine Hexe

Die kleine Hexe ist ein wenig naiv. Und daran wird sich auch in weiteren 183 Lebensjahren nichts ändern. Jedenfalls ist dies schwer anzunehmen. Nicht, weil sie nicht lernfähig wäre, nein, sondern weil sie festhält an ihrer Naivität. Deretwegen wurde sie schon mit den verschiedensten Bezeichnungen belegt, als da wären dummes Gör oder Anarchistin oder Guthexin, um nur einige wenige zu nennen. Lauter Begriffe, über die sie sich jeweils ins Fäustchen lacht, beweisen sie doch vor allem die Verlegenheit ihrer Widersacher. Aber nicht aus Bosheit lacht sie, nein, sondern aus diebischer Freude, weil sie es nämlich besser weiß und sich einfach still dem Buchstaben widersetzt und schon lange nicht mehr mit der Welt hadert, wenn sie missverstanden wird.
Atuell ist sie damit beschäftigt, an ihrer 1957 erschienenen Autobiografie ein paar längst überfällige Änderungen vorzunehmen. Es treibt ihr die Schamesröte ins Gesicht, wenn sie daran denkt, über wie viele Jahre sie sich durch ihren besten Freund, den Raben Abraxas davon hat abhalten lassen. Vor den anderen Hexen hat er sie gewarnt, vor allem vor der Wetterhexe Rumpumpel, die sie Tag und Nacht beschattet, um nur ja nichts zu verpassen, das sich bei der Oberhexe petzten ließe. Ob sie nicht schon genug Ärger gehabt hätte, ob sie nicht einfach mal ein gemütlich-beschauliches Leben ohne ständige Auseinandersetzungen führen könnten, hat Abraxas immer wieder insistiert.
Aber schließlich hat sie sich nicht mehr abbringen lassen von ihrem Vorhaben. Seit einigen Wochen sitzt sie nun über dem Buch und wägt ab. Der Inhalt soll ja nicht verfälscht werden. Aber was genau ist der Inhalt? Sind es die Wörter, ist es die Geschichte, ist es deren Botschaft? Sie diskutiert mit Abraxas, der sich endlich ergeben hat und nun zum hilfreichen Mitdenker wird. Sie überlegen, dass die Wörter als Gefäß dienen, das die Geschichte transportiert. Das Gefäß ist das, was zuerst ins Auge fällt, worauf sich der Blick aber nicht konzentrieren soll, schließlich geht es um den Inhalt, also die Geschichte und/ oder deren Botschaft. Nicht wahr? So fragen sie sich.
Aber die Wörter sind so schön, seufzt Abraxas immer wieder. Was die kleine Hexe zu resolutem Widerspruch treibt. Sie sind nicht schön, ruft sie, sie sind nicht einmal wahr, und überhaupt, es sind doch nur so wenige, die wir ersetzen, das tut der Gesamtschönheit doch keinen Abbruch, im Gegenteil. Aber du selbst hast sie doch damals ausgewählt und aufgeschrieben. So leicht lässt Abraxas sich nicht überzeugen. Ja, das habe ich, gibt die kleine Hexe zu, und weißt du, warum? Weil ich schon immer naiv war. Aber naiv zu sein bedeutet nicht, zu keiner Einsicht fähig zu sein. Naiv zu sein heißt nicht, stur zu sein. So wie du es bist, Abraxas, fügt sie mit einem Zwinkern hinzu.
Es ist kein leichtes Unterfangen, und im großen Hexenbuch findet sich kein einziges Rezept, das sich in diesem Fall anwenden ließe. Die kleine Hexe schwitzt, und Abraxas rauft sich die Federn. Tag und Nacht arbeiten sie, bis sie endlich zu einem Ergebnis kommen. Es ist ein Kompromiss, meint die kleine Hexe. Aber ist es auch das Richtige?, fragt Abraxas. Das weiß ich nicht, sagt die kleine Hexe, kommt wohl drauf an, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet. Aber es fühlt sich richtig an, weil es gut ist. Glaube ich.
Du bist so naiv, sagt Abraxas. Ja, sagt die kleine Hexe und lacht sich mal wieder ins Fäustchen.

*

Ich habe in der ganzen Sache (noch) keine endgültige Position für mich gefunden. Die kleine Hexe war mein Lieblingskinderbuch, ich konnte mich sehr gut mit ihr identifizieren, kann das eigentlich bis heute. Es hat etwas mit ihrer Naivität zu tun und dem Wunsch, Gutes zu tun, fernab von moralischen Vorstellungen und auch fernab vom Wunsch nach Lohn oder Ruhm. 
Gerade weil dieses Buch zu meinen Lieblingen zählt und ich die Geschichte nach wie vor wunderbar finde, befürworte ich die minimalen Veränderungen, die nichts am Sinn der Geschichte verändern. Ich halte es aber auch für gut und wichtig, die Ursprungsversion zu erhalten sowie den gesamten Vorgang der Umschreibung, diesen vielleicht auch im Deutschunterricht zum Thema zu machen. 
Insgesamt bin ich für eine Prüfung im Einzelfall, wie das ja bisher geschieht. Die Vorgehensweise des Thienemann-Verlags empfinde ich jedenfalls als sehr sensibel und behutsam. Hier seine Stellungnahme.

*

Unter den vielen Artikeln zum Thema im Netz gefallen mir vor allem jene, die in einem persönlichen, undogmatischen Ton gehalten sind. Es gibt da ein paar wenige, die sich mir trotz ihrer gegensätzlichen Positionen grundsätzlich erschließen und mein eigenes Weiterdenken so zwar nicht vereinfachen, ihm aber dienen.
Aktuelle Beispiele u.a.
bei Melusine Barby (wo sich weitere interessante Links finden)
bei Alban Nikolai Herbst (wo sich allerdings für meinen Geschmack der Kommentarthread zu weit vom Thema entfernt bzw. dieses zu sehr ausdehnt)

Freitag, 18. Januar 2013

Dein Name

Ich maße mir nicht an 
dich mit dem Namen einzufangen 
der zwar deiner ist 
und den du selbst mir sagst 
den ich jedoch nie werde derart sprechen können 
dass jeder ohne Zweifel weiß 
ich meine dich 
ausschließlich dich

Donnerstag, 17. Januar 2013

Baustelle

Das vor einem halben Jahr von mir veröffentlichte Gedicht Beute, das ich damals als fertiggestellt betrachtet hatte, bekommt nun nochmal ein Gerüst und wird weiter bearbeitet. Ein wenig. 
Ich folge damit einigen mir einleuchtenden Anmerkungen von Alban Nikolai Herbst. Wer zuschauen möchte, kann dies tun, ich werde keine Zwischenbilanzen liefern, aber Bescheid sagen, wenn das (nächste) endgültige Ergebnis steht.

Weshalb schreibe ich über diesen Vorgang?
Weil ich erstaunlich finde, dass er zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem ich gerade über Textkritik in Kommentaren zum Zweck der Überarbeitung resümiert, jene zunächst für die Zukunft ausgeschlossen, mich dann aber doch wieder umentschieden hatte. Und prompt ...
So kann es gehen.

Montag, 14. Januar 2013

Diffus

Was ihr da angetragen wird - vom Leben, vom unbeschriebenen Blatt, vom unaufgeräumten Schrank - was ihr da angetragen wird, sie nimmt es hin und stapelt es hinter Rändern, die ihre Kontur tragen. Zuletzt bleibt kein Platz mehr für Luft, dann schließt sie erleichtert die Augen und vergeht. Vergeht? Komisches Ende, denkt sie und blickt misstrauisch auf die Tastatur. Die abgenutzten und die kaum benutzten Tasten. Die Zwischenräume, in denen die Geheimnisse stecken und die noch unerfundenen Zeichen. Sie rüttelt an etwas, das nicht da ist und das sie sich sehnlich herbeiwünscht. Hätte es einen Namen, sie würde ihn rufen. Den Hall ihrer Stimme schickt sie aus, er bleibt kleben an der Gewohnheit und den Gitterstäben der Zeit. Wohin mit dem Text ohne Textur? Wenn sie wenigstens wüsste, wo genau Drinnen ist und wo Draußen beginnt. Sie nähme sofort die Verzweiflung heraus, diese Luxusempfindung im warmen, hellen Zimmer mit den Kissen, den Pflanzen, dem Kaffeearoma und nicht zuletzt dem Fenster, das einen Blick auf ein krisenfreies Gebiet gewährt, dessen Wahrnehmung lediglich von ihrer eigenen Diffusität bedroht ist.

Sonntag, 13. Januar 2013

Von Ungesagtem, längst Gesagtem und Unsagbarem

- Warum sagst du nichts?
- Damit noch ein paar Worte für die Nachfolgenden bleiben.
- Sollen sie doch neue erfinden!
- Aber dann müsste erst Welt nachwachsen.
- Das tut sie doch, Tag um Tag.
- Sie wiederholt sich nur mit jeder Umdrehung.
- Beschreibe mir, was du siehst.
- Wenn du willst, lese ich's dir vor, aus diesem jahrhundertalten Buch.
- Das sind nicht deine Worte.
- Doch, das sind sie. Sie wurden mir genommen, lange vor meiner Geburt.
- Also macht dich das Lesen verstummen.
- Es beweist mir, dass ich nichts Neues, nichts Eigenes sprechen kann.
- Noch einmal: Beschreibe mir, was du siehst.
- Ein Fenster.
- Und dahinter?
- Einen Garten.
- Und dahinter?
- Die nahende Nacht.
- Und dahinter?
- Den nahenden Tag.
- Den siehst du bereits?
- Ich ahne ihn und wünsche, dass er eintreffen möge.
- Beschreibe mir, was du dir wünschst.
- Auch das könnte ich dir vorlesen.
- Kennst du dich selbst denn nicht?
- Ich erkenne mich im längst Gesagten.
- Noch einmal: Beschreibe mir, was du dir wünschst.
- Einen weiteren Tag.
- Wie wirst du ihn nutzen?
- Ich werde in meinen Büchern blättern.
- Würdest du mich zu einem Spaziergang begleiten?
- Das wage ich nicht!
- Was fürchtest du?
- Die wilden Tiere, die Räuber und die Ansteckungsgefahr.
- ...

(An dieser Stelle bricht das Gespräch mangels weiterer Ideen der Fragestellerin ab. Aufgrund der hoffnungslos scheinenden Situation wählt sie zwischen den verbleibenden zwei Möglichkeiten, die da aufblitzen als Verzweiflung und Albernheit, letztere. Sie denkt kurz an Horaz, erklärt sich dies nicht, legt sämtliche Buchstaben ab, steigt durchs Fenster hinaus in den Garten, von dort in die Nacht und weiter in den folgenden Tag.)

Mittwoch, 9. Januar 2013

Tier

Warst du nach außen gestülpt
blutiges Sehnen
einen Ausatem lang
kam dir die Nacht gelegen
das blickdichte Tuch
teiltest es mit einem Tier
schlaflos wie du
wart ihr Gefährten auf Zeit
und eure Spur im Schnee
trägt eine Zwillings-DNA

Montag, 7. Januar 2013

Ich habe nachgedacht

... und bin noch nicht fertig damit, deshalb ist dieser Post als Zwischenergebnis zu betrachten wie eigentlich alles Bisherige und vermutlich alles Weitere. Aber das ist etwas, das ich üben wollte, weil ich es nicht als Schwäche, sondern als Stärke ansehe und das ich inzwischen besser kann: Unfertiges hinauslassen. 

Worüber habe ich nachgedacht? 
Mal wieder über meine Bloggerei und diesmal speziell über den Aspekt des Kommentiertwerdens.

Anlass war ein Kommentar von Eva zu meinem letzten Text im vergangenen Jahr Mit Herz und Hand und Mund
Darin machte sie einen Verbesserungsvorschlag, den ich dann mehr oder weniger abblockte mit dem Hinweis, ich sei mittlerweile vom Überarbeiten meiner bereits im Blog veröffentlichten Texte abgekommen. 
Wer möchte, kann den kleinen Austausch nachlesen. Wir führten ihn noch per E-Mail weiter, und Eva stellte mir die berechtigte Frage, warum ich dann überhaupt veröffentliche. Oder was sie als Kommentar schreiben sollte.
Darüber habe ich lange nachgedacht. 

Die Intention meines Bloggens hat sich tatsächlich seit Beginn verändert. 
Vom geschlossenen, nur wenigen Lesern zugänglichen Blog mit kleinen Lyrik- und Prosatexten, die ich anfangs tatsächlich mit dem Wunsch nach einer Art Lektorierung einstellte (dem auch von verschiedener Seite entsprochen wurde) über die Öffnung des Blogs hin zu einem Austausch mit anderen Bloggern und Bloggerinnen, hin zu schrittweiser persönlicher Öffnung, hin zu einem anderen Schreiben, das mehr von mir zeigt und in dem ich selbst mehr von mir finde.
Ich zeige mehr von mir und bin dadurch empfindlicher. Aber das ist es nur zum Teil. 
Ich nehme auch zunehmend ernst, was an Worten den Weg zu mir und/oder aus mir findet. Manchen Texten horche ich selbst noch eine ganze Weile nach und ahne, wenn ich eine Korrektur vornähme, würde ich mir etwas vorenthalten. Nicht alle Texte sind und entstehen so, aber viele.

Um auf Evas Frage zurückzukommen: Warum veröffentliche ich dann überhaupt?
Es ist zum einen eine Art Selbsterprobung. Z.B.: Wieviel Öffentlichkeit vertrage ich? 
Zum anderen - und das gewann für mich im vergangenen Jahr zunehmend an Bedeutung - möchte ich teilen. Mitteilen, Anteil nehmen, Teilen. Mit anderen, von denen jede und jeder selbst aussucht, was sie oder er mitteilen, woran sie/er Anteil nehmen möchte. 
Ich persönlich empfinde dieses Teilen, wie es im Netz möglich ist, als befruchtend, erleichternd, anregend, aufregend, wärmend ... 
Ich glaube, das ist tatsächlich der aktuelle Grund, warum ich überhaupt veröffentliche. Und warum ich andere Blogs lese.

Zu Evas zweiter Frage: Was soll sie als Kommentar schreiben?
Alles! 
Ja, ich nehme zurück, was ich erwidert habe. Denn ich will lieber doch alles zulassen und dann im Einzelnen darauf reagieren. Alles andere würde dem widersprechen, was ich oben geschildert habe: 
Ernst zu nehmen, was kommt (nicht nur aus mir, sondern auch als Reaktion darauf). 
Teilen zu wollen. 
Und es ist ja nicht so, dass ich von Kommentaren überschwemmt würde, schon gar nicht von unfreundlichen, im Gegenteil.

Soweit meine unabgeschlossenen Gedanken, die ich als guten Auftakt für ein weiteres Jahr Bloggen empfinde.

Sonntag, 6. Januar 2013

Neu

Der Garten ist über die Ufer getreten, stellt sie fest. 
Wie die Wiese wogt, und das mitten im Winter. Ich werde auf Wellen reiten und im hohen Gras herumstreunen.
Sie schließt den Schuppen auf. Gartengerät und Boot warten dort, ihre Wahl fällt auf letzteres.
Mein Herz kennt wohl keinen Unterschied zwischen Grün und Blau, es klopft bei beiden gleich schnell,  nur weit müssen sie sein.
Wie oft sie schon die Segel gesetzt hat. Der Beginn eines neuen Jahres ist eine weitere Gelegenheit, die sie beim Schopf packt. Hinaus! Immer wieder hinaus.
Sie freut sich, wieder hier zu sein, in ihrem Hafengarten.
Vom Kaimauerzaun aus lässt sie den Blick schweifen.
Das gehört alles mir, staunt sie, und breitet die Arme aus.
Sie hat etwas mitgebracht von ihrer Reise. Kleine zarte Neugeburten, die gehegt werden wollen.
Sie wird sie in die Freiheit entlassen, wenn es soweit ist.
Ich bin reich, denkt sie und setzt einen Fuß über die Schwelle.